Schlagwort-Archiv: Gewitter

Segelflugzeuge im Sturm

Der australische Pilot John Clark schildert im Magazin *Gliding Australia* seine Erfahrungen mit Gewittern am Boden und gibt konkrete Empfehlungen zur Sicherung von Segelflugzeugen bei Unwetter.

Erfahrungen und praktische Empfehlungen

Clark erlebte zwei markante Ereignisse: Beim ersten Vorfall landete er mit drei weiteren Piloten in Wentworth (New South Wales), als sich ein Gewitter ankündigte. Sein DG-808 war auf frisch gepflügtem, losem Boden angebunden – ein Nachteil gegenüber den anderen Maschinen, die auf festem Untergrund standen. Der Sturm traf mit einer Windstärke von schätzungsweise 50 Knoten und mehr. Alle Flugzeuge blieben unbeschädigt.

Beim zweiten Vorfall in Tocumwal wurde Clark beim Vorbereiten einer Ximango überrascht. Der Wind erreichte 40 bis 45 Knoten, ein Flügelspitzen-Verzurrseil löste sich, die Querruder begannen zu schlagen. Durch improvisierte Massnahmen – Öffnen der Störklappen, Sicherung des Steuerknüppels mit einer Tasche – konnte er grössere Schäden verhindern.

Aus diesen Erlebnissen und langjähriger Safari-Flugerfahrung leitet Clark folgende Empfehlungen ab:

Früherkennung und Entscheidung. Wer in der Luft ist und Gewitter erkennt, sollte früh landen. Gewitterschatten können sich am Boden schnell ausbreiten. Ist man erst auf dem Boden, bleibt oft keine Zeit mehr für eine ordentliche Sicherung.

  • Störklappen öffnen. Clark empfiehlt, die Störklappen im Sturm geöffnet und gesichert zu lassen. Offene Störklappen reduzieren den Auftrieb und verringern die Gefahr, dass ein Flügel abhebt. Nachteil: Der erhöhte Luftwiderstand kann dazu führen, dass das Flugzeug vorwärtsrollt.
  • Windrichtung beachten. Bei Gewittern dreht der Wind oft um 180 Grad, wenn die Zelle vorbeizieht. Eine Ausrichtung des Flugzeugs in den Wind bietet daher keinen verlässlichen Schutz.
  • Verzurrung. Clark bevorzugt Spectra-Seil (UHMWPE) in mindestens 6 mm Durchmesser, da dieses im Gegensatz zu handelsüblichem Nylonseil nicht durch UV-Strahlung degradiert. Gurte aus Sicherheitsgurt-Gewebe eignen sich für die Auflage auf Flügeln und Heckausleger. Schraubanker (*Screw-its*) hielten in Wentworth trotz lockerem Boden, wenn sie paarweise mit einem horizontalen Verbindungsseil eingesetzt wurden. Einfache Erdspieße versagten in einem Fall bei der Hälfte der Befestigungspunkte.
  • Flügelspitzen-Befestigung. Seile an den Flügelspitzen müssen weit genug nach innen führen, damit sie bei Winddruck nicht nach aussen gleiten und sich lösen. Ideal sind fest vernähte Schlaufen aus Polyester-Gurtband.
  • Im Zweifelsfall: Abstand halten. Wenn der Sturm bereits voll einsetzt, ist es nach Clarks Einschätzung sinnvoller, sich in Sicherheit zu bringen, als am Flugzeug zu bleiben. Ein umgeworfenes Segelflugzeug mit Pilot im Cockpit birgt erhebliche Verletzungsgefahr.

Der englische Original-Artikel erschien im australischen Magazin *Gliding Australia* und richtet sich an Piloten, die ihre Flugzeuge ausserhalb des Heimatplatzes abstellen müssen.

