Gran Paradiso: kein Durchkommen (Teil 2)

Schwarm-Intelligenz schafft zuverlässigere und schnellere Resultate als tagelanger Einzel-Kampf: bei der Luftraum-Situation im Nationalpark Gran Paradiso lichtet sich dank unseres französischen Kollegen Ludovic Launer aus Grenoble der Nebel der Konfusion.

Die Luftraum-Obergrenze des Nationalparks liegt auf 4’500 m AMSL. Die Quelle dieser Information ist das italienische AIP. Auf Seite 34 des insgesamt 62 Seiten umfassenden Dokumentes finden Sie die folgende Information (bitte für den Download des PDF’s auch auf den folgenden Ausschnitt klicken):

Betroffen ist dieses Gebiet hier:

Die flugtaktische Bedeutung dieser hochgelegenen Region zwischen dem Modane- und Aosta-Tal ist bei Querungen zwischen Süd- und Nordalpen sehr gross. Für Südfrankreich-Urlauber mit entsprechenden Streckenflug-Projekten ist besonders lästig, dass die beliebte Flugroute entlang der französisch-italienischen Grenze mit der dort auftretenden Konfluenz bei thermischen Bedingungen damit kaum mehr legal passierbar ist.

Diese Information bestätigt leider die bisherigen Recherchen von flieger.news. Offenbar ist bei der ersten Publikation der geänderten Luftraumdaten eine Verwechslung von „Fuss“ und „Meter“ plus obendrein auch eine der Luftfahrtbegriffe „AGL“ und „AMSL“ passiert. eMail-Anfragen bei den italienischen Luftfahrbehörden in Rom blieben unbeantwortet, Antworten der Parkverwaltung in Aosta waren unzutreffend und konfus (und nur für italienischsprechende Menschen verständlich).

Die Streckenflug-Experten der südfranzösischen Segelflug-Zentren empfehlen in der Praxis das westliche Umfliegen der gesamten Region, inklusive jener des direkt anschliessenden Vanoise-Schutzgebietes, um über das Valgrisenche und den Mont Fallère nördlich von Aosta doch einigermassen sicher in die Walliser Alpen gelangen zu können.

Unauffindbare Dokumentation

Detaillierte Luftraum-Angaben der oben erwähnten Naturschutzgebiete sind ohne abonnierte staatliche AIP-Publikationen Italiens und Frankreichs nur mit grossem zeitlichem Aufwand auffindbar, kompliziert nur in der Landessprache formuliert und (zu) umfangreich. Die Frage, ob dermassen schwer auffindbare und fehlerhafte Publikationen überhaupt rechtsgültig sind, wäre irgendwann von spezialisierten Anwälten zu klären. Gibt es unter Ihnen irgendwo da draussen welche – oder einen Luftfahrt-Verband, der das faktische Flugverbot aufgreift und bei den Behörden um eine praktikablere Lösung kämpft?

(Ernst Willi)

Die Flugbahnen eines August-Tages 2022 als Nachtrag zum Bericht oben zeigen die Problematik der Luftraum-Verletzungen:

7 Gedanken zu „Gran Paradiso: kein Durchkommen (Teil 2)

  1. Michele Lupo

    Sorry fürs Englische…. hatte die Arbeit für Freunde aus UK Anfang des Jahres gemacht….

    Consultation and respect of the AIP Italia is an indication of good airmanship,
    unfortunately section ENR 5.6.1 of the AIP is being used to support regional environmental policy by gaslighting airspace users into believing that the AIP publishers have the regulatory authority to ban access to significant parts of the national airspace FOR REASONS OTHER THAN SAFETY. Legal action will be taken by a group of stakeholders to determine if the AIP publishers have such authority. Here is a brief review of the legal situation:

    Unbeholden of AIP publications the ONLY relevant ITALIAN public law governing the Gran Paradiso Airspace is:

    LEGGE 6 dicembre 1991, n. 394 (Art. 11 comma H) and its overflight ruling dated 05/02/2001. REGOLAMENTAZIONE DEL SORVOLO DEL TERRITORIO DEL PARCO NAZIONALE GRAN PARADISO (approvato con deliberazione n. 4 adottata dal Consiglio Direttivo il 05/02/2001).

    This implies that at least since 05/02/2001 EACH overflight of the Gran Paradiso Park UNDER 5000 M MSL must be authorized by the Park Administration, in advance, according to their published procedures.

