Schlagwort-Archiv: Voltaero

Aura Aero übernimmt VoltAero-Assets

Der französische Flugzeughersteller Aura Aero (Toulouse-Francazal) hat am 23. Juni 2026 wesentliche Vermögenswerte des Hybrid-Elektro-Flugzeug-Startups VoltAero übernommen. Dabei handelt es sich nicht um eine vollständige Firmenübernahme, sondern um den Erwerb strategischer Assets.

Was übernommen wurde
Aura Aero erhält den Hybrid-Elektro-Flugdemonstrator Cassio S, Patente, Flugtest-Daten, Prototyping-Kapazitäten, einen Teil des VoltAero-Teams sowie die Industrieinfrastruktur am Standort Rochefort (rund 2.400 m² Nutzfläche mit direktem Rollbahnzugang). Der Cassio S absolvierte seit Beginn der Flugtests im Jahr 2019 über 270 Flüge und legte dabei rund 25.000 Kilometer zurück.

Hintergrund: VoltAero
VoltAero wurde 2017 von Jean Botti gegründet, dem früheren Cheftechniker von Airbus, der zuvor das Airbus-E-Fan-Projekt geleitet hatte. Das Unternehmen entwickelte die Cassio-Familie — Hybrid-Elektro-Flugzeuge mit vier bis zehn Sitzen (Cassio 330, 480, 600). Im Oktober 2025 wurde VoltAero unter gerichtliche Aufsicht gestellt (redressement judiciaire), nachdem erwartete Investitionen ausblieben und das Unternehmen seine Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen konnte. Die eigenständige Weiterentwicklung der Cassio-Baureihe dürfte damit beendet sein.

Bedeutung für Aura Aero
Aura Aero entwickelt neben der zweisitzigen INTEGRAL-Baureihe (konventionell und elektrisch) das 19-sitzige Hybrid-Elektro-Regionalflugzeug ERA sowie das ENBATA-Drohnenprogramm. Die übernommenen VoltAero-Technologien — insbesondere die Erfahrung aus dem Flugbetrieb hybrider Antriebssysteme — sollen direkt in diese Programme einfließen. Der Standort Rochefort soll künftig für Elektroantrieb-Flugtests und das ENBATA-Drohnenprojekt genutzt werden. Aura Aero hat bislang rund 340 Millionen Euro eingeworben, überwiegend aus öffentlichen Fördermitteln in Frankreich und im US-Bundesstaat Florida.

VoltAero kämpft ums Überleben

Der französische Flugzeugentwickler VoltAero steht nach dem Zusammenbruch seines Hauptinvestors ACI Groupe selbst unter Insolvenzverwaltung. Das Unternehmen, bekannt für sein Hybridflugzeug-Projekt Cassio, hat bis zum 7. November 2025 Zeit, dem Handelsgericht einen Sanierungsplan vorzulegen.

Die ACI Groupe, ein Industriezulieferer mit 1.500 Mitarbeitenden, war kurz vor Unterzeichnung einer Kapitalbeteiligung über mehr als zehn Millionen Euro in die Insolvenz geraten. Diese Beteiligung sollte VoltAero die nötige Liquidität sichern, um die Entwicklung seiner hybrid-elektrisch angetriebenen Flugzeugfamilie fortzusetzen. Ohne die zugesagte Finanzierung musste VoltAero am 25. September seine Zahlungen einstellen und wurde am 7. Oktober unter Insolvenzverwaltung gestellt.

Trotz der schwierigen Lage blickt Gründer Jean Botti nach vorn. Das junge Unternehmen aus Rochefort verfügt über rund 250 Vorbestellungen für die Cassio-Serie und hatte erst Ende 2024 seinen neuen Standort eröffnet, an dem ab 2026 bis zu 150 Flugzeuge jährlich produziert werden sollten. Staatliche Fördermittel in Höhe von rund 16 Millionen Euro aus dem Programm France 2030 und der Region Nouvelle-Aquitaine untermauern die strategische Bedeutung des Projekts für die französische Luftfahrtindustrie.

Nun sucht VoltAero dringend neue Investoren – unter anderem soll der malaysische Bundesstaat Sarawak seine Beteiligung ausweiten. Ob das ambitionierte Hybrid-Flugzeug-Programm fortgeführt werden kann, entscheidet sich in den kommenden Wochen.