Archiv der Kategorie: Segelflug-News

Übersichtliche Kurznachrichten der Ereignisse im Segelflug.

Erfolgreich in der Blauthermik

Kaum aus Südfrankreich zurückgekehrt, stand für einen Teil der Vereinsmitglieder vom Luftsportverein Hörbach bereits das nächste fliegerische Highlight auf dem Programm: die traditionelle Wetzlarer Woche, seit vielen Jahren ein fester Termin im Kalender Ende April beziehungsweise Anfang Mai.

In diesem Jahr stellte der Verein die grösste Mannschaft des gesamten Wettbewerbs. Raphael und Felix gingen auf dem vereinseigenen Duo XLT an den Start, Basti, Robert und Johannes auf dem Verbands-Arcus. Sammy vertrat den Verein auf dem Astir, Paul auf seinem Cirrus und Christian auf dem Ventus 2cxT – damit war das Team in sämtlichen Klassen vertreten.

Wetterseitig zeigte sich die Woche von ihrer besten Seite: viel Sonne und an allen sieben Wertungstagen durchgehend fliegbare Bedingungen. Was jedoch häufig fehlte, waren die ersehnten Wolken als sichtbare Thermikanzeiger. Die anspruchsvolle Blauthermik forderte den Pilotinnen und Piloten daher einiges ab, an manchen Tagen kam zudem kräftiger Wind als zusätzliche Herausforderung hinzu.

Besonders spannend war der Wettbewerb für die beiden Nachwuchspiloten Sammy und Raphael, die ihren ersten Wettbewerb bestritten. Trotz einiger Aussenlandungen, die beide souverän meisterten, sammelten sie wertvolle Erfahrungen. Doch auch die erfahrenen Pilotinnen und Piloten mussten nicht selten auf den Turbo zurückgreifen, um die Aufgaben erfolgreich abzuschliessen.

Zu den sportlichen Höhepunkten zählte ein Tagessieg in der Doppelsitzerklasse am 27. April. Auch in der 18-Meter-Klasse mischte das Team konstant in den Spitzenrängen mit.

Die Endergebnisse konnten sich sehen lassen: Paul belegte Rang 7 in der Club-Comfort-Klasse, Sammy ebenfalls Rang 7 in der Club-Performance-Klasse. Raphael und Felix erreichten Platz 7 in der Doppelsitzerklasse, während Basti, Robert und Johannes dort einen starken dritten Platz sicherten. Christian komplettierte das erfolgreiche Abschneiden mit Rang 3 in der 18-Meter-Klasse.

Insgesamt kamen bei den Garbenheimern Fliegerkollegen mehr als 120 Flugstunden zusammen – allein der vereinseigene Duo verzeichnet bereits über 90 Stunden im Bordbuch in dieser Saison. Wie schon in den vergangenen Jahren überzeugte die Veranstaltung mit einer hervorragenden Organisation. Die Vorfreude auf die Wetzlarer Woche 2027 ist entsprechend bereits gross.

Fliegerclub Condor im Aufwind

Der Fliegerclub Condor in Antersberg ist mit idealen Bedingungen in die neue Flugsaison gestartet. Zahlreiche sonnige Tage und gute thermische Verhältnisse sorgten bereits für einen gelungenen Auftakt und viele eindrucksvolle Flüge. Entsprechend positiv ist die Stimmung unter den Pilotinnen und Piloten sowie den Flugschülern.

Auch organisatorisch und infrastrukturell entwickelt sich der Verein stetig weiter. Ein zentrales Projekt, das sich bereits in vollem Gange befindet, ist das LEADER-Förder-Programm. In dessen Rahmen wird ein neues Schulungsflugzeug angeschafft, das gegen Ende der Saison erwartet wird. Ergänzend dazu wird ein moderner Flugsimulator eingeführt, der die Ausbildung der Flugschüler künftig noch effektiver und praxisnäher gestalten soll.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der nachhaltigen Modernisierung der Energie-Versorgung. Derzeit wird die elektrische Infrastruktur umfassend erneuert. Mit der Installation einer Photovoltaikanlage und eines leistungsstarken Speichersystems strebt der Verein eine nahezu autarke Stromversorgung an und setzt damit ein klares Zeichen für Umweltbewusstsein und Zukunftsfähigkeit.

Besonders erfreulich ist die große Zahl an neuen Flugschülerinnen und Flugschülern, die den Weg zum Fliegerclub Condor gefunden haben. Das anhaltend hohe Interesse zeigt, dass der Segelflug nichts von seiner Faszination verloren hat und weiterhin viele Menschen begeistert. Die starke Jugendarbeit wurde nun das zweite Jahr infolge mit dem Peschke-Jugendförderpreis des Luftsportverband Bayerns ausgezeichnet.

Mit diesem positiven Start und den vielversprechenden Projekten blickt der Fliegerclub Condor optimistisch auf die weitere Saison und freut sich auf zahlreiche erfolgreiche Flugtage.

Pilgerreise nach Südfrankreich

Der Aero-Club Bad Nauheim hat seine Flugsaison 2022 in Sisteron, in den französischen Alpen, eröffnet. Seit über 40 Jahren nutzt eine Gruppe von Piloten des Vereins den Flugplatz Ober-Mörlen als Ausgangspunkt für diese Reise. Ende März reisten zehn Piloten mit sechs Fahrzeugen und sechs Segelflugzeugen in die Provence.

Die Region um Sisteron bietet aufgrund ihrer topografischen Beschaffenheit, die von flachen Ebenen über Bergseen bis hin zu Gletschern reicht, vielseitige Flugbedingungen. Diese ermöglichen Flüge bei unterschiedlichen Wetterlagen, sei es durch thermische Aufwinde an den Bergen, Hangwinde oder Leewellen, in denen Höhen von bis zu 6.000 Metern erreicht wurden.

Während des Aufenthalts standen tägliche Flüge im Mittelpunkt. Die Piloten absolvierten Flüge in der Lure-Welle, Hangflüge am Parcours des Combattants und in den Baronnies. Ein Team nutzte die Gelegenheit für Flüge in der Region um den Mont Blanc und das Matterhorn.

Neben den fliegerischen Aktivitäten organisierten die Teilnehmer gemeinsame Abendessen in ihren Unterkünften. Aufgrund ungünstiger Wetterprognosen für die letzten Tage wurde die Rückreise einen Tag früher als geplant angetreten.

Hauptversammlung der Fluggruppe Neuburg

Die Fluggruppe Neuburg e.V. hat am 20. März 2026 ihre Jahreshauptversammlung abgehalten. Der Erste Vorsitzende Wolfgang Hesche gab einen Überblick über das vergangene Vereinsjahr. Trotz des Neubaus der Halle bestätigte der Kassenbericht eine stabile wirtschaftliche Basis.

Die Bauarbeiten am Vereinsgelände sind weitgehend abgeschlossen. Die Einweihungsfeier ist für den 9. Mai 2026 geplant. Zudem wurden aktuelle Flugstatistiken präsentiert und die Nutzungsordnung des Flugplatzes ND-Zell erläutert, um einen sicheren Flugbetrieb zu gewährleisten.

Ein wichtiges Thema war der Lärmschutz, zu dem der Lärmschutzbeauftragte Thomas Archinger ein Briefing hielt. Der Vorstand betonte die Wichtigkeit eines rücksichtsvollen Flugbetriebs gegenüber den Anwohnern.

Zum Abschluss wurden Ehrungen vorgenommen. Renate Mäußl erhielt den Pokal für die größte Jahresgesamtleistung an Flügen auf Vereins-Segelflugzeugen. Für ihren Einsatz beim Hallenbau wurden Peter Unglert und Karl-Heinz Förg mit der silbernen Vereins-Ehrennadel ausgezeichnet. Auch der Erste Vorsitzende Wolfgang Hesche erhielt diese Auszeichnung für die Planung und Organisation des Bauprojekts.

EASA-AD beschränkt Betrieb der Diana 2

Die EASA hat am 3. April 2026 eine Airworthiness Directive (AD 2026-0068) für das Segelflugzeugmuster Diana 2 erlassen. Diese schränkt die Betriebsgrenzen ein. Die maximale Abflugmasse wird von 500 auf 297 Kilogramm reduziert, die zulässige Höchstgeschwindigkeit sinkt von 270 auf 265 km/h. Auch für die Manöver- und Böengeschwindigkeit gelten vorerst geringere Limits.

Ursache für die AD ist ein Vorfall während der Vorbereitungen für die Zertifizierung der FES-Version. Bei einem statischen Bruchtest im Rahmen eines Service-Life-Extension-Programms versagte ein Flügel bei 147,5 Prozent der geforderten Last. Obwohl der Wert nur knapp unter der geforderten Sicherheitsmarge von 150 Prozent lag, reagierte die EASA mit den erwähnten Beschränkungen.

Der Hersteller Avionic plant eine Verstärkung der Flügelkonstruktion. Statische Tests der modifizierten Flügel sind für Juni 2026 angesetzt. Die Produktion soll zum Jahres-Wechsel beginnen. Laut Angaben des deutschen Ansprechpartners Kevin Szostok von fliegerasse.aero erhalten Avionic-Direktkunden den Tausch kostenfrei. Halter, die ihre Flugzeuge noch vom vorherigen Hersteller Bereś erworben haben, sollen einen Vorzugspreis erhalten.

Offen ist hingegen die Situation bei französischen PtF-Zulassungen (Permit to Fly). Die EASA hat signalisiert, unter den aktuellen Bedingungen keine Flugfreigaben für PtF zu verlängern oder neu auszustellen. Avionic sucht hier nach einer Lösung.

Verwirrung um Segelflug-Bundesliga

Die Segelflug-Bundesliga sorgt in der aktuellen Saison für Irritationen bei den teilnehmenden Vereinen. Nachdem der LSV Rinteln in der zweiten Runde auf Platz 18 landete, wurde bekannt, dass die ehemalige Plattform Online-Contest (OLC) ihren Betrieb überraschend bis Ende 2026 fortsetzt. Dies führt zu einer zweigleisigen Liga-Struktur.

Der OLC teilte mit, dass durch eine unerwartete Spende alle Funktionen der Plattform bis zum Ende der Saison 2026 gesichert seien. Auch die OLC-Liga-Wertungen für die Nordhalbkugel, die von Anfang Mai bis Ende August laufen, wurden wieder aktiviert. Lediglich der Helpdesk werde aufgrund von Personalmangel eingestellt. An der langfristigen Planung, die Segelflugszene gGmbH aufzulösen, halte man jedoch fest.

Diese kurzfristige Ankündigung führte bei Vereinen wie dem LSV Rinteln zu Problemen. Da die Information spät eintraf, verpassten einige Piloten die Frist, ihre Flüge bis 10 Uhr am Folgetag beim OLC hochzuladen, und gingen leer aus. Zuvor hatten viele Vereine ihre Flüge bereits auf anderen Plattformen eingereicht.

Die parallele Existenz zweier Wertungssysteme dämpft die Motivation der Piloten spürbar. Der LSV Rinteln erwägt nun, ab der kommenden Runde zweigleisig zu fahren, da auch andere Vereine ihre Flüge auf beiden Plattformen melden. Das ständige Hin und Her wird von den Beteiligten zunehmend kritisch gesehen.


Es lohnt es sich ausserdem, den Insider-Kommentar von Heiko Hertrich, der sich jahrelang für den OLC eingesetzt hat, zu kennen. Lesen Sie dazu seinen Kommentar ganz unten an diesem Artikel hier. (Red.).

YES-Tag der SG Basel Fricktal

Im Rahmen des 125-Jahr-Jubiläums des AeCS führte die Segelfluggruppe Basel Fricktal erstmals einen YES-Tag am Flugplatz LSZI Fricktal-Schupfart durch. Der ursprünglich für den 12. April geplante Anlass musste wetterbedingt verschoben werden – am 26. April konnte er bei idealen Bedingungen mit sechs motivierten Jugendlichen nachgeholt werden.

Nach dem gemeinsamen Briefing durch den Fluglehrer erhielten die Teilnehmenden im Theorieteil eine Einführung in die Grundlagen des Segelflugs: Wie ein Segelflugzeug startet, über längere Zeit in der Luft bleibt und präzise wieder gelandet wird. In der anschliessenden Hangarführung kam es für viele zum ersten direkten Kontakt mit einem Segelflugzeug – inklusive Cockpit-Einblick, Fallschirm- und Sitzprobe sowie Flugzeug-Check.

