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75 Jahre DAeC auf der Wasserkuppe

Am 9. August feiert der Deutsche Aero Club (DAeC) sein 75jähriges Bestehen, wo er 1949 gegründet wurde: in Gersfeld und auf der Wasserkuppe. Die Veranstaltung beginnt um 9:30 Uhr mit einem Festakt auf dem Marktplatz, gefolgt von einer geführten Wanderung auf dem Segelfliegerweg zur Wasserkuppe.

Ab 13:30 Uhr warten dort zahlreiche Attraktionen: Vorführungen historischer Segelflugzeuge, ein Gummiseilstart mit dem SG38, Flugzeugtaufen, ein kostenloser Besuch im Segelflugmuseum, Mitmachaktionen der Gleitschirmschule und abends ein Ballonglühen. Im Hangar 7 sorgt das Restaurant Weltensegler für Bewirtung – inklusive Fliegerparty ab 17:45 Uhr.

FSV Kusel und Akaflieg Saarbrücken auf der Wasserkuppe

Der Ursprung des Segelflugs liegt auf der Wasserkuppe. Nach dem Verbot des Motorflugs durch den Versailler Vertrag 1918 suchten flugbegeisterte Menschen eine Alternative – und fanden sie im motorlosen Fliegen. 1920 begannen erste Versuche auf der Wasserkuppe, teils mit einfachen Konstruktionen aus Holz und Stoff. Einer der frühen Höhepunkte: Ferdinand Schulz‘ Rekordflug 1924 mit über 8 Stunden Flugzeit. Später kam die SG 38, ein robuster Schulgleiter aus dem Jahr 1938, der jahrzehntelang zur Ausbildung genutzt wurde. Der Start erfolgt per Gummiseil – eine körperlich anspruchsvolle, aber effektive Methode. Wer in der SG 38 sitzt, erlebt Fliegen in seiner ursprünglichsten Form: leise, reduziert, intensiv.

Zusammen mit dem Flugsportverein Kusel reiste die Akaflieg Saarbrücken zur Wasserkuppe, um diese Ursprünge zu erleben. Neben der SG 38 bestaunten sie im Hangar zahlreiche restaurierte Oldtimer. Fluglehrer Josef aus Österreich bereitete die Gruppe auf den Gummiseilstart vor. Doch das Erlebnis war nicht nur nostalgisch: Eine kleine Unachtsamkeit beim Rangieren beschädigte den Flieger – das Wochenende war damit vorzeitig beendet.

Trotz allem bleibt der Eindruck stark. Der Segelflug verkörpert nicht nur Technik-Geschichte, sondern auch die Faszination menschlicher Leistung ohne Motorkraft. Die Akaflieg Saarbrücken bietet vielfältige Möglichkeiten im Luftsport, insbesondere im Segel- und Motorsegelflug. Ziel ist es, Flugschüler rasch zur Lizenz und zum Streckenflug zu führen. Der Verein fördert Talente aktiv und blickt auf große Erfolge zurück.

Motoren-Invasion im Museum

Die Motoren-Ecke im deutschen Segelflugmuseum mit Modellflug auf der Wasserkuppe hat Zuwachs bekommen. Die einzige BMW-8026-Strahlturbine, welche einst die Hütter H30TS antrieb, ist dazugekommen.

Wolf Hirth formulierte bereits in den 1920er Jahren seine Ideen zu einem „Motorsegler“, der einen versenkbaren Propeller hat und somit ein uneingeschränktes Segelfliegen ermöglicht. Nach einigen Ideen mit Aufsatzmotoren und festen Propellern entwarf Ulrich Hütter in den späten 1930er Jahren den Hirth Motorsegler „Mose“ oder Hi 20. Die Arbeiten liefen während des Krieges nebenher weiter, und zeigten so das erste Segelflugzeug mit Klapptriebwerk, also mit einem voll versenkbaren Propeller an einem Mast.

Unvorstellbar, aber der Motor und der Mast dazu überlebten den Krieg und wurden dem Museum von der Firma Wolf Hirth, Nabern, als Dauerleihgabe überlassen. Welch ein Meilenstein! Der ehemalige Wolf Hirth-Mitarbeiter baute ein unglaublich detailgetreues Modell des „Mose“ nach, welches er dem Museum überlies. So kann nun neben dem Originalmotor an einem Modell des „Mose“ genau studiert werden, wie das einmal aussah.

Neueste Technologie zeigt der FES-Antrieb, den der Firmengründer Luka Žnidaršič dem Museum überlassen hat. Es handelt sich dabei um den Prototyp mitsamt Bedieneinheit und (Dummy-)Batterie.

Paten für neue Austellung gesucht

Das deutsche Segelflugmuseum mit Modellflug möchte in den kommenden Monaten diese Ausstellung mit viel ehrenamtlichem Engagement neu gestalten. Für die Grafik braucht es jedoch Profi-Unterstützung, hierfür wird nach einem Paten gesucht. Die Kosten sollen bei ca. 2.500€ liegen. Über Ihre Unterstützung freut sich das Team vom deutschen Segelflugmuseum. Quelle: ‚segelflugmuseum.de‚.

Lehrgang für Luftaufsichtspersonal

Noch bis 25. November anmelden: Das Fachreferat Luftraum, Flugsicherheit und Flugbetrieb im DAeC bietet einen weiteren Lehrgang für Luftaufsichtspersonal gemäß NFL I 170/01 inklusive Theorie und Praxis für Mitglieder und Nichtmitglieder an. Der fünftägige Lehrgang findet vom 17. bis 19. Januar sowie am 24. und 25. Januar 2025 in der Fliegerschule Wasserkuppe statt.

