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Klippeneck 2025 – Blick zurück

Bericht von Yves Schnetzer

Die Zeiten, in denen die (Schweizer) Segelfluggruppe Cumulus in grosser Zahl am Klippeneck antrat und Podestplätze sammelte, sind vorbei. Trotzdem zog es in diesem Jahr wieder eine kleine Delegation auf die Schwäbische Alb: Pascal in der 18-Meter-Klasse mit seiner ASG 29E, Michael und ich in der Offenen Klasse mit dem Nimbus 4DM.

Das Schweizer Camp

Anreise und erste Tage
Am Schweizer Nationalfeiertag reisten wir entspannt an, bauten unser Camp mit Pavillon, Festbank und Schweizer Fahne auf und liessen uns von den Winterthurer und Oltener Kollegen Gesellschaft leisten. Beim Eröffnungsbriefing zeigte sich die internationale Strahlkraft des Wettbewerbs: 74 Piloten aus fünf Nationen waren am Start.

Das Wetter machte uns jedoch lange einen Strich durch die Rechnung. Am Samstag lag der Platz im Nebel, am Sonntag liessen wir den Nimbus zwar aufrüsten, doch nach einem Schauer wurden die Flüge neutralisiert. Wenigstens hatten wir das Grid-Prozedere geübt – und beim Raclette am Abend die deutschen Kollegen erfreut. Montag und Dienstag fielen ebenfalls dem Wetter zum Opfer, sodass wir Ausflüge in die Tuttlinger Wasserwelt und nach Rottweil unternahmen.

Gute Stimmung beim Racletteplausch

Endlich fliegbar
Am Mittwoch wurde es ernst: Nach viereinhalb Tagen Warten hob endlich die komplette Flotte ab – dank zehn Schleppmaschinen innert einer Stunde. Die Bedingungen waren anspruchsvoll, mit tiefer Basis und zäher Blauthermik. Wir kämpften uns mit 78 km/h Schnitt ins Ziel, Pascal musste kurz vor dem Platz den Motor bemühen. Am Ende bedeutete das für uns Rang zwei, für Pascal Platz acht.

Am Donnerstag wurden anspruchsvolle 290 Kilometer ausgeschrieben. Ein Tiefflugmanöver bei Reiselfingen kostete uns viel Zeit, trotzdem reichte es erneut für Rang zwei. Pascal schaffte Rang drei. Am Freitag passte dann alles: Mit 120 km/h flogen Michi und ich zum ersten Tagessieg, während Pascal diesmal auf Risiko setzte, das nicht belohnt wurde.

Materialschlacht mit 74 Flugzeuge

Grosses Finale
Der Samstag brachte perfekte Bedingungen: Basishöhen bis 3000 Meter, schöne Cumuli und eine spannende Aufgabe über 330 Kilometer. Nach langem Warten ging es am frühen Nachmittag doch noch los. Ein grosser Pulk schob sich über die Alb, die Wolken standen ideal. Mit einem 127er Schnitt erflogen wir einen würdigen Abschluss, Pascal sicherte sich mit 122 km/h nochmals einen Podestplatz.

So endete eine abwechslungsreiche Woche auf dem Klippeneck: mit Wetterkapriolen, spannenden Flügen, geselligen Abenden und einem starken Schlussspurt für unsere kleine Schweizer Delegation.

Gebirgsflugkurs in Samedan 2025

Nach vielen Jahren im Flachland reizte Guido von der Segelfluggruppe Cumulus (TG) das Abenteuer Gebirgsflug. Der Breitenförderungskurs des Schweizerischen Segelflugverbands in Samedan bot dafür die perfekte Gelegenheit. Mit dem Arcus „1C“ und der LS8-18 „7C“ im Gepäck reiste er ins Engadin.

Die Segelflieger neben den «Grossen»

Rasanter Einstieg

Schon am ersten Tag wich die Theorie rasch der Praxis. Nach dem Briefing folgte ein Windenstart mit mässiger Ausklink-Höhe. Guido stieg mit Fluglehrer Rolf König in engen Achten den Hang von Muottas Muragl hinauf. Zahlreiche Kommandos, stetige Korrekturen – und schliesslich lag die Bergstation unter ihnen.

In der Thermik wurde es anspruchsvoll. Der Horizont blieb kaum stabil im Blick, zu komplex war die Topografie. Doch mit Geduld und präziser Steuerung erreichten sie die Wolkenbasis – und stiegen weiter in die Welle ein. Ruhig und gleichmässig kletterte der Arcus „C1“ bis auf 4800 Meter. Ein unvergesslicher Moment für Guido.

Der Tag endete mit einer sanften Landung auf der Hartbelagspiste – nach vier intensiven Stunden mit Hangflug, Thermik, Wellenaufstieg und Platzrunde unter realen Bedingungen. Ein fulminanter Auftakt.

Strukturierter Kurs mit Tiefgang

Jeder Kurstag begann mit einem Debriefing und einem theoretischen Teil. Themen wie Windverhalten, Sauerstoffbedarf, Ernährung, Funkdisziplin oder Luftraumüberwachung wurden direkt in der Praxis vertieft. Am Nachmittag stand jeweils das Fliegen im Zentrum.

Guido flog im Team mit verschiedenen Fluglehrern im Doppelsitzer. Jeder Flug brachte neue Impulse – etwa zum Erkennen von Aufwinden, zur Linienwahl am Hang oder zum Verhalten bei Seitenwind. Dabei blieb es selten ruhig in der Luft: Helikopter, Geschäftsreiseflugzeuge und sogar eine F/A-18 sorgten für Betrieb am Himmel über dem engen Engadinertal. Präzise Funkarbeit mit „Samedan Information“ war Pflicht.

Wachsendes Vertrauen

Nach wenigen Tagen wechselte Guido das Flugzeug und den Fluglehrer. Wieder erhielt er einen Arcus „W1“, diesmal aus Winterthur. Jeder Flug offenbarte neue Wetter-Phänomene, jedes Manöver vertiefte sein Verständnis. Bald wuchs der Wunsch, das Erlernte allein umzusetzen.

Hoch über der Bernina-Gruppe

Allein über den Piz Bernina

In der zweiten Woche übernahm Guido die vertraute LS8-18 „7C“. Sein Ziel: ein Flug über den Piz Bernina. Gleich beim ersten Start setzte er das Gelernte souverän um – vom Start an der Winde über Thermik und Hangaufwind bis zur Welle. Die Aussicht auf das vergletscherte Berninamassiv liess ihn ehrfürchtig werden. Ein Flugerlebnis, das unter die Haut ging.

Arcus „1C“ nach der Landung in Samedan

Fazit

Neun Flüge, 27 Stunden in der Luft – unser Autor Guido blickt auf eine eindrückliche Woche zurück. Der Kurs bot perfekte Bedingungen, exzellente Betreuung und einmalige Flugmomente. Er empfiehlt allen Segelflugpilotinnen und -piloten diese Erfahrung wärmstens.

Sein Dank gilt den Fluglehrern, dem Team in Samedan, den Mitfliegenden – und der SG Cumulus für das Vertrauen in die LS8-18 „7C“. Ein Kurs, der nicht nur fliegerisch, sondern auch menschlich Spuren hinterlässt.