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Segelfliegen in Minden – damals und heute

Wegen der sehr günstigen Segelflugbedingungen kommen die Segelflieger schon seit vielen Jahren nach Minden. Bereits in den 1960er und 70er Jahren und sogar noch früher brachten Segelflieger aus der San Francisco Bay Area und Sacramento ihre Familien und Segelflugzeuge an den ersten Frühlings- und Sommerwochenenden nach Minden. Typischerweise wurde in der Osterwoche das „Wave Camp“ organisiert, und die Segelflieger parkten neben ihren Segelflugzeuganhängern auf beiden Seiten der alten, stillgelegten Startbahn. „Wave“ ist ein Wetterphänomen, das starke Winde und Auftrieb in sehr großen Höhen erzeugt.

Die Piloten und Besatzungen bauten ihr Segelflugzeug neben dem Wohnmobil ihrer Familie auf. Um zu fliegen, konnte das Segelflugzeug von ihrem Fahrzeug in einer Reihe oder einzeln zum Start geschleppt werden. Ein ortsansässiger Flugzeugmechaniker mit einer Cessna 182 und einem Schlepphaken führte in seiner Mittagspause Schleppflüge durch. Die Familien bildeten die Begleitmannschaft, und nach dem Start konnten die Kinder spielen, wenn sie sicher sein konnten, dass ihr Pilot nicht neu starten musste (ein weiterer Schlepp), und in die Stadt zum Einkaufen fahren. Für das „Wave Camp“ oder andere besondere Veranstaltungen organisierten die Teilnehmer oft ihr eigenes Schleppflugzeug. In der Stadt wurde ein Banner mit der Aufschrift „Welcome Gliders“ über den Highway 395 gespannt, das die Teilnehmer einlud, um die zahlreichen kommerziellen Annehmlichkeiten und Sehenswürdigkeiten des Carson Valley zu genießen.

Die „Soar Minden“ wurde der erste vollwertige kommerzielle Segelflugbetrieb am Douglas County Airport. Die bestehende Minden Fabrication Co. baute Segelflugzeug-Anhänger und führte Wartungsarbeiten an Segelflugzeugen durch. Im Jahr 1978 kaufte Soar Minden am Stead Airport eine neue Schweizer 2-33 und 1-26. Der erste Segelflug-Betrieb in Minden bot Unterricht, Vermietung und Schlepps an. Kurz darauf wurde Minden Fabrication zu High Country Soaring, und die Piloten konnten mit den zwei Betrieben bekommen, was sie wollten.

An einem normalen Sommertag konnte man in Minden Segelflieger aus vielen Ländern antreffen. Minden wurde durch „Mundpropaganda“ in der Segelfliegergemeinde weltweit bekannt. Nachdem sie die außergewöhnlichen Segelflug-Bedingungen im Carson Valley und der angrenzenden östlichen Sierra erlebt hatten, verkündeten die Piloten oft: „Wir kommen wieder und erzählen es all unseren Freunden!“ Quelle: ‚recordcourier.com‚.

Wave Camp in Mikulovice

Jedes Jahr Ende Oktober und Anfang November findet auf dem Flugplatz Mikulovice bei Jesenik in Tschechien ein Wave Camp statt. Dafür habe ich mir im vergangenen Herbst den Duo Discus geschnappt, um das Wellenfliegen nach vielen, beeindruckenden Berichten von anderen Mitgliedern selbst einmal zu erleben. Das erste Mal haben Braunschweiger Akaflieger 2019 den Weg nach Tschechien zum Wave Camp gewagt. Über die Erfahrungen, aber auch über die Hintergründe des Wellenfliegens und den Ablauf in Mikulovice hat Kristian damals in seinem Beitrag berichtet.

Für mich fing alles mit einer „nur“ etwa 8-stündigen Autofahrt an, die Strecke war glücklicherweise frei. Nach der Ankunft im Stockfinstern, wobei ich zunächst fast den Flugplatz nicht gefunden hätte, gab es erst einmal Essen. Dann ging es auch schon bald ins Bett, denn am nächsten Morgen war früh aufstehen angesagt. Leider stellte sich an besagtem nächsten Morgen heraus, dass das mit dem Wellenfliegen doch nicht ganz so einfach werden sollte, wie zunächst erhofft. Um von Mikoluvice aus starten und in der Welle fliegen zu dürfen, benötigt man zunächst eine Einweisung. Dies ist aufgrund der örtlichen Gegebenheiten auch durchaus sinnvoll, unter anderem, da die F-Schlepps und Landungen teils sehr anspruchsvoll sein können. Abgesehen davon ist es äußerst hilfreich, von einer erfahrenen Person mit Ortskenntnis die markanten Orientierungs-Punkte, sowie natürlich den „handwerklichen Teil“ des Wellenfliegens an sich erklärt zu bekommen. Letztlich hat es 5 Tage gedauert, bevor ich diese Einweisung dann zum Glück bekommen konnte. Danke an dieser Stelle an Kristian. Bei diesem Flug bekam ich ein erstes Gefühl für das Wellenfliegen und für die eindrucksvolle Aussicht.

Grund für diese Verzögerung war neben Zeit- und Personalmangel von Seiten der Einweisenden vor allem ziemlich ungnädiges Wetter. Letzteres hat auch bei den anderen anwesenden Pilotierenden zu Unmut geführt: Ein völlig durchnässter Platz, dichte niedrige Wolkendecken und eine nur schwach ausgeprägte Welle bedeuteten weder gute Start-, noch unfassbar tolle Flugbedingungen. Dennoch haben es einige der Anwesenden gewagt, sofern sie konnten, frei nach dem Motto „Fliegen ist besser als nicht fliegen.“

Die Tage, an denen wir nicht oder nur kurz fliegen konnten, haben wir durch Ausflüge in der Umgebung, einige kleinere Baumaßnahmen am Vereinsheim, generelles Gefrickel an den Flugzeugen und nettes Beisamensein überbrückt. Jeden Abend gab es – ob in einem der örtlichen Restaurants oder selbst gekocht – sehr leckeres Essen. Die Aussage, dass nicht zuletzt das Essen auch ein Beweggrund ist, nach Tschechien zu fahren, kann ich auf jeden Fall bestätigen. Nach insgesamt 9 Tagen ging es für den Duo und mich wieder zurück nach Braunschweig.

Die anfängliche Verzögerung und die ungünstigen Wetterverhältnisse haben dafür gesorgt, dass ich letztendlich insgesamt nur drei Flüge machen konnte. Dennoch waren diese sehr schön. Die höchste Höhe, die ich erreichen konnte, waren knapp 4400m MSL, was auch für einen entsprechend beeindruckenden Ausblick gesorgt hat. Allein dafür hat sich der Weg schon gelohnt. Die aufliegende Bewölkung auf den Bergen unter einem, die soweit das Auge sehen kann ins tschechisches Innland reicht, die meistens Wolkenfreien, ebenen Felder in Richtung Polen und der blaue, teils von Wolken verzierte Himmel über einem wirken auf Fotos fast schon unwirklich. Ich habe mich noch lange nicht dann satt gesehen und hoffe, diese eindrucksvolle Erfahrung in der Zukunft wiederholen zu können. Ein besonderer Dank gilt vor allem den Organisierenden des Wave Camps, den Einweisenden und Schlepppiloten. Außerdem natürlich allen, die stets mit einer helfenden Hand unterstützt haben. Quelle: ‚Akaflieg Braunschweig‚.