Vom Schnupperflug zur Lizenz

Zwei Beispiele aus Dittingen und Schupfart zeigen, wie Segelflugausbildung in der Nordwestschweiz praktisch abläuft. Der persönliche Weg eines jungen Piloten und ein zweiwöchiges Schulungslager stehen dabei für unterschiedliche, aber eng verbundene Formen der Nachwuchsarbeit.

Klassischer Weg in Dittingen

Bei Martin Vögtli begann die Ausbildung an den Flugtagen 2024 der Segelfluggruppe Dittingen. Im Alter von 15 Jahren absolvierte er drei Schnupperflüge mit einem Fluglehrer. Noch im selben Jahr trat er der Schulung bei. Während der Saison 2025 trainierte er an den Wochenenden auf der doppelsitzigen ASK 21. Mit zunehmender Erfahrung übernahm er immer mehr Aufgaben selbst und bereitete sich auf den ersten Alleinflug vor.

Vor der Freigabe musste er unter anderem die Ausleitung aus einer Vrille, das Verhalten bei einem simulierten Seilriss sowie sichere Landungen bei unterschiedlichen Windverhältnissen und stärkerem Verkehr beherrschen. Nachdem zwei Fluglehrer zugestimmt hatten, absolvierte er Ende 2025 mit 16 Jahren seinen ersten Alleinflug. Es folgte die Umschulung auf die einsitzige LS 4 sowie die weitere Ausbildung im Thermik- und Streckenflug.

Im Winter besuchte Vögtli in Grenchen einen Theoriekurs mit neun Fächern. Der Unterricht erstreckte sich über vier Wochenenden und wurde durch Online-Lektionen ergänzt. Zu den behandelten Themen gehörten unter anderem Luftraumstruktur, Kartenkunde und Aerodynamik. Nach dem Theorieabschluss folgte der für die Lizenz erforderliche Solo-Streckenflug über mindestens 50 Kilometer. Die praktische Prüfung bestand er im Juni 2026. Ein Schwerpunkt der Vorbereitung war die Ziellandung innerhalb eines 60 Meter langen Bereichs.

Ausbildungslager in Schupfart

Wie eine konzentrierte praktische Schulung organisiert werden kann, zeigte die Segelfluggruppe Basel Fricktal vom 13. bis 24. Juli 2026 in Schupfart. Am Lager nahmen fünf Flugschüler und eine Flugschülerin im Alter von 14 bis 80 Jahren teil. Hinzu kamen brevetierte Pilotinnen und Piloten sowie ein Schnupperschüler. Zehn Fluglehrer, neun Schlepppiloten und weitere Helfer unterstützten den Betrieb; insgesamt wurden mehr als 100 Schleppstarts durchgeführt.

Der Ausbildungsstand reichte von ersten Flugerfahrungen bis zu Alleinflügen mit Flugaufträgen. Zum Programm gehörten Seilrissübungen sowie Thermik- und Streckenflüge. Während die erste Lagerwoche von grosser Hitze geprägt war, bot die zweite Woche gute thermische Bedingungen. Auch die brevetierten Teilnehmenden nutzten das Lager für Streckenflüge und Einweisungen auf weitere Segelflugmuster.

Beide Beispiele machen den Aufbau der Segelflugausbildung sichtbar: Auf erste Flüge mit Fluglehrer folgen systematisches Training, Alleinflug, Theorie, Streckenflug und praktische Prüfung. Gleichzeitig zeigt die Altersspanne im Lager von Schupfart, dass der Einstieg nicht auf Jugendliche beschränkt ist. Entscheidend sind ein kontinuierlicher Schulungsbetrieb, verfügbare Fluglehrer und die Mitarbeit der Vereinsmitglieder am Boden und in der Luft.


Entdecke mehr von

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Schreibe einen Kommentar