Sturm in Narromine: Segelflugzeuge zerstört

Ein unerwartet heftiger Sturm, der am 26. November 2025 über die australische Stadt Narromine in New South Wales zog, hat schwere Schäden am örtlichen Segelflugplatz verursacht. Mindestens vier Segelflugzeuge wurden zerstört und weitere beschädigt, als die Unwetterfront mit Wind-Geschwindigkeiten von über 110 km/h) über das Gelände fegte. Berichten zufolge ereignete sich der Vorfall gegen 12:30 Uhr mittags, als sich mehrere Piloten und ihre Teams auf eine bevorstehende Wettbewerbswoche vorbereiteten.

Zerstörte Flugzeuge und massive Schäden

Die Wucht des Sturms war so gewaltig, dass selbst die Stahlseile, mit denen zwei der Flugzeuge am Boden gesichert waren, rissen. Augenzeugenberichten zufolge wurden vier Segelflugzeuge von den Böen erfasst, in die Luft gehoben und auf den Rücken geworfen.

Bei den zerstörten Maschinen handelt es sich um folgende Modelle:

KennzeichenFlugzeugtyp
IZXJantar Standard 2
XCOSZD 55
FQDMosquito
GSTLS6-b

Ein weiteres Flugzeug, eine ASG 29 des Southern Cross Gliding Club, erlitt leichtere Schäden am linken Querruder, konnte aber dank des mutigen Eingreifens eines Piloten vor Schlimmerem bewahrt werden. Glücklicherweise wurden bei dem Vorfall keine Personen ernsthaft verletzt; es blieb bei leichten Prellungen und Schnittwunden.

Ausmaß der Zerstörung

Neben den Flugzeugen wurden auch Teile der Infrastruktur des Flugplatzes in Mitleidenschaft gezogen. Hangartore wurden aus den Angeln gehoben, Dachpaneele abgerissen und Bäume entwurzelt. In der nahegelegenen Stadt Narromine deckte der Sturm das Dach eines Hauses ab und beschädigte Stromleitungen. Einige Kommentatoren in den sozialen Medien sprachen von einem Tornado, der die Region heimgesucht habe und auch in den benachbarten Orten Dubbo und Nevertire für Zerstörung sorgte.

Die Gemeinschaft der Segelflieger zeigte sich in den sozialen Netzwerken tief betroffen von den Ereignissen.

Quellen

Bessere Gewitter-Vorhersage

Der Deutsche Wetterdienst nimmt ein neues Wettervorhersage-Modell in Betrieb. Eine der Grundlagen für die tägliche Wettervorhersage und die Ausgabe von Wetter-Warnungen stellen numerische Wettervorhersage-Modelle dar. Mit dem neuen ICON-D2 Rapid Update Cycle (RUC) verfügt der Deutsche Wetterdienst (DWD) seit Ende April 2025 über ein Modell für Vorhersagen im Kürzestfristbereich bis zu einem Vorhersagezeitraum von 14 Stunden.

Stündliche Aktualisierung der Daten

Um jede Stunde von den aktuellsten Beobachtungsdaten zu profitieren, werden die Vorhersagen jede volle Stunde aktualisiert. Zudem stehen die neuen Vorhersagen sehr rasch, bereits ca. 40 Minuten nach Termin für den sie gestartet wurden, zur Verfügung.

Bessere Vorhersage gefährlicher Wetterlagen

Der ICON-D2-RUC ergänzt daher die 3-stündig neu startenden, aber länger (+48 Stunden) laufenden, ICON-D2-Vorhersagen und eignet sich insbesondere für die Vorhersage von sich rasch entwickelnden potentiell gefährlichen Wetterlagen, wie hochreichende Gewitter (Super- und Multizellengewitter, Böenwalzen, mesoskalige konvektive Komplexe), die mit heftigen Begleiterscheinungen wie Starkniederschlag, Hagel, starken Windböen, Tornados und lokalen Sturzfluten verbunden sein können.

