Schlagwort-Archive: Umschulung

Umschulung nur auf eigene Kosten

Die Luftfahrt ist von der Pandemie hart getroffen. Ein Pilot aus Freising, der durch die Krise arbeitslos geworden ist, hat einen neuen Job in Aussicht. Die dafür benötigte Weiterbildung aber will die Agentur für Arbeit nicht bezahlen.

Wer ein Flugzeug fliegen will, muss erst eine Musterberechtigung erwerben. Für Piloten, die sich auf weniger verbreitete Modelle spezialisieren wollen, ist es schwer, staatliche Unterstützung für Umschulungen zu erhalten. Diese Erfahrung hat auch Jakob Meier aus Freising gemacht. Er fällt durch alle Raster. Die Corona-Krise hat ihn stark getroffen, er verlor – wie auch alle seine Kollegen in dem Betrieb – seine Anstellung. Meier, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will, ist Pilot und hat, wie er sagt, als bisher Einziger aus dem Kollegenkreis ein neues Jobangebot. Mit dem Arbeitsplatz wechselt aber auch das Flugzeugmodell, weshalb Jakob Meier eine neue Musterberechtigung benötigt. Diese berechtigt zum Führen eines bestimmten Luftfahrzeug-Typs. Seinem Antrag an die Agentur für Arbeit, die Kosten für die Fortbildung zu übernehmen, wird allerdings nicht stattgegeben. Auf Anfrage gibt die Behörde an, dass sie an rechtliche Voraussetzungen gebunden sei, die in Jakob Meiers Fall nicht zuträfen.

Arbeitslosengeld statt Umschulung: Jakob Meier kann das nicht nachvollziehen
Grundsätzlich hat jeder, der arbeitslos ist oder für den sich eine Weiterbildung anbietet, Anspruch auf eine Beratung und Kostenübernahme durch die Arbeitsagentur – wenn die nötigen Voraussetzungen erfüllt sind. Jakob Meier schildert, dass er in mehreren Gesprächen seine Situation erläutert und versichert habe, dass er bereits ein neues Jobangebot bekommen habe. Sein Antrag scheiterte dennoch, denn das Trainingscenter, das Meier nach seinen Worten für diesen Flugzeugtyp besuchen müsste, befindet sich in England und ist offenkundig nicht ausreichend zertifiziert.

Stattdessen wurde ihm Arbeitslosengeld für maximal ein Jahr bewilligt. Jakob Meier kann das nicht nachvollziehen. Schließlich würde die Umschulung gerade einmal die Hälfte dieses Gesamt-Betrags ausmachen, zudem sei nicht garantiert, dass er in dem Jahr einen neuen Arbeitsplatz finden werde, den er derzeit ja bereits nachweisen könne. Jakob Meier sieht keine Alternative zu der Schulung, denn für diesen speziellen Flugzeugtyp gebe es kein Trainingscenter in Deutschland.

Viele Umschulungen fänden nur im Ausland statt, er ist deshalb überzeugt, dass er kein Einzelfall ist
Der Pilot arbeitet in der Geschäftsreise-Branche, in der nicht die weitverbreiteten Flugzeugtypen im Einsatz seien, erklärt er. Viele Umschulungen fänden allerdings nur im Ausland statt. Er ist deshalb überzeugt, dass er kein Einzelfall ist. „Gerade jetzt, wo sich viele Piloten um einen neuen Job umschauen, ist das ein Problem. Wenn jemand trotz Krise selbst eine neue Anstellung gefunden hat, müsste man das doch unterstützen.“ Die Agentur für Arbeit begründet die geltenden Anforderungen damit, dass Steuergeld gut eingesetzt werden müsse. Jakob Meier wiederum versichert, dass das Trainingscenter eine gute Umschulung ermögliche, auch sein Arbeitgeber habe dies bestätigt. Meier sagt, ihm bleibe nun nichts anderes übrig, als die Weiterbildung auf eigene Kosten zu machen, das Geld habe er „irgendwie zusammengekratzt“. Sein neues Jobangebot könne er sich nicht entgehen lassen. Quelle: ‚Süddeutsche Zeitung‚.