  • Zeitraum: 5 Tage vom 17. – 19. Januar sowie vom 24. und 25. Januar 2025
  • Ort: „Fliegerschule Wasserkuppe“; Wasserkuppe 1A, 36129 Gersfeld (Rhön)
  • Kosten: für Vereinsmitglieder 885,00 EUR zzgl. 7 Prozent MwSt. Für Nicht-Mitglieder betragen die Kosten 985,00 EUR zzgl. 19 Prozent MwSt.
  • Teilnehmerzahl: max. 12 Teilnehmer
  • Voraussetzung für die Teilnahme: Teilnehmer sollten im Besitz eines Luftfahrerscheines sein oder eine ähnliche Qualifikation aufweisen und im Besitz des BZF I oder II sein. Quelle: ‚daec.de‚.

-> Anmeldung

Erster Kunstflug-Wettbewerb auf der Wasserkuppe

Bei den Feiern der Segelflugschule auf der Wasserkuppe zu ihrem 100. Geburtstag anfangs September 2024 wurde auf dem höchsten Berg der Rhön eine besondere Show geboten. Erstmals haben sich internationale Teams am Freitag und Samstag in Kunstflug-Wettbewerben miteinander gemessen, wie Markus Kurz, Vizepräsident der Gesellschaft zur Förderung des Segelsports auf der Wasserkuppe (GFS), mitteilte.

Los ging es am Freitag mit dem Freestyle-Wettbewerb. Dabei war laut Kurz unter anderem zu sehen, wie die Flugzeuge aus Rauchpatronen, die rechts und links an den Maschinen angebracht waren, bunte Streifen durch den Himmel über der Rhön zogen.

„Wer am nächsten dran ist, hat gewonnen“

Am Samstag versuchten die Piloten dann bei einem Ziellandewettbewerb, möglichst nahe an einer Markierung auf der Landebahn aufzusetzen. „Wer am nächsten dran ist, hat gewonnen“, erklärte Kurz. Die Wettbewerbe, zu denen auch Teilnehmer aus Großbritannien und der Schweiz anreisten, standen allerdings unter dem Vorbehalt guter Wetterbedingungen.

Mit ihrem Bestehen seit 100 Jahren ist die Segelflugschule auf der Wasserkuppe nach eigenen Angaben die älteste der Welt. Die 950 Meter hohe Wasserkuppe im Dreiländereck Hessen, Bayern und Thüringen gilt aufgrund dieser langen Tradition auch als Berg der Flieger. Auf der Wasserkuppe befindet sich auch das Deutsche Segelflugmuseum. Quelle:‘stern.de‚.

Älteste Segelflugschule ist 100

Als “Berg der Flieger” bietet die Wasserkuppe den traditionsreichsten Hintergrund, den sich begeisterte Flugsportler überhaupt wünschen können. Die Fliegerschule Wasserkuppe befindet sich an dem Ort, an dem das Segelfliegen “erfunden” wurde. Im Jahr 1911 starteten Darmstädter Studenten ihre ersten Flugversuche mit Gleitflugzeugen auf er baumfreien Kuppe in der hessischen Rhön und entwickelten die Kunst des motorlosen Fliegens.

2011 feierte die GFS dann das Jubiläum “100 Jahre Segelflug”, was sogar mit einer Sonder-Briefmarke gewürdigt wurde. Ein großer Segelflug-Wettbewerb bildete dabei den Höhepunkt des gesamten Veranstaltungsjahrs. 2014 feierte die Fliegerschule dann ihr 90-jähriges Bestehen im neuen Gebäude, das gerade fertiggestellt wurde. Es stellt einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der Fliegerei auf der Wasserkuppe dar. Quelle ‚Fliegerschule Wasserkuppe‚.

Ein Tag als Flugschülerin

Sie gehören zur Wasserkuppe wie der Dom zu Fulda: Segelflugzeuge. Doch um selbst solch einen Vogel steuern zu können braucht es Unterricht und Training. Doch ein Tag an der Flugschule auf der Wasserkuppe beinhaltet weitaus mehr, als nur Fliegen. Die Tage in der Flugschule beginnen immer gleich und doch verschieden: Im morgendlichen Briefing erklärt deren Leiter Lukas Schmidt-Nentwig, Wetterdaten und wie sie interpretiert werden können. Er gibt seinen Schülern Tipps, wo und wie sie am besten landen können, welche Flächen auf und um die Wasserkuppe „landbar“ sind, sollte es mal Probleme geben.

Nach dem Briefing geht es nach draußen. Noch ist es ziemlich frisch auf dem Berg der Flieger, doch jetzt heißt es anpacken, je zwei Schüler schieben die Segler von einer Halle zur Startbahn. Dabei fällt auf: Die Segler sind gar nicht so schwer. Sie zu bewegen ist trotzdem nicht einfach, denn sie haben eine Spannweite von bis zu 20 Metern. „Einer schiebt am Rumpf, der andere lenkt an den Tragflächen“, hatte Lukas Schmidt-Nentwig im Briefing erklärt und schon bald liegen alle Segler, die sich heute in die Lüfte erheben sollen, neben der Startbahn. Trotzdem müssen die Piloten zunächst am Boden bleiben.

