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Mit dem Wetter umgehen

Der Umgang mit Wetter ist eine unverzichtbare Fähigkeit für jeden Piloten, und VFR2IMC gehört zu den herausforderndsten Situationen, denen sie begegnen können.

VFR2IMC bezeichnet den Zustand, wenn ein Pilot unter Sichtflugregeln (VFR) in Instrumentenmeteorologische Bedingungen (IMC) gerät. In diesem Fall gehen alle visuellen Bezugspunkte verloren, was das sichere Fliegen erheblich erschwert. Die Arbeitsbelastung und die Empfindungen machen das Steuern besonders schwierig, und Navigation oder Kommunikation können nahezu unmöglich werden.

Sowohl VFR- als auch nach Instrumentenflugregeln (IFR) qualifizierte Piloten können in die VFR-into-IMC-Falle geraten – 75% aller wetterbedingten Unfälle in Europa enden tödlich. VFR-into-IMC bleibt leider auch die häufigste Ursache tödlicher wetterbedingter Unfälle in der Allgemeinen Luftfahrt (GA).

Das Ziel jedes Piloten und Passagiers ist es, nach jedem Flug sicher zu landen. Wann immer ein Pilot in die Luft geht, ist es wichtig, die „richtige Entscheidung“ zu treffen, indem er alle notwendigen Informationen sammelt, um zu entscheiden, ob geflogen wird, wo geflogen wird und was während des Fluges zu tun ist.

Bewusstsein für das Risiko VFR2IMC

Jeder Pilot sollte Folgendes stets im Hinterkopf behalten:

  • VFR2IMC nicht zu unterschätzen, da es lebensgefährlich sein kann.
  • Die beste Methgode ist, VFR2IMC zu vermeiden.
  • Mutig zu handeln, denn es erfordert viel Courage, den Plan neu zu überdenken, anstatt bei sich verschlechternden Bedingungen weiterzufliegen.

Planung zur Vermeidung von VFR2IMC

Früher oder später muss sich jeder Pilot der Herausforderung stellen, mit marginalen Wetterbedingungen umzugehen. Dabei wird die Entscheidungsfähigkeit auf die ultimative Probe gestellt. Wichtig ist es, zunächst alle notwendigen Informationen zu sammeln und dann eine informierte und überlegte Entscheidung zu treffen:

  • Flexibel zu bleiben und bereit zu sein, den Plan wetterbedingt zu ändern.
  • Einen Ausweg in jeder Situation zu planen, ist eine Gewohnheit jedes guten Luftfahrers.
  • Anzeichen von Übermut zu erkennen, um das Ziel unbedingt erreichen zu wollen – dies sind erste Schritte, der eigenen Versuchung oder Gruppenzwang zu widerstehen, abzuheben oder weiterzufliegen.

Bedingungen unter den persönlichen Minima

Die Entscheidung, zu fliegen oder nicht, sollte überlegt sein. Ein Pilot sollte niemals fliegen, wenn die Bedingungen unter seinen Minima liegen, und so handeln:

  • Persönliche Wetterminima festlegen und diese konservativer wählen als die gesetzlichen Vorgaben, um einen Sicherheitsabstand zu gewährleisten;
  • Mindestsichtweiten einhalten und Abstände zu Wolken berücksichtigen;
  • Wenn die Bedingungen nicht dem eigenen Können entsprechen, am Boden bleiben oder umplanen, um an einem anderen Tag fliegen zu können;
  • Einen Safety Pilot oder Fluglehrer zum Flug hinzuziehen, wenn:
  • sie längere Zeit nicht geflogen sind;
  • sie sich in ihrer eigenen Flugfertigkeit nicht sicher genug sind; oder
  • Zweifel am Flug bestehen.

Erkennen und sicheres Zurückkehren zu VMC

Beginnen sich die Wetterbedingungen abrupt zu verschlechtern oder gerät der Pilot unbeabsichtigt in IMC, sollte er tief durchatmen und Ruhe bewahren. Es ist eine ganz natürliche, menschliche Reaktion, wenn ein Pilot erschrickt, sobald er plötzlich und unabsichtlich alle Außenreferenzen verliert. In einer solchen Situation sollte der Pilot:

  • aufmerksam bleiben für sich ändernde Bedingungen entlang der Route;
  • die Fluglage stabil halten und versuchen, eine 180-Grad-Wendung zu fliegen, um zu den Sichtwetterbedingungen (VMC) zurückzukehren; und
  • einen Notfall melden und ATC oder den Flight Information Service (FIS) um Hilfe bitten.

Ruhe bewahren und verlangsamen

Wenn alles kompliziert wird, gilt für jeden Piloten die goldene Regel:
AVIATE, NAVIGATE, COMMUNICATE – in dieser Reihenfolge.

  1. Zuerst und vor allem sollte der Pilot das Flugzeug steuern: Augen auf den Fluglageanzeiger und die Tragflächen waagerecht halten.
  2. Erst danach kann er entscheiden, wohin er fliegt und was zu tun ist, also sicher navigieren.
  3. Schließlich sollte er, sobald möglich, ATC kontaktieren, um einen Notfall zu melden und notwendige Unterstützung zu erhalten.

Ein Pilot sollte nie vergessen, dass VFR2IMC ein lebensbedrohliches Ereignis sein kann.

Besuchen Sie die EASA General Aviation Community Site, um die Aviator’s Club-Videoserie zu VFR2IMC anzusehen und die GA Safety Cards herunterzuladen.

