Zwischen dem 2. und 16. Januar 2026 verbrachte Mark Christmann zwei Wochen auf der Veronica-Lodge in Namibia. Der Pilot der Segelfluggruppe Schwarzwald-Baar (SGSM) nutzte dabei den Arcus M seines Freundes Ernst Eymann.
Flugbedingungen im namibischen Hochsommer Die Thermik setzte an den meisten Tagen früh ein, oft bereits gegen 10:30 Uhr Ortszeit. Die Wolkenbasis lag zwischen 4.200 und 5.000 Metern MSL, an besonders guten Tagen auch darüber. Die Steigwerte bewegten sich überwiegend zwischen 3 und 5 m/s. Trotz dieser günstigen Ausgangslage waren die Bedingungen nicht durchgehend einfach: Blaue Phasen, Inversionen und lokale Abschattungen erforderten taktisch sorgfältiges Vorgehen und die Bereitschaft, Entscheidungen kurzfristig anzupassen.
Ausgewählte Flugtage Am 2. Januar flog das Team zur Eingewöhnung ein konservatives Dreieck über Gobabis und Leonardville. Die Thermik war brauchbar, aber noch nicht voll entwickelt. Bewusstes Höhehalten und das Wiedereingewöhnen an die lokale Struktur standen im Vordergrund.
Am 4. Januar ermöglichte eine ausgeprägte Wolkenstraße Richtung Nordosten längere Gleitstrecken. Die Querungen erwiesen sich als schwächer als erwartet, weshalb der nördliche Wendepunkt nicht weiter hinausgelegt wurde. Der Tag verlief ohne Motoreinsatz.
Am 9. Januar lagen die Basis bei knapp 5.000 Metern und die Steigwerte zwischen 5 und 6 m/s. Die Route führte Richtung Tsumeb und entlang des Etosha-Randes. Trotz der guten Bedingungen verzichteten die Piloten auf ein weiteres Vorstoßen nach Westen, da dort Abschattung drohte.
Der 1.000-km-Flug Das Highlight des Aufenthalts war ein 1.103-km-Flug, den Mark Christmann am 8. Januar absolvierte. Der Flug ist auf WeGlide dokumentiert. Christmann nennt als Voraussetzungen für einen solchen Flug in Namibia: frühe Startbereitschaft, eine hohe Wolkenbasis, durchgehende Linien über mehrere hundert Kilometer sowie konsequentes taktisches Fliegen ohne sich von lokalen Störungen beeinflussen zu lassen. Auch Ernst Eymann gelang während des Aufenthalts ein 1.000-km-Flug.
Veronica-Lodge Die Lodge selbst liegt abseits der Infrastruktur. Sie ist klein und persönlich gehalten. Nach langen Flugtagen bot sie den Piloten die nötige Erholung: Gespräche mit anderen Piloten über Strecken und Entscheidungen, Sonnenuntergänge und die Stille der namibischen Nacht. Die Abende bildeten einen ruhigen Gegenpol zu den anspruchsvollen Flugtagen.
Fazit Keine Rekorde, keine außergewöhnlichen Ereignisse – aber zwei Wochen solides, technisch sauberes Fliegen in einem Gebiet, das bei guten Bedingungen Strecken von über 1.000 Kilometern ermöglicht. Namibia bleibt für Streckenflieger ein Reiseziel, das Respekt erfordert und entsprechende Leistungen ermöglicht.
Das Segelflug-Paradies Namibia zieht die besten Piloten der Welt jedes Jahr in seine Segelflugzentren Bitterwasser, Veronica, Kiripotib und Pokweni. Tausend-Kilometer-Flüge sind häufig. Doch welche Piloten waren die fleissigsten Sammler von 1’000 km-Distanzflügen? (Auswertung seit 2007 und bis anfangs Dezember 2025)
Gestern haben wir aus den Statistiken die längsten Flüge über Namibia herausgekitzelt. Heute werten wir die schnellsten Flüge über mehr als 1’000 km aus. (Aus öffentlich zugänglichen Quellen und seit 2007 bis anfangs Dezember 2025):
Die Flugsaison in Afrikas Süden läuft auf Hochtouren. Flüge über 1’000 km gelingen am namibischen Himmel häufig.
