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“Windpark hui, Flugplatz pfui”: Fridays for Future im Interview

500 Leute hat “Fridays for Future” in Weiden vor drei Jahren mobilisiert. Dann kam Corona, und es wurde ruhiger. Jetzt meldet sich die Gruppe zurück. Sie sagen im Interview: „Nein“ zum Flugplatz Latsch, „Ja“ zum Windpark Parkstein und „Mehr und kostenlos“ zum ÖPNV. Im Interview erklären Christina Schmid (22) und Felix Hochmuth (20), was sie in der Region ändern wollen und warum ihre Plastiksneaker nicht viel mit der Klimakrise zu tun haben.

Im März 2019 war die erste große Demo von Fridays for Future in Weiden mit 500 Teilnehmern. Was hat sich seitdem getan?
Christina Schmid: Corona hat die Bewegung ziemlich ausgebremst. Online ist es schwerer, Leute zu erreichen als auf einer Straßendemo. Wir sind ein kleiner Kern im Orgateam, es gibt viel Fluktuation. Wir sind immer dankbar über Leute, die mitmachen wollen.
Felix Hochmuth: Auf unserer letzten Demo am 24. September waren viele Leute da, überraschend viele, etwa 150. Das gab Rückenwind.
Christina Schmid: Jetzt haben wir Lust, unsere Forderungen durchzusetzen.

Was sind eure Forderungen?
Christina Schmid: Dass Weiden einen Klimabeirat und einen Klimamanager bekommt, waren Forderungen von uns. Das kommt jetzt. Der Klimabeirat muss mehr Verantwortung bekommen. Jede Entscheidung über Infrastruktur- und Subventionsprojekte, wie etwa über den Flugplatz Latsch, müssen mit dem dem 1,5-Grad-Ziel vereinbar sein.

Der Flugplatz Latsch ist gerade heiß in der Diskussion. Dafür oder Dagegen?
Felix Hochmuth: Auf jeden Fall dagegen. Ich kann die Anwohner verstehen, die sich über Lärmbelästigung aufregen. Da es um das Hobby von Privatpersonen geht, kann ich das noch weniger nachvollziehen.

Christina Schmid: Das ist ein Hobby weniger Einzelner zulasten der Gesamtbevölkerung. Der Flugplatz ist mit den Unfällen eine reale Gefahr, CO2-Ausstoß, Flächenversiegelung, Lärm – und das alles subventioniert von der Stadt Weiden. Noch schlimmer ist, dass der Flugplatz nicht mal dazu dient, Leute von A nach B zu bringen. Wir stehen hinter der Bürgerinitiative und hinter dem Antrag von SPD und Grünbuntweiden, dass die Flugbewegungen reduziert werden. Unser ultimatives Ziel ist jedoch, dass der Flugplatz stillgelegt wird.

Auch der Öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) ist immer wieder ein Thema. Was fordert ihr da?
Felix Hochmuth: Der ÖPNV ist teuer und schlecht. Wir wollen, dass der ÖPNV gratis wird, weil man sich das als Schüler nicht leisten kann. Und wenn ich meinen Freund in Parkstein besuchen will, kann ich das nicht. Der letzte Bus fährt am Samstag um 13 Uhr. Ohne Auto ist man als junger Mensch auf dem Land aufgeschmissen.

Christina Schmid: Wir sind ja nicht nur eine Umweltbewegung, sondern eine Klimagerechtigkeitsbewegung. Die ÖPNV-Situation trägt zu Ungerechtigkeit bei. Wenn ich mir kein Auto leisten kann oder keins haben will, kann ich nicht auf eine weiterführende Schule gehen, meine Wunschausbildung oder Job nicht machen, meine Freunde nicht besuchen. Die Region wird für uns immer unattraktiver.

Es gibt kritische Stimmen, die sagen: „Ihr habt alle Handys, tragt Plastikschuhe und lasst euch von euren Eltern von der Schule abholen. Ändert erst einmal euer Verhalten und rettet dann die Welt“. Was sagt ihr dazu?
Christina Schmid: Das hören wir tatsächlich öfter. Das ist Privatkonsumkritik. Das ist aber nicht der Kern des Problems. Wir müssen verhindern, dass Konzerne und Staat noch mehr Kohle abbauen. Wir müssen verhindern, dass Leute in den Minen ausgebeutet werden, die die seltenen Erden für unsere Handys schürfen. Das dürfen wir nicht einzelnen Privatpersonen in die Schuhe schieben. Nicht jeder kann sich den Bioladen oder Solaranlagen auf dem Dach leisten. Wir müssen als Gesellschaft weiterkommen.

