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“Buon Giorno, Italia!”

Auch heute verspricht der Tag, gut zu werden. Mittlerweile ist Katrin, die Schwester von Arne, in Sisteron angekommen und startet heute zu Ihrem ersten Flug mit der LS6. Während die erfahrenen Weitenjäger auch heute wieder nach Norden streben, hat sich Katrin vorgenommen, den Süden der Seealpen näher zu erkunden. Die MW startet um 11:30 Uhr und lässt sich über den Gache zum Trainon schleppen. Von dort geht es auf dem klassischen Weg über Authon, Auribeau, Blayeul und l´Ubac zum Parcours. Nach 40 Minuten ist dieses erste Ziel bereits erreicht. Michi hält sich hier nicht auf, sondern stürmt vorwärts über die Petite Séolane zum Grand Bérard. Die Bärte reichen noch nicht sehr hoch, in 2.900 m verlässt die MW das Tal von Barcelonnette und fliegt tief in das Queyras hinein, deutlich weiter östlich als an den letzten Tagen.

Gegen 12:45 Uhr startet auch Katrin Ihren Flug und klinkt an der Jorasse aus. Die MW ist derweil schon am Le Janus östlich von Briançon, dann weiter zum Montgenèvre (3.400 m) und Col d´Etache (3.600 m) alles in bester Ordnung so weit. Katrin arbeitet sich derweil vom Trainon über den Jouère und Les Monges zum Auribeau und weiter zur La Bigue vor, etwas zögerlich biegt sie dann doch ab zur Crête de Liman und wagt sich dann in 2.800 m vor zur Coupe, dem Südende des Parcours.

Michi ist forsch weitergeflogen zum Lac Mont Cenis und biegt dann Richtung Südosten ab, der gesamte Grat bietet aber kein Steigen und so fliegt er wieder zurück und quert dann das Modanetal hinüber zum Roc Noir, kommt dort in 2.600 m an und kämpft 20 Minuten lang, um wenigstens wieder auf 2.850 m hoch zu kommen. In der gleichen Zeit arbeitet sich Katrin von der Coupe über Barrême bis zum Mont Chiran östlich der Serres de Montdenier vor. Michi wagt sich, trotz dieser Erfahrung weiter Richtung Col de l´Iseran voran und findet etwas westlich von Bonneval-sur-arc endlich einen Bart, der den Flieger bis auf 3.575m anhebt. Es ist 14:20 Uhr und der Entschluss fällt, weiter nach Norden zu fliegen. An Mut hat es Michi ja noch nie gefehlt. Katrin ist zur gleichen Zeit am Ende der Alpen angelangt und beschließt, sich den Flugplatz von Fayence ein wenig genauer anzusehen. Der Entschluss von Michi war wohl richtig, schlagartig verbessert sich das Wetter, östlich des Col de l´Iseran geht es hoch auf 3.800 m und der Weg weiter nach Norden ist problemlos, 20 Minuten nach dem guten Bart am Col de l´Iseran überquert die MW das Aostatal in 3.600 m. Zur gleichen Zeit hat die LS6 den Flugplatz von Fayence umkreist und Katrin ist ein Blick auf das Mittelmeer vergönnt. In 2.000 m macht sie sich jetzt wieder auf den Weg nach Norden.

Kurz nach 15:00 Uhr erreicht die ASG 29 in knapp 4.000 m das Matterhorn, Katrin ist derweil wieder am Lac de Castillon. Ermutigt durch die guten Bärte und die hohe Basis fliegt Michi weiter Richtung Wallis holt am Simplon wieder Höhe und fliegt nahezu ohne Höhe zu verlieren bis zum Albrunhorn, etwas südlich vom Militärflugplatz Münster im Rhonetal. Es ist jetzt 16:00 Uhr und Michi wendet in Richtung Heimat. Katrin holt sich einige hundert Meter am Blayeul und macht sich dann auf den Weg Richtung Sisteron. Am Lagginhorn geht´s für die MW hoch auf 3.900 m genug, um zum Dom vorzufliegen. Südlich der gewaltigen Spitze des Dom trägt ein Bart wieder auf über 3.900 m, es ist 16:40 Uhr, alles scheint paletti! Nördlich an Aosta vorbei und dann zu der Gräte westlich des Gran Paradiso gelingt der Vorflug mit wenig Höhenverlust. Katrin hat beschlossen, noch mal am Chabre auf und ab zu fliegen und landet danach, sicher zufrieden mit diesem ersten Tag in Südfrankreich.