Gestärkt durch ein gemeinsames Mittagessen am Grillplatz mit zahlreichen mitgebrachten Beiträgen aus dem Verein, folgte am Nachmittag das Highlight: ein Flug im Doppelsitzer DG-1001. Dabei erlebten die Jugendlichen hautnah die direkte Steuerung, die Dynamik der Luftmassen und den Blick aus der Vogelperspektive. Auch ein Looping konnte – bei optimalen Bedingungen – demonstriert werden.

Zum Abschluss erhielten die Teilnehmenden ihre Zertifikate und traten sichtlich beeindruckt den Heimweg an. Einige Eltern hätten den Platz wohl am liebsten ebenfalls vom Cockpit aus erlebt.

Segelflug-Elite in St. Johann

Vom 1. bis 9. Mai wird der Flugplatz St. Johann in Tirol erneut zum Zentrum des europäischen Streckensegelflugs. Beim Kitzbüheler Alpenpokal treten rund 40 Spitzenpilotinnen und -piloten aus mehreren Ländern gegeneinander an.

Der Wettbewerb, organisiert vom Fliegerclub St. Johann gemeinsam mit dem Österreichischer Aeroclub, hat sich zu einem festen Bestandteil des internationalen Segelflugkalenders entwickelt. Entsprechend hoch ist die Bedeutung der zu vergebenden IGC-Punkte, die für Qualifikationen zu Europa- und Weltmeisterschaften sowie für das Grand-Prix-Format entscheidend sind.

Auch sportlich ist das Feld hochklassig besetzt: In der 18-Meter-Klasse zählen die österreichischen Top-Piloten Michael Rass und Guido Achleitner zu den Favoriten. Herausgefordert werden sie unter anderem von ihrem Vereinskollegen Martin Embacher. In der 114er-Klasse kämpfen unter anderem Erich Hinterholzer sowie Nachwuchspilotin Klara Neumayr um vordere Platzierungen.

Geflogen wird an bis zu neun Wertungstagen über den Alpenraum. Die Aufgaben können Distanzen von bis zu 700 Kilometern erreichen – mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 150 km/h im reinen Segelflug.

Auch für Zuschauer bietet der Wettbewerb eindrucksvolle Einblicke: Täglich ab etwa 10 Uhr beginnt das Startprozedere, bei dem moderne Hochleistungssegler wie die Schleicher AS 33 oder die Schempp-Hirth Ventus 3 zu sehen sind. Live-Tracking und fachkundige Kommentare vor Ort ermöglichen es, das Renngeschehen in Echtzeit zu verfolgen. Die oft spektakulären Zielankünfte nach mehreren Stunden Flug stellen dabei auch hohe Anforderungen an die Bodenorganisation, die routiniert abgewickelt wird.

Aufgrund des Wettbewerbsbetriebs mit erhöhter Startfrequenz ist der Flugplatz während der Veranstaltungswoche für den allgemeinen Flugbetrieb gesperrt.

-> Aufgaben und Ergebnisse

Vogelschutzgebiete korrekt umfliegen

Verhandlungen durch „good airmanship“ unterstützen
Aus der Haut-Provence ist zu erfahren, dass seit Längerem intensive Gespräche zwischen den regionalen Segelflugplätzen und den Vertretern der grossen Vogelschutz-Gebiete laufen (Vanoise & Mercantour). Ende Mai ist eine weitere Besprechungsrunde angesagt und wir können im Idealfall damit rechnen, dass auf Anfang Juni dieses Jahres zumindest im für uns einschränkendsten Schutzgebiet der Vanoise zwei zusätzliche Korridore für uns Segelflieger eröffnet werden. Der bisherige Korridor ist jeweils ab 15. Mai geöffnet.

Keine Einflüge. Wirklich kein einziger.
Die wichtigste Bedingung für zusätzliche Korridore ist eine absolute Respektierung dieser Lufträume durch die Segelflieger. Von Seiten der Schutzgebiete besteht für unerlaubte resp. zu tiefe Durchflüge eine absolute Nulltoleranz. Das heisst, dass sich alle Piloten an die Einhaltung der Überflughöhen halten müssen, denn sonst gehen diese Korridore nicht auf oder werden wieder geschlossen.

Auf das Wesentliche Fokussieren
Die häufigen Einflüge sind im Übrigen der einzige Grund dafür, weshalb diese Korridore nicht bereits 2025 zur Verfügung standen. Es ist also nicht zielführend, weiter über Sinn oder Unsinn von Schutzgebieten zu lamentieren. Der Staat ist hier definitiv am längeren Hebel und wir tun uns selber einen Gefallen, unsere Energie auf das konsequente Einhalten der Lufträume zu fokussieren.

Dieser dringende Appel richtet sich ausnahmslos an ALLE Segelflieger, welche in den französischen Hochalpen unterwegs sind.

Vogelschutzgebiet Vanoise:

Vanoise: rot markiert sind die beiden ab 15. Mai für Segelflugzeuge nutzbaren Gebiete der Vanoise. Sie sind allerdings dermassen kleinräumig und thermisch an der „falschen“ Stelle plaziert, dass sie uns kaum helfen, sicher das Gebiet zu durchqueren.

Vogelschutzgebiet Mercantour:

Nationalpark Ecrins:

Parco Nazionale Gran Paradiso:

Schutzgebiet Vercors / Glandasse:

Damit Sie im Cockpit zur sicheren Identifikation der Lufträume nicht mit meist zu grossräumigen Karten hantieren müssen, empfehlen wir Ihnen den Download der aktuellen Luftraumdaten Frankreichs (mit aktiven Korridoren), welche Sie in Ihr Moving Map-System einspeisen können.

Zweimal durch das Bündnerland

Autor: Andreas Hüppi

Die zahlreichen Teilnehmer erschienen pünktlich um 08:45 Uhr zum Briefing des Glider Cups. Aufgrund des grossen Andrangs wurde der Task 21 – ein 146 Kilometer langes Dreieck (Durschlegi, Schweizer Tor, Lenzerheide) – gewählt, damit zwei Durchgänge möglich waren. Die erste Gruppe sollte gegen 11:00 Uhr starten und nach rund drei Stunden zurückkehren, um das jeweilige Flugzeug für das zweite Pilotengespann freizugeben.

Die Wetterprognose meldete gute Steigwerte und eine Basishöhe zwischen 3000 und 3600m. Es wurde jedoch darauf hingewiesen, dass die Prognosemodelle den noch reichlich liegenden Schnee eventuell nicht korrekt berücksichtigten, wobei die Bedingungen der vergangenen Tage gute Flugverhältnisse bestätigten. Zur Sicherheit aller Teilnehmer wurde nochmals explizit auf die Gefahren beim Pulkfliegen und die schlechte Sichtbarkeit von Segelflugzeugen vor weissem Hintergrund hingewiesen. Eine aufmerksame Luftraum-Überwachung war oberstes Gebot: „Augen raus und nicht zu lange auf den Instrumenten verweilen„.

Nachdem das Ausräumen und Aufrüsten der Flugzeuge zügig abgeschlossen waren, starteten die ersten Paarungen. Armin und ich, für die zweite Runde eingeteilt, nutzten die Wartezeit für strategisches Kaffeetrinken, halfen beim Schieben der Flieger und verstauten den Fox im Anhänger. Durch die Beobachtung der gestarteten Flugzeuge auf GlideAndSeek gewannen wir regelmässig Eindrücke von den wirklichen Verhältnissen und glichen im Kopf schon mal Prognose und Wirklichkeit ab.

Wie abgesprochen, landete der uns zugeteilte Flieger zügig nach seiner Umrundung und wir konnten mit den Flugvorbereitungen beginnen. Das Cockpit wurde mit Karten, Getränken und allem Nötigen aufgerüstet. Für eine ideale Balance des Flugzeuges füllten wir zudem vier Liter Heckwasserballast ein. Zügig ging es zum Start, direkt hinter Ernst und Fredi, die ebenfalls ihre Umrundung in Angriff nahmen. Unser Start um etwa 15.00 Uhr versprach bereits gut entwickelte Thermik und damit einen gewissen Vorteil gegenüber der ersten Gruppe. Wir liessen uns auf 2600m in die Nähe des Startpunktes schleppen und wollten keine Zeit mit dem Höhenaufbau verschwenden, um nach der Umrundung eventuell noch Zeit für eine Verlängerung des Fluges zu haben – schliesslich wollten wir rechtzeitig zum Grillabend zurück sein. Das Abendessen gehört eben auch zur fundierten Streckenflugplanung.

Nach dem Klinken flogen wir schnurstracks zum Startpunkt, wo Armin seinen mittlerweile legendären Turmsprung-Start vollführte. Bei freiem Luftraum und einem kurzen Tauchflug überquerten wir die Startlinie mit 200 km/h auf 2400m. Nach dem anschliessenden Hochziehen fehlten zwar 50m, doch als minimale Zielankunftshöhe konnten wir 1400m vermerken. Mit MacCready auf 1.3 und einem definierten Vorfluggeschwindigkeits-Fenster von 130 bis 160 km/h übernahm ich mit einem kurzen „my controls“ das Steuer und los ging es.

Unsere Strategie sah vor, das Ende der Churfirsten auf einer Höhe von 2600m zu erreichen und so den Sprung über das Rheintal zu wagen. Armin fungierte dabei als menschgewordener Flugcomputer und versorgte mich laufend mit wertvollen Informationen zu Bergen, Aufwinden und seinem grossen Erfahrungsschatz. Ich konzentrierte mich darauf, die Krete bis zum Gamsberg millimetergenau abzufliegen. Dabei versuchte ich, jegliches Steigen mitzunehmen, ohne beim Delphinflug zu spät oder in fallenden Luftmassen zu beschleunigen.

Der erwartete Aufwind am Gamsberg blieb leider aus oder hatte bereits das Weite gesucht, weshalb wir gezwungen waren, die Höhe bei mittlerem Steigen in der Nähe des Alviers aufzubauen. Armin überraschte mich dann mit dem Vorschlag, anstatt über den Vilan, die Route über Liechtenstein zu wählen. Da am Ochsen- und Fundelkopf vielversprechende Cumulanten warteten, war ich schnell überzeugt. Das Rheintal war rasch gequert und die nötige Höhe an erwarteter Stelle gewonnen. Zügig flogen wir nördlich an der Schesaplana und dem smaragdgrünen Lünersee vorbei, direkt zum ersten Wendepunkt, dem Schweizer Tor.

Der Glider Cup Flug vor zwei Wochen hatte gezeigt, dass sich der Umweg über die Madrisa lohnen könnte. Daher folgten wir der tragenden Linie über die Drusenfluh und St. Antönien zur West- und Südflanke der Madrisa, um nochmals Höhe zu tanken. Von dort ging es weiter Richtung Lenzerheide, wobei sich in der Nähe der Fideriser Heuberge erneut eine vielversprechende Wolke aufbaute. Armin übernahm und schürte den Schlauch mit viel Geschick. Unter uns sahen wir auch Fredi und Ernst mit der SL in den gleichen Bart ca. 300m tiefer einfliegen. Nach zwei weiteren Umdrehungen waren es nur noch 200m, dann 150m. Etwas konnte hier nicht stimmen und wir versetzten unseren Kreis über die Position von SL, so blieb der Abstand nun konstant. Gemeinsam ging es weiter.

Die Resthöhe sollte ausreichen, um den zweiten Wendepunkt Lenzerheide auf direktem Kurs anzusteuern. Das LX unterstützte uns bei der exakten Linienwahl und wir verschenkten kein Grad Kursabweichung. Meine Intuition hätte mich nach dem Einflug in den Sektor direkt zum Lenzerhorn geführt, doch Armin wies mich höflich, aber bestimmt auf die Wolke direkt vor meiner Nase hin. Er sollte recht behalten: Über dem Piz Scalottas ging es gewaltig nach oben. Sein Entscheid wurde mit integriertem Steigen von 3 m/s belohnt, wobei das Variometer zeitweise am Anschlag stand. Schliesslich meldete sich die nette Dame aus dem LX mit dem Hinweis „Task on final glide“. Armin hatte mir bei der vergangenen Winterarbeit folgenden Tipp gegeben: Man sollte eine Marge von 100m pro 10km Endanflug einplanen. Da sich dies bei Online-Wettbewerben im Segelflugsimulator immer bewährt hatte, bauten wir zusätzlich noch 500m Sicherheitshöhe auf, um dann mit „Nachbrenner“ zurück zur Durschlegi zu fliegen.

