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Kreuz und quer durch Mitteleuropa (2)

Hier finden Sie den Bericht über den ersten Teil der Luftwanderung.

Autor Holger Leicht

19.6. Mitten über den Plattensee zurück in die Alpen nach St. Johann

Morgens erzählten die ansässigen Piloten, dass es zwei Segelflugsektoren gibt, die den Ausflug unter der TMA von Budapest deutlich einfacher machen. Fast wie daheim die Segelflugsektoren in der TMA von Stuttgart.

Wir haben gleich bei Hungaro-Control angerufen und problemlos die Sektoren für unseren Abflugzeitraum (für 1,5 Stunden vorab) aktiviert. Na, das war ja einfach. Also Flieger ans andere Bahnende gezogen (mit Hilfe von sehr freundlichen und hilfsbereiten segelfliegenden Mitarbeitern eines CAMO-Betriebs, der am Platz Jahres-Nachprüfungen machte).

Doch dann – 10min vor dem Start – ein Anruf mit ungarischer Nummer – Hungaro Control. Die ungarische Bürokratie schlug gnadenlos zu. Nur die Personen auf einer festgelegten Liste dürfen die Sektoren aktivieren. Und Überraschung: Ich stand nicht drauf. Also nix mit freigegebenen Sektoren. Zum Glück ist die Landschaft da ja nicht sonderlich hoch und es ging auch unten durch thermisch völlig problemlos, nachdem die Thermik sogar pünktlich (und sehr gut und zuverlässig) einsetzte.

Durch das zuverlässige Steigen motiviert, konnten wir dann noch schönen Quellungen Richtung Plattensee folgen, genauso, wie sich die Reiseleitung das am Tag zuvor vorgestellt hatte. Kaum zu glauben: Wolkenstraßen mitten über dem Balaton. Sightseeing at its best. Bei bester Wetteroptik Kurs Richtung Alpen. Selbst der „Wieder-Eintritt“ in die Alpen dann problemlos und mit sehr viel Spaß im Team. Nächstes Ziel St. Johann in Tirol (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Landefeld im Pongau, das viel näher war…).

20.6. Flucht vor der brodelnden Luft nach Thun

Das Wetter war jetzt nicht mehr so klar. Deshalb wollten wir – um nicht im schlechten Wetter fest zu stecken – für die nächsten Tage weiter nach Westen, wo es besser aussah für den Weiterflug. Tief (eigentlich sehr tief) an Innsbruck vorbei ging’s im Vierer-Pulk (spontan hatte sich noch Bernd dazugesellt) weiter mit ursprünglichem Ziel Zweisimmen. Eine eher kleine Etappe, aber Unterkunft war vorab geklärt und besseres Wetter für die kommenden Tage in Aussicht.

Vorbei an Samedan/St. Moritz und über den Gotthard wurde dann im Flug schon optisch klar, dass das aufgrund von Über-Entwicklungen unrealistisch ist und wir entschieden uns, über den Grimsel nach Thun zu springen, wo das Wetter unkritisch war und das schöne Städtchen war auch in der Nähe.

Also umgeparkt ins bessere Wetter für den nächsten Tag. Der Flugplatz war sehr belebt. Viele nette Segelflieger. Ab an den See zum Baden. Die Altstadt anschließend voller Leben. Ein toller Abend in der Schweiz. Einen Dolmetscher hatten wir ja auch schon dabei. Geschlafen wurde in der (riesigen) Vereinswerkstatt auf den Luftmatratzen.

21.6. Ab in den ganz großen Pool nach Südfrankreich

Nächster Tag mit reduzierter Mannschaft nach Südfrankreich. Ein Teil musste am nächsten Tag daheim sein und flog direkt nach Norden Richtung Heimat.
Der Weg in die Provence auf der Nordseite um den Mt. Blanc herum war mit Stefan recht entspannt. Unterwegs noch Gleitschirmflieger (mutmaßlich von den XAlps) getroffen. Wie die so hochgekommen sind, wusste keiner, gefühlt bestimmt 1000m höher als wir.

Der Plan war, mal einen kürzeren Flug zu machen und um 15 Uhr in Pui in den Pool zu springen. Mit der Landezeit voll im Plan, kurz nach 15 Uhr mit Blick auf blühende Lavendelfelder. Leider auch auf einen Pool, der aus unerklärlichen Gründen leer war 🙁
Aber zum Glück gibt es am Platz viele bekannte, nette Menschen. Und wir bekamen ein Auto geliehen, um an den Lac de St. Croix zu fahren und eben dort zu baden. Pui ist fast wie Heimkommen. Als Außenlander bekommt man sogar kostenlos eine Hütte für die Übernachtung und so konnten wir mal wieder in einem Bett schlafen – und vor allem Wäsche waschen.