Felix Hochmuth: Unsere Umweltprobleme haben was mit dem kapitalistischen System zu tun. Klar ist es toll, wenn wir keine Plastikstrohhalme mehr verwenden. Aber das Problem sind die Großkonzerne, die für den meisten CO2-Ausstoß auf der Welt verantwortlich sind. Es ist verwerflich, da Einzelpersonen in die Pflicht zu nehmen.

Wenden wir uns wieder den Problemen in der Region zu. Was würdet ihr da verbessern?
Christina Schmid: Thema Windpark Parkstein. Auch der Landkreis Neustadt könnte sich dafür einsetzen, dass 10-H-Regel gekippt wird, macht das aber nicht. Er könnte Energie- und Bürgergenossenschaften fördern, macht das aber auch nicht. Er zeigt keine Initiative. Da ist eine Energiegenossenschaft wie in Parkstein ein Vorzeigeprojekt. Die sagen, die nehmen die Energiewende selbst in die Hand und geben den Menschen vor Ort sogar noch etwas zurück. Das unterstützen wir eindeutig.

Bei einer Abstimmung sprechen sich 70 Prozent der 14- bis 17jährigen in Parkstein für den Windpark aus. Die Gegner zweifeln das Ergebnis an. Was sagt ihr dazu?
Christina Schmid: Die Meinung der jungen Menschen ist zu respektieren. Dass die Windpark-Gegner diese Meinung anzweifeln und sagen, sie hätte die Frage nicht verstanden, ist ein No-Go. Wir wissen natürlich nicht, warum die Jugendlichen für den Windpark gestimmt haben. Aber das Votum zeigt, dass die ländliche Bevölkerung akut handeln muss. Drei Windräder, die rumstehen, sind Nichts im Vergleich zur Klimakrise.

Es heißt ja, dass Schwarzstörche gesichtet wurden.
Christina Schmid: Ja, vor fünf Jahren. Wenn der Bürgerentscheid sich für Windparks ausspricht, dann wird das geprüft. Wenn gefährdete Arten bedroht sind, kann das Verfahren noch gestürzt werden. Aber wir müssen das erst einmal prüfen. Außerdem: Wenn die Klimaziele nicht eingehalten werden, sieht es für sämtliche Tierarten auf der Welt düster aus.

Im ganzen Land gibt es Klimagerechtigkeitsbewegungen, die auch zivilen Ungehorsam ausüben, Bäume besetzen und Straßen blockieren.
Christina Schmid: Vor allem bei uns in der Region sollte bekannt sein, dass ziviler Ungehorsam manchmal nötig sein muss. Beispiel der WAA-Protest [Protest gegen die Atomwiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf in den 1980ern]. Doch das hat nichts mit Gewalt gegen Personen zu tun, dagegen wenden wir uns.

Gibt es bald auch in der Oberpfalz Klimacamps und Waldbesetzungen wie im Hambacher Forst?
Christina Schmid: Das ist nicht auszuschließen, in Nürnberg gibt es ja schon lange ein Klimacamp. Doch es gibt auch andere Wege: Weiden West IV wurde demokratisch durch einen Bürgerentscheid gekippt. Das ideale Ziel ist ja eh, dass wir uns als Bewegung überflüssig machen. Quelle: ‘Oberpfalz-Echo‘.

Fluglärm nervt Anwohner

Auf dem Verkehrslandeplatz in Latsch rührt sich was. Mittlerweile werden dort jedes Jahr mehr als 20.000 Starts und Landungen registriert. Gyrokopter kreisen, Propellermaschinen steigen auf. Es tut sich was am Himmel über Latsch. Sehr zum Ärger der Anwohner in Frauenricht und Neunkirchen. Der Dauerlärm geht den Bürgern massiv auf den Geist. Nachdem sich vor zwei Jahren eine private Flugschule auf dem Areal niedergelassen hat, überspringen die jährlichen Flugbewegungen die 20.000er Marke. Eine Bürgerinitiative (BI) hat sich gegründet, die der Dauerbeschallung Einhalt gebieten möchte.

Fraktionen im Stadtrat ergreifen Partei für genervte Bürger
Die SPD-Fraktion aber auch die Arbeitsgemeinschaft Grün.Bunt.Weiden hat Partei für die genervten Bürger ergriffen. Diese Woche musste sich der Weidener Stadtrat mit dem Thema beschäftigen. Fazit: Es soll eine weitere Runde von Sondierungsgesprächen eingeläutet werden. Bereits Anfang Oktober hatten sich Verteter der BI, der Stadt, der Flugschule und der Luftsportvereine getroffen und beraten. Alternativrouten für die Platzrunden wurden dabei ins Spiel gebracht, aber auch eine Vorverlegung des sogenannten Abrollpunkts bei den Starts wurde überlegt. “Ich hoffe, dass wir beim nächsten Mal konkrete Vorschläge von den Flugsportlern vorgelegt bekommen, mit denen wir was anfangen können”, betont BI-Sprecher Christian Rittner.