Meine Aufgabe bestand nun darin, mit voller Konzentration, auf einer tragenden Linie und den Luftraum im Auge, die Kiste mit 200 km/h Richtung Durschlegi zu manövrieren. Auf Höhe Pizol, bei der geschickten Anwendung von Parallaxen, wurde mir vom hinteren Sitz eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 96 km/h verkündet. Die 100 km/h Schallmauer lag plötzlich in Reichweite. Dies klingt für den erfahrenen Streckenflugpilot nun nicht nach Rekord, ist für den einen Pilotenneuling, der bis anhin selten 70 km/h erreichte, aber eine Marke. Die Ankunftshöhe von 1900m beim Durchflug durchs Ziel und das anschliessende Abbauen der Geschwindigkeit reichte dann direkt, um den nächsten Schlauch am Mattstock zu bändigen. Als Armin dann das Steuer übernahm, lehnte ich mich entspannt zurück und dachte nur: Was für ein “geiles” Hobby!

Ein Abstecher führte uns anschliessend nochmals zurück nach Davos, wo mir Armin den Übergang von der Madrisa zur Nuna und zurück zeigte. Die Wissensdatenbank und die Anzahl der gespeicherten Bergnamen in seinem Kopf scheinen unendlich zu sein. Ich muss gestehen, dass mein eigener Speicher irgendwann überlief und ich mir die vielen Bergnamen, Abstechhöhen und Standardrouten nicht mehr alle merken konnte. Schlussendlich ging es nun direkt zurück nach Schänis.

Meine grösste Sorge galt fortan nicht mehr dem Fliegen, sondern dem Gedanken, dass das gemütliche Grillfest bereits begonnen haben könnte und die Würste schon alle weg sein könnten. Dem war zum Glück nicht so, und wir konnten den Abend gemeinsam bei einem gemütlichen Abendessen und hervorragendem Dessert ausklingen lassen.

An dieser Stelle bedanke ich mich bei Armin für das fantastische Coaching, Reto für den Einkauf und Abwasch, Roland für die Auswertung, Viktoria für das Dessert und bei allen Fluglehrern und Coaches für ihre Zeit und ihr Engagement. Dies ist nicht selbstverständlich.

Rangliste nach zwei GliderCup-Tagen:

Training auf Weltklasseniveau

Am französischen Leistungszentrum Centre National de Vol à Voile (CNVP) in Saint-Auban hat die zweite Ausgabe der Segelflug-MasterClass erneut eindrucksvoll gezeigt, wie anspruchsvolles Training, internationale Expertise und kameradschaftlicher Austausch zusammenfinden.

Den Auftakt bildete ein Vortrag von Baptiste Innocent, der die Teilnehmenden mitnahm auf seine spektakulären Flüge über Korsika, Italien und Sardinien. Praxisnah und analytisch zugleich vermittelte er wertvolle Einblicke in Streckenflugstrategie und Entscheidungsfindung unter anspruchsvollen Bedingungen.

Im Anschluss stellte sich das Wetter als taktischer Gegenspieler dar: Ein aktiver Ostwind über Seyne und Ubaye sowie aufziehende Niederschläge verlangten nach präziser Planung. Der Nationaltrainer entwickelte daraufhin eine ideale Ausweichroute – Ergebnis war ein 337-Kilometer-Flug mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 120 km/h. Ein Tag, der die Bandbreite des Segelflugs widerspiegelte: von konzentrierten Hochphasen bis hin zu kritischen Tiefpunkten.

Auch der sportliche Rückblick kam nicht zu kurz: Kévin Faur und Maximilien Seis blickten auf ihren Erfolg beim Grand-Prix-Finale im vergangenen August in Saint-Auban zurück und ordneten ihre Erfahrungen in den Trainingskontext ein.

Trotz wechselhafter Bedingungen nutzten viele Pilotinnen und Piloten die Gelegenheit, gezielt an ihrer Technik zu arbeiten. Ergänzt wurde das Flugprogramm durch einen Fachvortrag von Uys Jonker, der Einblicke in die Flugerprobung moderner Segelflugzeuge gab und den Bogen von der Entwicklung zur praktischen Anwendung spannte.

Ein weiterer Höhepunkt war der Beitrag von Katrin Senne. Die zweifache Weltmeisterin schilderte eindrücklich ihren Werdegang und machte deutlich, welchen Mehrwert die MasterClass bietet: Lernen auf höchstem Niveau, persönliches Wachstum und intensive gemeinsame Erlebnisse.

Der Abschlusstag stellte die Teilnehmenden nochmals vor eine anspruchsvolle Aufgabe: Ein dreieinhalbstündiges Assigned Area Task (AAT) bei zunächst guten Bedingungen, bevor eine Südwestfront den Himmel zunehmend schloss. Dennoch erreichten viele Piloten eindrucksvolle Höhen von bis zu 4’000 Metern im Bereich des Galibier – ein Beleg für das hohe Leistungsniveau innerhalb der Gruppe.

Neben dem fliegerischen Anspruch überzeugte die Veranstaltung auch durch ihren Teamgeist. Beim gemeinsamen Abschlussabend herrschte eine entsprechend gelöste und begeisterte Stimmung – viele der Teilnehmenden kündigten bereits ihre Rückkehr zur nächsten Ausgabe an.

Die MasterClass richtet sich gezielt an erfahrene Pilotinnen und Piloten, die ihre Fähigkeiten weiterentwickeln möchten. Das sechstägige Programm kombiniert Tandemflüge, Theorieeinheiten, detaillierte Fluganalysen sowie strukturierte Wetterbriefings. Betreut werden die Teilnehmenden von einem hochkarätigen Instruktorenteam, zu dem neben Baptiste Innocent und Uys Jonker auch Persönlichkeiten wie Jean-Marc Caillard, Eric Bernard und Éric Napoléon zählen.

Als Trainings- und Ausbildungszentrum in enger Zusammenarbeit mit dem Fédération Française de Vol en Planeur erfüllt das CNVP zentrale Aufgaben in der Förderung des Segelflugs: von der Betreuung der Nationalmannschaft über die Ausbildung von Fluglehrern bis hin zur internationalen Trainingsarbeit.

Mit Blick auf die bevorstehenden Welt- und nationalen Meisterschaften bleibt festzuhalten: Die MasterClass von Saint-Auban ist weit mehr als ein Lehrgang – sie ist ein intensives, internationales Forum für Leistung, Lernen und Leidenschaft im Segelflug.

Nachlese zum Segelfliegen in Fuentemilanos

Peter Stahl von der SFG Siemens München e.V. reiste im Sommer 2025 mit seiner ASH 26E „GA“ zum Flugplatz Fuentemilanos in Spanien. Der Aufenthalt war von Blauthermik und hohen Temperaturen geprägt. Bei Basishöhen von über 3.000 Metern waren die Bedingungen im Flugverlauf gut zu bewältigen.

An einigen Tagen zeigten sich die guten Bedingungen der Region, was Streckenflüge von rund 800 Kilometern mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 125 km/h ermöglichte. Die erhoffte „1000 km Wetterwoche“ trat jedoch erst nach Stahls Abreise Anfang August ein.

Neben dem Segelfliegen bietet die Region Kastilien Ausflugsziele, und auch die Hauptstadt Madrid ist erreichbar. Die Anbindung an Madrid über Fluglinien und den Schnellzug nach Segovia macht Fuentemilanos auch für kürzere Aufenthalte interessant. Zusammenfassend bewertet Stahl den Aufenthalt als gelungenen Fliegerurlaub, auch wenn die angestrebten 1000-Kilometer-Flüge nicht realisiert wurden. Weitere Informationen zu Fuentemilanos finden Sie hier auf der Webseite des Flugplatzes.

Wenn Pilot und Maschine hochdrehen

Motorisierte Segelflugzeuge sind keine exotische Ausnahme mehr. Die Mehrzahl der heute ausgelieferten Segelflugzeuge verfügt über ein Triebwerk – entweder als eigenstartfähiger Motor oder als Heimkehrhilfe. Diese Flugzeuge ermöglichen, neue Horizonte zu entdecken, in bisher unerschlossene Fluggebiete vorzustossen, Neuland zu entdecken. Flüge, welche z.B. den Alpenbogen mit den Pyrenäen verbinden, durch komplizierte Lufträume führen und abends am Startort enden, werden häufiger.

Eigenstarter ermöglichen eine neue Art des Segelfliegens. Gut trainierte Pilot/-innen erreichen damit neue Fluggebiete – mit gleichbleibenden Start- und Landeort oder auf einem Wander-Segelflug in völlig neue, bisher unerreichbare Regionen.

Anpassung an die Gesellschaft
Die Anbieter reagieren mit ihrem Sortiment an motorisiertem Flugmaterial auch auf veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen: Niemand möchte mehr wegen einer Aussenlandung wichtige Termine verpassen oder den Familien-Anlass durch unverhoffte Abwesenheit in Frage stellen. Triebwerke sollen Unabhängigkeit und Sicherheit zugleich bieten. Diese Erwartung hält einer nüchternen Betrachtung aber nur stand, wenn Pilot und Maschine gut aufeinander eingespielt sind.

Auf diesem Flug haben wir das Rhonetal am gleichen Tag zweimal durchquert – man erkennt auf dem Bild, wie weit die Querung ist und mit welcher Luftmasse man es dabei manchmal zu tun bekommt. Würden Sie eine solche Querung, die am Ende nahe an den Boden führen wird, ohne HIlfstriebwerk wagen?

Eine «andere Sportart» lernen
Der Umstieg auf ein motorisiertes Segelflugzeug ist mehr als die Erweiterung des bisherigen Könnens. Es ist das Erlernen einer neuen Disziplin. Wer als guter Segelflieger in einen Eigenstarter einsteigt, ohne sich mit den spezifischen Anforderungen vertieft auseinanderzusetzen, unterschätzt meist die Komplexität des Gesamt-Systems.

Das beginnt schon bei der Ausbildung. Eine seriöse Einweisung auf den jeweiligen Typ ist Pflicht, nicht Option. Sie umfasst nicht nur das Starten und Abstellen des Motors, sondern auch den Umgang mit Fehlfunktionen, die Kenntnis der (desolaten) Flugleistungen mit ausgefahrenem und stilltehendem Triebwerk und das Üben von Notfallszenarien. Der dümmste Satz, den ich zu diesem Thema je gehört habe, beginnt in etwa mit den Worten «kannst Du mich schnell auf den ‘Eigenstarter xy’ einweisen»? Oft stellen Sie Menschen, deren fliegerisches Talent indirekt proportional zu den verfügbaren finanziellen Mitteln stehen. Und meistens wäre der Fragesteller mit einem einfacher bedienbaren Flugzeug besser bedient gewesen.

Sogar Wochenend-Ausflüge nach Südostfrankreich werden mit Eigenstartern dank ihrer Unabhängigkeit vom Startbetrieb fast zur „Normalität“.

Üben hilft
Hat man die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, ist regelmässiges Training, das die erlernten Abläufe automatisiert, ein zielführendes Konzept. Ein Flug pro Jahr mit einem Eigenstarter- oder Hilfsmotorsystem reicht nicht, um es sicher bedienen zu können, vor allem, wenn man aus irgendwelchen Gründen einmal die regulären Verfahren verlassen muss. Nur eingespielte Handlungen stehen in Stresssituationen zuverlässig zur Verfügung. Das ist übrigens der Grund, warum jede Armee der Welt ihre Soldaten stundenlang und vermeintlich sinnlos an ihren Gewehren herumhantieren lässt, damit sie unter enormem Stress und Lärm überhaupt noch irgendwie «funktionieren».

Die Technik selbst ist ein weiterer Faktor. Motorsegler werden in kleinen Stückzahlen gefertigt. Konstruktionen, die eher an Prototypenbau einer Manufaktur als an zertifizierte Serienfertigung erinnern, knifflige Ein- und Ausfahrmechanismen, lange Standzeiten, starke Vibrationen und grosse Temperatur- sowie Luftdichte-Unterschiede zwischen Start- und Flughöhe belasten die Systeme. Anfangs fielen bei 30 Prozent der Eigenstarts das Triebwerk im Flug aus, obwohl der Probelauf am Boden zuvor erfolgreich war. Ebenso häufig traten auch Schäden am Flugzeug auf, welche auf den Motorbetrieb zurückzuführen waren.

Zuverlässiger als auch schon
Ein Motor ist kein Sicherheitsnetz. Er ist ein Hilfsmittel, das funktionieren kann – aber nicht muss. Inzwischen hat sich die Situation verbessert, selbst die Zweitakt-Antriebe funktionieren zuverlässiger, neuerdings werden die Vibrationen dieser «wilden Gesellen», gezielt gedämpft. Damit wirken die Hersteller (endlich) einer der Hauptursachen von Motorpannen aller Art entgegen.

Normaler Landeanflug, alles ist für eine saubere Landung „angerichtet“.