Doch wie weit sind eigentlich die Streckenflug-Experten überhaupt je geflogen? Eine Auswertung der öffentlich zugänglichen Flugdaten (seit 2007 bis anfangs Dezember 2025) zeigt folgende Rangliste:
Pos.
Jahr
Pilot
Distanz (km)
Punkte
Flugzeug
Startort
1
2025
Simon Briel (DE / NI)
1487.57
1479.54
EB 28
Bitterwasser
2
2025
Philipp Freiheit
1487.00
1403.00
EB 28 edition
Bitterwasser
3
2025
Simon Briel
1487.00
1403.00
EB 28 edition
Bitterwasser
4
2025
Alexander Mueller (DE / BY)
1456.76
1443.59
EB 29
Pokweni
5
2023
Simon Schröder (DE / BY)
1445.32
1548.31
Quintus M
Bitterwasser
6
2017
Matthias Arnold (DE / BW)
1435.35
1535.37
Ventus 2cM/18m
Bitterwasser
7
2025
Anna Büge
1427.00
1348.00
EB 28 edition
Bitterwasser
8
2025
Simon Briel
1427.00
1348.00
EB 28 edition
Bitterwasser
9
2017
Tim Altmann (DE / NI)
1421.44
1449.82
EB 28
Bitterwasser
10
2024
Simon Briel (DE / NI)
1413.00
1513.18
EB 28
Bitterwasser
11
2010
Guy Bechtold (LU)
1412.48
1034.75
ASH 25 EB 28
Bitterwasser
12
2023
Maximilian Schaefer (DE / NW)
1407.89
1359.50
EB 28
Bitterwasser
13
2020
Simon Briel (DE / HE)
1406.84
1294.12
EB 28
Bitterwasser
14
2025
JJ Logtenberg (NL)
1405.79
1522.13
Arcus M
Veronica
15
2013
Bostjan Pristavec (SI)
1405.70
1294.71
EB 28
Bitterwasser
16
2017
Bostjan Pristavec (SI)
1404.11
1429.17
EB 28
Bitterwasser
17
2024
Björn Gintzel (DE / NW)
1402.62
1463.37
Ventus-3 M 18m
Bitterwasser
18
2017
Reinhard Schramme (DE / NI)
1401.95
1320.10
EB 28
Bitterwasser
19
2010
Alexander Mueller (DE / BY)
1401.27
1080.17
ASW 22BLE
Kiripotib
20
2020
Alexander Mueller (DE / BY)
1400.74
1358.87
EB 29
Pokweni
21
2017
JJ Logtenberg (NL)
1397.68
1510.83
Arcus M
Veronica
22
2018
Alexander Mueller (DE / BY)
1396.18
1331.27
EB 29
Pokweni
23
2018
Kilian Biechele (DE / BY)
1394.06
1396.32
EB 29D
Bitterwasser
24
2017
Susanne Lauer (DE)
1392.23
1345.04
Nimbus 3D
Bitterwasser
25
2013
Alexander Mueller (DE / BY)
1391.12
1380.65
EB 29
Pokweni
26
2018
Kilian Biechele
1390.00
1371.00
EB 29D
Bitterwasser
27
2017
Robin Förster (DE / BL)
1384.05
1477.65
Ventus 2cM/18m
Bitterwasser
28
2025
Philip Goralski (DE / HH)
1380.66
1422.78
Ventus-3 M 18m
Bitterwasser
29
2017
Wilfried Großkinsky (DE / NW)
1380.29
1383.22
ASH 25 EB 28
Bitterwasser
30
2017
Walter Binder (DE)
1379.52
1406.95
EB 29D
Pokweni
31
2025
Philip Ruhr
1379.00
1353.00
Ventus 3M 18m
Bitterwasser
32
2023
Jörg Mathes (DE / HE)
1377.75
1545.68
Arcus M
Veronica
33
2010
Walter Binder (DE)
1376.80
1029.12
EB 28
Pokweni
34
2020
Sebastian Eder (AT / OÖ)
1376.69
1339.56
EB 29R
Pokweni
35
2024
Nils Fecker (DE / NW)
1375.11
1541.67
Arcus M
Bitterwasser
36
2010
Alexander Mueller (DE / BY)
1375.00
1038.55
ASW 22BLE
Kiripotib
37
2023
Guy Bechtold (LU)
1374.24
1487.59
Arcus M
Bitterwasser