Am Grand Rousse klettert die ASG 29 mühsam auf knapp 3.400 m, das reicht um den Col de l´Iseran zu überqueren, aber das kostet Höhe und so versucht Michi südlich von Bonneval-sur-arc Höhe zu machen, um über die hohen Berge am Lac Mont Cenis zu kommen. Wieder fliegt er den von Nordwest nach Südost verlaufenden Grat am Mont Cenis ab, aber es findet sich kein Steigen und die Höhe schmilzt immer weiter. Es ist 18:00 Uhr als die MW das Susatal quert an dessen Südrand kommt sie in 2.450 m viel zu niedrig um den Sprung in heimatliche Gefilde zu ermöglichen, es bleibt nur der Weg nach Osten in die Po-Ebene.

Um 18:20 Uhr gibt Michi schließlich die Thermiksuche auf und macht sich auf den Weg zu einem Flugplatz in Italien. Da bietet sich der ehemalige Militärflugplatz Aeritalia an, er befindet sich nur 6 km westlich des Stadtzentrums von Turin, so kann man die Zeit, bis die Rückholer da sind, wenigstens mit einem Stadtbummel verbringen. Um 18:35 Uhr setzt die ASG 29 sanft auf und nach dem ausrollen steigt Michi aus und grüßt freundlich: “Buon giorno, Italia!” Quelle: ‘Joni’s Segelflieger-Website‘.

Coronavirus: Segelflug in den Alpes-de-Haute-Provence in Gefahr

Den folgenden Bericht publizierte die Zeitung ‘La Provence‘ in der vergangenen Woche.

Nach Angaben des Französischen Segelflugverbandes sind fast 50 Arbeitsplätze durch die Einschränkungen ihrer Tätigkeit gefährdet. Die Alpes-de-Haute-Provence ist für die Segelflieger in Europa ein beliebtes Ziel. Der Club von Vinon-sur-Verdon beispielsweise ist in Bezug auf die Anzahl Lizenzen der führende Klub Frankreichs, jener von Sisteron liegt an fünfter Stelle und im Departement ist ausserdem das Nationale Segelflugzentrum (CNVV) in Château-Arnoux-Saint-Auban angesiedelt. Das ist eine weltweit einzigartige Struktur, die jedes Jahr mehr als 1’000 Auszubildende aus der ganzen Welt betreut. In Frankreich gibt es fast 12’000 Segelflugzeugführer-Lizenz-Inhaber in insgesamt 162 Clubs, darunter stammen 2’300 aus der Region Provence-Hautes-Alpes-Côte d’Azur-Region (PACA), die bei den Lizenz-Inhabern vor der Occitaine an erster Stelle steht.

Fast 1’500 Menschen kommen im Sommer, um hier Segelflugzeuge zu fliegen. “Wir müssen auch daran denken, dass diese Leute nicht allein kommen, sondern mit ihren Familien andere touristische Aktivitäten konsumieren”, sagt Luc Guillot, Direktor des französischen Segelflugverbands (FFVP). Die Saison 2020 verspricht, schwierig zu werden: Jetzt kommen die Gäste wegen der Gesundheitsvorschriften nicht mehr (“Lockdown”-Regeln mit 100 km maximaler Bewegungsfreiheit, Schließung der Grenzen)”, erklärt Luc Guillot. Mit der 100-km-Regelung sind wir massiv eingeschränkt, ein Segelflieger macht regelmäßig Flüge von 500 km”. Diese mit der Gesundheitssituation verbundenen Einschränkungen mindern die Attraktivität der Französischen Alpen erheblich.

“In der gegenwärtigen Situation machen wir uns Sorgen um die Arbeitsplätze und um die Fähigkeit der Clubs, den Schock zu absorbieren. Ausbilder, Mechaniker, Sekretariate und Restaurants befinden sich nun in Kurzarbeit. Segelfliegen beschäftigt rund 50 Profis, deren Arbeitsplätze in den Clubs des Departements bedroht sind”, sagt Luc Guillot.

Um eine Erholung zu ermöglichen, hat der Verband Gesundheitsprotokolle für den Empfang von Menschen in den Clubs, sowohl am Boden als auch in der Luft, eingeführt. Der Beruf wartet nun auf die Piloten, die aus Frankreich, Europa und darüber hinaus kommen werden, sobald die Einschränkungen wieder gelockert worden können.

Saisonstart in Südfrankreich naht.

Es sind nur noch wenige Wochen bis zum Saisonstart in die erste, kräftige Frühjahrs-Thermik – zum Beispiel in Sisteron in Südfrankreich. Das Video des Schweizers Hanspeter Wetli zeigt Thermik- und Wellenflüge des Frühlings 2018. Sehenswert und fein vertont.