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Seilriss beim Windenstart

Am 1. Mai 2022 ereignete sich auf dem Segelfluggelände Dillingen/Saar ein schwerer Flugunfall, bei dem ein Segelflugzeug des Typs Alexander Schleicher ASW 24 E zerstört und der Pilot schwer verletzt wurde.

Unfallhergang

Der Unfall ereignete sich während eines Windenstarts. In einer Höhe von etwa 60 bis 70 Metern über dem Boden kam es zu einem Seilriss. Der 66-jährige, sehr erfahrene Pilot versuchte daraufhin, mittels einer Umkehrkurve zum Flugplatz zurückzukehren. Während dieses Manövers verlor das Segelflugzeug in geringer Höhe an Geschwindigkeit, kippte über die linke Tragfläche ab und geriet ins Trudeln. In der Folge kollidierte das Flugzeug mit einem Baum und schlug mit der Rumpfnase auf dem Boden auf.

MerkmalBeschreibung
Datum & Uhrzeit01. Mai 2022, 15:02 Uhr
OrtSegelfluggelände Dillingen / Saar
LuftfahrzeugSegelflugzeug Alexander Schleicher ASW 24 E
Art des EreignissesUnfall nach Seilriss beim Windenstart
PersonenschadenPilot schwer verletzt
SachschadenLuftfahrzeug zerstört

Wesentliche Feststellungen

Die Untersuchung des Luftfahrzeugs und der Startwinde ergab keine technischen Mängel, die zum Unfall beigetragen haben könnten. Die Abflugmasse und der Schwerpunkt des Segelflugzeugs befanden sich im zulässigen Bereich.

Eine wichtige Feststellung betraf die verwendete Sollbruchstelle am Schleppseil. Laut Flughandbuch der ASW 24 E ist eine Sollbruchstelle mit einer Bruchlast von 560 bis 660 daN (Farbcode Blau) vorgeschrieben. Am Unfalltag war jedoch eine Sollbruchstelle mit einer höheren Bruchlast von 750 ±75 daN (Farbcode Rot) im Einsatz.

Der Bericht verweist zudem auf zwei ähnliche Unfälle aus den Jahren 2017 und 2019, bei denen Piloten nach einer Startunterbrechung in geringer Höhe ebenfalls versuchten, eine Umkehrkurve zu fliegen, was ebenfalls zu einem Absturz führte. Die Segelflugsport-Betriebs-Ordnung (SBO) empfiehlt in solchen Fällen, möglichst geradeaus zu landen und eine Landung am Startplatz nicht zu erzwingen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Unfall durch den Versuch einer Umkehrkurve in unzureichender Höhe nach einem Seilriss ausgelöst wurde, was zu einem Strömungsabriss und Kontrollverlust führte. Obwohl nicht explizit als Ursache genannt, könnte die Verwendung einer falschen Sollbruchstelle zu einer höheren Belastung und möglicherweise zum Seilriss beigetragen haben. Quelle: „BFU“.

Strömungsabriss wegen zu hohen Anstellwinkels

Kurz nach dem Start eines Segelflugzeuges mittels Windenstart am Flugplatz Altlichtenwarth (LOAR) verlor der Pilot die Kontrolle über sein Luftfahrzeug und stürzte auf ein Feld.

Flugverlauf
Am 24.07.2022 um ca. 08:00 Uhr UTC startete der Pilot mittels Windenstart am Flugplatz Altlichtenwarth (LOAR) zu einem Thermikflug. Diesen hatte er aufgrund vorausgehender schwacher Thermikauf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Das Beschleunigen und das Abheben des Segelflugzeuges mittels Windenschleppstart erfolgte gemäß Angaben des Windenfahrers ohne besondere Vorkommnisse. Kurz nachdem das Flugzeug abgehoben war, nahm der Pilot eine Reduktion der Fahrt bzw. der Geschwindigkeit des Luftfahrzeuges wahr und bemerkte gleichzeitig ein Abkippen über die rechte Tragfläche. Er entschied sich daher zu einem Abbruch des Windenschlepps, klinkte das Seil aus, um das Luftfahrzeug auf der verbleibenden Piste zu landen. Aufgrund der geringen Vorwärtsfahrt kam es trotz eingeleiteter Gegenmaßnahmen bzw. Korrekturversuche des Piloten zum Strömungsabriss über die rechte Tragfläche, welcher das Segelflugzeug ins Trudeln brachte. Der Pilot verlor dabei die Kontrolle über das Luftfahrzeug, sodass dieses in weiterer Folge auf ein Feld neben der Betriebspiste stürzte. Der Pilot wurde durch den Aufprall des Segelflugzeuges am Feld schwer verletzt.

Winde
Die Schleppwinde wurde von Mitgliedern des Vereins selbst gebaut. Dabei wurden die Anforderungen, welche im Lufttüchtigkeitshinweis Nr. 28A, publiziert durch die Austro Control GmbH, an eine Startwinde für Segelflugzeuge gestellt werden, erfüllt. Der Betrieb dieser Winde ist somit zulässig und es gibt keinerlei Hinweise auf ein Gebrechen oder Versagen der Winde. Gemäß Auskunft des Windenfahrers verlief der Windenstart aus seiner Sicht „normal“ bzw. ohne Probleme.

Befunde

  • Das Segelflugzeug besaß die österreichische Staatszugehörigkeit.
  • Für das Segelflugzeug lag eine am Unfalltag gültige Bescheinigung über die Prüfung der Lufttüchtigkeit vor.
  • Für das Segelflugzeug bestand eine am Unfalltag gültige Halterhaftpflichtversicherung.
  • Der Pilot war im Besitz der erforderlichen Lizenzen mit den entsprechenden gültigen
    Berechtigungen.
  • Es liegen keine Anhaltspunkte für gesundheitliche Beeinträchtigungen des Piloten während des Unfallfluges vor.
  • Der Pilot hatte eine Gesamterfahrung von ca. 126:38 Stunden.
  • Auf dem Unfallflugzeug hatte er eine Flugerfahrung von ca. 06:03 Stunden.
  • Masse und Schwerpunkt befanden sich innerhalb der vorgeschriebenen Grenzen.
  • Das Windenseil hat sich von der Schwerpunktkupplung des Luftfahrzeuges durch Betätigung bzw. Ausklinken des Piloten ordnungsgemäß gelöst.
  • Eine visuelle Prüfung der Ruderanschlüsse, Verbindungsgestänge, Umlenkhebel und Seilzüge ergab keine Anhaltspunkte für vorbestandene Mängel.
  • Die Startwinde funktionierte ordnungsgemäß bzw. erbrachte die erforderliche
    Leistung und Geschwindigkeit.
  • Die Winde wurde von Mitgliedern des Vereins selbst gebaut.
  • Ein Betriebshandbuch der Winde liegt der SUB nicht vor.
  • Betriebsaufzeichnungen der Winde liegen der SUB nicht vor.
  • Meteorologische Faktoren können als Unfallursache ausgeschlossen werden.

Wahrscheinliche Ursachen

  • Verlust der Kontrolle über das Segelflugzeug nach einem Strömungsabriss beim Windenstart (LOC-I Loss of Control In-flight).

Wahrscheinliche Faktoren

  • Geringe Flugerfahrung auf dieser Luftfahrzeugtype.
  • Strömungsabriss nach dem Ausklinken des Windenschleppseils im Steigflug aufgrund zu hohen Anstellwinkels.

Quelle / vollständiger Bericht: ‚Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes‚.