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Österreich: Kein Flugsport während des Lockdowns.

Unter dem Titel „Grundsätze für den Flugbetriebin allen Sektionen des Aero-Club“ verbirgt sich die ab heute gültige Empfehlung des Österreichischen Aero-Clubs, auf die Ausübung unseres Hobbys während des Lockdowns zu verzichten. Die detaillierte Begründung finden Sie hier.

Österreich von oben

Schlanke weiße Segelflugzeuge, die einen Berggipfel umkreisen. Lautlos und von einer unsichtbaren Kraft getragen kurven sie stetig höher. Wer das selbst erleben möchte, kann eine Segelflug-Schnupperstunde mit einem erfahrenen Piloten im Doppelsitzer-Flugzeug unternehmen. Am Fuße des steil aufragenden Grimming, am Rande einer weiten saftig grünen Wiese im Ennstal glänzt ein Segelflugzeug in der Vormittagssonne. Der Pilot erwartet seinen Begleiter und macht ihm mit dem Ablauf vertraut. Zunächst ist er beim Anlegen des Fallschirms behilflich, eine routinemäßige Sicherheitsmaßnahme, wie Gurte und Airbags beim Auto. Nun heißt es für alle Hand anlegen, das Flugzeug auf die Startposition der Betonpiste rollen. Erst jetzt steigt man in die Kabine. Als Gast sitzt man vorne, eigentlich liegt man fast im Cockpit, ziemlich bequem mit dem Fallschirm am Rücken als Polster. Die Gurte werden angelegt, die Plexiglashaube zugeklappt. Der Pilot geht die Checkliste Punkt für Punkt durch, während das Motorflugzeug zum Hinaufschleppen heranrollt. Das Schleppseil wird eingeklinkt, man gibt das Zeichen der Abflugbereitschaft und der Pilot in der Schleppmaschine gibt Gas. Rasch wird beschleunigt. Das Segelflugzeug hebt ab und schwebt knapp über der Piste.

Bald genießt man einen herrlichen Rundumblick auf die immer winziger werdenden Häuser und Autos und auf einen Zug, der in Modellbahngröße durch das Tal rollt. Nach wenigen Minuten zeigt der Höhenmesser schon 1.000 Meter über dem Flugplatz. Kleine Turbulenzen sind spürbar, Zeichen für Thermik, die den kraftvollen Aufwind liefern soll. Der Pilot klingt die Schleppleine aus. Der Motorflieger steuert zurück zum Flugplatz.

Nun ist man alleine. Eine unglaubliche Ruhe umfängt einen, als einziges Geräusch ist nur ein leichtes Windsäuseln hörbar. Die Sicht ist frei, beim Blick nach oben wölbt sich strahlend blauer Himmel, eine kleine Wolke markiert eine Stelle, wo die aufsteigende Luft in großer Höhe kondensiert. Der Pilot steuert treffsicher dorthin, schließlich schlägt das Variometer unterhalb der weißen Wolke aus: Das Instrument zeigt das Steigen mit drei Meter pro Sekunde. In engen Kreisen gewinnt man zügig an Höhe. Schließlich ist man 1.000 Meter höher als beim Ausklinken. Mit diesem „Höhenpolster“ von gut 2.000 Meter über dem Flugplatzniveau kann man beruhigt weiterfliegen.

Die Kumulus- oder Schönwetterwolken sind inzwischen schon etwas mächtiger geworden, werfen Schatten auf so manchen Gipfel. In der Nähe des Alpenhauptkamms liegen einige versteckte Bergseen, beim Überflug spiegelt sich die Sonne und glitzert freundlich herauf. Ein Gipfelkreuz inmitten einer grünen Kuppe markiert den höchsten Punkt eines Berges, umringt von vielen Schafen, die den Sommer über hier weiden. Bis jetzt ist fast nichts von der Flughöhe verloren gegangen, immer wieder findet sich Aufwind, der das Segelflugzeug spürbar nach oben drückt. Entlang des Alpen-Hauptkamms erstrecken sich viele Almen in verschiedenen Grünschattierungen durchzogen von klaren Bächen. Dazwischen glänzt immer wieder ein See, manchmal mit Wasserfällen zu einer wunderschönen Seenkette verbunden.