System-Overload im Cockpit
In kritischen Flugphasen steigt die Arbeitsbelastung des Piloten an. Der reguläre Startvorgang ist ein Beispiel dafür. Er verlangt nämlich gleichzeitig:

  • Die richtige Wölbklappenstellung wählen
  • Den Gashebel so dosiert bedienen, dass das Flugzeug zu Startbeginn nicht auf das Bugrad fällt
  • Den Flügel durch Ruderwirkung und Flügelrädchen vom Boden aufnehmen (wenn keine Hilfsperson z.Vf. steht).
  • Die Motordrehzahl überwachen
  • Seitenwindkorrekturen machen, Pistenrichtung halten
  • Vor dem Abheben die Klappenstellung auf positiv umwölben

Kommt jetzt zu diesen Anforderungen an den Piloten eine überraschende Fehler-Meldung der elektronischen Motorsteuerung hinzu, die quittiert werden muss, oder weicht die Klappenstellung einmal von der geplanten Position ab, bricht häufig die mentale Konfiguration des Piloten wegen «System-Überlastung» zusammen – es sei denn, die Abläufe sind durch Training automatisiert. Dazu liefere ich Ihnen gerne ein Beispiel aus eigener Erfahrung.

Wenn auch zwei «Experten» nicht reichen
Wir starten mit dem Arcus M und konzentrieren uns auf die oben erwähnten Punkte. Bei den letzten Starts erreichte die Motorendrehzahl die im Handbuch erwähnten Werte nicht, weshalb wir sie bei diesem Start genau im Auge behalten. Gleichzeitig meldet das Motorsteuergerät kurz nach Erreichen der vollen Startleistung, dass die Batterie zuviel Ladestrom vom Generator bekommt. Diese Meldung muss quittiert werden, sie lärmt alle drei Sekunden quer durchs Cockpit und absorbiert Aufmerksamkeit. Inzwischen wundern wir uns, dass das Flugzeug bei sich näherndem Pistenende keine Anzeichen von Abheben zeigt und offenbar heute gar nicht fliegen will.

Es dauert einen Wimpernschlag, bis wir (beide erfahrene Fluglehrer) gemeinsam feststellen – «da war doch noch was, ahhjaa, die Wölbklappen». Wir fahren sie unverzüglich auf positive Werte und – welches Wunder – der Vogel fliegt – 100 m vor dem Pistenende. Uffh! (Gemäss Flughandbuch hebt der Arcus M auf negativen Klappenstellungen nicht ab).

Beim Ventus 3m kann der starke Federzug an der Wölbklappe übrigens denselben unerwünschten Effekt verursachen, wenn er die Klappen im dümmsten Moment auf «negativ» zerrt. Was kurz nach dem Start, im Steigflug mit Motor oder beim langsamen Kreisen in einem Pulk sofort zu eskalierenden Schwierigkeiten führen kann (besonders, wenn die Schiebekulisse/Rasterung der Wölbklappen von früheren «Schnapper-Bewegungen» schon etwas «abgeschliffen» ist und die Wölbklappe nicht immer zuverlässig am gewünschten Ort zurückhält).

Um jeden Preis zurück zum Startplatz
Auch kurz nach dem Abheben ist die Situation heikel. Fällt der Motor hier teilweise oder ganz aus – durch einen gerissenen Antriebsriemen, ein Problem mit der Benzinpumpe, einen mechanischen Defekt am Kipp-Mechanismus des Zweitakter-Auspuffs und als Folge davon fehlendem Resonanzdruck oder eine sonst «verrückt gewordene» Motor-Steuerung – hängt das Flugzeug schwanzlastig in der Luft. Hier hilft nur, den Knüppel kräftig und entschieden nach vorne zu drücken und unter allen Umständen die Mindest-Geschwindigkeit zu halten. Für Ursachenforschung bleibt in diesem Moment keine Zeit. Und eine zu frühe Umkehrkurve Richtung Startort wird bei stillstehender Latte sehr schwierig zu fliegen.

Erstaunlich schnell von den Schienen
In der Luft kann bereits der Versuch, den Motor einzufahren, ebenfalls zur Überforderung führen. Misslingt etwa das automatische Einfahren des Propellerturms (weil er zu schnell fliegt oder der Propellerstopper-Mechanismus nicht funktioniert), muss der Pilot gleichzeitig das Flugzeug steuern, die Propeller-Position im kleinen Rückspiegel, den er hoffentlich zuvor in die passende Position justiert hat, überwachen, dann die Propellerbremse im richtigen Moment betätigen und gleichzeitig den Propeller-Turm manuell einfahren. Für all das fehlen einer einzigen Person schlicht die nötigen Hände. D.h., man sollte sich vor dem Flug in Doppelsitzer-Modellen über die Rollenverteilung unterhalten, etwa darüber, wer das Flugzeug fliegt und wer sich um den Motor kümmert. Das klingt zwar banal, kommt meiner Erfahrung nach aber öfter vor, als man erwartet.

Hinzu kommt die Vordersitz-/Rücksitz-Umschaltung bei Doppelsitzern und die System-Überbrückung für das Ein- und Ausfahren bei scharfer Zündstellung. Wer diese Abläufe nicht kennt und nicht geübt hat, gerät in eine Situation, aus der er sich nur mit klarem Kopf und Routine oder mit einer übersichtlichen Checkliste elegant befreien kann.

Alle Ressourcen nutzen
Zur Reduktion des Cockpit-Workloads tragen praktische Massnahmen bei. Im Doppelsitzer liest der Fluggast oder der zweite Pilot die Checkliste vor und gibt Rückmeldung zur Drehzahl während des Starts.

Bei der Landung kann der zweite Pilot nach dem Aufsetzen die Wölbklappen auf eine negative Position stellen, um die Ruderwirkung beim Ausrollen zu erhalten. Diese Arbeitsteilung entlastet den Piloten in kritischen Phasen.

Dieser «Service» sorgt für mehr Ruhe im Ablauf und entlastet gleichzeitig den «PIC» in potenziell hektischen Momenten.

Strategie für den Motoreinsatz im Streckenflug
Die Flugtaktik mit einem motorisierten Segelflugzeug unterscheidet sich grundlegend vom reinen Segelflug. Drei Grundsätze helfen, schwierige Situationen zu vermeiden:

Motorstart nur über sicherer Landemöglichkeit. Der Motor darf erst dann gestartet werden, wenn ein Flugplatz oder ein geeignetes Außenlandefeld sicher erreichbar ist. Über unlandbarem Gelände wird der Flugweg so geplant, als wäre kein Motor an Bord.

Frühe Entscheidung. Die Entscheidung zum Motorstart muss früher fallen als der Entschluss zur Außenlandung im reinen Segelflug. Wer wartet, bis er keine andere Wahl mehr hat, hat oft zu wenig Höhe, um den Motor noch sinnvoll einzusetzen.

Zeit für Landeanflug einplanen:
Mit ausgefahrenem Triebwerk und stehendem Propeller sinkt ein klassischer Eigen-Starter mit rund 3 bis 3.5 Metern pro Sekunde. Aus 250 Metern Höhe bleiben in diesem Zustand also weniger als 90 Sekunden bis zur Bodenberührung. Ein normaler Landeanflug dauert jedoch 90 bis 120 Sekunden. Wer in dieser Situation noch versucht, den Motor anzulassen, statt sich auf die Landung zu konzentrieren, spielt mit höchstem Einsatz, nämlich mit seinem Leben.

Würden Sie ohne Triebwerk im Rumpf in eine solche Wettersituation einfliegen?

Sind ein paar Kilometer mehr das Risiko wert?
Dazu kommt die Frage, ob man wirklich in Regionen mit schlechteren Bedingungen einfliegen muss, um zusätzliche Streckenkilometer zu gewinnen.

In den Alpen mit Pässen über 2500 Metern oder bei Starkwind wie Mistral oder Föhn ist eine Heimkehrhilfe in den meisten Fällen nicht sinnvoll einsetzbar. Bei Sink-Geschwindigkeiten von 4 m/sec. Hilft auch die Steigleistung von 2.5 m/sec. Eines kräftigen Eigenstarters nicht aus der Patsche, man verzögert höchstens die Leidenszeit.

In einem Segelflugzeug ohne Hilfstriebwerk kann man stressfrei unterwegs sein, hier in einer ASW20B in Süddeutschland während einer grosszügigen Bodensee-Umrundung.

Erschwerte Kommunikation
Der Lärm des laufenden Motors, der durch den Rumpf als Resonanzkörper verstärkt wird, erschwert zudem die Kommunikation mit den Fluglotsen, wenn man z.B. mit einem hochdrehenden Turbo-Antrieb und ohne Kopfhöhrer unterwegs ist. Verwendet man ein Headset, muss die Mikrophon-Empfindlichkeit korrekt kalibriert werden, sonst hört man anstelle der Stimme des Controllers aus dem Ohrmuscheln nur das verstärkte Dröhnen des Motors.

Systemverständnis
Wer ein motorisiertes Segelflugzeug fliegt, muss sein System kennen. Das betrifft nicht nur die Bedienung, sondern auch die Fehlerquellen. Typische Probleme sind:

  • Vibrationsbedingte Schäden an Auspuffanlagen, Zündkabeln und Antriebs-Mechanismen. Es ist eine Frage der Zeit, bis ein Zweitakter alle lösbaren Schrauben und andere Verbindungen weg-vibriert, nicht, ob er das kann.
  • Defekte Endschalter, die das Einfahren des Propellerturms blockieren
  • Kraftstoffleitungen, die durch Bewegung des Triebwerksturms brechen oder undicht werden oder durch Alterung «mürbe» werden
  • Elektronische Motorsteuerungen, die sporadisch Fehlermeldungen liefern, die Zündung «ungewohnt» steuern oder komplett ausfallen (wofür allerdings ein Notfall-Redundanz-System mit eingeschränkten Funktionen vorgesehen ist).
  • Batterien, die nach langen Standzeiten oder bei Kälte nicht mehr die nötige Kapazität haben

Korrekt betanken
Ein konkretes Beispiel für die Komplexität moderner Systeme ist das Tanksystem des Arcus M. Die korrekte Bestimmung der Treibstoffmenge erfordert methodisches Vorgehen:

  1. Beide Flügeltanks abhängen, Rumpftank füllen, bis der Treibstoff im Überlaufgefäss sichtbar ist.
  2. Motorsteuerung gemäss AFM kalibrieren.
  3. Einen Flügeltank anhängen, Flügel ablegen, füllen, bis erneut Treibstoff im Überlaufgefäss sichtbar ist. Jetzt sind der Rumpftank plus der erste Flügeltank im Flugzeug gefüllt – das Instrument zeigt jedoch immer nur den Rumpftankinhalt an.
  4. Ersten Flügeltank abhängen, zweiten anhängen, Tank-Prozedur wiederholen.

Wer dieses System nicht im Detail kennt, fliegt möglicherweise mit einer anderen Treibstoff-Menge durch die Gegend, als er annimmt.

Wankelmotoren wie Turbinen
Wer denkt, mit einem Wankelmotor sei er vibrationsärmer unterwegs als mit einem rauhbeinigen Zweitakter hat damit durchaus recht, diese Motorenart zeichnet sich tatsächlich durch einen ruhigen, turbinenähnlichen Lauf aus. Dafür hat man damit andere Sorgen. Die im Rumpf gut gekapselten Triebwerke sind schwerer zu kühlen. Da ist ein sorgfältiger Steigflug mit einer Fahrtreserve ein Muss, will man das Triebwerk nicht überhitzen. Wassertemperaturen über 115° C während mehr als drei Minuten ruinieren das Triebwerk. Bei einem Steigflug bei hohen Außentemperaturen muss man sich auch darauf verlassen können, dass der Temperatursensor korrekte Messwerte liefert.

Auch das Einfahren des Propellerturmes nach dem Steigflug kann in Fluggebieten mit hohen Temperaturen eine gefühlte Ewigkeit dauern. Man muss das Triebwerk in einem Aufwind einfahren können, sonst sinkt man mit halb geöffnetem Triebwerkschacht gleich wieder zurück auf die Ausgangshöhe für einen nächsten Steigflug mit Motoren-Einsatz

Trübe Wetteraussichten auf einem Wandersegelflug vor der Donautal-Querung in die Alpen östlich von Linz. Der Einstieg ins unübersichtliche Relief der „buckligen Welt“ gelang am Ende nur dank des Motors.

Mentale Vorbereitung und Training
Neben der technischen Ausbildung ist die mentale Vorbereitung ein wesentlicher Faktor. Vor jedem Flug sollte der Pilot die möglichen Szenarien durchdenken: Was mache ich, wenn der Motor beim Start ausfällt? Wo kann ich landen, wenn der Propellerturm sich nicht einfahren lässt? Ab welcher Höhe über Grund starte ich den Motor, und was ist mein Plan, wenn er nicht anspringt?

