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Pilot baut eigenes Flugzeug

Der Berufspilot Rainer Stark aus Gunzenhausen hat sich ein Flugzeug gebaut. Wie kommt man auf so eine ungewöhnliche Idee? Und wie viele Stunden hat er an der RV-7A geschraubt? Wir haben ihm auf dem Flugplatz besucht, wo seine Maschine steht. „Über den Wolken“ singt Reinhard Mey, und der Berufspilot Rainer Stark kennt sicher sowohl das Lied als auch das Gefühl. Doch seit kurzem fängt seine grenzenlose Freiheit schon am Boden an, wenn er das große Tor der hinteren Halle droben am Flugplatz öffnet. Dort fällt sein Blick sofort auf die nagelneue RV-7A. Sie ist beileibe nicht irgendein Flugzeug, sondern ein ganz besonderes Kleinod. Der 56-Jährige Gunzenhäuser hat es selbst gebaut, Niete für Niete, Schraube für Schraube. Gestern, erzählt er an diesem goldenen Oktobertag mit einem dazu passenden strahlenden Lächeln, ist er nach Coburg geflogen. Dort hat er sich die Stadt angeguckt – sehr schön, so sein Urteil – und eine lokale Besonderheit mitgebracht, die er nun zu unserem Gespräch serviert: Coburger Schmätzchen. Die muss er nicht für besondere Gelegenheiten aufheben, er kann sich ja jederzeit neue holen. So wie er jetzt auch schnell übers Wochenende an die Nordsee fliegen kann oder in den Urlaub nach Elba. Rund 1300 Kilometer Reichweite hat sein metallicrot-weißes

Flugzeug, mit dem er sich einen Lebenstraum erfüllt hat.
Die Liebe zum Flugzeugbau hat er von seinem Vater, der sich allerdings noch auf Modellflugzeuge beschränkte. Dass es auch größer geht, hat Rainer Stark in der Küche von Hermann Witzleben erfahren. Der erste Vorsitzende der damals noch jungen Flugsportvereinigung „Gelbe Bürg“ baute dort Segelflugzeuge für den Verein. Anfang der 1990er ließ sich Rainer Stark „sämtliches Prospektmaterial“, das es zum Bau von einmotorigen Flugzeugen gab, schicken und studierte es begeistert. Doch dann forderte das Leben mit seinen Höhen und Tiefen seinen Tribut, der Traum geriet immer mehr in Vergessenheit.

Familie Stark unterstützt die Flugzeugträume
Aber nie ganz. Vor etwa acht Jahren nahmen die Pläne wieder Gestalt an und der Berufspilot weihte seine Frau Heike bei einem Sonntagsfrühstück in die Idee ein. Denn die Familie, das weiß Stark, muss hinter so einem Projekt stehen, sonst funktioniert es nicht. Und dann machte er sich ans Werk. Nun muss man nicht glauben, dass man einfach einen Bausatz bestellen und loslegen kann. Ein Flugzeug zu bauen ist ein „Mordsaufwand“, sagt Stark, und während er erzählt, wird bald klar, dass das eher noch untertrieben ist. Und damit sind nicht allein die 3000 reellen Baustunden oder die etwa 20.000 Nieten, die er mit Unterstützung seiner Frau Heike angebracht hat, gemeint, nicht der ganze Staub und Dreck oder die sechs Jahre, in denen die Garage von dem langsam Gestalt annehmenden Flugzeug besetzt war. Wer ein solches Projekt startet, braucht mehr als nur Ausdauer, er braucht Geduld und technisches Know-how, er muss akribisch arbeiten können und darf auch vor bürokratischen Hürden nicht zurückschrecken. Von ihnen müssen im Laufe der Zeit unzählige überwunden werden. Schon die Beschaffung der benötigten Teile hört sich für den Laien abenteuerlich an. Dank seines Berufs kommt Stark viel in der Welt herum, und entsprechend international ist sein Flugzeug geworden. Der Bausatz für die Karosserie – und nur für die gibt es einen – kommt aus den USA, der Motor aus Kanada.

Da ein Flugzeug, wenn es fertig ist, weltweit als zollfrei gilt, benötigte Stark für die Einzelteile der Karosserie – sie kamen in Riesenkisten per Schiff nach Hamburg und von dort per Spedition nach Gunzenhausen – Lagerräume, die nicht nur vom Luftfahrtbundesamt als geeignet eingestuft, sondern auch als „zollfreie Lager“ anerkannt wurden. Das kontrollierten die Beamten des Zolls auch tatsächlich. Allerdings, schildert Stark das Problem, kennt sich kaum jemand mit dieser doch eher ungewöhnlichen Materie aus. Einmal brachte er aus Südafrika Kunststoffteile für sein Flugzeug mit. Die hat er am Ende in Frankfurt um des lieben Friedens willen verzollt.

Ohne Zulassung vom Luftfahrtbundesamt geht nichts
Bevor Stark allerdings die Karosserie bestellt hat oder gar die erste Schraube setzen konnte, benötigte er eine Zulassung vom Luftfahrtbundesamt. Ein Gutachter der Behörde überprüft in so einem Fall die eigenen Fähigkeiten, das vorhandene Werkzeug und die Räumlichkeiten. Als gelernter Werkzeugbauer waren die ersten beiden Punkte für Stark kein Problem. Und da er sich für den Baustoff Metall („der ist ehrlicher“) entschieden hatte, wurde auch seine Garage als Werkstatt akzeptiert. Holz- und Kunststoffflugzeuge werden verleimt, und damit der Kleber aushärten kann, muss man 24 Stunden lang eine gleichbleibende Temperatur vorhalten können. Wenn man den Bau eines Modellflugzeugs in den Sand setzt, dann ist das ärgerlich, aber man kann es in der Regel verschmerzen. Eine Karosserie für ein echtes Flugzeug kauft man aber nicht mal eben aus der Portokasse. Deshalb wollte Stark sichergehen, dass er so ein Projekt wirklich bewältigen kann, und startete erst einmal mit dem Leitwerk. Hier wären im schlimmsten Fall „nur“ 2500 Dollar verloren. Quelle: ‚Nordbayern.de‚.

Studierende bauen Schleppflugzeug

Studierende der Universität Stuttgart haben über etliche Jahre in Eigenregie und zahllosen Stunden Arbeit ein Schleppflugzeug für Segelflieger entwickelt und gebaut. Nun steht der Jungfernflug der Maschine unmittelbar bevor. Ira Widmayer steht in der Werkstatt der Akaflieg am Pfaffenwaldringund ist sichtlich zufrieden. „Es ist schon etwas Besonderes, wenn man sagen kann: Wir haben zusammen unser eigenes Flugzeug gebaut“, stellt die 23-jährige Studentin der Luft- und Raumfahrttechnik fest. Damit meint sie nicht den Segelflieger, der, teilweise zerlegt, hinter ihr in der Halle steht. Widmayer spricht vom Motorsegler fs35, der „Harpyie“. Das gute Stück befindet sich derzeit in Schwäbisch Hall und harrt seines Jungfernfluges. Quelle: ‚Stuttgarter Nachrichten‚.