Inversions-Zeit

Wird von einschränkenden Wetterelementen für die Aviatik gesprochen, ist die Rede meist von Gewittern, Turbulenzen oder Eis. Von Inversionen wird jedoch in der Flugplanung kaum gesprochen. Dabei vereinigt genau dieses Phänomen mehrere Faktoren, die bei der Flugplanung in der kühleren Jahreszeit berücksichtigt werden müssen.

Quelle/vollständier Bericht: Staysafe.aero

Was ist eine Inversion?
Grundsätzlich nimmt die Temperatur in der Wetterschicht mit zunehmender Höhe ab. Gibt es jedoch in einer bestimmten Schicht eine Zunahme der Temperatur, spricht man von einer Inversion oder auch Temperatur-Umkehrung. Inversionen sind auf verschiedenen Höhen zu finden. Beginnt die Inversion direkt über der Erdoberfläche, wird von einer Bodeninversion gesprochen. Inversionen zeichnen sich durch Stabilität aus, so dass die Luftschichten regelrecht voneinander abgetrennt werden. Die untere kalte Schicht kann kaum mit der oberen warmen Schicht vermischt werden. Durch diese fehlende Durchmischung sammeln sich in der unteren kalten Schicht neben Wassertröpfchen auch andere Aerosole an. Oberhalb einer Inversion ist die Fernsicht in den meisten Fällen hervorragend, wohingegen unterhalb meistens reduzierte Sicht durch feuchten Dunst (BR), Nebel (FG) oder trockenen Dunst (HZ) vorherrscht.

Bei welchen Wetterlagen treten Inversionen auf?

Inversionen bilden sich bei Hochdrucklagen aus, gelegentlich auch bei flacher Druckverteilung. In einem Hoch sinkt die Luft grossräumig ab und erwärmt sich. Durch diesen Absinkprozess, auch Subsidenz genannt, wird in den tieferen Luftschichten kalte Luft regelrecht «eingeklemmt», wenn diese beispielsweise aufgrund orografischer Gegebenheiten nicht abfliessen kann. In der Schweiz entstehen Inversionen nicht nur über dem Mittelland durch die Begrenzung von Jura und Alpen, sondern auch kleinräumig in den Talkammern.

Wie beeinflusst eine Inversion die Flugplanung?

Performance
Da die kalte Luft in Bodennähe dichter ist als die warme Luft oberhalb der Inversion, kann ein Luftfahrzeug im Steigflug durch die Inversion einen spürbarer Leistungsverlust erfahren. Dieser ist abhängig von der Stärke der Inversion. Ein Effekt, welcher sich vor allem beim «Climb Out» beim Durchfliegen der Inversion bemerkbar macht, insbesondere mit stark beladenen Flugzeugen. Durch den schnellen Wechsel von kalter, dichterer Luft zu warmer, weniger dichter Luft verändert sich die Dichtehöhe – die Density Altitude. Sie ist somit auch im Zusammenhang mit Inversionen ein Thema!

Turbulenzen im Inversionsbereich
Da die Luftschicht unterhalb der Inversion von der Luftschicht darüber abgetrennt ist, können je nach Höhe verschiedene Strömungen vorherrschen. Beim Durchfliegen der Inversion kann sich entsprechend die Windgeschwindigkeit- und -richtung abrupt ändern. Je nach Anströmung des Flugzeuges gibt es Effekte auf die Geschwindigkeit und den Auftrieb. Besonders gefährlich ist ein ungünstiger Windeffekt in Kombination mit Performanceverlust durch abnehmende Dichte beim Steigflug durch eine Inversion.

Effekt einer Inversion auf die Sicht
Beim Sinkflug durch eine Inversion kann sich die Sicht abrupt verschlechtern. Das ist vor allem bei einer über mehrere Tage «gealterten» Inversion der Fall, wobei sich in der kalten unteren Luftschicht neben Feuchtigkeit auch Aerosole ansammeln. Insbesondere bei tiefem Sonnenstand ist die Sichtreduktion ausgeprägt, weil das Licht an den Aerosolen stark gestreut wird, was zu Blendeffekten führt.

Bei diffusen Licht- und Wetterverhältnissen und bei flach stehender Sonne ist die Verwendung eines iConspicuity-Gerätes zur Verkehrserkennung und zur besseren Situational Awareness für VFR-Flüge unbedingt empfehlenswert:

Icing

Inversionslagen sind auch klassischerweise Nebel- oder Hochnebellagen. Bei IFR-Flügen ist deshalb innerhalb des Hochnebels mit Vereisung zu rechnen, hervorgerufen durch den Kontakt der je nach Umgebungstemperatur unterkühlten Wassertröpfchen mit der Zelle. Es empfiehlt sich also ein zügiges Durchfliegen dieser Stratusschicht.

Nicht zu unterschätzen ist zudem, dass bei VFR-Flügen in ansteigendem Terrain die Schicht unterhalb der Inversion immer enger wird, weil die «eigeklemmte» Feuchtigkeit in der kalten Grundschicht nicht entweichen kann.

Vereisung durch Freezing Rain (FZRA)

Bei einer Warmfront macht sich die warme Luft zuerst in der Höhe bemerkbar. Eine Warmfront ist dementsprechend eine riesige Inversion, insbesondere, wenn sie über eine kalte Grundschicht aufgleitet. Dabei ist Vorsicht geboten: schmilzt Schnee in der warmen Schicht in der Höhe zu Regen und fällt weiter unten in eisig kalte Luft, kommt es zu FZRA.

Webcam-Übersicht auf flieger.news

flieger.news offeriert Ihnen zur Ergänzung Ihrer Flugplanung eine Webcam-Sammlung mit «Panorama-Blick». Damit können Sie kurz vor dem Start die Situation auf der geplanten Route und am Zielort präziser einschätzen.