38
2017
Tobias Welsch (DE / NW)
1374.02
1319.26
EB 28
Bitterwasser
39
2023
Maximilian Schaefer (DE / NW)
1373.98
1564.75
Arcus M
Bitterwasser
40
2024
Reinhard Schramme (DE / NI)
1373.78
1414.00
EB 28
Bitterwasser
41
2024
Bernd Goretzki
1373.00
1328.00
EB 28
Bitterwasser
42
2024
Reinhard Schramme
1373.00
1328.00
EB 28
Bitterwasser
43
2023
Tim Sirok (DE / NW)
1372.80
1472.52
EB 28
Bitterwasser
44
2010
Alexander Mueller (DE / BY)
1372.71
1029.78
ASW 22BLE
Kiripotib
45
2024
Guy Bechtold (LU)
1371.35
1522.42
Arcus M
Bitterwasser
46
2015
Alexander Mueller (DE / BY)
1370.76
1363.75
EB 29
Pokweni
47
2017
Bernhard Humpert
1370.00
1316.00
EB 28
Bitterwasser
48
2017
Tobias Welsch
1370.00
1316.00
EB 28
Bitterwasser
49
2025
Bostjan Pristavec (SI)
1369.33
1408.68
EB 28
Veronica
50
2026
Tobias Welsch (DE / HE)
1369.32
1494.58
Arcus M
Veronica
Bemerkung: Bei Doppelsitzerflügen wurden die Flüge der Besatzungsmitglieder einzeln gewertet.
Ein Fluglager in der bei uns ‚schiachen‘ Jahreszeit – Seit dem Jahre 2000 ist Georg Kirchner fast jedes Jahr im November und/oder Dezember ein paar Wochen zum Segelfliegen in Südafrika, bzw. in den letzten Jahren in Pokweni / Namibia anzutreffen: Erstens weil das Grazer Wetter in dieser Jahreszeit einfach ‚schiach‘ ist, und zweitens weil man um diese Zeit auf der Südhalbkugel nicht nur Sonne, Wärme und lange Tage, sondern auch traumhafte Segelflug-Bedingungen genießen kann.
Zerklüftete Abbruch-Kante, mit Namib-Sandwüste im Hintergrund
Interessantes über Namibia
Hinter dieser Sandwüste erhebt sich die ‚Kante‘: Ein gigantischer, wild zerklüfteter Abbruch von bis zu 1800 m Höhe, der dann in die Kalahari übergeht – und diese Kalahari ist ein grandioses Segelfluggebiet, das sich 500 km und mehr bis zur Grenze von Botswana im Osten erstreckt. Dieses Segelfluggebiet ist – mit ein paar Ausnahmen – bis zu FL 195 (knapp 6000 m) frei für die Segelflieger.
In diesem Teil der Kalahari haben sich in den letzten Jahren insgesamt 4 Segelflugzentren gebildet:
Bitterwasser: Eine ca. 3 km2 große Pfanne
Pokweni: Eine ca. 900 x 500 m große Pfanne, mit hartem Lehmboden, und einer daran anschließenden ‚Runway‘ (total 2.7 km Länge).Gestartet wird vom ganz rechten Rand, nach 400 m geht’s in die Piste: 50 m breit, aber nur ein etwa 2 m breiter Streifen ist ohne Bewuchs – den sollte man beim Starten treffen.
Kiripotib: Eine Farm mit Segelflugbetrieb
Veronica: Eine ‚Jagdfarm‘, mit zwei in den Sand gepflügten Pisten
Namibia hat ca. 2.3 Millionen Einwohner (etwa 3% davon sind Weiße); damit ist es eines der am dünnsten besiedelten Länder Afrikas. Die Hauptstadt Windhoek ist nach Aussage eines dort lebenden deutschen Studenten ‚ein Dorf‘ (mit ca. 300.000 Einwohner – also etwa wie Graz).