Eine Vorflugkontrolle steht an. Kontrollen gibt es zwei: Eine vor dem ersten Flug des Tages und eine weitere vor jedem Flug. Hasso Holdschick ist Fluglehrer an der Wasserkuppe und weiß, worauf es ankommt. „Zuerst wird der Innenraum kontrolliert“, erklärt der Fluglehrer und prüft zum Beispiel, ob sich Gegenstände darin befinden, die dort nicht sein sollten. Was aber auf jeden Fall im Flieger vorhanden sein muss, ist ein Fallschirm, mit dem man im Notfall aus dem Flugzeug springen könnte. „Das ist aber noch nie passiert“, beteuert Denny Bernsee, ebenfalls Fluglehrer. „Der Fallschirm wiegt 7 Kilo und wird zum Gewicht des Piloten dazu gerechnet. In Summe müssen mindestens 75 Kilo herauskommen“, erklärt Holdschick.

Doch zurück zur Kontrolle. Der Fluglehrer hat keine Beanstandungen im Innenraum der Maschine, jetzt geht es außen weiter. Die drei Ruder des Flugzeuges und die Bremsklappen zum Beispiel müssen funktionieren. „Die Querruder und das Höhenruder werden mit dem Steuerknüppel bedient. Das Seitenruder wird mit Pedalen bewegt“, erklärt Holdschick, während er prüft, ob alle Ruder voll funktionsfähig sind. „Die Ruder dienen, um das Flugzeug um je eine seiner drei Achsen zu bewegen.“

Besonders am Segelflugzeug ist, dass es leicht auseinander gebaut werden kann. Mit wenigen Handgriffen lassen sich Bolzen und Muttern entfernen. Holdschick prüft auch, ob der Reifen nicht platt ist und auf Verunreinigungen. „Jeden Abend werden die Flieger geputzt, denn Mücken, die daran kleben, verändern die Aerodynamik“, erklärt er und entfernt noch einige Samen, aus dem rechten Querruder. Jetzt können Fluglehrer Hasso und seine Schülerin in der Maschine Platz nehmen. Ein Motorflugzeug rollt heran. Vor dem Start steht ein letzter Check an: Am Rumpf des Motorflugzeuges ist ein Seil befestigt, dass von außen am Segelflugzeug befestigt wird, damit der Segler in die Luft gezogen werden kann. F-Schlepp nennt sich das. Nach einigen Minuten muss das Seil aber ausgeklingt werden. Ob das funktioniert, wird zunächst am Boden überprüft.

Wenn das Seil wieder befestigt ist, kann es losgehen. Ein Helfer stellt den Flieger gerade, der Pilot im Motorflugzeug gibt Gas. Und nur Sekunden später hebt der kleine weiße Segler ab in die Lüfte. Nach kurzer Zeit und auf einer Höhe von rund 400 Metern über dem Flugplatz klingt der Pilot aus und segelt nun eigenständig durch die Lüfte. „Etwa 40 Starts sind meistens nötig, dann kann man alleine fliegen“, erklärt der Fluglehrer.

Wie lange sich die Maschine in der Luft halten kann, hängt von der Thermik ab. „Ohne Thermik kann die Maschine etwa zehn bis zwölf Minuten fliegen, mit bis zu zwölf Stunden“, erklärt Lukas Schmidt-Nentwig und: „Zwölf Stunden fliegen ist aber schon Leistungssport.“ Das Wetter ist für den Flugbetrieb auschlaggebend. Bei zu starkem Wind bleiben die Segler auf dem Boden.

„Nicht fliegen ist immer die schwerste Entscheidung“, sagt Schmidt-Nentwig. Der 33-Jährige saß mit 12 Jahren zum ersten Mal in einem Segelflugzeug – bei einem Ausflug auf die Wasserkuppe. „Da habe ich erfahren, dass man mit 14 anfangen kann, das Fliegen zu lernen. Ich habe mir dann vorgenommen, das zu machen, und habs geschafft“, sagt er stolz.

Inzwischen ist das Segelflugzeug mir Fluglehrer Hasso und seiner Schülerin wieder gelandet. Früher mussten die Maschine dann mit Manneskraft zurückgeschoben werden. Heute fährt einfach einer der anderen Schüler mit einem Golf-Cart zum Flugzeug und zieht. Der Pilot muss dann nur noch lenken. Gegenseitige Hilfe ist in der Flugschule selbstverständlich. „Segelfliegen ist ein Teamsport“, sagen im Grunde alle, die auf dem Flugplatz unterwegs sind. Die Atmosphäre ist familiär, jeder wird geduzt und in den Flugpausen bleibt genug Zeit für Gespräche und den Austausch von Tipps.

„Ziel ist, dass jeder Schüler drei bis sechs Starts pro Tag absolviert. Danach lässt die Konzentration nach“, erklärt Lukas Schmidt-Nentwig und ergänzt: „Das merkt der Fluglehrer dann meist am Flugstil.“ „Ein Fluglehrer arbeitet ähnlich wie ein Fahrlehrer im Auto“, erklärt Hasso Holdschick. „Wir geben Tipps und greifen nur im Notfall ein.“

Auch wenn die Schüler und Piloten aus ganz Deutschland auf die Wasserkuppe, zum Beispiel aus Wetzlar, München oder Wilhelmshafen kommen, wünscht sich Markus Kurz, Vizepräsident der Gesellschaft zur Förderung des Segelfluges auf der Wasserkuppe (GFS), mehr Piloten. „Wir haben ein Konzept, damit Flugschüler die Alleinflugreife erreichen können. Der Tag beginnt dann um 8 Uhr mit einem Frühstück, dann folgt das Briefing, ein gemeinsames Mittagessen und danach wird weitergeflogen. Der Tag endet dann mit einem gemeinsamen Abendessen. Das wird gut angenommen und so kann man es in zwei bis drei Wochen zur Alleinflugreife schaffen.“ Unter dem Dach der GFS haben sich zahlreiche Segelflugvereine zusammengeschlossen, die alle den Flugplatz auf der Wasserkuppe nutzen können.

