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Von komplexem Flugzeug überfordert

Am 7. Dezember 2023 stürzte eine Beechcraft 35-C33 Debonair in Pulaski, Tennessee, ab. Die 44jährige Pilotin und ihr 78jähriger Passagier kamen dabei um. Der Abschlussbericht der US-Unfalluntersuchungsbehörde NTSB nennt einen Kontrollverlust durch die Pilotin als wahrscheinliche Unfallursache.

Das Flugzeug befand sich auf einem Überlandflug von Knoxville, Tennessee, nach Benton, Arkansas. Nach dem Start und initialen Steigflug auf 6.500 Fuss begannen laut ADS-B-Daten die Höhe und Geschwindigkeit des Flugzeugs stark zu schwanken. Diese Oszillationen, die über einen Zeitraum von etwa 25 Minuten immer heftiger wurden, erreichten Abweichungen von bis zu 1.500 Fuss.

Flughöhe, berechnete Eigengeschwindigkeit und Grundgeschwindigkeit in den letzten 40 Minuten des Fluges

Die Fluglotsen wiesen die Pilotin auf die Kursabweichungen hin, worauf diese zwar reagierte, die Probleme aber weiterhin bestanden. Schliesslich brach der Funkkontakt ab. Kurz vor dem Absturz wurden noch schwache Notrufe der Pilotin und des Passagiers empfangen. In der Endphase des Fluges erreichte die Maschine eine Sinkrate von über 10.000 Fuss pro Minute bei einer Geschwindigkeit von rund 228 Knoten, bevor sie auf dem Boden aufschlug.

Mangelnde Flugerfahrung und Systemkenntnisse

Die Untersuchung ergab, dass die Pilotin Schwierigkeiten mit der manuellen Steuerung des Hochleistungsflugzeugs sowie mit dessen komplexer Avionik, insbesondere dem Autopiloten und der Trimmung, hatte. Fluglehrer, die mit ihr geflogen waren, bestätigten, dass die Pilotin dazu neigte, sich zu sehr auf die Technik zu verlassen und bei deren Fehlfunktion überfordert war. Ein Fluglehrer merkte explizit an, dass das Flugzeug die fliegerischen Fähigkeiten der Pilotin überstieg.

Das NTSB vermutet, dass die Pilotin den Autopiloten falsch bediente und die Trimmung manuell in die falsche Richtung korrigierte. Dies könnte zu den aufgezeichneten, vom Piloten induzierten Oszillationen (PIO) geführt haben, die letztlich im Kontrollverlust und Absturz mündeten. Eine Untersuchung des Wracks ergab keine Hinweise auf technische Defekte, die den Unfall hätten verursachen können, wenngleich der Zerstörungsgrad eine vollständige Analyse der Steuerung und des Autopiloten verhinderte.

Medikamenten-Einfluss nicht ausgeschlossen

Die toxikologische Untersuchung wies bei der Pilotin eine Kombination verschiedener Medikamente nach, die zur Behandlung von Angstzuständen und Depressionen eingesetzt werden. Diese Substanzen können die kognitiven Fähigkeiten und die Reaktionszeit beeinträchtigen. Aufgrund der schweren Verletzungen konnten die Wirkstoffkonzentrationen im Blut jedoch nicht mehr zuverlässig bestimmt werden. Ob und inwieweit die Medikamente oder die zugrundeliegenden Erkrankungen zum Unfall beigetragen haben, liess sich daher nicht abschliessend klären. Quelle/vollständiger Report: ‚NTSB / USA‚.