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EU: Neue Luftraum-Pläne vorgestellt

Unter der Bezeichnung SES arbeitet die Europäische Union bereits seit Ende der 90er-Jahre an einer europaweiten Optimierung der bestehenden Lufträume, um Kosten zu sparen, aber auch im Sinne des Klimaschutzes. Zuletzt vorgestellte Pläne priorisieren den europäischen Luftraum und setzen auf flexiblere Kontrollzonen. Ein Überblick.

Der europäische Traum von einem Single European Sky (SES) ist zurück: Mit einem überarbeiteten Konzept für eine Optimierung des europäischen Luftverkehrs im Rahmen der Klimaagenda von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen möchte die Europäische Union künftig Verspätungen mindern, Kosten senken und Emissionszahlen kürzen, wie aus Presseberichte der EU-Kommission hervorgeht.
Optimierung des europäischen Luftraums mit “Single European Sky”

“Flugzeuge kreuzen manchmal zwischen verschiedenen Lufträumen, dadurch gibt es mehr Verspätungen und höheren Treibstoffverbrauch. Ein effizientes Management für den Luftverkehr bedeutet direktere Routen und niedrigere Energienutzung, das führt zu weniger Emissionen und geringeren Kosten für unsere Airlines.” Mit diesen Worten beschreibt EU-Transportkommissarin Adina Valean die Problematik, der man im Sinne der neuerlichen Konzeptualisierung um einen sogenannten Single European Sky (SES) entgegenwirken möchte. Durch das Kreuzen von Flugzeugen durch oftmals mehrere verschiedene Lufträume – insbesondere um hohe Gebühren zu vermeiden – käme es zu häufigen Verspätungen und unnötig erhöhtem Treibstoffverbrauch, so Valean. Das Ziel sei es, die Überwachung des europäischen Luftraums zu modernisieren und nachhaltigere Flugrouten zu schaffen.

Konkret wolle man sich um ein flexibleres System bemühen, anstelle der aktuell starr vorgeschriebenen Luftraumblöcke. Für die Koordination der Kooperationen verschiedener Flugsicherungsdienstleister habe man die europäische Organisation zur Luftfahrtsicherung Eurocontrol beauftragt. “Mit den neuen vorgeschlagenen Regeln unterstützen wir unseren Luftverkehrssektor dabei, den dualen grünen und digitalen Übergang voranzutreiben”, so die Worte von Kommissarin Valean. Alleine im Vorjahr 2019 hatte man knapp sechs Milliarden Euro und ausserdem Tonnen von Emissionen in Millionenhöhe durch Umwege und Verspätungen verloren. Dies gilt es in Zukunft zu vermeiden.

Neun FABs statt über 60 Kontrollzonen

Zuletzt war ein solches Konzept im Jahre 2004 vorgelegt worden; das jetzige trägt den Namen SES2+. Erste Bemühungen in Richtung eines Single European Skys waren bereits Ende der 90er-Jahre aufgenommen worden, doch bis heute stets gescheitert. Dieser neue Vorschlag erfährt nun aber viel Zuspruch, wenngleich es jetzt auch darum gehe, “dass die EU-Mitgliedsstaaten den Absichtserklärungen Taten folgen lassen”, wie der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) deutlich machte und das deutsche Reiseportal airliners.de zuerst berichete. Druck gebe es auch aus der Politik, wie der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber in einem Statement klarstellte: “Das Europäische Parlament ist bereit, schnell zu handeln”.

Übersicht der neun Functional Airspace Blocks (FAB):

  • BALTIC FAB: Litauen, Polen
  • BLUE MED: Griechenland, Italien, Malta, Zypern, (Ägypten, Albanien, Jordanien, Tunesien)
  • DANUBE: Bulgarien, Rumänien
  • FABCE (FAB Central Europe): Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Österreich, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn
  • FABEC (FAB Europe Central): Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Niederlande, Schweiz[2]
  • NEFAB (North European FAB): Dänemark, Estland, Finnland, Island, Lettland, Norwegen, Schweden
  • NUAC (Nordic Upper Airspace Centre): Dänemark, Schweden
  • SW FAB: Portugal (Lissabon FIR), Spanien
  • UK- IRELAND FAB: Irland, Vereinigtes Königreich

Im Hinblick auf die baldige Umsetzung des neuen SES-Konzeptes übt man auch deswegen so viel Druck auf die europäischen Mitgliedsstaaten aus, weil diese den Prozess durch verzögerte Auslieferungen der FABs behindern. Mithilfe dieser sogenannten Functional Airspace Blocks (FAB) solle die Entnationalisierung der innereuropäischen Lufträume vorangetrieben werden, welche künftig in lediglich neun verschiedenen FABs organisiert sein sollen. Aktuell gibt es für den gesamt-europäischen Flugraum über 60 verschiedene Kontrollzonen.

Fazit zu den neuen Plänen für einen einheitlichen Luftraum

Unter der Bezeichnung SES arbeitet die Europäische Union bereits seit Ende der 90er-Jahre an einer europaweiten Optimierung der bestehenden Lufträume, um Kosten zu sparen, aber auch im Sinne des Klimaschutzes. Durch die Vereinheitlichung der europäischen Lufträume unter dem Titel “Single European Sky” möchte man neben nachhaltigeren und effizienteren Streckennetzen ausserdem Verspätungen verringern und laufende Kosten senken. Das Vorantreiben des Projekts wird allerdings weiterhin durch verspätete Auslieferungen sogenannter Functional Airspace Blocks (FAB) durch die jeweiligen Mitgliedsstaaten verzögert, weswegen die Kommission vermehrt Druck auf die verschiedenen Länder ausübt.

Quelle: ‚Reisetopia‚.

SES: Luftraum: Klimadebatte könnte Druck erhöhen

Vielleicht schafft die immer lauter werdende Klimaschutzdebatte, was der internationalen Wirtschaftskrise und zahlreichen politischen Initiativen in fast 20 Jahren nicht gelungen ist: den Aufbau eines einheitlichen europäischen Luftraummanagementsystems (Single European Sky, SES) entscheidend voranzubringen. Diese Ansicht vertraten jedenfalls etliche Teilnehmer einer von EU-Kommission und finnischer EU-Ratspräsidentschaft zu dem Thema organisierten Konferenz in Brüssel. „Der Klimaschutz gibt uns den Anstoß, den wir brauchen, um das zu einer wirklichen Priorität der EU-Mitgliedstaaten zu machen“, sagte Olivier Jankovec, Generaldirektor der europäischen Sektion des Airports Council International (ACI). Auch Jean Ferré, der für Luftraummanagement zuständige Vizepräsident von Thales und Grazia Vittadini, Chief Technology Officer bei Airbus, glauben, dass der öffentliche Druck und der Ruf nach mehr Nachhaltigkeit im Verkehr die SES-Reform auf der politischen Agenda nach oben hieven können. Ziel des einheitlichen Luftraums ist etwa, durch die Überwindung der nationalen Grenzen bei der Luftraumüberwachung direktere, kürzere Flugrouten zu ermöglichen. Dadurch ließe sich Treibstoff sparen, Kosten und Emissionen würden sinken. Außerdem soll durch ein abgestimmtes Luftraummanagement die verfügbare Kapazität für Flüge besser genutzt werden. Quelle: ‚Deutsche Verkehrs-Zeitung‚. Grafik: EU.