Zeit der Maschine in der Luft abhängig von Thermik
Wer die Fliegerei testen will, der kann einen Schnupperkurs buchen und kommt in den Genuss mit einem Fluglehrer abzuheben. Und das ist ein ganz besonderes Gefühl. Im Cockpit ist es zwar ziemlich eng, Piloten sind gut festgeschnallt, aber sobald die Maschine vom Boden abhebt, verschwindet das Gefühl der Enge sofort und ein Kribbeln macht sich breit. Die Aussicht über die Rhön und die vielen Dörfer, Wiesen und Wälder ist einmalig und während die Bäume und Felder immer kleiner werden und das Flugzeug immer höher steigt, wird mir plötzlich übel. Zum Glück ist mein Fluglehrer Denny Bernsee mit Spuckbeuteln ausgestattet und so geht mein erster Flug schneller zu Ende als erhofft, und mein Fluglehrer nimmt Kurs auf die geteerte Landebahn. Dass es Personen im Flug übel wird, sei schon vorgekommen, aber eher später, beim Kreisen sagt er. „Das ist Gewöhnugssache“, sagt Markus Kurz und ergänzt: „Beim nächsten Mal wird es besser.“ ausgestattet mit Kaugummi, die gegen Übelkeit helfen, wage ich am späten Nachmittag einen zweiten Flug. Und wie beim ersten Mal sind sie wieder da: Das Kribbeln und die grandiose Aussicht über die Rhön. Die Milseburg wirkt auf einmal wie ein kleiner, unscheinbarer Hügel. Am Horizont glitzert etwas am Boden. „Das ist Fulda. Das, was glitzert sind die vielen Fenster“, sagt Lukas Schimdt-Nentwig. Diesmal ist er mein Fluglehrer.

Segelflug-Übelkeit verfliegt, je öfter man fliegt
Ein bisschen habe ich wieder mit der Übelkeit zu kämpfen, doch es ist wirklich schon viel besser und wir sind länger in der Luft. Diesmal landen wir auf dem Weltensegler-Hang, einer der anderen Landebahnen auf dem Berg der Flieger. Jetzt sind wieder alle Flugschüler gefordert: Gemeinsam werden die Flieger geputzt, denn zahlreiche Mücken kleben an den Tragflächen. Hier wird es wieder deutlich: Segelfliegen ist ein Teamsport. Und ganz zum Schluss, als ich schon auf dem Weg nach Hause bin, bin ich mir sicher: Ich würde immer wieder in ein Segelflugzeug einsteigen. Quelle: ‚Fuldaerzeitung‘.

Sammlung des Segelflugmuseums wird digital

Das Deutsche Segelflugmuseum mit Modellflug auf der Wasserkuppe digitalisiert umfassend seinen Bestand.

„Kellerfunde“ über Online-Plattform „Museum digital“ abrufbar
Auf der Online-Plattform „Museum digital“ (nach unten scrollen) wurden die „Kellerfunde“ nun gesammelt. Nicht die Flugzeuge sind dort bequem abrufbar, sondern die Archiv- und Depotbestände.

Neben den fertigen Bausteinen Segelfluginstrumente und Zeitschriften wird aktuell die gesamte Bibliothek mit dem Scannen aller Buchvorderseiten erfasst. Unter „Werbemittel“ zeigt das Museum keine Eigenwerbung, sondern Prospekte, Beschreibungen, Bauanleitungen und Kataloge aus dem Modellflug. Viele werden sich an den einen oder anderen Katalog gerne erinnern.

Bereits 1200 Objekte aus dem Archiv und Depot online
Aktuell sind rund 1200 Objekte öffentlich auf der Plattform zu finden. So ermöglicht das Museum einen ersten Blick hinter die Kulissen. Da alles im Ehrenamt und mit den Mitgliedern des eigenen Fördervereins geschieht und von denselben Akteuren auch noch das Museum betreut wird, ist das Online-Archiv eine der vielen Baustellen und damit permanent in der Weiterentwicklung. Es lohnt sich also, den Link auf der Favoritenleiste zu speichern, um den weiteren Weg des Museums mit unseren Lieblingssportarten nicht nur weiterzuverfolgen, sondern eventuell sogar selbst mitzugestalten – jede Form der Unterstützung ist wertvoll!

Das Museum eröffnet damit Historikern umfassende, moderne Recherche-Möglichkeiten. So können sie wichtige Erkenntnisse sammeln und Nachfragen starten. Auch Stifter können hier herausfinden, ob das eigene Sammlungsstück, welches unbedingt einen Platz in einem Museum haben soll, dort schon vorhanden ist oder – und das ist wichtig – die Sammlung eine Lücke aufweist! Denn auch bei den Zeitschriften und Werbemittel sind trotz intensivem Sammlungs-Bemühen noch Lücken zu finden. An dieser Stelle ruft das Museum auf, wenn möglich fehlende Objekte zu spenden. Bereits jetzt mehrfach vorhandene Exemplare können im Antiquariat des Museums erworben werden. Quelle: ‚DAeC / Segelflugmuseum‚.