Piloten starten Lokführer-Ausbildung

Sie träumten vom Fliegen, doch wegen Covid stehen ihre Arbeitgeber am Boden. Erste Piloten und auch andere Personen der Aviatik-Branche werden bald zu SBB-Lokführern umgeschult. Das hilft auch, den Mangel an Lokführern zu beheben. Durch die Corona-Krise ist der Flugmarkt eingebrochen. Airlines müssen ganze Flotten am Boden lassen. Viele Piloten werden im Moment nicht gebraucht. Ganz anders sieht die Lage bei den SBB aus. Es gibt zu wenig Lokführer. Das soll sich jetzt ändern, indem Piloten vom Flugzeug- ins Lokcockpit wechseln.

Seit dem Ausbruch der Viruskrise kursiert die Idee, gegroundete Piloten auf Bähnler umzuschulen. «Vom Cockpit in den Lokführerstand», lautete im Oktober ein Vorstoss von Aeropers, dem Personalverband der Swiss- und Edelweiss-Piloten, und dem Verband Schweizer Lokführer und Anwärter (VSLF). Jetzt machen die Verbände ernst. Statt dass viele Piloten ohne Arbeit bleiben, sollen sie auf der Schiene eingesetzt werden. «Das Interesse an der Ausbildung ist gross, in den Kursen, die 2020 oder 2021 begonnen haben beziehungsweise beginnen werden, sind auch Leute aus der Aviatik-Branche vertreten», sagt ein SBB-Sprecher zu BLICK.

«Stolz herunterschlucken und nach vorne blicken»
Der welsche Ex-Swissair-Pilot Carlos Spruengli ist einer der ersten Piloten, der bald die Ausbildung beginnt steigt. «Euro News» erklärte Spruengli, er werde demnächst den Vertrag zur Ausbildung mit den SBB unterzeichnen. Diese dauert 14 bis 16 Monate. Wehmütig erinnere er sich an seinen letzten Flug in einem A330. Das Leben gehe weiter, sagt er: «Das ist wie in einer Beziehung. Wenn der andere nichts mehr von dir will, muss man seinen Stolz herunterschlucken und nach vorne blicken.»

Die Pilotengewerkschaft Aeropers unterstützt Mitglieder, die sich umorientieren wollen. «Für uns ist es selbstverständlich, mit Unternehmen bei dieser Art von Projekt zusammenzuarbeiten», sagt Aeropers-Sprecher und Swiss-Captain Thomas Steffen. Die Berufe des Piloten und Lokführers würden sich ähneln.

Beispiel soll Schule machen
«Wir hoffen, dass dies andere Länder in Europa inspirieren kann.» Fluggesellschaften kämpfen weltweit ums Überleben. Piloten rund um den Erdball haben ihre Optionen zu überdenken. Sie träumten vom Fliegen. Die neue Realität, wohl auch für erste Swiss- und Edelweiss-Piloten, hat weit mehr Bodenhaftung.

Die Alternative? Gar kein Job. Ein französischer Pilot wird zitiert, er fliege derzeit als selbstständiger Pilot für eine osteuropäische Billigfluglinie – für 300 Euro im Monat. Er «habe keine Wahl». Brancheninsidern zufolge dürften Passagierzahlen in der Luftfahrt frühestens 2024 wieder das Vor-Corona-Niveau erreichen. Darauf haben sich zahlreiche Fluggesellschaften und Berufsverbände von Piloten auf Lohneinbussen geeinigt. Doch es droht die Gefahr, dass sich die Situation des Flugverkehrs und die Arbeitsbedingungen langfristig verschlechtern. Quelle: ‚Blick‚.