Das «Käsescheiben-Modell» nach Reason lässt sich direkt auf den motorisierten Segelflug anwenden. Jede Sicherheits-Schicht – sorgfältige Vorbereitung, technisches Verständnis, korrekte Entscheidungen im Flug, gute Aussenlandetechnik und regelmässiges Training – kann Fehler auffangen. Erst wenn mehrere Schichten gleichzeitig versagen, kommt es zu einem Unfall.

Praktisches Training umfasst:

  • Abläufe beim Ein- und Ausfahren des Motors immer wieder üben
  • Flugverhalten mit ausgefahrenem Motor kennen
  • Landeeinteilung mit stehendem Propeller und höherem Eigensinken durch Einsatz der Bremsklappen simulieren (echte Landungen mit ausgefahrenem Triebwerk sind nicht mit allen Flugzeugtypen möglich)
  • Langsamflug mit ausgefahrenem Triebwerk in grosser Höhe trainieren (ohne Flachtrudeln, welches in diesem Flugzustand nicht bei allen Flugzeugtypen erlaubt ist)
  • Simulation des Zusatzsinkens mit Bremsklappen (ohne Triebwerk)

Mentales Training ergänzt das praktische: Vor dem Flug einen Plan machen und besprechen, nach dem Flug gemeinsam analysieren, Höhe über Grund bei Anlassvorgängen ermitteln und Erkenntnisse mit anderen teilen.

Diese Aufnahme entstand „auf der Flucht“ vor einer heranziehenden Kaltfront bei der Rückkehr von einem Weekend-Ausflug nach Barcellonnette. Eine halbe Stunde zuvor haben wir die Region im Bild (Unterwallis) noch queren können. Die Aufnahme steht stellvertretrend dafür, wie man mit einem unabhängigen Eigenstarter ein Wetterfenster maximal nutzen kann (aber nicht muss).

Zusammenfassung
Motorisierte Segelflugzeuge bieten tolle Möglichkeiten: Unabhängigkeit vom Winden- oder Schleppbetrieb, die Möglichkeit, neue Regionen zu erschliessen, und eine Rückkehroption bei nachlassender Thermik. Diese Vorteile lassen sich dauerhaft zuverlässig nutzen, wenn Pilot und Maschine gut aufeinander eingespielt sind.

Das setzt eine fundierte Ausbildung voraus, die über die blosse Einweisung hinausgeht. Es verlangt regelmässiges Training, welches die Abläufe automatisiert. Und es braucht eine realistische Einschätzung der Technik: Ein Triebwerk in einem Segelflugzeug kann ausfallen – und es wird ausfallen.

Wer das weiss, plant entsprechend. Wer entsprechend plant, fliegt sicher.

Gefahren-SituationKritische FaktorenLösungsansatz
StartphaseHoher Workload, Multitasking (Wölbklappen, Gas, Steuerung, Drehzahl), Ablenkung durch FehlermeldungenAutomatisierung durch Training, Checklisten durch Co-Pilot/-in vorlesen lassen, mentale Vorbereitung
Motorausfall nach StartAbrupter Leistungsverlust, Gefahr des Strömungsabrisses durch hohe AnstellwinkelSofortiges Nachdrücken des Knüppels, Mindestgeschwindigkeit halten, Ursachenforschung auf später verschieben
Motorstart in der LuftAblenkung von der Flugführung, Zusatzsinken von 3–3.5 m/s bei ausgefahrenem, stehendem TriebwerkFrühe Entscheidung, nur über sicherer Landemöglichkeit starten, Priorität «Fliegen» oder «fly – navigate – communicate».
Propellerturm fährt nicht einHoher Workload: Gleichzeitiges Flugzeug-Steuern, Propeller überwachen, Propeller-Bremse betätigen, manuell einfahrenSystemkenntnisse, geübte Notfallprozeduren, Arbeitsteilung im Doppelsitzer, einer fliegt, der andere bedient den Motor
Überschätzte MotorleistungHeimkehrhilfen in Alpen oder Starkwind kaum nutzbar; Kommunikation durch Lärm eingeschränktPlanen wie ein reiner Segelflieger; Motorstart nur bei realistischer Erfolgsaussicht
Treibstoffmenge unklarInstrumente zeigen nicht die Gesamtmenge (z.B. Arcus M Tanksystem)Betankungsprozedur gemäss AFM kennen und einhalten

Aus Fehlern anderer lernen
Die Rubrik „Sicher Fliegen“ erscheint jeweils über den Monatswechsel. Ziel dieser Rubrik ist es, Sie beim fehlerfreien Ausüben des besten aller Hobbys ohne Vorkommnisse und wenn möglich bis ins hohe Alter zu unterstützen.

Neue Radiosonden finden Weg zurück

Weltweit werden in den meisten Ländern zweimal täglich Radiosonden in den Himmel geschickt. Die Instrumente werden zumeist von Wetterballonen bis in rund 35.000 Meter Höhe getragen, wo der Ballon platzt. Anschliessend fallen die Sonden unkontrolliert zur Erde, oft in Gewässern oder unzugänglichem Gelände. Nur etwa 20% der Radiosonden werden wieder gefunden.

Yohan Hadji, Masterstudent an der EPFL in Lausanne, hat eine Lösung entwickelt: eine Radiosonde, die nach dem Abstieg selbständig zu einem vorprogrammierten Punkt zurückfliegt. Das Gerät besteht aus einer Standard-Radiosonde in einem flügelförmigen Schaumstoffgehäuse und wiegt lediglich 250 Gramm. Ein GPS-gestütztes Führungs-System berechnet die optimale Rückkehrtrajektorie unter Berücksichtigung der während des Aufstiegs gemessenen Windverhältnisse – bei Windgeschwindigkeiten von teils über 200 km/h in grossen Höhen eine erhebliche technische Herausforderung.

Das (Schweizer) Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) klassifiziert das Gerät als konventionelle Radiosonde. MeteoSchweiz hat das System in diesem Sommer auf der Wetterstation Payerne rund ein Dutzend Mal getestet. Bei allen Testflügen kehrte das Gerät auf einen Radius von 15 Metern um den Zielpunkt zurück. Insgesamt wurden bisher rund 60 Testflüge in der Schweiz durchgeführt.

Hadji hat das Startup R2Home gegründet. Neben der Schweiz haben bereits Frankreich, Grossbritannien, Deutschland, Kroatien und Kanada Interesse an Tests bekundet. Das Ziel ist nicht nur die Rückgewinnung der Geräte, sondern auch deren Wieder-Verwendung: Bisher werden weniger als 1% der zurückgefundenen Radiosonde erneut eingesetzt, da Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren durch die langen Expositions-Zeiten beschädigt werden. Ein kontrollierter Rückflug soll dies künftig verhindern.

Frankreichs Nationalmannschaft in Saint Auban

Die Piloten der französischen Junioren- und Senioren-Segelflugmannschaft trafen sich kürzlich im Nationalen Segelflugzentrum zu einem Vorbereitungslehrgang. Das Training dient der Vorbereitung auf die kommenden internationalen Wettbewerbe. Im Juli steht die Europameisterschaft in Polen auf dem Programm, bei der in den Kategorien Club, Standard und 15 Meter geflogen wird. Im August folgt die Junioren-Weltmeisterschaft in Deutschland mit den Kategorien Club und Standard.

Das Programm des Trainingslagers umfasste die Bereiche Strategie, Leistung und Erholung. Die Wetterbedingungen erlaubten in den ersten drei Tagen drei Überflüge des Mont Blanc. Zusätzlich wurden intensive Einheiten zur körperlichen Vorbereitung unter der Leitung von Éric Piveteau durchgeführt. Nicolas Blin und Gérard Plan boten zudem individuelle Beratungen zur medizinischen und sozial-beruflichen Betreuung an. Die anwesenden Piloten nutzten die Gelegenheit, die neuen Team-Outfits zu testen.

Die Betreuung der Mannschaften erfolgte durch Éric Napoléon, Mannschaftskapitän der Junioren, und Benjamin Néglais, Mannschaftskapitän der Senioren. Bei den Junioren nahmen Clément de Péchy, Thibaud de Péchy, Théo Napoléon, Nicolas Caudrelier, Eliott Daniel, Gaël Pischedda, François-Xavier Poisson und Odon Prouille teil. Die Senioren waren durch Aurélien Doriat, Philippe Lata, Alexandre Fierain, Francis Svobodny, Marilyne Abadie Bérard und Kévin Faur vertreten. Als Gäste waren Eldrine Marqué, Amélie Boulanger, Louis Bouderlique, Hugo Corbille, Guy Michel, Victor Brugière und Alizée Petit anwesend.

Stabiler unterwegs bei 100 km/h

Bei der Segelfluggruppe Siemens München SGSM wurde im Rahmen der Winterarbeit 2025/2026 auch die Transport-Infrastruktur verbessert. Im Fokus stand der Hänger für die LS6, dessen Achse nach Hochwasserschäden als wirtschaftlich nicht mehr instandsetzbar galt.

Ersatz wurde durch eine neue Achse des Herstellers AL-KO beschafft. Der Einbau erwies sich jedoch als aufwendiger als erwartet: Unterschiedliche Lochabstände zwischen alter COBRA-Aufnahme und neuer Achse machten Anpassungen an der Achsaufhängung notwendig. Zusätzlich wurden Stoßdämpfer installiert, um das Fahrverhalten weiter zu optimieren.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der LS6-Hänger ist nun – abgesehen von noch ausstehenden neuen Reifen – für Tempo 100 ausgelegt. Erste Praxiserfahrungen bestätigen den Erfolg der Maßnahme. Pilot Simon berichtete von einer deutlich verbesserten Fahrstabilität, insbesondere auf Autobahnen und bei Seitenwind. Die Investition zahlt sich damit nicht nur technisch, sondern auch im täglichen Flugbetrieb aus.

Kampfjets im Tiefflug auf der Ostalb

Die reaktivierte Low Flying Area 7 sorgt rund um den Flugplatz Aalen-Elchingen Airfield für zunehmende Aufmerksamkeit im zivilen Luftsport. Seit Ende November teilen sich Segelflieger und militärische Jets wieder verstärkt denselben Luftraum – mit entsprechend erhöhter Sensibilität im Betrieb.

Der Luftsportring Aalen hat deshalb eine Tiefflugschutzzone beantragt, um den Bereich rund um den Flugplatz besser zu schützen. Hintergrund sind Konflikt-Situationen zwischen langsamen Segelflugzeugen und schnell operierenden Kampfjets der Bundeswehr.

Fluglehrer Bernd Schmid beschreibt die Lage als anspruchsvoll. Während Segel-Flugzeuge typischerweise in Höhen zwischen 1’000 und 3’000 Metern operieren, können Militärjets im Rahmen der LFA 7 in extrem niedrigen Höhen trainieren. Die enorme Geschwindigkeitsdifferenz lasse im Ernstfall nur Sekunden für Ausweich-Manöver.

Besonders kritisch seien Phasen wie Starts oder Außenlandungen, wenn die Aufmerksamkeit vollständig auf der sicheren Flugführung liege. Trotz moderner Warnsysteme in einzelnen Segelflugzeugen bleibe die visuelle Luftraumbeobachtung entscheidend.

Die Bundeswehr betont derweil, dass Tiefflug ein unverzichtbarer Bestandteil der Ausbildung sei und regelmäßig trainiert werden müsse. Innerhalb der LFA 7 gelte ein gleichberechtigter Luftraum, in dem nach Sichtflugregeln und festgelegten Ausweichverfahren operiert werde.

Trotz der angespannten Rahmenbedingungen wird die Zusammenarbeit vor Ort weiterhin als weitgehend störungsfrei beschrieben. Ziel aller Beteiligten bleibt eine sichere Koexistenz im zunehmend komplexen Luftraum über der Ostalb.

Warum ist der Himmel blau?

Blauer Himmel ist nicht immer gleich blau: Mal ist er kräftig, mal hell und fast milchig. Verantwortlich dafür sind nicht nur das Sonnenlicht und dessen Streuung, sondern auch der in der Atmosphäre enthaltene Wasserdampf.

Bei klarem Wetter erscheint der Himmel meist in einem kräftigen Blau, das manchmal tief und satt, manchmal aber auch eher blass und milchig wirkt. Neben der bekannten Streuung des Sonnenlichts spielt dabei auch der Wasserdampfgehalt der Atmosphäre eine wichtige Rolle.

