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Ostalpentour im Blauen

Ein Streckenflug über etwa  660 Kilometer in absolut wolkenfreier Luftmasse – das erfordert etwas Geduld, ein gutes Gespür für die unsichtbaren Aufwinde und manchmal etwas Glück beim Finden der richtigen Aufwind-Stellen. Mit dem Arcus M (D-KGKK) der «Halter-Gemeinschaft Straub-Stemmler-Frei» unternahmen Beat Straub und ich am Samstag, 25. April 2026, von Schänis aus eine schöne Ostalpentour durch die meiner Meinung nach schönsten Flecken auf diesem Globus – in die Dolomiten und das Engadin.

Harziger Auftakt am Mattstock

Autor: Ernst Willi

Der Start verläuft ungeschickterweise nicht nach Plan. Der Nordwestwind am Mattstock ist überraschenderweise stärker als erwartet und hat die auf der felsigen Südseite normalerweise wartende Thermik in einen kleinen Wasserfall verwandelt. Beim Einfahren des Motors sinken wir mit über 3 m/s. Dazu fliege ich ein paar km/h zu schnell, und der Propeller stellt sich natürlich auf den letzten Zentimetern vor dem Einklappen quer. Also alles nochmal von vorn.

Manuelles Triebwerk-Einfahren in sinkender statt in steigender Luftmasse ist eine erste Folge davon. Das absorbiert gehörig meine Aufmerksamkeit. Ein späterer, zweiter Motoren-Einsatz über dem Walensee mit dem Ziel, diesmal genug hoch am Fliegenspitz einfädeln zu können, ist eine nächste Massnahme, die bringt letztlich die nötige Höhe für den Abflug über die Churfirsten. Den ersten ansprechenden Aufwind finden wir allerdings erst am Voralpsee – markiert von zwei Raubvögeln. Nach der Querung des Rheintales reicht die Höhe am fürstlichen Gafleispitz für den Weiterflug ins Walsertal. Insgesamt ist das ein etwas holpriger Einstieg in einen langen Tag gewesen.

Leethermik im Lechtal – und Rätsel auf der Strecke

Der Weiterflug verläuft zunächst flott. Im Lechtal ist aber über den besonnten Hängen immer wieder der NW-Wind spürbar. Die Leethermik ist ziemlich eng für unseren „dicken Fisch“. Die Luft ist absolut klar – keinerlei Flusen, keine Cumuli, nichts. An den Miemingern erleben wir auf der voll eingestrahlten Südseite der Krete erneut markantes Sinken. Erst an der Hohen Munde ist wieder sicheres Fliegen in Geländenähe und vernünftiges Steigen möglich.

Die Nordkette bis zum Rofan am Achensee passieren wir zügig, die netten Controller Innsbrucks hatten auch schon mehr Betrieb. Die Querung der TMA Innsbruck verläuft dank wenig Segelflugverkehr und aktivierten Segelflug-Sektoren hindernisfrei.

Das Muster der überraschenden Abwinde – am Mattstock, im Lechtal, an den Miemingern – lässt sich für mich erst im Nachhinein erklären: Lokal etwas stärkere Nordwest- und Westwinde haben den sauberen Thermikaufbau buchstäblich «verschüttet». Die Sonnenhänge waren entweder im Lee einer lokalen NW-Strömung oder der Hang war parallel angeströmt (und produzierte verwirrenderweise auf beiden Seiten Sinken).

Ausgrabung im Pinzgau

Im Pinzgau folgt die eigentliche Überraschung des Tages: Starkes und anhaltendes Sinken auf der Nordseite in der Region Mittersill drückt uns weit ins Tal hinaus. Ich suche etwas zu lange an den unpassenden Stellen nach Aufwinden und flüchte schliesslich auf 1’700 m AMSL einigermassen ideenlos an die Südseite des Tales. Irgendwohin muss die Luft ja… Dort finden wir über einer weit ins Tal hinausragenden Rippe endlich schwaches Steigen. Mit Geduld und engen Kreisen gewinnen wir über 1’000 Höhenmeter – genug, um nun dem Tal der Felbertauernstrasse zu folgen und über die tiefste Stelle des Talschlusses kühn auf die Alpen-Südseite zu wechseln. Was uns da wohl erwartet?