Buch über Fliegen auf der Wasserkuppe bis 1945

„Die Wasserkuppe ist in Fulda so bekannt wie Schwartenmagen und der Dom“, sie sei „das Woodstock des Segelflugs“ und „das Wacken der Flugpioniere“, ein Ort, an dem deutsche und europäische Fluggeschichte geschrieben worden sei. Sie sei aber auch ein NS-Täterort. Deshalb müsse man die Geschichte der Wasserkuppe in ihren verschiedenen Schichtungen freilegen. So begrüßte Dr. Alexander Jehn, der Direktor der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung (HLZ) die Gäste bei der Vorstellung des Buchs „Volk, flieg du wieder“ von Pauline Bietau. Um dieses Kompliment gleich vorneweg zu schicken: Das Buch ist didaktisch exzellent aufgebaut, mit knackig-kurzen Kapiteln, verdichteten Zusammenfassungen, Kurz-Biografien und ganzseitig abgedruckten Zitaten. Mit anderen Worten – das Buch ist bei aller historischen Genauigkeit und Tiefe extrem zugänglich.

Der Titel des Buchs ist der Gedenktafel am Fliegerdenkmal entnommen: „Wir toten Flieger bleiben Sieger durch uns allein. Volk, flieg du wieder, und du wirst Sieger durch dich allein.“ Ein Satz, der heute unerträglich ist, genauso seine revisionistische Haltung, die in den 1920-er Jahren weit verbreitet war. Warum er dennoch für dieses Buch gewählt wurde, erschließt sich mir nicht, zumal ja auch Wulf Bleys von nationalsozialistischem Gedankengut durchtränkte Geschichte der deutschen Luftfahrt so hieß. Und nein, da hilft es wenig, den Titel in Anführungszeichen zu setzen.

Ort technologischer Faszination
Auf der Wasserkuppe wird zwar seit 1911 geflogen, ihr „Impact“ allerdings stammt weniger aus diesen frühen Jahren als aus der Zeit des Dritten Reichs. Das hängt mit der durchorchestrierten Instrumentalisierung der Flug- und Technikbegeisterung zusammen, mit der das NS-Regime darauf abzielte, junge Menschen für die Fliegerei zu gewinnen. Sie tat das mit Schriften, Büchern, Plakaten, Wettbewerben und Filmen. Der Aspekt Verführung und Verführbarkeit spielt deshalb auch eine ganz besondere Rolle in diesem Buch.

Pauline Bietau wies daraufhin, dass Technik auch heute große Anziehungskraft besitzt. Zwar ist das Fliegen im 21. Jahrhundert selbstverständlich geworden, neue Technologien wie KI, Gentechnik oder Biotechnologie sind es aber nicht. All dies seien Technologien, die „das Potential haben, unser Zusammenleben zu revolutionieren. Sie eröffnen damit auch – wie das Fliegen in den 1920er und 1930er Jahren – Karrieremöglichkeiten für talentierte Forscher und Entwickler“, heißt es in der Einleitung des Buchs. So ist die Geschichte der Wasserkuppe auch die Geschichte der Unwägbarkeiten neuer Technologien, deren Auswirkungen gerade am Anfang nicht einschätzbar sind. Und die für eine offene, demokratische Gesellschaft Fluch und Segen zugleich sein können.

Ort ideologischen Missbrauchs
Die Geschichte der Wasserkuppe kann man auch als die des ideologischen Missbrauchs erzählen. Der Indoktrination entging hier niemand, das zeigt das Leistungsbuch eines auf der Wasserkuppe fliegerisch ausgebildeten Jungen. Neben fliegerischen Kenntnissen und sportlichen Normen war eine weltanschauliche Prüfung vorgeschrieben, in der vom Leben des Führers bis zu Rasse-Ideologie, NS-Parteiprogramm und deutschem Liedgut abgefragt wurde, was ein „Pimpf“ oder „Hitlerjunge“ zu wissen hatte. Nur dann gab’s die begehrten Abzeichen. In der in martialischer Überwältigungsarchitektur erbauten Ehrenhalle der Flieger wird ein Kenotaph für Otto Lilienthal (1848 bis 1896) gezeigt, darauf dessen vorgeblich letzte Worte „Opfer müssen gebracht werden“. Dahinter liegt das Löschwasserbecken, das auch als Schwimmbad genutzt werden konnte und für junge Menschen damals viel Anziehungskraft hatte. Hier sieht man den Mix aus Sport, Drill, Wettkampf und ideologischer Zurichtung besonders schön.

Ort der Mahnung und Erinnerung
Von 1945 bis 1998 überwachten von der Wasserkuppe aus vor allem amerikanische Luftwaffeneinheiten den Luftraum des Warschauer Pakts. Zeitweilig taten hier bis zu 800 Soldaten Dienst und trugen damit maßgeblich zur Sicherung des Friedens in Europa bei. Übrigens wurden auch die „Rosinenbomber“ während der Berlinblockade von der Wasserkuppe aus geleitet! Seit Ende des Kalten Kriegs hat die Wasserkuppe keine militärische Bedeutung mehr, heute steht ihre touristische Erschließung im Fokus. Die aber soll das historische Erbe weder verschleiern noch vergessen machen. Diese Epoche ist nicht Gegenstand des Buchs, verdiente aber eine eigenständige Darstellung.