Die Kalahari ist eine Halbwüste; sehr dünn besiedelt, nur sehr spärliche Vegetation, wenig Niederschläge – Farmer Jos van der Merwe im November: ‚Der letzte Regen war heuer im April‘. Wasser wird aus riesigen Grundwasserseen aus 100 bis 150 m Tiefe hochgepumpt; die früher dafür notwendigen Windräder sind mittlerweile durch solar betriebene Pumpen ersetzt worden. Problem: Die Solar-Paneele müssen nun gegen Diebstahl massiv gesichert werden (was bei den Windrädern kaum der Fall war).
Obwohl ein ziemlich großer Teil von Namibia Wüste oder Halbwüste ist, sterben dort mehr Leute durch Ertrinken als durch Verdursten: Man stellt sich am Abend mit dem Zelt oder Camper unter einen schönen, schattigen Baum, bewundert ein fernes Gewitter mit Blitzen und Donnergrollen – und wird dann ein paar Stunden später durch eine starke Flutwelle weggespült – das bis dahin trockene Flussbett war einfach zu einladend.
‚Kalahari Transport‘: Dient heutzutage eher für Sonntags-Ausflüge
Segelfliegen in Pokweni / Namibia
Pokweni ist eine Farm, betrieben von Jos und Annalie van der Merwe; Die kulinarische Versorgung auf dieser Farm ist optimal: Springbock, Kudu, Oryx und Co – alle von Jos selbst geschossen; dazu natürlich alle möglichen Beilagen.
Der Flugplatz selbst, ein glatte, harte Lehm-Pfanne, ist etwa 2 km entfernt; im Hangar dort steht die Samba (ein UL mit Rotax-Motor) von Jos, ein alter Blanik, und während der Saison 1- oder 2- Einsitzer. Alle anderen Segelflugzeuge stehen unter einem perfekt aufgebauten Schattennetz, mit Wasseranschluss, Befestigungen, je 2 leere Tonnen für die Bezüge.
In der Zeit von Anfang November bis Mitte Jänner sind dort etwa 10 – 15 Segelflugzeuge – alles Eigenstarter – stationiert. Die Flugzeuge werden mit einem Pickup am Vormittag zur Startstelle gezogen, dort im Halbkreis aufgestellt – und dann wird unter Sonnenschirmen auf den Beginn der Thermik gewartet; und das kann dann – bei Temperaturen um 38° oder mehr,schon mal die eine oder andere Stunde dauern. Wie definierte das einer der wartenden Piloten: „Segelfliegen ist ein Sport, bei dem man sich in allergrößter Hektik auf langes Warten vorbereitet.“
Wenn dann die ersten ‚Dust Devils‘ durch die Pfanne tanzen, dann haben wir sicher schon den Beginn der Thermik übersehen.
Ein besonders eindrucksvoller ‚Dust Devil‘ (Pokweni / Namibia)
Wie kommen Segelflugzeuge eigentlich dort hin?
Dort werden zwei oder drei Container mit Segelflugzeugen und mit sehr viel Zubehör, Ersatzteilen etc. so stabil verpackt, dass auch wochenlange Vibrationen auf dem Containerschiff, mehr oder weniger heftige Stöße beim Entladen – da fallen schon mal die Container versehentlich ziemlich heftig auf den Boden – und auch die Temperaturen – immerhin muss ja der Äquator überquert werden – keine größeren Schäden anrichten.
Nachdem alle Flugzeuge mit Carnet versehen, und die Container vom Zoll versiegelt worden sind, werden die Container per Tieflader nach Hamburg gebracht, und dort auf ein Containerschiff geladen. Nach etwa sechs bis sieben Wochen trifft dieses Containerschiff im Hafen von Walvish Bay (der einzige Hafen von Namibia) ein, die Segelflug – Container werden dann von dort wieder per Tieflader ca. 600 km auf die Farm Pokweni transportiert. Und wenn alles klappt, kommt irgendwann Ende Oktober ein Bild: „All containers arrived!“
Ende Okt.: Die 3 Container sind am Flugplatz Pokweni eingetroffen – alles okay!
Anfang November beginnt die Flugsaison in Namibia und dauert bis etwa Mitte Jänner – dann wird wieder alles kunstvoll in den Containern verstaut, die dann den gleichen Rückweg antreten; und etwa Mitte bis Ende März treffen sich alle Piloten wieder in Hodenhagen – für Georg Kirchner zwar wieder ein weiterer (Auto-) 1000er, aber immer mit dem Gefühl: „Schön war’s“. Quelle. ‚akaflieg.at‚. Georg Kirchner
Irgendwann an einem besonders nebligen Novembertag in Graz kam uns ein Bericht über das Segelfliegen in Südafrika unter: Dort ist um diese Jahreszeit ja Frühling, es ist meist strahlend schönes Wetter – und es gibt allerbeste Thermik, oft weit über 5000 m hinauf.