Was richtet hier bloss die Holzwirtschaft an?

Im Tal von Matrei und Osttirol suchen wir erneut länger als gewohnt nach Aufwinden. Teilweise treffen wir auf starke Abwinde und zerrissene Thermik über den voll beschienenen Kreten und Hängen. Aber ein voller Kreis im starken Steigen ist auch bei abenteuerlicher Querlage nicht drin.

Eindrücklich, wenn auch bedrückend: Die Holzwirtschaft Osttirols hat Quadratkilometer von Wäldern kahl geschlagen und unübersehbare Schneisen in die Landschaft gefräst – aus der Luft ein gewöhnungsbedürftiges Bild. Ich habe das Pustertal viel idyllischer in Erinnerung. Früher sind wir mehrere Jahre im Frühjahr dahin ins Fluglager gefahren, bis wir mit dem unfliegbaren Wetter eines langen Südstaus nach Alternativen suchten und sie in Südfrankreich fanden. Und da sind wir schliesslich auch hängen geblieben. Die „goldene Tourismusnadel“ für 20 Jahre Urlaub in Lienz haben wir uns so natürlich nicht verdienen können.

An diesem Samstag füllt der Rauch eines Waldbrandes in Kärnten das Lesachtal bis an den Übergang ins Pustertal. Was ich zunächst für schlechte Luft aus dem Süden hielt, entpuppt sich als talfüllende Rauchfahne, welche es bis in die Schlagzeilen der überregionalen Medien schaffte.

Blick aus der Region Innichen ins Pustertal und in die einmalig zackige Welt der Dolomiten.

Dolomiten und Querung ins Vinschgau

Erst rund 20 Kilometer vor Lienz finden wir wieder rundes, verlässliches Steigen und erreichen eine komfortable Arbeitshöhe. Entlang der Nordseite des Pustertales fliegen wir bis Toblach, teilweise auf bis zu 3’800 m AMSL. Das anschliessende Sightseeing durch die nördlichen Dolomiten und die berühmten Drei Zinnen bietet enge und inkonstante Aufwinde, aber wer einen davon auskreist, erreicht zum Lohn eine gute Arbeitshöhe.

Zwischen den Geisler Spitzen und dem Kronplatz bauen wir die maximal mögliche Höhe für eine komfortable Querung in die Sarntaler Alpen auf – wie immer „so nördlich wie möglich und so südlich wie nötig„. Ich bin mir von meinem Rennklasse-Flugzeug schon etwas andere Gleitleistungen gewohnt. Mit einem Arcus verliert die endlos lange Talquerung des Meraner Beckens etwas ihren Schrecken – und schneller ist man damit auch noch. Ein tolles Flugzeug.

Ein starker Aufwind mitten in der langen Gleitstrecke durch die Sarntaler Alpen macht die Querung ins Vinschgau noch komfortabler. Dort kommen wir entsprechend deutlich über den Kreten an und können direkt in einen Aufwind bis auf 4’300 m AMSL einsteigen. Unter uns kämpft Stefan Sidler aus Hausen knapp über den Kreten dafür längere Zeit auf einer Felsrippe um den Einstieg in denselben Aufwind, während wir über ihm davonklettern. Es ist nicht immer fair

Heimflug über das Engadin

Von dort verläuft der direkte Anflug nach Muottas Muragl bei St. Moritz zügig. Das Hochgebirge rund um Livigno zeigt sich noch tief verschneit, nur in den Talböden sind grössere Flächen aper. Am Piz Languard im Oberengadin tankt Beat nochmals ein paar Meter Höhe für einen sorglosen Endanflug in die Linthebene. Der Gleitflug führt uns bis zum Etzel – und von dort zurück nach Schänis, wo der Arcus M nach einem langen und erfüllenden Flugtag ausrollt.

Es ist ein Privileg, diesen Sport soviele Jahre ausüben zu dürfen. Danke für den schönen Tag, Beat!

Was für ein Panorama: das Oberengadin mit dem Piz Palü und seinen drei markanten Gipfelgraten, und die Bernina mit dem Biancograt in der Bildmitte sowie dem Piz Roseg (höchser weisser Gipfel. Davor verdeckt der dinkle Piz Morteratsch die Sicht auf die eindrückliche Nordostwand des Roseg.