Der ‚Berg der Flieger‘ ist ein gutes Beispiel für die Ambiguitätstoleranz, die wir in zunehmend als komplexer empfundenen Zeiten brauchen. Die Geschichte der Wasserkuppe ist keine von fliegenden Helden und Technik-Superfreaks, sondern eine von begeisterungsfähigen, aber eben auch verführbaren Menschen. Das macht die Ambivalenz dieses Ortes und der Menschen, die ihn geprägt haben, aus. Das auszuhalten ist eine gute Schulung in Demokratieverständnis. Quelle: ‚Jutta Hamberger in den Osthessen-News‚.

OLC-Finale 2023

Nach dem Hattrick folgen der Quattrick und der Quintrick – so würde man es im Fussball formulieren. Bereits zum unglaublichen 5. Mal in Folge hat der LSV Rinteln die Segelflug-Bundesliga gewonnen und wurde deshalb am vergangenen Samstag während des OLC-Finales 2023 in Poppenhausen/Rhön zum Deutschen Meister gekürt.

Das große Finale: Die Sieger der Segelflug-Bundesliga. Zum 5. Mal in Folge Deutscher Meister ist der LSV Rinteln, gefolgt vom FSC Odenwald Walldürn und dem LSV Schwarzwald.

Die Saison für die in voller Mannschaftsstärke angereisten Niedersachen verlief allerdings nicht so geradlinig wie in den vergangenen Jahren. Hochmotiviert musste man wetterbedingt einige Runden warten, um endlich richtig durchstarten zu können. Es dauerte bis zum letzten Durchgang im August, bis die mit hochkarätigen Piloten ausgestattete Mannschaft den Sack gegenüber den Konkurrenten zumachen konnte. Bernd Fischer schwärmte in seinem Liga- und Wetterrückblick auf die Saison 2023 denn auch von einem regelrechten Showdown über dem Bayrischen Wald zwischen dem LSV Rinteln und dem FSC Odenwald Walldürn.

„Volles Haus“ in Poppenhausen
Reiner Rose als Leiter des OLC stellte für die Besucher im voll besetzten von-Steinrückhaus unterhalb der Wasserkuppe einen bunten Strauß an Vorträgen, Berichten und Siegerehrungen zur Verfügung und führte durch sein Programm.

Darf ein Jahr die OLC-LS8neo fliegen: Nico Ziegler (LSG Hersbruck) mit seinem Vorgänger Lorenz Schulze-Varnholt (rechts)

Begehrte Förderflugzeuge
Begonnen hatte der Nachmittag mit den Berichten der beiden Förderflugzeug-Piloten über ihre Leistungen und Erlebnisse mit der OLC-LS8neo und dem OLC-Discus2cT. Auch dieses Mal wieder staunten die Zuhörer nicht schlecht, was die beiden Youngsters mit den von Ralph Bürklin (LS8) und Wilfried Großkinsky (Discus2) großzügig zur Verfügung gestellten Rennmaschinen alles erreichen konnten. So gelangen z.B. Jan Schulz mit dem OLC-Discus allein 4 Flüge über tausend Kilometer von seinem Heimatflugplatz Isny aus (siehe auch). Über 340 Stunden steuerte Lorenz Schulze-Varnholt die OLC-LS8 überaus erfolgreich auch auf mehreren Wettbewerben durch das Jahr (siehe auch).

In der kommenden Saison darf nun Nico Ziegler (LSG Hersbruck) die LS8neo pilotieren. Er hatte für seinen Heimatverein fast jedes Wochenende in der Segelflug-Bundesliga gepunktet. Dieses Förderflugzeug soll laut Reiner Rose in Zukunft vor allem für das Liga-Fliegen zur Verfügung stehen. Er verband die Übergabe mit Ralph Bürklin mit einem Plädoyer für die U25-Liga. Als Preisträger für den OLC-Discus in der Saison 2024 wählten Gerd Peter Lauer und Wilfried Großkinsky Jannis Däuble vom FSV Ammerbuch aus. Der Focus bei diesem 18m-Flugzeug liegt vor allem auf den großen, tagesfüllenden Streckenflügen.

Das Antares-Prinzip als Höhepunkt
Sensationeller Höhepunkt des Nachmittags waren ohne Zweifel die Auftritte von Axel Lange (Lange Flugzeugbau) und Klaus Ohlmann. Zunächst erläuterte Lange anhand der Historie und der für die Zukunft geplanten technischen Innovationen das Antares-Prinzip. Dabei wurde den Zuschauern schnell deutlich, wie strukturiert und perfektionistisch an der Evolution der Antares-Flugzeugfamilie gearbeitet wird. Vor allem auch die neuesten Entwicklungen im Bereich der Antriebsbatterien und die damit erreichbaren Verbesserungen bei der maximalen Steighöhe ließen dabei ein Raunen durch die Reihen gehen.

Klaus Ohlmann (li.) begeisterte mit seinem Vortrag über seine ganz eigene Segelflugwelt. Für Patrick Benoist (rechtes Bild) geht ein weiterer Traum in Erfüllung. Aus der Hand von Rainer Hog erhält er den nagelneuen Pokal des Bitterwasser-Cups

Einmal mehr outete sich Klaus Ohlmann als glühender Fan der Antares. Der mit über 60 Weltrekorden erfolgreichste Segelflieger der Welt begeisterte die Zuhörer mit Einblicken in seine ganz besondere Segelflugwelt. So berichtete er über seine Art und Weise, bausteinartig neue Fluggebiete und deren Verbindungen und damit ganz neue Dimensionen für den Segelflug zu erschließen.