Hierbei profitiert der ICON-D2-RUC auch von einer komplexeren Simulation der Wolken- und Niederschlagsprozesse in der Atmosphäre bei gleichem Modellgebiet und gleicher feiner Gitterpunktauflösung von ca. 2km wie das bisherige ICON-D2.

Vorhersage von Radarsignalen

Neben den üblichen Vorhersagegrößen werden auch Radarsignale vorhergesagt, um diese mit dem Radar-Nowcasting („Radarvorhersagefilm“ durch einfaches Fortschreiben der beobachteten Zugrichtung) zu kontinuierlichen Vorhersageprodukten zusammenführen zu können. Dabei sind Vorhersagen von Radarsignalen das, was ein echtes Radar, stünde es an der entsprechenden Stelle im Modellgebiet, auf Basis der simulierten Atmosphäre messen würde. Die kurze Vorhersagehorizont von +14 Stunden ist dafür bestens geeignet. Quelle: ‚dwd.de‚. Bild: Rüdiger Manig

Deutschlandwetter im Juli 2024

Beständiges Sommerwetter? Nicht im Juli – oftmals folgten Unwetter auf Hitzeperioden
Offenbach, 30. Juli 2024 – Auch der Juli 2024 war eher wechselhaft, beständiges Sommerwetter wollte sich einfach nicht einstellen. Auf kurze Hitzewellen folgten rasch Schauer und teils kräftige Gewitter, die die sommerlichen Intermezzi mitunter jäh beendeten. Nicht selten kam es dabei zu unwetterartigem Starkregen, schwere Sturmböen und größerer Hagel waren ebenfalls immer wieder mit von der Partie. Schwerstarbeit für die Warnmeteorologen des DWD und die Hilfskräfte, wie Feuerwehr, Polizei oder THW stand somit auf der Tagesordnung. Schadensmeldungen und Berichte von vollgelaufenen Kellern sowie überfluteten Straßen waren in den Medien häufig zu finden. Entgegen dem allgemeinen Empfinden war der vergangene Juli wärmer als in den herangezogenen Vergleichsperioden. Dabei kam die Sonne etwas überdurchschnittlich oft zum Zuge. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen.

Nach kühlem Start immer wieder auch kurze Hitzewellen
Das Temperaturmittel betrug im Juli 2024 18,9 Grad Celsius (°C) und lag damit um 2,0 Grad über der international gültigen Referenzperiode 1961 bis1990 (16,9 °C). Ein leichter Überschuss von 0,6 Grad ergab sich im Vergleich mit der aktuellen und wärmeren Periode 1991 bis 2020 (18,3 °C). Der Start in den Monat verlief recht kühl und wenig sommerlich. Erst am 5. wurde im Süden flächendeckend ein Sommertag registriert. Insgesamt zeigte sich ein deutliches Nordwest-Südost-Gefälle bei der Anzahl an Sommertagen. Während im Norden und Nordwesten maximal 2 bis 10 Sommertage zu Buche standen, waren es im Osten und Süden teils über 20. Oftmals folgten auf kurze Hitzewellen rasche Dämpfer. Den Spitzenwert hatte die Station Bad Muskau (Sachsen) inne, wo es am 10. für 34,8 °C reichte (Stand 29.7.). Zum Monatsende, nämlich am 30. rauschten die Temperaturen nachts nochmals ordentlich in den Keller und in Deutschneudorf-Brüderwiese (Sachsen) wurde mit 3,8 °C der bundesweite Tiefstwert registriert. Tropennächte (Tiefstwerte mindestens 20,0 °C) bildeten eher die Ausnahme und traten in geringer Zahl lediglich am Oberrhein, in Niederbayern und in Sachsen sowie im Großraum Berlin auf.

