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Über den Wolken ist die Freiheit auch nur beschränkt

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen und dann…“ Als Liedermacher Reinhard Mey diese Zeilen textete, im Jahr 1974 war das, hatte er ein fieses Virus sicher nicht im Sinn. Doch wie ist das jetzt, knapp 50 Jahre später? Dürfen die Piloten des Königsdorfer Segelflugzentrums (SFZ) der Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen mit einem Steigflug über die Wolken entfliehen? Darüber haben wir uns mit SFZ-Sprecher Mathias Schunk unterhalten.

Herr Schunk, alleine in einem Segelflugzeug kann ich ja niemanden anstecken. Haben die Piloten am SFZ Starterlaubnis?
Eine schwierige Frage, die man nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten kann. Rein luftrechtlich darf man fliegen. Jetzt stellt sich jedoch die Frage: Ist ein Segelfluggelände eine Sportstätte? Sportstätten wie Fußball- oder Golfplätze sind im Zuge der Ausgangsbeschränkungen ja gesperrt worden. Es ist ein Graubereich. Unser Dachverband, der Deutsche Aero-Club, hat momentan allgemein empfohlen, den Flugbetrieb einzustellen. Das haben wir im SFZ allerdings schon vorher getan. Denn was würde der Vater, der im Homeoffice sitzt, und die Mutter, die die daheim ihre Kinder ganztags bei Laune halten muss, denken, wenn hoch über ihnen die Segelflieger ihren Spaß haben?

Sie verzichten also aus Solidarität auf Flüge?
Genau, denn verboten ist das Fliegen nicht. Solo im Segelflugzeug geht die Gefahr, jemand anderen oder sich selbst anzustecken, gegen Null. Andererseits: Dann landest du vielleicht im Segelflieger außen auf irgendeinem Acker, und dann geht’s schon wieder los. Insgesamt ist Sport derzeit ein schwieriges Thema. Eigentlich würde nichts dagegen sprechen, Tennis zu spielen. Da ist man schließlich 15 Meter auseinander. Oder warum soll man nicht auf den Golfplatz gehen – solange man den Mindestabstand einhält? Aber jetzt gilt für alle zunächst einmal das Gleiche, nämlich zu Hause zu bleiben. Wenn die Regierung die Beschränkungen wieder lockert, sollte sie jedoch explizit die Sportarten nennen, die man wieder betreiben darf. Österreich hat im Gegensatz zu Deutschland schon einige Individualsportarten explizit ab 1. Mai wieder freigegeben, unter anderem Bogenschießen, Golf, Tennis und Segelfliegen. Übrigens, da Sie den Punkt Solidarität angesprochen haben: Die AOPA Germany, die Vereinigung der Privatpiloten, hat eine Aktion gestartet, an der sich einige von uns in Königsdorf ebenfalls beteiligen. Es geht darum, in der Corona-Krise dem Katastrophenschutz Flugkapazitäten ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen, also beispielsweise dringende Kleinsendungen wie Masken oder Medikamente kurzfristig und unbürokratisch von A nach B zu bringen.

Eine persönliche Frage: Sie sind auch Berufspilot bei der Lufthansa. Fliegen sie derzeit?
Die Flotte ist fast komplett stillgelegt, wir sind in Kurzarbeit. Ich hatte aber gerade eine Telefonkonferenz mit meinem Flottenchef. Was ganz neu ist: Wir werden mit Passagierflugzeugen nach Peking und Schanghai fliegen, um Masken und Schutzanzüge hierherzuholen. Für die Fracht werden zu der Kapazität im unteren Laderaum hinten die Economy-Sitze herausgenommen, um mehr Stauraum zu haben. Quelle: ‘Merkur.de‘.

1’541 km: 4. Europarekord für Mathias Schunk

21 Jahre hielt der Europarekord, 1998 hatten ihn zwei Österreicher aufgestellt. Wolfgang Janowitsch und Hermann Trimmel waren 1531 Kilometer weit geflogen, in einem Segelflugzeug, über den Alpen. Doch nun hat ihnen der Geretsrieder Pilot Mathias Schunk diesen Titel weggeschnappt. In seinem Quintus segelte er am Donnerstag, 25.April in Königsdorf los, kam in einen Föhnsturm und kehrte erst nach knapp 14 Stunden Flugzeit kurz vor Sonnenuntergang zurück – nach 1541,7 Kilometern. Schunk hatte den bisherigen Bestwert um zehn Kilometer überboten. Quelle: ‘Süddeutsche Zeitung‘.