Das Licht der Sonne wirkt für uns weiß, setzt sich jedoch aus vielen verschiedenen Farben zusammen. Diese unterscheiden sich in ihrer Wellenlänge – von langwelligem rotem Licht bis hin zu kurzwelligem blauem und violettem Licht. Auf dem Weg zur Erdoberfläche trifft dieses Licht auf Moleküle und kleinste Partikel in der Luft. Dabei kommt es zur sogenannten Rayleigh-Streuung, bei der kurzwelliges Licht deutlich stärker gestreut wird als langwelliges.

Das bedeutet, dass sich vor allem der blaue Anteil des Sonnenlichts in alle Richtungen verteilt und so aus dem gesamten Himmel zu unserem Auge gelangt. Dadurch erscheint uns das Himmelsgewölbe in seiner typischen blauen Farbe. Violettes Licht wird zwar noch stärker gestreut, spielt für unsere Wahrnehmung jedoch eine geringere Rolle, da unsere Augen empfindlicher auf Blau reagieren und zudem ein Teil des violetten Lichts bereits in der oberen Atmosphäre absorbiert wird.

Wie intensiv das Blau wahrgenommen wird, hängt stark von der Zusammensetzung der Luft ab. Ist die Atmosphäre sehr trocken und enthält nur wenige zusätzliche Partikel, dominiert die Rayleigh-Streuung. In solchen Fällen erscheint der Himmel besonders tiefblau und klar, wie es häufig nach dem Durchzug einer Kaltfront oder in höheren Lagen der Fall ist.

Mit zunehmendem Wasserdampfgehalt verändert sich dieses Bild. Wasserdampf ist unsichtbar, geht jedoch oft mit winzigen Wassertröpfchen einher. Diese sind allerdings größer als Moleküle. Größeren Teilchen streuen das Licht anders als Luftmoleküle, ein Effekt, der als Mie-Streuung bezeichnet wird. Dabei werden alle Farben des Lichts ähnlich stark gestreut, wodurch sich das Himmelsblau „aufhellt“ und zunehmend milchig oder weißlich erscheint. Der Himmel wirkt dann weniger kontrastreich und eher blassblau.

Ein hoher Feuchtegehalt in der Luft führt daher häufig zu einem helleren, diffus wirkenden Himmel, während trockene Luft ein kräftigeres, dunkleres Blau begünstigt. Dieser Zusammenhang lässt sich im Alltag gut beobachten. Nach einem regnerischen Tag mit klarer, trockener Luft zeigt sich der Himmel oft besonders intensiv blau, während er vor einem Wetterumschwung oder bei schwüler Luft eher fahl erscheint.

Die Farbe des Himmels liefert somit nicht nur ein ästhetisches Bild, sondern gibt auch Aufschluss über den Zustand unserer Atmosphäre. Ein genauer Blick nach oben kann also durchaus etwas über die aktuelle Luftfeuchtigkeit verraten. Text: Christian Herold, Deutscher Wetterdienst

Ostalpentour im Blauen

Ein Streckenflug über etwa  660 Kilometer in absolut wolkenfreier Luftmasse – das erfordert etwas Geduld, ein gutes Gespür für die unsichtbaren Aufwinde und manchmal etwas Glück beim Finden der richtigen Aufwind-Stellen. Mit dem Arcus M (D-KGKK) der «Halter-Gemeinschaft Straub-Stemmler-Frei» unternahmen Beat Straub und ich am Samstag, 25. April 2026, von Schänis aus eine schöne Ostalpentour durch die meiner Meinung nach schönsten Flecken auf diesem Globus – in die Dolomiten und das Engadin.

Harziger Auftakt am Mattstock

Autor: Ernst Willi

Der Start verläuft ungeschickterweise nicht nach Plan. Der Nordwestwind am Mattstock ist überraschenderweise stärker als erwartet und hat die auf der felsigen Südseite normalerweise wartende Thermik in einen kleinen Wasserfall verwandelt. Beim Einfahren des Motors sinken wir mit über 3 m/s. Dazu fliege ich ein paar km/h zu schnell, und der Propeller stellt sich natürlich auf den letzten Zentimetern vor dem Einklappen quer. Also alles nochmal von vorn.

Manuelles Triebwerk-Einfahren in sinkender statt in steigender Luftmasse ist eine erste Folge davon. Das absorbiert gehörig meine Aufmerksamkeit. Ein späterer, zweiter Motoren-Einsatz über dem Walensee mit dem Ziel, diesmal genug hoch am Fliegenspitz einfädeln zu können, ist eine nächste Massnahme, die bringt letztlich die nötige Höhe für den Abflug über die Churfirsten. Den ersten ansprechenden Aufwind finden wir allerdings erst am Voralpsee – markiert von zwei Raubvögeln. Nach der Querung des Rheintales reicht die Höhe am fürstlichen Gafleispitz für den Weiterflug ins Walsertal. Insgesamt ist das ein etwas holpriger Einstieg in einen langen Tag gewesen.

Leethermik im Lechtal – und Rätsel auf der Strecke

Der Weiterflug verläuft zunächst flott. Im Lechtal ist aber über den besonnten Hängen immer wieder der NW-Wind spürbar. Die Leethermik ist ziemlich eng für unseren „dicken Fisch“. Die Luft ist absolut klar – keinerlei Flusen, keine Cumuli, nichts. An den Miemingern erleben wir auf der voll eingestrahlten Südseite der Krete erneut markantes Sinken. Erst an der Hohen Munde ist wieder sicheres Fliegen in Geländenähe und vernünftiges Steigen möglich.

Die Nordkette bis zum Rofan am Achensee passieren wir zügig, die netten Controller Innsbrucks hatten auch schon mehr Betrieb. Die Querung der TMA Innsbruck verläuft dank wenig Segelflugverkehr und aktivierten Segelflug-Sektoren hindernisfrei.

Das Muster der überraschenden Abwinde – am Mattstock, im Lechtal, an den Miemingern – lässt sich für mich erst im Nachhinein erklären: Lokal etwas stärkere Nordwest- und Westwinde haben den sauberen Thermikaufbau buchstäblich «verschüttet». Die Sonnenhänge waren entweder im Lee einer lokalen NW-Strömung oder der Hang war parallel angeströmt (und produzierte verwirrenderweise auf beiden Seiten Sinken).

Ausgrabung im Pinzgau

Im Pinzgau folgt die eigentliche Überraschung des Tages: Starkes und anhaltendes Sinken auf der Nordseite in der Region Mittersill drückt uns weit ins Tal hinaus. Ich suche etwas zu lange an den unpassenden Stellen nach Aufwinden und flüchte schliesslich auf 1’700 m AMSL einigermassen ideenlos an die Südseite des Tales. Irgendwohin muss die Luft ja… Dort finden wir über einer weit ins Tal hinausragenden Rippe endlich schwaches Steigen. Mit Geduld und engen Kreisen gewinnen wir über 1’000 Höhenmeter – genug, um nun dem Tal der Felbertauernstrasse zu folgen und über die tiefste Stelle des Talschlusses kühn auf die Alpen-Südseite zu wechseln. Was uns da wohl erwartet?

Was richtet hier bloss die Holzwirtschaft an?

Im Tal von Matrei und Osttirol suchen wir erneut länger als gewohnt nach Aufwinden. Teilweise treffen wir auf starke Abwinde und zerrissene Thermik über den voll beschienenen Kreten und Hängen. Aber ein voller Kreis im starken Steigen ist auch bei abenteuerlicher Querlage nicht drin.

Eindrücklich, wenn auch bedrückend: Die Holzwirtschaft Osttirols hat Quadratkilometer von Wäldern kahl geschlagen und unübersehbare Schneisen in die Landschaft gefräst – aus der Luft ein gewöhnungsbedürftiges Bild. Ich habe das Pustertal viel idyllischer in Erinnerung. Früher sind wir mehrere Jahre im Frühjahr dahin ins Fluglager gefahren, bis wir mit dem unfliegbaren Wetter eines langen Südstaus nach Alternativen suchten und sie in Südfrankreich fanden. Und da sind wir schliesslich auch hängen geblieben. Die „goldene Tourismusnadel“ für 20 Jahre Urlaub in Lienz haben wir uns so natürlich nicht verdienen können.

An diesem Samstag füllt der Rauch eines Waldbrandes in Kärnten das Lesachtal bis an den Übergang ins Pustertal. Was ich zunächst für schlechte Luft aus dem Süden hielt, entpuppt sich als talfüllende Rauchfahne, welche es bis in die Schlagzeilen der überregionalen Medien schaffte.

Blick aus der Region Innichen ins Pustertal und in die einmalig zackige Welt der Dolomiten.

Dolomiten und Querung ins Vinschgau

Erst rund 20 Kilometer vor Lienz finden wir wieder rundes, verlässliches Steigen und erreichen eine komfortable Arbeitshöhe. Entlang der Nordseite des Pustertales fliegen wir bis Toblach, teilweise auf bis zu 3’800 m AMSL. Das anschliessende Sightseeing durch die nördlichen Dolomiten und die berühmten Drei Zinnen bietet enge und inkonstante Aufwinde, aber wer einen davon auskreist, erreicht zum Lohn eine gute Arbeitshöhe.

Zwischen den Geisler Spitzen und dem Kronplatz bauen wir die maximal mögliche Höhe für eine komfortable Querung in die Sarntaler Alpen auf – wie immer „so nördlich wie möglich und so südlich wie nötig„. Ich bin mir von meinem Rennklasse-Flugzeug schon etwas andere Gleitleistungen gewohnt. Mit einem Arcus verliert die endlos lange Talquerung des Meraner Beckens etwas ihren Schrecken – und schneller ist man damit auch noch. Ein tolles Flugzeug.

Ein starker Aufwind mitten in der langen Gleitstrecke durch die Sarntaler Alpen macht die Querung ins Vinschgau noch komfortabler. Dort kommen wir entsprechend deutlich über den Kreten an und können direkt in einen Aufwind bis auf 4’300 m AMSL einsteigen. Unter uns kämpft Stefan Sidler aus Hausen knapp über den Kreten dafür längere Zeit auf einer Felsrippe um den Einstieg in denselben Aufwind, während wir über ihm davonklettern. Es ist nicht immer fair

Heimflug über das Engadin

Von dort verläuft der direkte Anflug nach Muottas Muragl bei St. Moritz zügig. Das Hochgebirge rund um Livigno zeigt sich noch tief verschneit, nur in den Talböden sind grössere Flächen aper. Am Piz Languard im Oberengadin tankt Beat nochmals ein paar Meter Höhe für einen sorglosen Endanflug in die Linthebene. Der Gleitflug führt uns bis zum Etzel – und von dort zurück nach Schänis, wo der Arcus M nach einem langen und erfüllenden Flugtag ausrollt.

Es ist ein Privileg, diesen Sport soviele Jahre ausüben zu dürfen. Danke für den schönen Tag, Beat!

Was für ein Panorama: das Oberengadin mit dem Piz Palü und seinen drei markanten Gipfelgraten, und die Bernina mit dem Biancograt in der Bildmitte sowie dem Piz Roseg (höchser weisser Gipfel. Davor verdeckt der dinkle Piz Morteratsch die Sicht auf die eindrückliche Nordostwand des Roseg.

Schaukeln wie im Kinderwagen

Auch in absolut wolkenfreier Luftmasse lassen sich längere Streckenflüge durchführen. Man braucht etwas mehr Glück beim Finden der starken Aufwinde – und muss bereit sein, gelegentlich auch mal etwas tiefer in die Täler hinein zu gleiten, um schliesslich die richtigen, starken Aufwinde zu finden. Der Arcus M überzeugt dabei mit seiner Gleitleistung und einer konstanten Reisegeschwindigkeit um 140 km/h, etwas höher als vom 15-Meter-Flieger gewohnt.

Doppelsitzerfliegen hat zudem etwas Entspannendes: Wenn man sich fliegen lassen kann, erinnert der Sport an eine Spazierfahrt im Kinderwagen – leichtes Schaukeln, und draussen langsam zieht dabei die Gegend vorbei. Ich fühle mich für einmal wie unsere Enkelkinder 🙂

Oberengadiner Seen-Landschaft vom Muottas Muragl (Phonetisch „Muotas Murail“) aus gesehen – für mich ist das eines der schönsten Täler der Welt.

-> Flugdaten.

Einige Angaben zum Wetter:

Der kleine NW-Wind-Wasserfall beim Start am Mattstock.
Und jener im Pinzgau, der uns wegen der parallel angeströmten Sonnenhänge auf der Nordseite für einen Moment auf „Tauchstation“ schickte.