Oftmals Starkregenfälle und heftige Gewitter
Mit 88 Liter pro Quadratmeter (l/m²) war es etwa 14 Prozent (%) feuchter in Bezug auf die Referenzperiode 1961 bis 1990 (78 l/m²). Verglichen mit der feuchteren Periode 1991 bis 2020 (87 l/qm) fiel der Juli 2024 sehr durchschnittlich aus. Im zweiten Sommermonat des Jahres öffnete der Himmel häufig seine Schleusen. Nahezu deutschlandweit trocken blieb es am 18. und gegen Ende des Monats. Am häufigsten, nämlich an 15 bis 20 Tagen, regnete es im Nordwesten und Süden des Landes, während im Südwesten und Osten Regen nur an 5 bis 10 Tagen beobachtet wurde. Südlich der Donau kamen 150 bis 250 l/m² vom Himmel, wodurch dies die nasseste Region darstellte. Verhältnismäßig trocken war es mit 20 bis 40 l/m² in Nordsachsen, Teilen von Mecklenburg-Vorpommern und im Südwesten. Der Niederschlag ging dabei oftmals in Form von teils gewittrigem Starkregen nieder. So geschehen unter anderem am 21. an dem es mit fast 79 l/m² zur höchsten Tagessumme in Steinfurt-Burgsteinfurt (Nordrhein-Westfalen) kam.

Juli-Sonne machte ein paar Überstunden
237 Stunden schien die Sonne im Mittel im vergangenen Juli. Dies waren etwa 13 % mehr Sonnenstunden als im Vergleich zur Periode 1961 bis 1990 (211 Stunden). Zieht man die aktuellere Vergleichsperiode (1991-2020) heran, so fiel die Sonnenscheindauer nur noch leicht überdurchschnittlich aus (226 Stunden). Deutlich bevorzugt war die Südosthälfte, denn dort reichte es für 230 bis 260 Sonnenstunden. In der Nordwesthälfte standen dagegen 200 bis 230 Sonnenstunden zu Buche. Verantwortlich für diesen Unterschied war die großräumige Konstellation der Druckgebilde. Die Nordwesthälfte wurde wiederholt von Tiefdruckgebieten über Nordwesteuropa beeinflusst, während die Südosthälfte zeitweise von hohem Luftdruck über Südost- und Osteuropa profitieren konnte. Quelle: ‚DWD, Deutscher Wetterdienst‚. Foto: ‚Guido Flock‘.

Klimabulletin Juli 2023

Der Juli 2023 brachte in der Schweiz mehrere markante Wetterereignisse: Gegen Monatsmitte stellte sich eine mehrtägige Hitzeperiode ein. Zur selben Zeit fegte ein Gewittersturm über die Alpennordseite. Mehrere Messstandorte meldeten neue Windrekorde für die Sommermonate. Auf der Alpensüdseite folgte es eine zweite Hitzeperiode ab der Monatsmitte. In diese Periode fällt ein Waldbrand im Oberwallis, der sich schnell auf eine grosse Fläche ausdehnte. Im letzten Monatsdrittel verursachte ein extremer Gewittersturm massive Schäden in der Jurastadt La Chaux-de-Fonds. Quelle: ‚MeteoSchweiz‚.

Deutschlandwetter im Juli 2023

Hochsommerwetter mit Hitze und viel Sonne ließen weite Teile des Landes in der ersten Hälfte des Julimonats 2023 ordentlich schwitzen. Häufigere Niederschläge, gepaart mit zeitweilig gefährlich stürmischen Winden, wehten zunächst über den äußersten Norden und Nordwesten hinweg. Zu Beginn des letzten Monatsdrittels stellte sich eine unbeständige Westwetterlage ein, wodurch bundesweit ein deutlich kühlerer und niederschlagsreicher Witterungsabschnitt eingeleitet wurde. Insgesamt betrachtet war der diesjährige Juli zu warm, verbreitet nass und ausgewogen sonnig, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2’000 Messstationen mitteilte.