Schaukeln wie im Kinderwagen

Auch in absolut wolkenfreier Luftmasse lassen sich längere Streckenflüge durchführen. Man braucht etwas mehr Glück beim Finden der starken Aufwinde – und muss bereit sein, gelegentlich auch mal etwas tiefer in die Täler hinein zu gleiten, um schliesslich die richtigen, starken Aufwinde zu finden. Der Arcus M überzeugt dabei mit seiner Gleitleistung und einer konstanten Reisegeschwindigkeit um 140 km/h, etwas höher als vom 15-Meter-Flieger gewohnt.

Doppelsitzerfliegen hat zudem etwas Entspannendes: Wenn man sich fliegen lassen kann, erinnert der Sport an eine Spazierfahrt im Kinderwagen – leichtes Schaukeln, und draussen langsam zieht dabei die Gegend vorbei. Ich fühle mich für einmal wie unsere Enkelkinder 🙂

Oberengadiner Seen-Landschaft vom Muottas Muragl (Phonetisch „Muotas Murail“) aus gesehen – für mich ist das eines der schönsten Täler der Welt.

-> Flugdaten.

Einige Angaben zum Wetter:

Der kleine NW-Wind-Wasserfall beim Start am Mattstock.
Und jener im Pinzgau, der uns wegen der parallel angeströmten Sonnenhänge auf der Nordseite für einen Moment auf „Tauchstation“ schickte.

Regionalflughafen Samedan wird erneuert

Die Oberengadiner Stimmbevölkerung hat dem Ersatzneubau des Regionalflughafens Samedan zugestimmt. Mit 54,36 Prozent Ja-Stimmen bewilligten die Stimmberechtigten einen Kredit von 38 Millionen Franken sowie Haftungsverpflichtungen von 20 Millionen Franken. Die Stimmbeteiligung lag bei 45,64 Prozent. Obwohl sechs der elf Gemeinden – darunter auch Samedan – das Projekt ablehnten, zählt das regionale Gesamtergebnis. Zugestimmt haben Celerina, Madulain, Sils, Silvaplana und St. Moritz.

Das Vorhaben sieht die Erneuerung der Infrastruktur bis 2031 vor, darunter neue Betriebszentren mit Hangar, die Sanierung der Vorfeldflächen, einen modernen Tower sowie einen Sicherheitszaun. Insgesamt kostet das Projekt 68,5 Millionen Franken, finanziert durch die Gemeinden, Bund, Kanton und Bankdarlehen. Die Rega (Schweizerische Rettungsflugwacht) erstellt parallel eine neue Basis auf eigene Kosten.

In einer zweiten Abstimmung hoben die Stimmberechtigten mit 74 Prozent Ja eine frühere Vorlage von 2017 auf. Diese war wegen Kostenüberschreitungen und mangelnder Transparenz stark umstritten. Mit dem Entscheid wird ein wichtiges Signal für Wirtschaft und Sicherheitsversorgung gesetzt.

Frühere Berichte über den Flugplatz Samedan in den flieger.news:

Segelflug in den Alpen: Zwischen Schänis und Engadin

Marco, Birgit und Domenic von der SG Dittingen planten ursprünglich einen Segelflug-Urlaub im Engadin. Weil mehrere verregnete Dienstage das Windenstart‑Training verhinderten, verlegten sie ihr Vorhaben kurzfristig nach Schänis, etwa auf halber Strecke nach Samedan.

Basis und Umfeld

Als Quartier diente ein Ferienhaus in Amden mit Blick auf den Walensee und die Glarner Alpen. Die Ankunft fiel mit dem Ausbringen von Gülle zusammen; erst nach zwei Tagen hatten sie die Fliegen-Plage im Griff. Die Lage erwies sich jedoch als ideal für abendliche Ausblicke und Flugplanung.

Erste Woche – zähes Hochdruckwetter

Stabiles Hoch sorgte für Badetemperaturen und schwierige Thermik. Wechselnde Winde und aufliegende Wolkenbänke über den Graten machten den Übergang ins Bündnerland unmöglich. Die Mannschaft blieb bei lokalen Flügen, die viel Konzentration forderten.