OLC Live-pro – Echtes Livescoring
Nach einer längeren Pause, die von den Gästen ausgiebig zum Netzwerken und Austauschen genutzt wurde, stellte Stefan Harries das Großprojekt OLC Live-pro vor. Wichtigste Aussage: „Der OLC live-pro ist nicht nur einfach eine Live-Darstellung von gerade fliegenden Segelflugzeugen, sondern ein echtes Live-Scoring, das Echtzeit-Flüge mit vorausberechneten Punkten und bereits gemeldete Flüge in einer gemeinsamen, hybriden Darstellung präsentiert.“

Es wurde deutlich, dass dieses Projekt für das kleine OLC-Team ein regelrechter Kraftakt ist. Der aktuelle Entwicklungsstand nach nicht einmal einem Jahr seit Projektstart ist dennoch beachtlich. Es wurden aber auch eine Reihe von geplanten weiteren Features vorgestellt, die in den nächsten Monaten veröffentlicht werden sollen.

Siegerehrungen als krönender Abschluss
Wie immer bildeten die Siegerehrungen vom OLC-Champion bis zur Segelflug-Bundesliga mit den entsprechenden Kurzpräsentationen und Interviews den krönenden Abschluss einer ereignisreichen Abschlussfeier des OLC-Jahres 2022. Quelle: ‚OLC, online-contest‚.

Fliegerdenkmal vor 100 Jahren eingeweiht

Vor 100 Jahren wurde das Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe eingeweiht. Zehntausende Menschen verfolgten die Zeremonie. Doch die Feier wurde getrübt: Im anschließenden Flieger-Wettbewerb kam ein Pilot ums Leben, drei verletzten sich bei Abstürzen.

Wasserkuppe – Es war kein schöner Tag, der 30. August 1923. Ein heftiger Nordwest-Wind fegte über die Wasserkuppe im Kreis Fulda. Es war grau. Und trotzdem wollten Zehntausende sich dieses Ereignis, die Einweihung des Fliegerdenkmals nicht entgehen lassen. Es sollte an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Piloten sowie die toten Segelflieger erinnern.

Rhön: Vor 100 Jahren – Unfälle trüben Fliegerdenkmal-Einweihung
Schon am frühen Morgen machten sich unabsehbare Menschenmassen auf den Weg in Richtung Wasserkuppe. Der Gersfelder Bürgermeister Seifert hatte die Bevölkerung aufgerufen, aus diesem besonderen Anlass die Häuser zu beflaggen. Die Reichsbahn setzte sogar Sonderzüge nach Gersfeld ein. Einer davon hatte allerdings so große Verspätung, dass die Fahrgäste zu spät zur Feier auf die Wasserkuppe kamen.

Sogar 70 Automobile, für die damalige Zeit unvorstellbar viele, fuhren zur Einweihung auf den höchsten Berg in Hessen. Ein Motorflugzeug landete auf dem Berg der Flieger. Aus den umliegenden Orten der Rhön kamen ganze Schulklassen mit ihren Lehrern, um Zeugen dieses besonderen Ereignisses zu werden, schreibt Joachim Jenrich in seinem Buch „Die Wasserkuppe – Berg mit Geschichte“.

Viele Ehrengäste waren am 30. August auf die Wasserkuppe gekommen. Unter ihnen General Erich Ludendorff, der Bruder des ehemaligen Deutschen Kaisers, Wilhelm II, der flugbegeisterte Prinz Heinrich von Preußen, Felix Graf Luckner, genannt der Seeteufel, der Frankfurter Oberbürgermeister Dr. Georg Voigt, der preußische Kultusminister Otto Boelitz und viele Generäle sowie Pour-le-Merite-Flieger.

Das Denkmal wurde auf einem Vulkanschlot unterhalb des Gipfels errichtet. Basaltsteine und -säulen wurden dazu zusammengetragen. Eine von Bildhauer August Gaul geschaffene Adlers-Skulptur thront auf den Basaltsteinen. Die bronzene Gedenktafel trägt den Text: „Wir toten Flieger bleiben Sieger durch uns allein. Volk, flieg du wieder und du wirst Sieger durch dich allein.“ Quelle: ‚Fuldaer Zeitung‚. Foto: ‚Arnulf Müller‚.


Hintergrund zum Fliegerdenkmal
Die Errichtung des Denkmals geht auf eine Initiative des Rings der Flieger zurück, der nach Ende des Ersten Weltkriegs als Zusammenschluss verschiedener fliegerischer „kameradschaftlicher Vereinigungen“ entstand. Das Denkmal ist jenen gewidmet, die „im Frieden und im Krieg im Kampf um die Eroberung der Luft ihr Leben gewagt und eingesetzt, mit ihrem Tod ihr Streben besiegelt haben“. Die Idee einer Deutschen Flieger-Gedenkstätte entstand vermutlich 1922 und sollte ursprünglich im Harz verwirklicht werden. Doch da die Wasserkuppe deutschlandweit in den 1920er Jahren das Zentrum des Segelflugsports wurde, entschied man sich für den Berg der Flieger.