SG Basel Fricktal in Ambri und St. Crépin

Die Segelfluggruppe Basel Fricktal verzeichnete einen aktiven Saisonstart mit zwei alpinen Segelfluglagern in Ambri (Tessin) und St. Crépin (Französische Alpen). Beide Lager boten trotz anfänglich herausfordernder Wetterbedingungen umfangreiche Flugmöglichkeiten.

Das Lager in Ambri begann mit Schneefall und kalten Temperaturen. Im weiteren Verlauf entwickelten sich jedoch gute Bedingungen. Die auf drei Flugzeuge angewachsene Eigenstarterflotte der Gruppe bewährte sich in Abwesenheit eines Schleppflugzeuges und ermöglichte zuverlässige Starts mit geringem Motoreinsatz. Die fliegerischen Bedingungen reichten von ruhigen Thermiktagen über turbulente Windlagen bis hin zu Wellen, die auch für kleinere Streckenflüge genutzt wurden. Die Piloten profitierten von der Thermik an den noch teils schneebedeckten Hängen.

Parallel dazu fand das Alpensegelfluglager in St. Crépin statt. Mit vier Flugzeugen und sieben Piloten (darunter zwei Pilotinnen) wurden an zwölf fliegbaren Tagen über 150 Flugstunden absolviert. Auch hier startete das Lager bei kalten Temperaturen und Nordostwind.

Das Spektrum der Flüge umfasste lokale Flüge, einen Tag mit starken Turbulenzen sowie Wellenflüge mit Höhen bis FL195. Nach einer Winddrehung auf Südwest und dem Anstieg der Temperaturen am Boden auf bis zu 25 Grad waren ausgedehnte Flüge in der Region möglich. Zudem bot das Lager Raum für den Austausch mit anderen Piloten, als zwei deutsche Segelflieger aufgrund unvorhergesehener Umstände in St. Crépin landeten und von der Gruppe aufgenommen wurden.

FSV Rosenheim im Fliegerurlaub in Slowenien

Eine Gruppe des Flugsportvereins Rosenheim verbrachte die erste Osterwoche für einen Fliegerurlaub im slowenischen Lesce. Trotz einer anfänglichen Nordlage, die den Einstieg in die Welle durch Rotoren anspruchsvoll gestaltete, konnten mehrere Wellenflüge durchgeführt werden.

Ein nennenswertes Ergebnis erzielte Felix Gruber, der mit der LS8 – einem Förder-Flugzeug des Luftsportverbands Bayern – einen Wellenflug über 654 Kilometer absolvierte. Die nicht fliegbaren Tage wurden für gemeinsame Aktivitäten genutzt, darunter eine Wanderung durch die Mostnica-Klamm und ein Besuch in Ljubljana.

Kurz nach dem Aufenthalt in Slowenien verzeichnete der Verein einen weiteren bemerkenswerten Flug. Am 15. April startete Bene um 06:18 Uhr in Unterwössen mit einer LS1-f, einem Segelflugzeug der Clubklasse. Unter anspruchsvollen Föhn-Bedingungen und teils starken Turbulenzen absolvierte er einen Flug von 950 Kilometern. Die reine Flugzeit betrug 11 Stunden und 52 Minuten. Dieser Flug zeigt die Möglichkeiten auf, die auch mit Flugzeugen der Clubklasse bei entsprechender Wetterlage und taktischer Flugführung erreichbar sind.

Flight Challenge Cup Prievidza

Der Flight Challenge Cup 2026 läuft seit dem 12. April auf dem Flugplatz Prievidza in der Slowakei. Bis zum 23. April traten Pilotinnen und Piloten aus mehreren europäischen Ländern in den Club-, 15-Meter- und Mixed-Klasse gegeneinander an.

Prievidza liegt in der Region Nitra im Westen der Slowakei, in einem Tal, das von den Gebirgszügen Tribeč und Vtáčnik eingerahmt wird. Das Gelände bietet eine Mischung aus flachem Ackerland im Süden und hügeligerem Gelände im Norden und Osten, was den Streckenplanern reichlich Spielraum lässt, um Strecken zu entwerfen, die verschiedene Aspekte des Streckenfluges abbilden.

Der Wettbewerb begann wetterbedingt verzögert. Die ursprünglich geplante Auftakt-Aufgabe am 12. April musste abgesagt werden. Zusätzlich überschattete ein schwerer Unfall an diesem Tag im Gebiet der Veľká Fatra das Geschehen: Zwei Segelflugzeuge kollidierten in der Luft. Ein Pilot kam dabei ums Leben, ein weiterer wurde verletzt ins Krankenhaus gebracht. Die Organisatoren sprechen den Angehörigen und dem polnischen Team ihr Beileid aus.

Rangliste Clubklasse:
1. David Mach, ASW 20 CL, 6’115 Pt.
2. Roelof Corporal, LS 7 neo, 5’893 Pt.
3. Vytautas Rasimavicius, LS 3 WL, 5’452 Pt.

Rangliste 15-m-Klasse:
1. Norbert Scarlat, Duo Discus, 5’268 Pt.
2. Barbora Moravcová, LS 8 15 m, 5’030 Pt.
3. Jan Knischewski, LS 8 a, 4’911 Pt.

Rangliste Mixed-Klasse:
1. Karol Staryszak, AS33Es, 5’524 Pt.
2. Sebastian Kawa, JS1 Evo 18 m, 5’493 Pt.
3. Boris Žorž, JS3, 5’245 Pt.

-> Vollständige Ergebnisse und Aufgaben

Kleine Dinge machen den Unterschied

Es gibt auf jedem Flugplatz, bei jedem Wettbewerb, eine stille, fast schon erwartbare Tradition: Irgendjemand bleibt heute am Boden – nicht wegen Wetter, nicht wegen Technik im großen Stil, sondern wegen einer Kleinigkeit.

Autor: Adam Woolley

Meist ist es nichts Dramatisches. Kein struktureller Schaden, kein spektakulärer Zwischenfall. Eher ein platter Reifen, der erst beim Ausrollen auffällt. Eine leicht verbogene TE-Sonde, die „wahrscheinlich noch geht“ – bis sie es eben nicht mehr tut. Genau diese unscheinbaren Details, die im entscheidenden Moment plötzlich das ganze Vorhaben stoppen. Und da stellt sich eine unbequeme Frage: Wie viel davon wäre vermeidbar?

Wir alle investieren viel Energie in die großen Themen. Wetteranalyse, Aufgaben-Planung, Akkustand, Wasserballast, Streckenstrategie. Das ist der sichtbare Teil des Sports. Doch die Realität entscheidet sich oft an einer ganz anderen Stelle: im Anhänger, in der Werkzeugkiste, in den kleinen Ersatzteilen, denen man im Alltag kaum Beachtung schenkt.

Ein Ersatzschlauch ist so ein Beispiel. Unspektakulär, jahrelang unbenutzt. Bis zu dem einen Tag, an dem er den Unterschied macht zwischen „Start möglich“ und „Ende der Tagesaufgabe“. Ich habe mir irgendwann angewöhnt, genau für solche Momente vorbereitet zu sein – mit einem kleinen, vollständigen Werkzeugset für den Reifen-Wechsel. Kein Suchen, kein Improvisieren, kein Rätselraten zwischen 8er- und 13er-Schlüssel. Einfach greifen und lösen.

Dann gibt es die empfindlichen, fast schon fragilen Komponenten, die wir im Alltag gerne unterschätzen. Eine TE-Sonde ist ein perfektes Beispiel. Leicht, präzise – und erstaunlich schnell beschädigt. Wer einmal erlebt hat, wie ein unachtsamer Moment den ganzen Flugtag beendet, sieht Ersatzteile plötzlich anders. Nicht als Luxus, sondern als Absicherung gegen genau diesen einen Moment. Und ehrlich gesagt: Es ist ein gutes Gefühl, bei einer Meisterschaft ruhig zum Anhänger zu gehen, das Ersatzteil zu holen und fünf Minuten später wieder startbereit zu sein, während andere noch diskutieren, ob es vielleicht doch „noch geht“.

Selbst etwas so Banales wie Sauberkeit spielt hinein. Eine saubere Cockpithaube ist nicht nur eine Frage der Optik. Wer schon einmal bei tief stehender Sonne mit verschmutzter Oberfläche geflogen ist, weiß, wie schnell aus einem „Detail“ ein sicherheitsrelevanter Faktor wird. Sichtbarkeit ist Leistung – in beide Richtungen. Und manchmal zeigt sich der entscheidende Aufwind genau dann, wenn man ihn dank klarer Sicht überhaupt erst erkennt.

Es geht dabei nicht darum, alles mitzunehmen, was theoretisch irgendwann nützlich sein könnte. Es geht darum, die richtigen Dinge dabeizuhaben. Wer sich bewusst Zeit nimmt, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren – vergangene Probleme, spontane Hilferufe im Team, wiederkehrende Schwachstellen – wird schnell erkennen, wo die eigenen Lücken liegen.

Der Rest ist konsequentes Nachrüsten. Schritt für Schritt. Unaufgeregt, aber wirkungsvoll. Denn am Ende ist die entscheidende Frage nicht, ob etwas Unvorhergesehenes passiert. Es passiert immer.

Die Frage ist, ob du dann der Pilot bist, der ruhig reagiert, das Problem in wenigen Minuten löst und abfliegt – oder derjenige, der am Boden steht und zusieht, wie ein perfekter Himmel ohne ihn weiterzieht. Gehalten von einer Kleinigkeit, die die ganze Zeit über vermeidbar gewesen wäre.


Adam Woolley ist in die Welt des Segelflugs hinein gewachsen und gehört zur dritten Generation seiner Familie in diesem Sport. Seit seinem ersten Alleinflug mit 15 Jahren verfolgt er konsequent Effizienz im Streckenflug und den Anspruch, auf höchstem Niveau zu konkurrieren. Als Linienpilot auf der Boeing 767 in Japan nutzt er jede freie Gelegenheit, um dem Sommer rund um den Globus zu folgen. Er ist mehrfacher nationaler Meister Australiens, hat sein Land bei mehreren Weltmeisterschaften sowie einer Europameisterschaft vertreten und teilt seine Erfahrungen mit großer Leidenschaft mit der internationalen Segelflug-Community.

Maikäfer Wiesbaden mit neuem Vorstand

Beim Flugsportclub Wiesbaden „Maikäfer“ e.V. ist die Flugsaison 2026 offiziell eröffnet. Am vorletzten Märzwochenende trafen sich zahlreiche Mitglieder auf dem Segelflugplatz Laufenselden, um bei frühlingshaften Bedingungen gemeinsam das traditionelle „Aufrüsten“ der Vereinsflotte vorzunehmen.

Nach den Wintermonaten, in denen die Flugzeuge umfassend gewartet, geprüft und technisch vorbereitet wurden, stehen die Maschinen nun wieder einsatzbereit am Start. Die intensive Werkstatt-Arbeit zahlte sich aus: Die Flotte präsentiert sich in bestem Zustand und ist bereit für eine neue Saison mit vielen sicheren Starts, gelungenen Landungen und hoffentlich zahlreichen Thermikstunden.

Bevor die ersten Flüge stattfinden konnten, stand zunächst – wie jedes Jahr – die Sicherheit im Mittelpunkt. Im Rahmen der Flugsicherheitsbelehrung sowie der Luftraum-Unterweisung wurden aktuelle Verfahren, betriebliche Abläufe und wichtige Grundlagen für einen sicheren Flugbetrieb vermittelt. Damit setzten die Maikäfer frühzeitig ein klares Zeichen für Professionalität und Verantwortungsbewusstsein.

Auch die Gemeinschaft kam an diesem Tag nicht zu kurz. Nach getaner Arbeit ließen die Mitglieder den Saisonauftakt traditionell bei Kaffee und Kuchen in geselliger Runde ausklingen – ein fester Bestandteil des Vereinslebens auf dem Flugplatz.

Personell startet der Verein ebenfalls mit frischem Schwung in das neue Jahr. Nach erfolgreicher Vorstandsneuwahl übernehmen künftig Kay-Christoph Grosser als erster Vorsitzender, Werner Keiper als zweiter Vorsitzender sowie Silvana Kleebach als Schriftführerin Verantwortung. Wilfried Eckl wurde in seinem Amt als Kassenwart bestätigt. Das neue Team hat sich zum Ziel gesetzt, den Verein zukunftsorientiert weiterzuentwickeln und optimale Rahmenbedingungen für Mitglieder, Ausbildung und Flugbetrieb zu schaffen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt weiterhin auf der Nachwuchsförderung. Der Flugsportclub möchte neue Flugschülerinnen und Flugschüler für den Luftsport begeistern – sowohl in der Segelflugausbildung als auch im Ultraleichtbereich. Interessierte, die das besondere Gefühl von Freiheit, Ruhe und Weite über den Wolken erleben möchten, sind herzlich eingeladen, den Flugplatz in Laufenselden zu besuchen.