Von Galriep Dam nach Kuruman am Rand der Kalahari
Also beschlossen wir kurzerhand, im Herbst 2000 unseren Doppelsitzer (damals ein Nimbus 3DT) nach Südafrika zu schicken, um vom Flugplatz Gariep Dam aus – dort wird der Oranje-Fluss aufgestaut – möglichst große Strecken zu fliegen. Und: Wir waren sehr beeindruckt und begeistert – es war der Beginn einer mehrwöchigen Auszeit vom Grazer Winterwetter. Gariep Dam ist ein ruhiges, und sicheres Örtchen – ein Überbleibsel aus der Zeit der Errichtung des Staudamms.
1600 Meter lange und nur 15 Meter breite Piste
Segelfliegerisch war Kuruman eine Stufe besser als Gariep Dam: Bessere Thermik, stärkere Aufwinde – und damit längere Streckenflüge. Und das alles bei praktisch freien Lufträumen. Allerdings hatte der Flugplatz in Kuruman auch Nachteile: Die 1600 m lange Piste war nur 15 m breit, und am Rande wuchs sehr trockenes, relativ hohes Gras – ein Problem für unsere Spannweiten von über 27 m. Zudem liefen Pferde dort frei herum. Oder wir kamen am Abend von langen Flügen zurück, und mussten mit der Landung warten, bis das lokale Gokart-Rennen auf der Piste beendet war.
Flüge ins unbewohnte Botswana
Kuruman ermöglichte uns dafür weite Flüge bis ins benachbarte Botswana – dort enden aber schon wenige Kilometer hinter der Grenze alle Anzeichen von Zivilisation: Keine Straßen oder Wege, keine Ortschaften, keine Häuser, keinerlei Spuren; sollten irgendwann einmal Aliens dort landen, würden sie feststellen, dass die Erde unbewohnt ist – abgesehen von ein paar Löwen. Man fliegt über diesen Gegenden mit dem Segelflugzeug tunlichst nur in Höhen, die eine sichere Rückkehr ins zwar ebenfalls unlandbare, aber immerhin bewohntere Südafrika ermöglichen.
Längere Start-Pistein Pokweni / Namibia
Im Jahre 2020 verlegte ich dann meine Winterausflüge nach Pokweni / Namibia – ein Farmer hat dort auf einer ‚Lehmpfanne‘ einen Flugplatz aufgebaut, mit Hangar, mit ‚Shade Parking‘ für 15 Segelflugzeuge, und mit einer 2.7 km langen Start-Piste. Diese Pistenlänge ist ein Sicherheitsfaktor: Man startet in 1400 m Seehöhe, bei Temperaturen an die 40°C, und mit nicht üppig motorisierten Eigenstartern.
Fliegen über unlandbare Kalahari
Ist man aber erst mal in 800 m oder so über der Pfanne und hat den Motor abgestellt, dann beginnt das Abenteuer ‚Streckenflug‘: Erst mal vorsichtiges Vorfliegen in relativ geringer Höhe über die unlandbare Kalahari-Wüste, bis nach 1 Stunde die bis dahin eher schwache Thermik zur Höchstform aufläuft: Mit Steigwerten von 5-6 m/s auf Höhen von 4000 bis 5500 m (wir fliegen hier deshalb immer mit Sauerstoff-Brillen), jagen mit Stundenschnitten von über 180 km/h kreislos entlang von Konvergenzen – auf der einen Seite blauer Himmel ohne jede Wolke, auf der anderen Seite tiefschwarzes Gewitter-Gewölk mit gewaltigen Blitzen und Starkregen – und kämpfen uns dann gegen den oft starken Gegenwind 250 km wieder zurück nach Pokweni.
