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Über den Ärmelkanal zur Geschichte

Autor: Martin Kuras

Die Luftschlacht um England zählt für mich zu den prägendsten Kapiteln der Luftfahrtgeschichte. Kein Ort hält diese Erinnerung lebendiger als Duxford Airfield – Grund genug, die Battle of Britain Airshow diesmal nicht per Linie, sondern selbst als GA-Pilot anzufliegen. Gemeinsam mit dem erfahrenen Piloten Wilfried starte ich mit einer Robin der MFG Birrfeld zu einem langen gehegten Traum.

Die Vorbereitung ist anspruchsvoll: vier Länder, Zoll- und PPR-Regeln, GAR-Meldung, UK ETA und neue Sicherheitsvorgaben.

Nach intensiver Planung steht die Route fest – Birrfeld, Bremgarten, Reims, Le Touquet und weiter nach Cambridge als Zielflugplatz.

Der Flug selbst ist ebenso lehrreich wie eindrücklich. Über Schwarzwald, Elsass und Champagne geht es unter tiefen Wolken Richtung Ärmelkanal. Französischer FIS-Betrieb, militärischer Tiefflug unter uns und schnelle ATIS-Ansagen sorgen für Aufmerksamkeit. In Le Touquet folgt die letzte Pause – dann Schwimmwesten an und Kurs Richtung Dover.

Über Funk bei London Information und später LARS Southend tauchen sie auf: die weissen Klippen von Dover. Ein Gänsehautmoment. Mit Musik von Vera Lynn im Headset und dem legendären Funkspruch „coasting-in Dover“ wird der Traum Realität. Kurz vor 17 Uhr Lokalzeit landen wir in Cambridge – müde, aber glücklich.

Zeitreise: Viele Gäste trugen zeitgenössische Kleidung oder RAF-Uniformen

Am nächsten Tag führt der Shuttle nach Duxford. Warbirds, historische Kulissen und das imposante Wing Display mit Spitfires und Hurricanes machen Geschichte spürbar. Der Stolz und die Begeisterung des Publikums sind ansteckend.

Spitfire Mk.Ia (N3200)

Der Rückflug bringt ein weiteres Highlight: ein Low Approach in Duxford und Platzrunden-Verkehr mit einer Hurricane. Nach sieben Legs, rund neun Stunden Flugzeit und über 1’000 NM endet die Reise bei Sonnenuntergang wieder im Birrfeld.

Fazit: Tanks leer, Rucksack voll. Diese Reise hat den fliegerischen Horizont erweitert – und Lust auf mehr gemacht. Duxford 2026? Die Robin ist bereits reserviert.

-> Vollständiger Bericht: ‘Birrfelder Flugpost’

Besucher-Rekord in Oshkosh

Das EAA AirVenture 2025 hat mit einem Besucherrekord erneut als das wichtigste Ereignis der internationalen Luftfahrtszene positioniert. Vom 17. bis 28. Juli 2025 strömten 704’000 Luftfahrt-Enthusiasten aus 94 Ländern zum Wittman Regional Airport in Oshkosh, Wisconsin, um an der „World’s Greatest Aviation Celebration“ teilzunehmen. 2024 hatte das EAA AirVenture bereits 686.000 Besucher angelockt.

Luftverkehr auf Rekordniveau

Die Dimension des Events wird anhand der Flugbewegungen erkennbar: Über 10’000 Flugzeuge landeten während der AirVenture-Woche auf dem Wittman Regional Airport und den umliegenden Flugplätzen. Allein in Oshkosh registrierte die Federal Aviation Administration (FAA) vom 17. bis 28. Juli insgesamt 16.246 Flugbewegungen.

Homebuilts im Mittelpunkt

Zu den Höhepunkten des EAA AirVenture 2025 gehörten die selbstgebauten Flugzeuge. Von den 2’543 zur Besichtigung freigegebenen Fluggeräten entfielen 910 auf die Kategorie «Homebuilt».

995 Vintage Aircraft (Oldtimer) repräsentierten die goldene Ära der Luftfahrt, während 361 Warbirds die militärische Luftfahrtgeschichte lebendig werden ließen. Darüber hinaus waren 101 Ultraleichtflugzeuge, 75 Kunstflugzeuge und 74 Wasser- und Amphibienflugzeuge zu bewundern.

Highlights

Zu den Attraktionen gehörten in diesem Jahr der fliegende Triebwerksprüfstand Boeing 747SP von Pratt & Whitney, ein Zeppelin NT als Goodyear Blimp, eine Lockheed Constellation, eine Douglas DC-8 sowie der fliegende Nachbau einer Messerschmitt Me 262.

Warbirds-Community im Fokus

Besondere Aufmerksamkeit verdient die aktive Warbirds-Community, die vom 21. bis 27. Juli spezielle Aktivitäten organisierte. Die EAA Warbirds of America sponserte eine Funkstation W9W, die täglich von 9:00 bis 17:00 Uhr in Betrieb war und auf den Frequenzen 7225 MHz, 14250 MHz, 21235 MHz und 28425 MHz sendete.

Für Warbird-Piloten standen spezielle Services zur Verfügung, darunter ein eigener Campingplatz für 39 Dollar pro Nacht, Flugzeug-Voranmeldung, spezielle NOTAM-Hinweise und ein Aircraft-Judging-Programm mit anschließender Preisverleihung. Diese durchdachte Organisation unterstreicht die besondere Wertschätzung historischer Militärflugzeuge innerhalb der EAA-Community.

Ehrenamtliches Engagement als Fundament

Das EAA AirVenture wäre ohne das außergewöhnliche Engagement von 6’000 Freiwilligen nicht möglich. Die Volunteers leisteten in diesem Jahr fast 300’000 Arbeitsstunden und erledigten zahlreiche Aufgaben. Dieses Engagement ist ein wesentlicher Baustein für den Erfolg der Veranstaltung.

Die EAA

Die Experimental Aircraft Association (EAA) ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Oshkosh, Wisconsin, die sich der Förderung der Luftfahrt widmet. Die EAA organisiert nicht nur das weltberühmte AirVenture, sondern betreibt auch ein Luftfahrtmuseum, Bildungsprogramme und unterstützt die lokale Luftfahrt.

-> Informationen zur EAA.