Flugverkehr von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang
Dass sich auf dem Flugfeld in Latsch mächtig was rührt, davon konnten sich die Mitglieder der SDP-Fraktion bei einer Ortsbesichtigung Anfang Juni selbst überzeugen. “An dem Tag wurden 152 Starts gezählt”, erinnert sich SPD-Fraktionssprecher Roland Richter. Er hat mehr als Verständis für den Unmut der Anwohner. Denn für sie gibt es im Grunde genommen keine Fluglärm-Pause. Latsch ist Verkehrslandeplatz (VLP). Das heißt, hier kann, wenn es die Wetterbedingungen zulassen, von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang geflogen werden – und das sieben Tage in der Woche. Und genau hier könnte man aus Sicht der Sozialdemokraten den Hebel ansetzen. Latsch könnte man zu einem Sonderlandeplatz herabstufen. Flugfrequenz und -betrieb könnten dann kontrolliert werden. Dann hätten die Neunkirchner mal wieder die Gelegenheit am Sonntagmittag entspannt auf der Terrasse zu sitzen, ohne dass ihnen die niedrig flegenden Gyrokopter-Piloten in den Suppenteller schauen.

Stadt kostet der Flugbetrieb jährlich 100.000 Euro
Die Herabstufung-Idee ist nicht neu, weiß Richter. Bereits 2013 habe der Kommunale Prüfungsverband mit Blick auf den klammen Weidener Haushalt der Stadt den heißen Tipp gegeben, mit einer Umnutzung des Latscher Geländes Geld einzusparen. “Die Stadt muss pro Jahr für den Dauerbetrieb rund 100.000 Euro ausgeben”, berichtet der Fraktionssprecher. Doch der Weg zum Sonderlandeplatz kann lang werden. Zunächst muss die Kommune beim in Ansbach angesiedelten Luftamt Nordbayern einen Antrag stellen. Die Behörde leitet dann ein Verwaltungsverfahren ein, bei dem alle betroffenen Stellen, wie etwa der Regionale Planungsverband aber auch die in Latsch ansässigen Nutzer beteiligt werden. Schlussendlich würden dann alle Interessen abgewogen und eine Entscheidung getroffen, heißt es beim Luftamt.

Photovoltaikanlage statt Flugplatz
Bei der Bürgerinitiative fragt man sich aber ohnehin, ob sich eine finanziell nicht auf Rosen gebettete Stadt, so eine defizitäre Anlage überhaupt leisten kann. Und die BI hätte sogar eine Lösung parat, wie man mit Latsch sogar Geld verdienen könnte. “Wenn man auf dem städtischen Gelände eine Freiflächenphotovoltaikanlage errichten würde, könnten Einnahmen aus Pacht und Gewerbesteuer erwirtschaftet werden”, erläutert Rittner. Quelle: ‘OberpfalzEcho.de‘.

Flugplatz Latsch erhitzt die Gemüter

Der Flugplatz Latsch ist in letzter Zeit immer wieder im Gespräch. Die Unfälle der letzten Wochen haben für Aufsehen gesorgt. Anwohner aber sind schon seit geraumer Zeit genervt vom Fluglärm und sorgen sich um Sicherheit und Kosten. Wie die AG Grün.Bunt.Weiden auf Anfrage bei der Stadtverwaltung erfahren hat, sei die Anzahl der Ultraleichtflüge von 2.092 im Jahr 2018 auf 19.326 im Jahr 2020 gestiegen.

“Wir brauchen dringend Transparenz!”
Georg Erl, neuer CSU-Vorsitzender beim Ortsverband Neunkirchen-Frauenricht, erklärte bei einem Gespräch zwischen CSUlern und Anwohnern, dass die Menschen viele Fragen hätten. Deshalb sei es wichtig, alle Daten rund um den Flugplatz Latsch in übersichtlicher Form zu veröffentlichen. „Wir brauchen hier dringend Transparenz“, betonte Erl. Kreisvorsitzender Stephan Gollwitzer forderte daraufhin einen Runden Tisch, an dem alle Beteiligten und Betroffenen teilnehmen sollten. Die Geräuschkulisse müsse auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Der CSU-Fraktionsvorsitzende Dr. Benjamin Zeitler unterstreicht: „Nur so werden wir in Weiden eine dauerhafte Akzeptanz für den Verkehrslandeplatz bekommen“. Quelle: ‘Oberpfalzecho‘.