Winterausflüge mit Segelflugkollegen
Bei all diesen Winterausflügen nehme ich meist einen Akaflieg-Kollegen mit, der im Doppelsitzer (Nimbus 4DM) nicht nur solch großartige Segelflugbedingungen kennen lernen kann, sondern auch Einblick in ein exotisches Leben am Rande von Wüsten gewinnt. Und seit 2017 lade ich auch den jeweiligen Junioren-Sieger der österreichischen Staatsmeisterschaft im Segelfliegen (sis-at) zum Mitfliegen ein – mein kleiner Beitrag zur Jugendförderung. Quelle: ‚Akaflieg Graz‚
Retorsions-Massnahme. Die aktuelle Visumbefreiung, die Namibia den Bürgern von 31 Ländern gewährt, endet im Frühjahr 2025. Ursprünglich sollte die Visumspflicht für die Einreise nach Namibia für die Bürger von 31 Ländern im Oktober 2024 eingeführt werden. Im Mai letzten Jahres kündigte Namibia seine Absicht an, die Visumpflicht für Bürger der Länder einzuführen, die ihrerseits für namibische Staatsangehörige eine Visumpflicht vorsehen. Die namibischen Behörden erklären, dass Länder, die Namibias Geste der Visum-Befreiung nicht erwidert haben, ab dem 1. April 2025 ein Visum bei der Ankunft oder ein elektronisches Visum (e-Visum) beantragen müssen. Namibia hat im September 2023 ein eVisum-System eingeführt. Nach Angaben der namibischen Regierung zielt diese Entscheidung darauf ab, die Gleichbehandlung der Länder bei Visabestimmungen zu fördern.
Folgende 31 Länder wenden die gegenseitige Befreiung von der Visumpflicht für namibische Besucher nicht an und sind daher von der neuen namibischen Visumspflicht betroffen:
Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Belgien, Weißrussland, Kanada, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Island, Irland, Italien, Japan, Kasachstan, Kirgisistan, Liechtenstein, Luxemburg, Moldawien, Niederlande, Norwegen, Portugal, Spanien, Schweden, Schweiz, Tadschikistan, Turkmenistan, Ukraine, Vereinigtes Königreich, Vereinigte Staaten und Usbekistan.
1.600 N$ (ca. 88 USD) für Bürger aus Ländern außerhalb der Afrikanischen Union;
1.200 N$ (67 USD) für Staatsangehörige der Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union, die die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums bei der Ankunft erfüllen.
Die Gebühren können den herrschenden Wechselkursen angepasst werden.
Das Formular „Visum bei Ankunft“ und das „Ankunftsformular“ werden zusammengefasst, das Abreiseformular abgeschafft.
Die Zahl der Mitarbeiter an den Ankunftsschaltern soll erhöht werden.
Die Weite. Ich habe mich oft gefragt, warum sind die Eindrücke aus dem Cockpit so anders als in Europa? Für mich ist es Weite des Himmels, des Horizonts und der Landschaft. Es fängt schon damit an, in Afrika ist die Basis in der Regel deutlich höher, an guten Tagen sind 5000 Meter NN keine Seltenheit. Das gibt schon einen unglaublich weiten Blick. Die Luft ist klarer und dazu kommt die unendliche Weite der Landschaft. Man hat den Eindruck, die roten Dünen der Kalahari enden nie. Es gibt nur wenige Farmen und Ortschaften, die sich in dieser Umgebung fast verlieren. Jeder Start, jeder Flug ist wieder neu beeindruckend.
Genießen konnte ich diese einmaligen Flüge in Bitterwasser. Die Flying Lodge bietet dazu optimale Bedingungen. Zum einen durch die über 2 km große Pfanne, aus der in jede Richtung gestartet und gelandet werden kann. Besonders der Startaufbau ist dadurch angenehm geschmeidig. Die Startaufstellung erfolgt durch die großen Platzmöglichkeiten entspannt nebeneinander. Jeder kann Starten so wie er möchte und keiner behindert den anderen. Aber der vielleicht viel wichtigere Aspekt sind die Menschen, die dieses besondere Segelflug-Zentrum betreiben. Durch dieses Engagement des gesamten Teams, angefangen von dem kleinsten Gärtnern über die Küche, Flight Service, Lodge Betrieb zur Gesamtorganisation, entsteht ein sehr entspanntes, freundliches und offenes Klima. Ich möchte fast sagen „Der Spirit von Bitterwasser“. Ganz nebenbei ist Afrika eine hervorragende Flugregion. Nicht umsonst werden hier 1000 km und noch viel mehr Kilometer fast wie am Fließband geflogen. Quelle: ‚Corinne Baudisch im OLC‚.