Hitzepeaks in erster Monatshälfte, anschließend deutlicher Temperaturrückgang
Das Temperaturmittel lag im Juli 2023 mit 18,7 Grad Celsius (°C) um 1,8 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990 (16,9 °C). Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 (18,3 °C) betrug die Abweichung 0,4 Grad. Entscheidend für die deutlich positiven Abweichungen war das dauerhafte Hochsommerwetter mit Hitzepeaks in der ersten Monatshälfte. Bundesweiter Spitzenreiter war am 15. Möhrendorf-Kleinseebach, 22 km nördlich von Nürnberg, mit sehr heißen 38,8 °C. Im letzten Monatsdrittel setzten sich kühlere Luftmassen durch. Vom 25. bis zum 27. lagen die Höchstwerte vielerorts bei nur noch unter 20 °C. Auch nachts wurde es verbreitet frisch.

Nasser Julimonat mit hohen Niederschlagsmengen im Nordwesten des Landes
Im Juli fielen mit rund 100 Litern pro Quadratmeter (l/m²) knapp 30 Prozent mehr des Niederschlags der Referenzperiode 1961 bis 1990 (78 l/m²). Im Vergleich zu 1991 bis 2020 wurde das Soll von 87 l/m² um rund 15 Prozent übertroffen. Zunächst befanden sich nur der äußerste Norden und Nordwesten auf der Regenseite. Vor allem in der letzten Monatswoche gehörten Schauer, Gewitter und Starkregen verbreitet zum täglichen Wettergeschehen. Das linderte dann auch die vorangegangene extreme Trockenheit im äußersten Norden sowie im Süden und Südwesten. Die bayerischen Alpen zählten neben der Nordseeküste mit über 200 l/m² auch zu den nassesten Regionen. Trockener blieb es in etwa von der Magdeburger Börde bis in die Lausitz.

Sonnenscheindauer nahezu im Mittelfeld
Mit 230 Stunden übertraf die Sonnenscheindauer im Juli ihr Soll von 211 Stunden (Periode 1961 bis 1990) um fast 10 Prozent. Im Vergleich zu 1991 bis 2020 erreichte sie gut ihr Soll von 225 Stunden. Die meisten Sonnenstunden (> 250 Stunden) meldeten die östlichen Landesteile. Schlusslichter (um 200 Stunden) waren die Alpen, die westlichen Mittelgebirge und weite Teile des Nordwestens. Quelle: ‚DWD, Deutscher Wetterdienst‚.

Folgenschwerer Gewittersturm über Vinon

Am Donnerstag, 11. August, baute sich um ca. 16:00 Uhr über dem Flugplatz Vinon ein Gewitter auf, welches eine kräftige Böenwalze produzierte, die vier Segelflugzeuge und ein Ultraleicht-Flugzeug zerstörte und verschiedene Schäden an Gebäuden und auf dem Camping verursachte.

Gleichzeitig fielen grosse Mengen Wasser auf das Areal, welche den Flugplatz in kurzer Zeit in eine Seenlandschaft verwandelten. Das Ereignis war sehr lokal, im nahen Dorf Vinon bemerkte man vom starken Gewitter „nur“ die starken und gleichzeitig seit Wochen herbeigewünschten Niederschläge. Es wurde glücklicherweise niemand ernsthaft verletzt, der Sachschaden ist jedoch enorm.

Die AAVA (Club mit Flugschule) verlor beim Gewittersturm ihre beiden Schulungs-Maschinen vom Typ ASK-21. Die Schüler waren mit den beiden Maschinen im Schlepptau eines Golfcarts auf dem Weg vom „Pistenkopf 16“ in den sicheren „Hangar Debut“, als beide Maschinen wie von selbst abhoben, durch die Luft davongetragen wurden und einige Meter entfernt zu Boden fielen. Eines der beiden anderen (privaten) Segelflugzeuge, eine LS6, wurde wie von Geisterhand ca. 30 m (!) durch die Luft getragen und knallte nahe am Parkplatz zahlreicher anderer Maschinen zu Boden. Ein weiteres (privates) Segelflugzeug vom Typ LS7 wurde auf den Rücken gedreht und dabei zerstört. Die vordere Haube einer privaten ASG-32-Mi wurde ebenfalls zerschlagen. Der Flugplatz im Südosten Frankreichs war bereits 2013 von einem folgenschweren Wetterereignis betroffen, damals handelte es sich um einen Tornado.

