
Seit Jahrzehnten nehme ich in der kühleren, fast segelflugfreien Jahreszeit die Klassiker von Kalckreuth, Reichmann und Brigliadori zur Hand und tröpfle sie als mentales Training in meine Saison-Vorbereitung ein. Die Mischung aus Vorfreude auf eine in Bälde beginnende Saison, Einblicke in das gebündelte Know-how der besten Segelflug-Kenner der Geschichte und ein feines Glas Rotwein gehören zur traditionellen Vorbereitung meiner ersten Flüge.
Ausgewogene Mischung
Nun ist ein neuer Klassiker dazugekommen. Ich bin überzeugt, dass Benjamin Bachmaiers Standardwerk künftig ein fester Bestandteil meiner spätwinterlichen Saison-Vorbereitung sein wird. «Peak Soaring» ist dank seines dichten Inhalts, moderner grafischer Gestaltung, der beigelegten Zusatzkarte zum detaillierten Nachschauen beschriebener fliegerischer Abenteuer für Pilot/-innen, die das erste Mal die Alpen erkunden ebenso wie für erfahrenere Segelflieger/-innen, die ihr Wissen vertiefen wollen, ein wichtiges Standardwerk.

Sprachlicher Zauber
Natürlich ist es eine Zumutung für einen Autor wie Benjamin Bachmaier, wenn ein Dritter sein 500-Seiten-Werk, in das er sein geballtes und über Jahre intensiven Segelfliegens gesammeltes Wissen steckt, in wenigen Zeilen als Buchbesprechung einzuordnen versucht. Hier kann ich allerdings nicht anders, als vergnügliche Begeisterung zu zeigen: Nur schon Benjamin Bachmaiers Schreibstil ist eine Seltenheit. Der dicke Wälzer ist wunderbar geschrieben. Ein sprachlicher Zauber liegt wie Feenstaub auf allen Druckbögen. Das Talent, Wesentliches im Fokus zu behalten und es einfach-spannend, physikalisch-technisch korrekt und trotzdem leichtfüssig zu beschreiben, macht ihn aus. Ein Beispiel für sprachliche Höhenflüge ist das Kapitel «Wir und unser Wind». Es ist ein Genuss, die fein gedrechselten Texte zu lesen. Schon nach wenigen Sätzen ist man «hin und weg».
Roter Faden
Manches ist neu für mich , etwa die ausführlich beschriebenen «thermischen Hitzetiefs» und ihre dazu gehörenden «Absink-Hochs» – aber sie helfen beim Erklären bisher diffuser praktischer Erfahrungen. Sie spüren: Nicht alles habe ich gleich beim ersten Durchlesen verstanden; spätestens beim dritten Mal und nach einem Griff zurück in die ersten Seiten stellt sich aber ein «Aha-Effekt» ein. Dort finden die Leser/-innen Grunddefinitionen der Begrifflichkeiten und einen Meteo-Crashkurs, damit alle präzise verstehen, was sie gerade lernen. Diese Elemente sind Teil eines inhaltlichen Konzeptes mit einem roten Faden, der verlässlich durch das Werk führt und für eine abwechslungsreiche Mischung aus Theorie und praktischen Erlebnissen sorgt.

Inhaltliche Dichte
Mit Benjamins Sprache, geschickt platzierten grafischen Elementen wie reichhaltigen Illustrationen und ausführlichen Randbemerkungen erreicht «Peak Soaring» eine Dichte, die für ein schnelles Durchfliegen der Seiten hoch ist. Man muss sich für dieses Werk etwas Zeit gönnen – aber wie eingangs erwähnt, darf man Benjamins Werk durchaus immer wieder konsultieren, neue Entdeckungen warten auch nach mehrmaligem Durchlesen sozusagen hinter jedem Umblättern.
«Peak Soaring» ist ideal für Pilot/-innen, die ihrem Segelflug-Können mehr Tiefe verleihen oder die Alpen Frankreichs, der Schweiz und Österreichs genauer erkunden wollen.