    Enforcement authority rests with the Park Administration and can be challenged at the regional administrative court in Turin (TAR Torino), as the limitations do not address safety concerns but merely follow regional environmental regulations. it will be interesting to force the issue thru the courts to see if the publishers of the AIP have any say in this or if they overstepped their authority, in any case 4500 M MSL does not make any sense.

    A case law study encompassing over 20 years of airspace infringements by certified aircraft concluded that no merit judgements do exist, the few defendants over the years elected to settle the imposed administrative fines without going to trial.

    The question is how did the AIP publishers come up with current and past airspace limitations short of 5000 M MSL of the Gran Paradiso?

    Exactly this question will hopefully be answered by a pending freedom of information act request of the relevant AIP proceedings. (richiesta di accesso agli atti, Akteneinsichtsverfahren)

    After insight and understanding of the AIP proceedings (or lack thereof) is gained, further legal actions will be undertaken by a group of stakeholders.

    For example some volunteers will request permits to fly through the Gran Paradiso Park @ 4900 M MSL others will request overflight @ 4000 M MSL, denial will be started to get to the bottom of this matter (no pun intended).

    Considering that you can file (and obtain) a Gran Paradiso low level drone flying permit on the Park website:

    Drone Pilots can use this form:
    https://www.pngp.it/moduli/richiesta-autorizzazione-al-sorvolo-con-drone-del-territorio-del-parco-nazionale-gran

    I am somewhat confident that a „glider“ arrangement can eventually be found, without too much legal grandstanding.

    Furthermore, denying public access to such a large area, appears hard to defend from a constitutional point of view.

    A rather large helicopter fleet is licensed to operate there and even James Bond had a shootout – helicopter pursuit scene in the Park area.

    Do not get caught without a flight plan when you do cross borders (easy to do with electronic flight planning software) and continue enjoying the area as you always have.

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  2. Reinhold Müller

    Der Passus „kompliziert nur in der Landessprache formuliert“ in FliegerNews ist falsch. Wer konzentriert liest, sieht dass es zweisprachig erklärt ist (I und E)

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    1. admin Beitragsautor

      Salut Reinhold, ich meinte das Parkreglement aus Aosta und das Parkreglement der Vanoise. Beide sind NUR in Italienisch und Französisch formuliert.
      Die italienische AIP-Publikation (Gran Paradiso) war wie im Artikel beschrieben wegen der Verwechslung von Fuss und Meter sowie AGL und AMSL monatelang völlig falsch, „dafür“ ohne Abo auch kaum auffindbar.

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  3. Roland Bieri

    Leider gibt es immer noch Piloten, welche diese Beschränkungsgebiete ignorieren. Deshalb wurde vermutlich die Zone Gd Paradiso immer grösser… und es wird für unsere verhandelnden Kollegen viel schwieriger, ernst genommen zu werden.

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  4. Morr Mike

    Der DAeC auf nationaler, sowie EAS (Europe Air Sports) haben sich dieser Situation angenommen und versuchen einen praktikablen Weg im Sinne des Luftsport durchzusetzen.
    Gespräche mit der EASA und dem BMUV wurden bereits durchgeführt.

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    1. Erik

      Durch die Vanoise gibt es allerdings einen Korridor zum Durchfliegen nördlich des Plan d’Amont.
      Das ist auch nicht einfach zur recherchieren, aber Infos in französischer Sprache gibt es hier: https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwi_xdvjstj8AhXAQvEDHbzxDtQQFnoECAsQAQ&url=https%3A%2F%2Fwww.vanoise-parcnational.fr%2Ffr%2Fdownload%2Ffile%2Ffid%2F182&usg=AOvVaw1jMM9xtDSgC5r_PZuj7zxb
      Sollte der Link nicht funktionieren, gebt in die Suche „arrete concernant le survol des aeronefs non motorises“ ein.

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    2. Michele Lupo

      Es geht lediglich um Regionalpolitik und um einige Umweltgruppen, die in ganz Italien versuchen Lufträume zu sperren. EASA und BMUV werden nichts erreichen. Ein Überflugverbot unter 5000 M MSL besteht seit über 20 Jahren, hat nur niemand bemerkt…. es wird eine sehr schlaue Salamitaktik eingesetzt. Englischen Beitrag bitte lesen.

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