Schauriger Slalom durch die Ostalpen

Wie der Hase vor dem Fuchs
Pfingsten 2014 gehören zu den heissesten überhaupt. Auch was den Strecken-Segelflug in den Alpen betrifft. Allein die Königsdorfer Streckenfüchse fliegen über dieses lange Wochenende mit Temperaturen bis 35° C und Unwettern in Deutschland sechs Tausend-Kilometer-Strecken. Aber auch ab verschiedenen anderen Startorten werden unglaublich schnelle und weite Thermik-Flüge realisiert. Ich selbst mag mich für meinem Pfingst-Montag-Flug nur an eine vergleichbare Wetterlage erinnern: jene mit einem rekordverdächtig schnellen Flug unmittelbar vor einem Fronten-Gewitter in Südfrankreich – damals verbunden mit Überschwemmung, Böenspitzen von 200 km/h und einer ‚überschlagenen Pégase‘ mit anschliessendem Totalschaden. Noch überhaupt nie habe ich hingegen erlebt, dass man auf der Standard-Strecke durch das Vorarlberg um die Mittagszeit verbreitet Steigwerte von vier Metern pro Sekunde bis an eine Wolkenbasis über 4’000 Meter hinauf findet.

Diese Luftmasse muss explodieren.
Einerseits ist es ein unglaubliches Vergnügen, wenn man die Nase des mit Wasser schwer gefüllten 15-Meter-Rennhobels in einen grossen Aufwind (gefühlte) mehrere hundert Meter aufziehen kann, um sich dann in Ruhe für eine Drehrichtung entscheiden zu können. Wobei im Hintergrund parallel zur abnehmenden Fahrt der Variometer-Ausschlag und -Ton zunimmt. Höchste Segelflieger-Lust! Und natürlich macht es extremen Spass, das rundherum konstant anliegende Steigen mit etwas stärkerer Querlage dann rund um den Thermikkreis auch noch markant zu erhöhen.

Das tröstet problemlos über einen ziemlich schwierigen Start in komplett toter Luftmasse in der Region Schänis, Amden, Toggenburg, Churfirsten hinweg. Der ist mehr als harzig. Schon kurz nach dem Klinken ist ein erster wichtiger Entscheid nötig. Damit ich bestimmt den Voralpsee erreiche, fliege ich nicht über die Südseite der Churfirsten (um wenn möglich an den Walenstadter Chrächen stecken zu bleiben), sondern über die tiefere und flachere Toggenburger Nordseite. Ich gleite vom Abflugpunkt bei Ziegelbrücke kreislos wie durch abgestandenes Wasser bis an den Voralpsee am Ostende des Toggenburgs, wo ich mit Atem-anhalten und konzentriertestem Fliegen endlich ein gaaanz schwaches Aufwindchen bei den Alphütten auf 1’600 Meter ausgraben kann. Dafür kenne ich jetzt das dortige Thermik-System persönlich. Der Aufwind schleicht sich bodennah durch das flache Gelände bergwärts, gespiesen vom kargen Kalkboden und den entsprechend dünn darauf wachsenden Tannen – eine ‚Baumschule‘ eben – und löst dann an den ersten steilen Felskanten und -Höreli ab. In diesen Minuten hätte ich liebend gerne den Wasserhahn geöffnet. Angesichts der vor mir liegenden guten Bedingungen unterlasse ich das aber und kämpfe mich mit künstlicher Verzögerung in meiner fliegenden Sauna mit Temperaturen von 50° Celsius nach oben. Zum Glück habe ich mich nicht wärmer angezogen… Das soll jedoch für diesen Tag das letzte Mal sein, wo ich mich mit schwacher Thermik herumschlage. Den Rest des Fluges überlege ich mir nur noch, wo Vier-Meter-Aufwinde in der grosszügigen Auswahl zu finden sind. ‚Rosinenpickerei‘ sagen dem die ’sympathischen‘ EU-Bürokraten, wenn sie von uns Schweizern reden.