Jetzt lockt der Dachstein. Zunächst muss das Ennstal gequert werden, das kostet Höhe. Beim Stoderzinken findet sich wieder Anschluss an die Thermik und rasch werden wertvolle Höhenmeter zurückgewonnen. Entlang der Bergkette geht es Richtung Westen, mit fast konstantem Steigen im Geradeausflug. Wie von einem unsichtbaren Lift gezogen steigt man bis Ramsau schon auf 3.000 Höhenmeter. Noch ein paar Kreise und man kann den Dachstein-Gipfel ansteuern. Tief unten in sicherem Abstand die Gondel der Seilbahn, vorne glänzt das blanke Eis der Gletscher. Mit reichlichem Abstand wird der Gipfel passiert, wo Bergsteiger überschwänglich winken, um den Gruß von oben zu erwidern.

Das Wetter bleibt konstant. In schnellem Flug, bei gleichbleibender Höhe, segelt das Flugzeug nach Westen. Nur ein paar Kreise über den Bergkuppen sind nötig, um die ausreichende Höhe für den Weiterflug zu sichern. Das Salzachtal liegt vorne, gleich folgt der Überflug von Bischofshofen mit seiner Sprungschanze, wie unglaublich klein sie aus dieser Höhe wirkt. Dann ein ruhiges Weitergleiten entlang der steilen felsigen Flanken des Hochkönigs. Schließlich taucht Zell am See und der Zeller See mit seinem schimmernden Wasser auf. Ein breites Becken, das es zu queren gilt. Rasch wird in die sichere Aufwindzone bei der Schmittenhöhe eingeflogen. Breite grüne Wiesen schwingen sich in vielen Mäandern vom Gipfel talwärts, es sind die jetzt im Sommer verlassenen Skipisten. Im ständigen Geradeausflug, an die 130 Stundenkilometer schnell, wird der Pass Thurn erreicht, mit Blick bis zur Hahnenkammstadt Kitzbühel. Der westlichste Punkt dieses Fluges, ein guter Platz zum Umkehren.

Die Thermik lässt an diesem Tag erfreulicherweise nicht nach. Zunächst geht es auf demselben Weg zurück, quer über das Salzachtal, dann über das verkarstete Massiv des Dachsteins nach Norden, links ein kurzer Blick auf das pittoreske Hallstatt und den Hallstätter See. In einer weiten Rechtskurve zeigt sich das Ausseerland mit seinen tiefblauen Seen, wo kleine Schiffe ihre Spuren ziehen. Immer noch recht hoch geht es weiter über den Grimming in Richtung Osten. Eine mächtige Wolke über dem Ennstal hat schon einige Segelflieger angezogen. In sicherem Abstand zu den Fliegerfreunden werden ein paar synchrone Kreise gezogen. Jetzt wird Richtung Admont gesteuert, wo man bald die beiden Türme des Stifts erkennen kann. Mit 250 Stundenkilometer ist man in wenigen Minuten dort, beim östlichen Wendepunkt dieses Rundflugs.

Bald darauf heißt es, bereit machen zur Landung. Über Funk wird die Freigabe erteilt, die Piste anvisiert, dann schwebt das Flugzeug noch einige Sekunden knapp über dem Boden, bis es schließlich langsamer wird, sanft aufsetzt und bis zum Ende der Piste ausrollt. Die Plexiglashaube klappt auf, Gurte und Fallschirm werden gelöst. Man hat wieder Boden unter den Füßen. Was für eine herrliche Zeit, hoch oben schwerelos dahinzugleiten und die vielfältige Landschaft des schönen Landes aus der Luft zu bestaunen. Quelle: ‚Kurier.at‚.