22.6. Sightseeing zurück in die Schweiz nach Luzern

Um 10 war – wie üblich in Puimoisson – das Briefing, das Helmar immer klasse macht. Start in bekannter Pui-Manier dann an der Serre de Montdenier. Leider ein wenig zu euphorisch gleich dahinter gestürzt und dann ganz kleinlaut im Assetal unter 1000m (MSL wohlgemerkt) wieder ausgegraben. Ab da lief es eigentlich recht unproblematisch auf vertrauten Wegen über Chapeau de Gendarme, Tête de Siguret, Briancon und dann westlich an der Vanoise vorbei, weiter zum Montblanc und Matterhorn.

Im Rhonetal konnten wir so hochkommen, dass wir noch (legal) ins Lötschental schauen konnten und dann vorbei an allem, was Rang und Namen hat. Eiger, Mönch, Jungfrau. Die Kontrollzonen von Meiringen und Emmen waren am Sonntagabend auch schon aus.
Noch ein Abstecher zur berühmten Rigi, dem Hausberg von Luzern und dann Stefan in Luzern-Beromünster abgeliefert, der montags wieder arbeiten musste. Und ich durfte einen Tag Pause machen – bei ihm daheim übernachten und Wäsche waschen, mit dem Fahrrad die wunderschöne Stadt besichtigen, im Vierwaldstätter See baden, chillen und lecker essen…

24.6. Treffpunkt Kufstein

Gösta wollte ab jetzt mitfliegen und kam aus Aalen in die Berge, was sich einfacher darstellte, als meine Anreise aus Thun. Das thermisch hochkarätige Glarnerland (Zitat Bert) war thermikfreie Zone. Noch nie die Alpen so tot erlebt, wie im ersten Teil des Tages und noch nie so viel Sprit in einem Flug verbrannt…

Aber Vögel flattern ja auch mal (Zitat Nadja). Ein Tag zum Abgewöhnen. Dass der Treffpunkt Kufstein ausgemacht war, war bei dem Wetter auch die einzige Motivation weiterzufliegen. Aber solche Tage gibt’s im Wandersegelflug auch mal – und dieses Jahr ganz wenige. Am Ende dann doch noch angekommen – Tag abgehakt.

25.6. Umparken nach Amlikon

Eigentlich war der Plan, an den Rand des Jura nach Yverdon-les-Bains am Neuenburger-See zu fliegen. Alternativ hatten wir aber Amlikon schon auf dem Schirm, weil die Vorhersage grenzwertig war. Los gings mit Tiefflugübungen an der Nordkette. Und dann kommt Innsbruck (wo ich mit Freigabe in letzter Sekunde in die CTR geplumpst bin) noch auf die Idee, mich auf ner anderen Frequenz haben zu wollen… Hab ja noch nicht genug geschwitzt da an Hang…

Wie befürchtet wurde der Tag dann nur ein Hüpfer in die Halle von Amlikon. Gut, dass wir den Plan B hatten, denn der Himmel in der Schweiz nach Südwesten sah alles andere als einladend aus. Die Berge in unsere ursprüngliche Richtung waren kaum noch zu erkennen, so diesig war es. Ob es Saharastaub war oder einfach nur trübe Luft, weiß man nicht. Aber in so schwierigen Bedingungen weiterzufliegen, darauf hatte keiner mehr Lust…. Am Schweizer Musterflugplatz Amlikon dann Tetris next level…. Mehrmals die Werkstatt aus- und eingeräumt, bis die örtliche Schleppmaschine und (!) einer unserer 18-m-Flieger hineinpassten (mit abgenommenen Außenflügeln). Der zweite hatte einen freien Hallenplatz bekommen. Aber beide Flieger trocken für den nächsten „Regentag“. Es gab zudem einen wunderschönen gefüllten Pool und abends grillte Christoph sogar noch Wild für alle (ja, das W ist großgeschrieben!) – sehr lecker.
Toller Flugplatz und ne tolle und hilfsbereite Truppe beim dortigen Fluglehrer-Lehrgang kennengelernt.

Die morgige Etappe soll Richtung Elsass und nach Frankreich führen, verfolgen Sie Holger auf seinem Weg „mit und ohne Solo“.