Beidseits der Alpen
Anderseits ist von Beginn an klar, dass diese ungewöhnlich heisse, labile und feuchte Luftmasse förmlich explodieren muss. Ich bin im Verlauf des Fluges aber doch überrascht, wie schnell und wie verbreitet das passiert. Aber bis es soweit ist, reise ich in komfortabelsten Höhen durch das Unterengadin, das Vinschgau, die hohen Skigebiete in Kauner-, Pitz- und Ötztal, um am Timmelsjoch definitiv auf die Südseite zu wechseln. Bei Arbeitshöhen von 4’000 Metern ist das allerdings eine grosszügige Auslegung, da oben fliegt man eigentlich gleichzeitig auf der Süd- und Nordseite der Alpen. Die Luft über den Dolomiten hat bereits ein fortgeschritteneres Reifestadium als jene über dem gletscherbedeckten, thermik-hemmenden Haupt-Alpenkamm. Südlich des Pustertales schauert es schon mittags um halb zwei aus kohlschwarzen Wolken verbreitet zu Boden. Einen Flug durch die Dolomiten streiche ich deshalb  frühzeitig aus meiner Menukarte. Aber die Nordseite des Pustertales ist auch nett. Da stehen die Wolken auf Höhen, die ich sonst nur aus Zeitschriften und aus Aufnahmen aus Nordamerika oder Namibia kenne. Darunter eindrehen ist der süchtig-machende Segelflieger-Wahnsinn (siehe oben).

Für heute habe ich mir einen Flug nach Lienz-Nikolsdorf und zurück vorgenommen. Wenn ich das nicht mache, verliere ich mich meistens in zielloser Kreiserei, da, wo gerade das Wetter am nettesten aussieht. Wahre Kunst wäre natürlich, die Wettervorhersagen so einzuschätzen, dass man das gute Wetter mit einer vorgefassten Aufgabe sinnvoll zusammenbringt. Das gelingt heute nicht schlecht, wie sich in den nächsten zwei Stunden zeigt.

10 Kilometer vor der Wende abgebrochen.
Der Flugplatz Lienz ist als Wendeort heute nicht gerade ideal. Er liegt etwas weit südöstlich im Tal draussen, für die über den Lienzer Dolomiten ausleerenden Schauer und die deutlich pampigere Luft und vor allem für mich definitiv zu weit. Wenn ich den letzten Aufwind in der Region Matrei für die Wende und zurück bis oben auskreise, um danach unten hoffentlich wieder (womöglich ziemlich zeitaufwendig) einsteigen zu können, bevor die Schauer da sind, ist das eine etwas knappe Kalkulation für die heutigen Bedingungen. Vor allem sitze ich im schönen Pustertal fest, wenn das Unterfangen schief geht – und morgen sollte ich wieder im Büro sitzen! Also entscheide ich mich tatsächlich zehn Kilometer vor der Wende schon nachmittags um Viertel vor Drei für einen frühzeitigen Übungsabbruch. Kaum eine Viertelstunde später bin ich das erste Mal froh drum.

Schauer-Slalom
Ab der Hälfte des Pustertales schüttet es in der Region der drei Zinnen bereits heftig, die Abdeckungen fliessen bis hinaus ins Pustertal, was die bisher excellente Thermik etwas beeinträchtigt. Allerdings habe ich heute verwöhnterweise mit eineinhalb Metern pro Sekunde Aufwindstärke auch das Gefühl, im Cockpit einzuschlafen. Die Schauerzellen begleiten mich ab jetzt bis ins Unterengadin. Ständig muss ich ihnen ausweichen, davonfliegen, gleichzeitig darauf schauen, so hoch wie möglich zu bleiben, um möglichst viele Optionen offen zu halten, auf die Nord- oder Südseite des Alpenkammes ausweichen zu können – je nachdem, wo man auf Kurs noch durch die Schauerzellen hindurch sieht. Es sieht jetzt aus, als ob jede einzelne Wolke ihre nasse Last abwerfen würde.