Zweite Woche – Alpenfliegen vom Feinsten

Gewitter am Samstag brachten Abkühlung; ab Sonntag öffnete sich der Weg ins Bündnerland und ins Engadin. Wer sich, wie die einheimischen Piloten, hoch genug schleppen ließ, kam weit. Überraschend starke Aufwinde fanden sie im Lee des Calanda, neben der Nuna und über dem Walensee. Höhepunkt war der Flug entlang von Piz Palü, Bernina und Biancograt. Als über dem Engadin noch Cumuli standen, glitt das Team vom Nuna aus 4’000 Metern über die Churfirsten direkt nach Schänis, begleitet von absolut ruhiger Luft.

Rückreise

Geplant war ein Heimflug mit dem Arcus nach Dittingen. Verschlechternde Prognosen fürs Mittelland überzeugten sie, den Doppelsitzer per Anhänger zurückzubringen – ein Entschluss, der sich als übervorsichtig erwies, denn das Wetter blieb besser als angekündigt.

Die drei danken dem Flugplatz Schänis für die Möglichkeit, einen Arcus fast zwei Wochen intensiv zu nutzen.

Ausbau von Samedan: Missmanagement und Filz

Beim Ausbau des Flugplatzes Samedan GR kam es zu massiven Kompetenz-Überschreitungen und mangelnder Kontrolle, wie ein Bericht bestätigt. 2017 beschloss das Oberengadin, den Flugplatz Samedan GR für 22 Millionen Franken zu erneuern. Doch die Planer verfolgten ehrgeizigere Ziele und veranschlagten ein Budget von 88 Millionen Franken. Ohne bauliche Fortschritte verschlangen Gutachten und Planungen bereits 5,5 Millionen Franken – Steuergelder, die wohl verloren sind. Der Flugplatz Samedan ist im Besitz der Engadiner Gemeinden. Lokale Politiker und Unternehmer planten den Ausbau und kontrollierten sich gegenseitig.

Kompetenzen «massiv» überschritten
Ein Bericht des Zürcher Anwalts Stefan Wehrenberg bestätigte vorhandene Bedenken. Er zeigte auf, dass die Planungskommission ihre Kompetenzen «massiv» überschritt und die Aufsicht durch die Gemeinden mangelhaft war. Es habe ebenfalls an Transparenz gefehlt: Wichtige Entscheidungen und Auftragsbeschlüsse seien nicht dokumentiert und Daten falsch abgelegt worden, Handelsregistereinträge seien fehlerhaft gewesen. Der Projektleiter habe ohne offizielles Mandat agiert und sei zugleich Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft gewesen – eine Konstellation, die effektive Führung und Kontrolle verhindert habe. Bemängelt werde auch die Geschäftsprüfungskommission, heisst es weiter. Sie habe ihren ersten Bericht erst sechs Jahre nach Projektbeginn eingereicht, was ihre Funktion infrage stelle. Die Verantwortlichen wollen Massnahmen ergreifen, um ähnliche Fehler zukünftig zu vermeiden.

Ziel verfehlt – neue Abstimmung 2025
Der Fall erinnert an das Baukartell im Engadin, wo Unternehmer sich jahrelang gegenseitig Aufträge zuschoben. Viele schauten weg. Der geplante Flughafen steht immer noch nicht. Das Ziel, ihn bis 2021 fertigzustellen, wurde verfehlt. Doch das Engadin hält an dem Projekt fest, da die Luxushotellerie des Tals auf den Flughafen angewiesen ist. 2025 soll eine neue Volksabstimmung über einen erhöhten Planungs-Kredit stattfinden. Quelle/vollständiger Bericht: ‚Blick‚.

Samedan: BFK Gebirgsflug beendet

Während der vergangenen zwei Wochen fand im Engadin auf dem Flugplatz von Samedan der jährliche Breitenförderungskurs Gebirgsflug statt. Dabei erlernten die TeilnehmerInnen das Grundhandwerk zum sicheren Fliegen im Gebirge. Einen kleinen Einblick ins Kursgeschehen findest Du in dieser Bildergalerie. Quelle: ‚SFVS‚.