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Grüner fliegen ohne Treibstoff

In Zeiten des Klimawandels gilt Fliegen als Sünde, die Sportfliegerei sowieso. Grüner fliegen ist jedoch möglich. Unser Autor wagte den Selbstversuch. Himmel, ist mir schlecht! Ich saß da, „fühlte“ an den Kontrollen mit und wusste vor lauter Faszination nicht wohin. Das ist also Segelfliegen. Ich bekam eine Idee davon, warum das ein Sport sein soll. Mein Fluglehrer kämpfte im Wortsinn um jeden Meter Auftrieb. Bei gut 1200 Metern mussten wir Schluss machen. 2000 wären möglich gewesen. In der Nähe das Hamburger Flughafens dürfen wir nicht höher. Einen guten Kilometer Höhe ohne Motor. Wahnsinn. Viel umweltfreundlicher geht Fliegen kaum. Und leiser schon mal gar nicht. Segelfliegen fügt sich so wunderbar in den grünen Zeitgeist. Nach 67 Minuten hatten wir unsere Höhe abgeflogen, gingen in den Gegenanflug parallel zur Landebahn, drehten ein, düsten mit 100 Sachen 30 Meter über die mit Spaziergängern gesprenkelten Boberger Dünen und setzten sanft auf. Ich bin infiziert. Mehr im ausführlichen Bericht von Henry Lübbestedt im ‚Stern‘.

Hoffnung auf neues Flugbenzin

„Emissionsarme Luftfahrt“ heißt das Thema, das die 340 angemeldeten Teilnehmern des Tages der Deutschen Luft- und Raumfahrtregionen an der Uni Potsdam umtreibt. Die deutschen Luftverkehrsgesellschaften sind zwar nach Angaben des Bundesverbandes der Luftverkehrswirtschaft BDL effizienter geworden. Seit 1990 ist der durchschnittliche Verbrauch pro Passagier auf 100 Kilometern von 6,3 Liter Kerosin auf 3,58 Liter Kerosin gesunken. Aber zugleich hat sich der Luftverkehr ab deutschen Flughäfen mehr als verdreifacht. Der Kerosinbedarf legte insgesamt um 98 Prozent zu. Bis 2050 wird weltweit mit einer Verdreifachung des Luftverkehrs gerechnet. Die Branche muss Treibhausgas-Ausstoß und Lärm drastisch verkleinern. „Lösen wir dieses Problem nicht, verspielen wir unsere Zukunft“, warnt Andreas Sedlmayr vom Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. Diskutiert wird elektrisches Fliegen, eine Kombination von konventionellen Turbinen und Batterien und über neue Treibstoffe. Siemens zum Beispiel entwickelt seit zehn Jahren elektrische Flugmotoren. Doch werden die E-Flieger als Nischenlösung gesehen, für Flugtaxen oder kleine Kurzstreckenflieger. Für das Gros des Verkehrs – die großen Passagiermaschinen – sind E-Motoren keine Lösung. Hersteller wie Rolls Royce setzen eher auf die Verbesserung ihrer konventionellen Triebwerke – 20 bis 30 Prozent Effizienz-Steigerung seien möglich, hieß es in Potsdam. Neue Kraftstoffe sollen hingegen bei Mittel- und Langstrecken einen Durchbruch bringen, vor allem synthetische Treibstoffe. Sie könnten mit Hilfe von Windenergie aus Wasserstoff und aus Kohlendioxid aus der Luft gewonnen werden. Allerdings, so wurde in Potsdam deutlich, steht die Suche nach klimafreundlichen Alternativen ziemlich am Anfang. Die neuen Technologien sind mit vielen ungelösten Problemen verbunden. Neuartige, sparsame und leise Triebwerke sind deutlich größer und schwerer als herkömmliche oder stoßen mehr schädliche Stickoxide aus. Umweltfreundliche Treibstoffe kosten heute um das Zwei- bis Fünffache mehr als Kerosin und werden wohl auch in Zukunft teurer bleiben. Ein Antrieb mit Hilfe von Brennstoffzellen, die Wasserstoff als Treibstoff nutzen, wird von Triebwerksherstellern als Option für die fernere Zukunft gesehen. So setzt die Branche darauf, in allen Dingen – von der Logistik über Materialien bis hin zum fertigen Flugzeug – klimafreundlicher zu werden. Was fehlt, sind revolutionäre Ideen. Quelle: ‚MOZ.de‚.