Es bleibt aber auf dem Weg durch den Haupt-Alpenkamm immer ein Fensterchen offen, auch wenn ich den Flieger gleich mehrmals mit Graupelschauern ’sandstrahle‘ oder in Regengüssen gründlich wasche, bis mir die Regentropfen durch die Lüftung innen an die Capotscheibe fliegen und dort lange Bänder nach hinten ziehen, bevor sie irgendwann austrocken. Das Profil der ASW-20-B mag Eisnasen oder nasse Flächen gar nicht, da sinkt sie deutlich stärker als sonst. Im Zickzack erreiche ich so das Pitztal, wo ich endlich wieder meine Arbeitshöhe komfortabler gestalten kann. Damit erreiche ich problemlos die Region des oberen Vinschgau, die noch in klarer Sonne liegt. Weiter auf Kurs schauert es aber wieder stärker. Das ganze Inntal bis hinauf nach Schuls, die gesamte Region Arlbergtal, das Montafon, Paznaun usw. sind unsichtbar hinter einer Schauerwand verschwunden. Von Zernez bis Samedan breiten sich Schauerzellen aus, allerdings mit klarer Basis, darunter kann man im Moment noch problemlos durchfliegen.

Aussenrum oder mitten durch?
Jetzt braucht es wieder eine feine Klinge, um sicher nach Hause zu kommen. Eine Variante wäre, die noch saubere Luft über der Südseite des Oberengadins zu nutzen, um den Flug via Julierpass, Tiefencastel, Mittelbünden und später in die Glarner Alpen zu verlängern. Das Risiko, dort aufzulaufen, scheint mir aber erheblich grösser als der Durchflug durch einen sich schliessenden ‚Wolkentunnel‘ am Piz Linard. Die Wettermeldungen der Kameraden im Prättigau helfen, diesen Entscheid zu festigen. Der Durchflug klappt völlig problemlos, ich kann den Flug dann auch noch über die Glarner Alpen, das Riemenstaldental bis hinauf an den Surenenpass verlängern, bevor es auch dort wieder zu regnen beginnt – wenn auch diesmal mit wesentlich mehr entspannenden fliegerischen Ausweichmöglichkeiten ins Mittelland hinaus.

Von meinen nachreisenden Kameraden werden ein paar von den Schauern eingekreist und gelandet. Max Weber und Fritz Tresch stranden in Innsbruck und kommen dort in den Genuss eines EASA-kompatiblen, international konformen Flughafen-Umrandungszaunes mit all seinen Vor- und Nachteilen (es bringt selten jemand ohne ‚Badge‘ etwas hinein und noch weniger hinaus). Roland Hürlimann und Markus Gemperle kommen auch 30 Minuten nach mir noch durch die immer breiter auseinander laufende Schauerwand zwischen Etschtal und dem Karwendel – wie immer sie das auch angestellt haben mögen.

Der bemerkenswerte Flug geht mit einer veritablen Starkwind-Landung in Schänis – bockiger als sonst im Föhn – zu Ende. Die Gewitterzellen über dem Toggenburg saugen die Luft mit 50 km/h durch die Linthebene ab. Entsprechend zackig geht die Demontage der Flieger heute vonstatten. So sind wir dann umso schneller bei einem kühlenden Notbier im Restaurant und reiben uns noch lange nach der Landung kollektiv die Verwunderung über die heutigen Segelflug-Bedingungen aus den Augen.

Link auf die Flugdaten.
Link auf das Foto-Album und die Wettervorhersagen.