Der Flug des Ikarus

Der Mensch wird zum Vogel und die Erde zur unwirklichen Modelllandschaft: Beim Segelfliegen auf der Wasserkuppe geraten für den Luftsportdebütanten Welt und Leben berauschend aus den Fugen. Es ist der Moment, in dem wir uns endgültig von unserem irdischen Dasein zu verabschieden scheinen, von der beschwerlichen Existenz auf der Erdkruste und zu einem Zwitterwesen aus Mensch und Vogel werden, vogelfrei in einem nie gekannten Wortsinn. Es ist der Moment, in dem das Seil gelöst wird, mit dem uns die kleine Propellermaschine in die Höhe geschleppt hat, und wir nun unserem Schicksal überlassen sind, ganz allein auf uns gestellt, von keiner Antriebstechnik mehr beschützt, himmelhochjauchzend bei jedem Aufwind, zu Tode erschrocken bei jedem Luftloch. Kaum ist die Propellermaschine abgetaucht, umfängt uns eine berauschende Stille, eine elysische Ruhe, nur untermalt vom leisen Säuseln des Windes am Bug und an den Tragflächen. Wir schweben durch die Luft, gleiten durch die Atmosphäre, wir fühlen uns, als hätte man uns Flügel verliehen. Die Erde unter uns ist zur Spielzeugwelt, der Himmel ringsum zu unserem Komplizen, das Segelflugzeug zu unseren Schwingen und ein Menschheitstraum endlich auch für uns wahr geworden: Wir fliegen zum ersten Mal wie ein Vogel nur mit den Kräften der Natur. Wir sind Ikarus, der aber nicht für seine Hybris grausam mit dem Tode bestraft, sondern in ein paar Minuten sicher auf der Wasserkuppe landen wird, der Wiege des weltweiten Segelfliegens. Quelle / vollständiger Bericht (gebührenpflichtig): ‚FAZ, Frankfurter Allgemeine Zeitung‘.

Der erste Jet der Welt war ein Segelflieger

Am 11. Juni 1928 ist die Raketentechnik noch jung, doch Autos brechen mit ihrer Hilfe Rekorde. Nun soll auch ein Flugzeug erstmals auf diesem Weg abheben. Das Wagnis gelingt ausgerechnet mit einem Segelflugzeug. Die Wasserkuppe in Hessen gilt als die «Wiege des Segelflugs»: im Sommer 1920 findet im Rhön-Mittelgebirge im Deutschen Reich der erste Wettbewerb der Gleitflieger statt. In den folgenden Jahren gehen auf der Wasserkuppe aber nicht nur flugbegeisterte Studenten in die Luft. Auch frühere Militärpiloten frönen dort ihrer Leidenschaft, nachdem es Berlin nach dem Ersten Weltkrieg verboten worden ist, weiterhin Piloten auszubilden oder eine Luftwaffe zu unterhalten.

Nachbau der RRG Ente von Alexander Lippisch im Deutschen Segelflug-Museum auf der Wasserkuppe.

Ein solcher Veteran ist Fritz Stamer. Der Hannoveraner zieht 1914 im Alter von 17 Jahren in den Krieg, wird in Flandern verletzt und anschliessend zum Feldpiloten ausgebildet. 1917 besteht er die Prüfung. Ein Jahr später wird Stamer mit seiner DFW C.V über Frankreich abgeschossen. 1920 kehrt er aus der Gefangenschaft heim und arbeitet ab 1921 als Fluglehrer auf der Wasserkuppe.

Raketen beflügeln den Traum vom «Weltenraum»
Dort lernt Stamer Alexander Lippisch kennen, der nach dem Krieg als Konstrukteur Erfolge mit schwanzlosen Flugzeugen feiert. Sein Prototyp DFS 39 gilt als Vorläufer des raketengetriebenen Abfangjägers Me 163 aus dem Zweiten Weltkrieg, dessen geistiger Vater Lippisch ist. 1926 heiratet der Ingenieur Käthe Stamers, die Schwester von Fritz. Ihren 1927 geborenen Sohn nennt das Paar tatsächlich Hangwind.

Die Fliegerei steckt auch 1920 immer noch in ihren Kinderschuhen. Der Sieger des damaligen ersten Segelflugwettbewerbs ist gerade mal zwei Minuten und 22 Sekunden in der Luft. Doch die Technik entwickelt sich in den folgenden Jahren rasant – und das gilt nicht nur für die Luftfahrt: 1923 veröffentlicht ein gewisser Hermann Oberth seine Arbeit «Die Rakete zu den Planetenräumen».

11.Juni 1928: Fritz Stamer geht in die Geschichte ein
Dennoch wird ein Versuch geplant: Sein Testpilot und Schwager Franz Stamer soll ins Cockpit steigen. Am 10. und 11. Juni 1928 ist es so weit. Der erste Test auf der Wasserkuppe scheitert: Die Ente bleibt am Boden, die Pulverraketen brennen aus. Beim zweiten Versuch wird die Ente erst mit einem Gummiseil in die Höhe katapultiert, bevor Stamer in der Luft nacheinander beide Strahl-Triebwerke zuschaltet. Die beiden Raketen brennen lediglich 30 Sekunden lang, der Flug dauert nur 80 Sekunden, doch die Ente schwebt 1,5 Kilometer weit. Der erst 30 Jahre alte Veteran und Fluglehrer Franz Stamer aus Hannover ist damit der erste Mensch, der mit einem Raketenantrieb durch die Luft geflogen ist. Es gibt noch einen dritten Versuch, bei dem beide Triebwerke gleichzeitig gezündet werden, doch eines davon explodiert. Die Ente fängt in etwa 20 Meter Höhe Feuer, doch es gelingt Stamer, den Raketengleiter zu landen. Stamer überlebt und geht in die Geschichte ein, doch der Pilot bleibt danach eher bodenständig. Er übernimmt die Flugschule, die bald auf der Wasserkuppe aufgeht, arbeitet dann administrativ im Segelflug und ist 1950 Mitgründer des Deutschen Aero Clubs. Er stirbt 1969. Quelle: ‚bluewin.ch‚. Originalbild: Commons/Bergfalke2.