Veronica hat investiert und eine neue Landebahn gebaut. 700 Meter lang, für noch mehr Sicherheit. Veronica ist das östlichste gelegene Segelflugzentrum in Namibia. Die Lage am Olifant erlaubt einen frühen Start.
Der November ließ sich eher etwas sparsam an – was die Wolken betraf. Die Wege, um zu den Wolken zu gelangen, waren zunächst relativ lang. Aber dafür konnte recht weit nach Norden geflogen werden. Da ging es um die Wendepunkte Gobabis oder Witvlei, dann Epukiro und weiter nach Norden auch noch Otjinene. Z. T. konnte man weit über 300 km von Pokweni aus nach Norden fliegen. Spannend wurde es an den Tagen, an denen sich im Osten eine Wolkenaufreihung nach Südosten (Richtung Lendepas oder Mata Mata) bildete. An dieser Wolkenkante bildete sich eine Konvergenz mit den üblichen Erscheinungen: weiter im Osten standen Schauer und man düste am besten an der vorderen Kante entlang, oft ohne einen Kreis zu machen für mehrere 100 km. Bisweilen war große Vorsicht geboten, weil anscheinend auch alle anderen Piloten in Namibia diese Linie entdeckt hatten und das FLARM ständig Arbeit hatte. Die Steigwerte wurden bisweilen extrem stark – im Geradeausflug noch 5 – 6 m/s. Da galt es auch immer wieder, auf den Abstand zu den Wolken zu achten. Aber ein tolles Fliegen!
Anfang Dezember gab es dann auch die lang ersehnte Möglichkeit nach Westen bzw. Nordwesten an das Escarpment heranzufliegen und dort nach Süden Richtung Helmeringhausen bzw. zum Brukkaros zu fliegen, zunächst nur vereinzelt, aber das ist einfach landschaftlich so reizvoll, dass da jeder Flug etwas Besonderes ist. Ansonsten gab es in den folgenden Wochen mehr Abwechslung, aber immer noch ging es auch in den Nordosten. Ende des Monats wurde es zunehmend feuchter und so ereilte es Pokweni auch bei einem heftigen Schauer. Das freute dann die Marabus, die in großen Scharen an der nassen Pfanne erschienen. Der Flugbetrieb ging natürlich trotzdem weiter auf der langen Bahn.
Der Spitzenmonat war der Januar, wo es relativ viele gute Tage an der Abrisskante gab. Der beste Tag war mit Abstand der 12. 1. Da wurde zunächst möglichst weit in den Norden geflogen, über Hefner, weiter an die Grenze des Segelfluggebietes bzw. darüber hinaus, allerdings dann mit der Einschränkung auf eine Höhe unter FL 145. Morgens war das meist kein Problem, weil die Basis eh noch anstieg und man da quasi von selbst drunter blieb. Der Weg nach Süden (Richtung Helmeringhausen) ging mitunter sehr zügig und so ließ sich auch der Rückweg relativ schnell erledigen. Und wieder ging es hoch in den Norden. Glücklicherweise gab es wenig Überent-wicklungen und so konnte quasi die gleiche Wende noch einmal genommen werden wie am Morgen. Es blieb noch Zeit für eine kleine Strecke gen Süden und anschließend heimwärts nach Pokweni. Auch auf dem Rückweg gab es noch Steigen und so konnte ein bisschen nach Osten verlängert werden. Bei allen Pilotinnen gab es an dem Tag ein vierstelliges Ergebnis. Ganz besonders war der Flug von Markus Langemann mit über 1300 km.
Ein bisschen Statistik: 36 Pilotinnen flogen bei 345 Flügen 253.311 km zusammen. Es gab 55 Flüge über 1000 km. Aber wichtiger als die Zahlen ist, dass alle viel Freude beim Fliegen hatten und vor allem alles unfallfrei vonstatten gegangen ist. Das lief in allen Situationen sehr umsichtig und versiert ab. Super! Da freuen sich alle schon auf die nächste Saison… Quelle: ‚Pokweni-Website‚.