Unternehmer holt Blockierte im Privatjet heim

Die Empfehlung des Aussendepartements (EDA) ist unmissverständlich: Schweizer Reisende, die sich im Ausland befinden, sollen aufgrund der weltweiten Corona-Krise in die Heimat zurückkehren. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass immer mehr Staaten ihre Grenzen dichtmachen und Gefahr droht, blockiert zu werden. Zudem wurde das Angebot an kommerziellen Flügen drastisch reduziert. Die Reisenden sitzen aber nicht nur auf weit entfernten Inseln in der Südsee fest, sondern manchmal auch in Europa – und kommen trotz geringerer Distanz nicht oder nur mit grossem Aufwand von dort wieder weg. Da sollte sich etwas machen lassen, dachte sich der Bieler Unternehmer Luca Forcignano, dessen Privatjet-Firma derzeit das übliche Angebot für vermögende Kunden nicht ausführen kann. Also trommelte er Piloten, Juristen und weitere Hilfskräfte zusammen und gründete kurzerhand einen Verein mit dem findigen Namen «Home Force One». Wer sich in Reichweite der Kleinflugzeuge – also irgendwo in Europa – befindet und von dort dringend in die Schweiz reisen möchte, kann sich nunmehr über eine eingerichtete Hotline melden. Die Dienstleistung richtet sich in erster Linie an ältere und gefährdete Personen, deren Möglichkeiten eingeschränkt sind, auf dem Landweg in die Schweiz zu gelangen. «Unser Angebot ist eine Ergänzung zu den Bemühungen des Bundes», sagt Forcignano. Was es bedeutet, irgendwo festzustecken, erlebte er Mitte März am eigenen Leib in der Türkei. Aufgrund seiner italienischen Staatsbürgerschaft konnte er bei den kommerziellen Fluggesellschaften kein Ticket mehr kaufen und schaffte es, nach vier Tagen, nur dank dem Privatjet eines Bekannten wieder in die Schweiz. Der Gedanke, dass es sich um ein Luxusangebot für die gutbetuchte Klientel handelt, liegt auf der Hand. Er trifft allerdings nur bedingt zu. «Home Force One» verrechnet den Kunden lediglich die Betriebskosten, etwa das Kerosin oder die Start- und Landegebühren. Die Flugstunden der Piloten oder die Amortisation der Maschinen werden nicht angerechnet. Aus Spanien kostet eine Repatriierung im Privatjet ungefähr 5000 Franken, je nach Flugdauer und örtlichen Gebühren kann der Betrag aber stark variieren. «Wir machen keinerlei Profit. Im Gegenteil, wir legen Geld drauf», versichert Forcignano, der auf seiner Homepage einen Aufruf zur Unterstützung der Aktion gestartet hat. Je nach Spendeneingang soll sich der Kostenbeitrag für die Kunden weiter reduzieren. Mitte Woche flogen zwei Piloten ein jurassisches Rentner-Ehepaar aus Malaga aus, unter Einhaltung der notwendigen Distanz- und Hygienemassnahmen. Zum Einsatz kam eine Cessna 414. Sechs weitere Rückführungen aus Sizilien und wiederum Südspanien sind bis Samstag geplant. Dass es nicht mehr sind – Forcignano erhält gemäss eigenen Angaben täglich rund 20 Anrufe von interessierten Personen –, sei bürokratischen Hürden geschuldet. So dauere die Vorbereitung einer Flugreise derzeit bis zu 72 Stunden. Insbesondere in Italien sei es derzeit schwierig, innert nützlicher Frist die nötigen Start- und Landeerlaubnisse zu erhalten. Der Flugunternehmer erhofft sich deshalb diplomatische Hilfe vom Bund, um schneller an die Bewilligungen zu kommen. Schliesslich trage der Dienst dazu bei, die behördliche Aufforderung zur Rückkehr umzusetzen. Das EDA nimmt die private Initiative denn auch mit Interesse zur Kenntnis. Die ausländischen Vertretungen könnten allenfalls administrative Unterstützung anbieten, «solange das staatliche Handeln nicht beeinträchtigt wird», sagt ein Sprecher. Forcignano freut sich über das grundsätzlich positive Signal aus Bern. Noch funktioniere die Zusammenarbeit aber nicht wie erwünscht – und damit gehe täglich wertvolle Zeit verloren. Quelle: ‘NZZ, Neue Zürcher Zeitung‘.

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