Autor: Markus Trüb
Nach über 55 Jahren auf dem Flugplatz Schänis habe ich am 13. Juni 2026 zum ersten Mal selbst an einem GliderCup teilgenommen. Obwohl ich schon viele Stunden in der Luft verbracht habe, war dies für mich eine völlig neue Erfahrung. Mein Ziel war nicht, den Wettbewerb zu gewinnen, sondern möglichst viele Erfahrungen zu sammeln und von einem erfahrenen Piloten wertvolle Tipps und Tricks mitzunehmen.



Die Vorbereitung
Bereits das Briefing zeigte, wie wichtig eine gute Vorbereitung für einen Wettbewerbsflug ist. Dort wurde die Tagesaufgabe, die Wetterbedingungen sowie die Zuteilung der Flugzeuge zu den jeweiligen Ausbildern bekannt gegeben. Die Aufgabe bestand aus einem 64,4 km langen Dreieck mit den Wendepunkten Rieden – Bachtel – Bennau – Rieden.
Ich entschied mich, gemeinsam mit Thomas Stemmler auf dem Arcus M zu fliegen. Bevor es losgehen konnte, musste das Flugzeug zuerst aufgerüstet werden. Anschliessend führten wir ein ausführliches Crew-Briefing durch. So intensiv hatte ich mich im Segelflug noch selten auf einen Flug vorbereitet – eine Vorgehensweise, die ich bisher vor allem aus dem Motorflug kannte.
Gemeinsam besprachen wir die Lufträume, deren Höhenbeschränkungen, mögliche Aussenlande-Felder sowie verschiedene Flugstrategien. Thomas machte von Anfang an klar, dass unser Ziel nicht der Tagessieg war, sondern möglichst viel zu lernen. Umso überraschender war später das Resultat. Kurz vor dem Start erhielt ich noch eine Einführung in das Cockpit des Arcus M. Da auf dem hinteren Sitz nicht alle Bedienelemente vorhanden sind, war diese Einweisung besonders wichtig.
Der Flug
Nach dem Eigenstart flogen wir zunächst Richtung Wägital, um genügend Höhe für den eigentlichen Abflug über Schänis nach Rieden aufzubauen. Während andere Crews über Funk von besseren Thermikbedingungen Richtung Walensee berichteten, hielten wir konsequent an unserer geplanten Aufgabe fest. Ein Blick Richtung Bachtel und Rapperswil zeigte allerdings nur wenige Thermikwolken. Trotzdem entschieden wir uns, unserer Strategie treu zu bleiben.
Nach dem Passieren von Rieden flogen wir direkt zum ersten Wendepunkt Bachtel. Aufgrund der Anflüge auf die Piste 28 des Flughafens Zürich konnten die Segelflugsperrgebiete nicht aktiviert werden. Dadurch war unsere maximale Flughöhe auf rund 1700 m ü. M. begrenzt, was die Aufgabe deutlich anspruchsvoller machte.
Der anschliessende Streckenabschnitt vom Bachtel nach Bennau war für mich besonders eindrücklich. Ohne den eingebauten Motor im Hinterkopf hätte ich diese Strecke vermutlich nicht gewagt. Wir flogen sehr vorsichtig, um möglichst wenig Höhe zu verlieren. Trotzdem erreichten wir den Etzel bereits sehr tief. Glücklicherweise fanden wir dort genau den einen Aufwind, um ausreichend Höhe für den Weiterflug nach Bennau zu gewinnen.
In Bennau waren die Aufwinde ebenfalls schwach. Deshalb entschieden wir uns, nochmals über den Etzel Höhe zu gewinnen, bevor wir den Rückflug nach Rieden antraten. Nach der Rückkehr nach Rieden und der absolvierten Aufgabe wollten wir eigentlich nochmals Höhe machen, um weiter zu fliegen. Die Thermik liess dies jedoch nicht mehr zu, sodass wir den Flug beenden und in Schänis landen mussten.
Mein persönliches Fazit
Dieser erste Glider Cup war für mich eine äusserst wertvolle Erfahrung. Besonders beeindruckt hat mich, wie wichtig eine sorgfältige Vorbereitung ist. Moderne Hilfsmittel, Wetterinformationen, Flugplanung und die taktische Entscheidung über die Flugroute spielen eine wesentliche Rolle.
Für zukünftige Flüge nehme ich mir vor, häufiger eigene Aufgaben zu planen und diese konsequent abzufliegen. Dadurch lernt man, Flugwege gezielt zu planen und bessere taktische Entscheidungen zu treffen. Dass zwischen dem Fliegen von Segelflugzeugen mit und ohne Motor taktische Unterschiede bestehen im Bezug wann drehe ich um ist mir bewusst. Trotzdem muss man immer alles berücksichtigt.
Dass ich nach über 55 Jahren auf dem Flugplatz Schänis zum ersten Mal an einem Glider Cup teilnehmen durfte, macht diesen Tag für mich zu etwas ganz Besonderem. Er hat mir gezeigt, dass es nie zu spät ist, neue Herausforderungen anzunehmen und den eigenen Horizont zu erweitern. Die Erfahrungen dieses Tages werden mich bei meinen zukünftigen Streckenflügen ganz sicher begleiten.
Bis alle Teilnehmer gelandet waren, war es bereits Abend geworden. Das tat der guten Stimmung beim gemeinsamen Grillieren jedoch keinen Abbruch. Auf die Rangliste hatte die späte Rückkehr einzelner Crews allerdings Einfluss, da sich die Auswertung entsprechend verzögerte. So musste man den Grill selber übernehmen.
Tages-Rangliste:


