Weitere Informationen zu Mitflugmöglichkeiten, Flugausbildung und Veranstaltungen finden Sie auf der Homepage des Flugsportclub’s Wiesbaden „Maikäfer“ e.V.

Mähroboter im nächtlichen Grosseinsatz

Über Jahrzehnte haben Schlepp-Piloten, Flugplatzleiter und treue Helfer auf dem Flugplatz Birrfeld in jeweils stundenlanger Mäharbeit auf dem Traktor die Graspiste unterhalten und im Sommer bis zweimal pro Woche gemäht.

Nun hat der Flugplatz Birrfeld roboterisierte Heinzelmännchen erhalten, welche diese Arbeit jeweils über Nacht erledigen.

Im März wurden die Garagen, bzw. Ladestationen der neuen Mähroboter erstellt und die Roboter programmiert. Bereits ab dieser Saison wird nun die Graspiste jeweils über Nacht gemäht und sollte sich jeden Morgen in perfekt präpariertem Zustand präsentieren.

Junioren- Segelflug-Meisterschaft

Vom 30. Mai bis zum 6. Juni 2026 findet am Flugplatz Schramberg-Winzeln die Süddeutsche Segelflugmeisterschaft der Junioren statt. Der Wettbewerb dient als Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft. Geplant sind acht Wertungstage mit Flügen im südwestdeutschen Raum. Kurzentschlossene Piloten können sich weiterhin online anmelden.

Informationen zu Teilnehmern und Wertungen werden auf der Wettbewerbswebsite (airchallenge-winzeln.de) sowie über die Social-Media-Kanäle des ausrichtenden Luftsportvereins Schwarzwald e.V. bereitgestellt. Besucher sind während der gesamten Dauer auf dem Flugplatz willkommen. Die Flüge der Teilnehmer lassen sich vor Ort über ein Live-Tracking in der Segelflughalle verfolgen.

Parallel zum Wettbewerb veranstaltet der Verein am Sonntag, dem 31. Mai, ein Flugplatzfest. Das Programm umfasst Flugvorführungen mit Maschinen der Typen Extra 300 L, Extra 330 SC, Cap 10, Klemm 35, T6, Yak 52 und RF4D. Zudem steht ein Flugsimulator des BWLV für Besucher zur Verfügung. Für die Verpflegung sorgt der Luftsportverein Schwarzwald.

Schnuppertag 2026

Die Segelfluggruppe Freiburg veranstaltet am Samstag, den 25. April 2026, einen Schnupper-Tag auf dem Flugplatz Bellechasse. Das Angebot richtet sich an Interessierte ab 14 Jahren, die einen direkten Einblick in den Segelflugsport und den Flugbetrieb erhalten möchten.

Das Programm beginnt um 09:00 Uhr mit einem Briefing zur Organisation des Flug-Betriebs und der Verteilung der Flugzeuge. Anschließend helfen die Teilnehmenden bei der Vorbereitung der Flugzeuge und erhalten von den Fluglehrern eine Einführung in die Instrumente, deren Bedienung sowie eine Sicherheitsinstruktion. Nach einem Meteo-Briefing um 10:00 Uhr beginnt der Flugbetrieb, bei dem jeder Teilnehmende bis zum Mittag einen ersten Flug in Begleitung eines Fluglehrers absolviert.

Am Nachmittag können bei entsprechender Thermik weitere Segelflüge stattfinden. Zwischen den Flügen werden Grundkenntnisse über den Segelflug und die Piloten-Ausbildung vermittelt. Die Veranstaltung endet voraussichtlich um 19:00 Uhr.

Die Kosten für den Schnuppertag betragen 200 CHF für Personen bis einschließlich 25 Jahre und 250 CHF ab 26 Jahren. Die Teilnehmenden sind für die Passagierflüge versichert. Als Ausweichdatum bei schlechtem Wetter ist der 2. Mai 2026 vorgesehen. Die Anmeldung ist bis zum 23. April 2026 möglich, wobei die Plätze in der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben werden.

Der Schwerpunkt eines Segelflugzeugs

Die korrekte Bestimmung des Schwerpunkts ist bei jedem Flugzeug essenziell für einen sicheren Flugbetrieb. Da sich der Schwerpunkt je nach Beladung verschiebt, muss er stets innerhalb eines definierten Bereichs bleiben. Auch bei Segelflugzeugen ist es daher erforderlich, den Leermassen-Schwerpunkt regelmäßig zu bestimmen und im Handbuch zu dokumentieren.

Behörden und Hersteller schreiben eine Schwerpunktwägung bei Segelflugzeugen in der Regel alle vier Jahre sowie nach Neulackierungen oder Reparaturen vor. Liegt der Schwerpunkt hinter dem zulässigen Bereich, kann dies zu kritischen Abkipp-Eigenschaften und der Gefahr des Flachtrudelns führen. Ein Schwerpunkt vor dem zulässigen Bereich mindert die Wirkung des Höhenruders. Zudem darf die maximale Flugmasse nicht überschritten werden, da sonst die strukturelle Festigkeit bei G-Belastungen nicht mehr gewährleistet ist.

Die AKAFLIEG GRAZ hat diese Prozedur an ihrem Doppelsitzer OE 5481 Twin Astir durchgeführt. Zur Ermittlung des Leermassenschwerpunkts werden Tragflächen, Rumpf und Höhenleitwerk als Einzelteile gewogen. Um genaue Ergebnisse zu erzielen, wird jede Wägung zweimal durchgeführt und mit den Daten der vorherigen Wägung verglichen.

Nach der Einzelteilwägung wird das Flugzeug aufgerüstet und mithilfe einer Wasser-Waage am Rumpfrücken exakt in Fluglage ausgerichtet. In dieser Position wird die Spornradlast gemessen. Aus dem Gesamtgewicht der Einzelteile und der gemessenen Spornradlast lässt sich der Leermassenschwerpunkt berechnen. Beim Twin Astir der AKAFLIEG GRAZ ergab die Berechnung einen Wert von 682 mm, was innerhalb des zulässigen Bereichs (670 mm bis 732 mm) liegt.

Abschließend wird aus dem Leermassenschwerpunkt der Beladeplan abgeleitet. Beim Twin Astir (Maximalgewicht 580 kg) ergibt sich eine maximale Zuladung von 170,5 kg. Diese verteilt sich auf den ersten Sitz (70 kg bis 110 kg), den zweiten Sitz (max. 110 kg) und den Gepäckraum (max. 10 kg), wobei die Gesamtmasse der Zuladung das Limit von 170,5 kg nicht überschreiten darf. Quelle: ‘Akaflieg Graz

Sisteron 2026 – Teil 2

-> Den ersten Teil des Berichtes über das Frühlings-Segelfluglager in Sisteron finden Sie hier.

Der Alltag der Helden: Zwischen Gache, Talquerung und Hinkelsteinen
Natürlich besteht ein Fluglager nicht nur aus heroischen Höhenflügen und perfekt gewählten Linien. Es besteht auch aus sehr menschlichen Episoden.

Autor: Harry Groenert

Zum Beispiel aus Tagen, an denen man 70 Kilometer von Sisteron entfernt herumkrebst und hinterher feststellt, dass man die richtige Variante gewählt hatte. Oder aus Momenten am Gache, in denen alles in dir drin im Grunde sagt: Jetzt wäre der Augenblick, um wegzufliegen. Nur ist der Mut gerade noch nicht ganz mitgekommen.

Oder aus einer tiefen Talquerung mit Motor-Unterstützung, nach der man sehr ungern feststellt, dass es vermutlich auch ohne gegangen wäre.

Oder aus zwei Stunden an der Vaumuse, in denen man mit jedem Hinkelstein langsam per Du wird.

Das Schöne daran ist: Genau diese Szenen machen das Lager erinnerungswürdig. Nicht nur die grossen Flüge, sondern auch die kleinen Ehrenrunden, Umwege, Denkfehler und Rettungsaktionen der eigenen Würde.

Auch das ist Sisteron: Matterhorn von unten, Viso von oben, Nizza irgendwo im Kopf
Landschaftlich ist Sisteron eine Zumutung: im besten Sinne.

Man sieht Dinge, die man von unten nie so sieht. Linien, Ketten, Schneefelder, Solar-Fflächen, bizarre Felsformationen, Grenoble im Norden, Nizza als gedanklicher Sehnsuchts-Ort, den Viso von oben und das Matterhorn gefühlt von unten. Diese Gegend hat die wunderbare Eigenschaft, gleichzeitig Ehrfurcht und Unternehmungslust auszulösen.

Sie sagt dem Piloten ununterbrochen: Dort drüben wäre eine schöne Linie. Hier wäre es taktisch schlau. Und genau da hinten beginnt wahrscheinlich das Abenteuer oder der Fehler. Dies weiss man aber erst im Nachhinein.

Kulinarik und Bodenprogramm: Auch am Boden wurde gearbeitet
Natürlich spielte sich das Lager nicht nur in der Luft ab.

Das Essen am Flugplatz war erfreulich gut, was unter Segelfliegern fast schon als hochrelevante Infrastruktur gilt. Gleichzeitig gab es diesen denkwürdigen Abend vor der verriegelten Tür einer reservierten Pizzeria. Besonders tragisch war das für jene, die sich davon eine kurzfristige Rettung vor tageweisem Fleischkonsum versprochen hatten. So lernt man in Sisteron: Auch kulinarische Endanflüge gelingen nicht immer.

Dazu kamen Flieger-Gespräche, Nachbesprechungen, gemeinsames Kartenstudium, kleine Cockpitphilosophien und dieser typische Lagerhumor, der nur dann entsteht, wenn mehrere Leute dasselbe erleben und es abends unterschiedlich schildern.

Cockpitgold

Was bleibt, sind oft nicht nur die Flüge, sondern die Sätze. Sisteron hat auch dieses Jahr wieder einige davon produziert:

„Komm, wir drehen um.“

„Nein, wir sind zu hoch. Geh unter die Kante, dann geht’s weiter.“

„Hey, wir sind inzwischen mit jedem Hinkelstein per Du. Lass uns endlich weiterfliegen.“

„Siehst du über den Parcours, dann bist du zu hoch.“

„Am Parcours wird nicht gekreist – basta!“

„Noch etwas höher und wir können die Crew der Artemis grüssen.“

Mehr muss man über Segelfliegen manchmal gar nicht sagen.

Zahlen, die auch eine Geschichte erzählen

Damit niemand meint, wir hätten in Sisteron nur gut gegessen, klug geredet und dem Wind beim Arbeiten zugeschaut, hier noch ein paar Zahlen:

Unsere Clubflieger kamen zusammen auf 139 Stunden und 40 Minuten.
Die Privatflieger legten noch einmal 187 Stunden und 16 Minuten drauf.

Auf Weglide summierte sich die Flüge in Sisteron auf beeindruckende 20’295 Kilometer. Darunter waren 12 Flüge mit mehr als 500 Kilometern. Und der Spitzenreiter, intern ab jetzt nur noch als „Boeing“ bekannt, brachte es auf stolze 737 Kilometer.

Mit anderen Worten: Es wurde nicht nur philosophiert. Es wurde auch ordentlich geflogen.

Fazit: Sisteron fliegt nicht nur mit dir, es schult dich auch
Mein persönliches Fazit nach diesem Lager ist einfach: Sisteron ist kein Ort für gemütliche Illusionen. Und genau deshalb ist es so gut.

Man lernt dort Wetter. Gelände. Timing. Luftraumdisziplin. Taktik. Mut. Demut. Geduld. Und hin und wieder auch ganz praktische Dinge wie Lastverteilung am Anhänger. Man erlebt diese besondere Mischung aus Anspannung, Freiheit, Kameradschaft und trockenem Humor, die ein gutes Fluglager ausmacht.

Vor allem aber wird einem wieder sehr bewusst, warum Segelfliegen so faszinierend ist. Weil es eben nie nur ums Fliegen geht. Es geht ums Entscheiden. Ums Spüren. Ums Dranbleiben. Ums Umkehren. Ums Weiterfliegen. Und manchmal auch darum, über eine sehr lange Piste noch 300 Meter im Bodeneffekt zu gleiten und das für einen kurzen Moment für die einzig richtige Art zu halten, unten sicher anzukommen.

Oder kurz gesagt:
Sisteron ist streng. Schwesterlich ist dort wenig. Aber grossartig ist es allemal.