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Streckenflugkurs Schänis 2025

Autor: Harry Groenert

Oder: wie man bei schlechtem Wetter trotzdem abhebt – im Geist, in der Gemeinschaft und manchmal sogar wirklich.

Der Start: Vier Bambini, zwei Fluglehrer – und ein Wettergott auf Weltreise. Beim Golf, so sagt man, gibt’s kein schlechtes Wetter – nur die falsche Kleidung. Beim Segelfliegen hingegen… nun ja, sagen wir’s mal so: Der Himmel sollte mitspielen. Oder wie wir, man macht halt das Beste draus.  Vier streckenflughungrige Nachwuchspiloten trafen sich mit zwei hochmotivierten Fluglehrern (Adrian Müller & Stefan Neyer – auch bekannt als „Die Zwei vom Wetterradar“) zum diesjährigen Streckenflugkurs in Schänis.

Das Ziel: Einführung, Vertiefung, Horizonterweiterung.
Der Rahmen: Klein, fein, persönlich.
Der Plan: Jura, Schwäbische Alb, Ostalpen, etc. Thermik-Rock’n’Roll.
Die Realität: Vier Flugtage in zwei Wochen. Der Rest: Lernen, Lachen, Landewiesen. Fliegen kann man lernen – Kreisen auch.
Kreisen ist keine Kunst – aber eben auch kein Zufall.

Adrian und Stefan verstanden es meisterhaft, die Thermik ins Klassenzimmer zu holen. Mit Geduld, präzisem Feedback und dem einen oder anderen liebevollen Seitenhieb wie – „So fliegt man Kreise, aber keine Thermik“
– „Die Luft kann nicht lesen, also willst du sie fühlen“

wurde aus Theorie Praxis und aus Fliegen irgendwann Streckenfliegen. Dabei nutzen wir natürlich auch KI. Also, zur Klarstellung, unter KI verstehen wir „körperliche Intelligenz“! 

Landung mit Aha-Effekt
Ein Highlight abseits des Cockpits war ein Vortrag – simpel angekündigt, aber mit Langzeitwirkung. Es ging ums Landen. Nicht spektakulär, aber entscheidend. Komplexität in der entscheidenden Phase rausnehmen und keine Überraschungen erleben. Was folgte, war keine trockene PowerPoint-Schlacht, sondern ein tiefgehender, praxisnaher Streifzug durch das, was viele nur „das Final“ nennen – aber selten wirklich verstehen.

Der Kommentar eines Teilnehmers danach: „Jetzt weiß ich endlich, wie man konstanter, entspannter und zielgenauer richtig landen kann.“ Und das war keine Floskel, sondern ein echtes Aha-Erlebnis. Wir anderen Bambini konnten das Umgesetzte vom Boden aus begutachten.

Taktisches Fliegen
Besonders hilfreich waren die strukturierten Nachbesprechungen: „Wie war dein Kreis?“, „Warum bist du dorthin geflogen, und nicht direkt?“ oder auch ganz trocken: „Also, was genau war da dein Plan?“

Nach diesen Tagen war klar: Wer hier mitfliegt, gewinnt nicht nur an Höhe, sondern vor allem an Reife. Trotz wetterbedingtem Bodenkontakt war die Stimmung alles andere als am Boden – eher im Steigflug, geistig wie menschlich.

Adrian und Stefan gaben alles: Theorie, Praxis, Psychologie – und sehr viele Feedback-Gespräche mit pädagogischem Mehrwert.

Fragen wie:
-„Was ist dein Plan?“
-„Trimmung ok?“
-„Warum fliegst du da? Nein, ehrlich: Warum?“ gehörten ebenso zum Standardrepertoire wie das Mantra: „Über der Krete fliegen doch nur die Anfänger.“ (Auch wenn wir dort erstaunlich viele Kreise zogen).

Das Wetter – oder: Wie man bei Regen Pilze findet.
Segelflug ist ein Wettersport. Wenn das Wetter Pause macht, lernt man eben andere Dinge:
– Wo man Pilze findet.
– Wie viel Liter Wasser für 1 kg Rindfleisch, 1 kg Champignons und einen Espresso draufgehen.
– Wie man bei fragwürdigem Wetter doch fliegt (mit Trainingstagen, an denen andere nicht mal das Hangartor aufmachen würden).
– Und wie man stilvoll in Bad Ragaz aussenlandet. (Ob wegen schlechter Thermik oder dem Bedürfnis nach einer Zigarre, ist bis heute ungeklärt.) – Und trainieren kann man öfter als man denkt.

Begeisterung auf allen Ebenen.
Wir vier „Bambini“ – so wurden wir angehenden Streckenflieger liebevoll (und gelegentlich schelmisch) genannt – waren mit Feuereifer dabei, immer auf der Suche nach Thermik, Taktik und dem nächsten Aha-Moment: Mutig, neugierig und jeden Tag lernbereit. Unsere Fortschritte waren deutlich spürbar, der Elan der Beteiligten ansteckend. Der Teamspirit in dieser kleinen Gruppe war einfach großartig – getragen von gegenseitigem Vertrauen, echtem Interesse und einer Extraportion Humor. 

Wenn „Lünersee – drei Tausend Meter“ im Funk erklingt …

Man gönnt es ihm ja. Wirklich. Aber wenn man selbst am Vilan säuft und der Kollege quickfidel „Lünersee – 3’000 Meter“ in den Funk strahlt – …dann zuckt’s kurz im Bart. Nicht schlimm – nur diese kleine, leise Stimme im Kopf, die sagt: „Du bist eindeutig in der falschen Luftmasse.“

Nebenher …
… wurden Umschulungen auf den Duo Discus begonnen und abgeschlossen, eine interne PAX-Prüfung bestanden, Landewiesen erkundet und vermutlich wurde mehr Sonstiges mit Freude diskutiert und studiert als je in einem Sommer zuvor.

Ach ja – und am Glidercup-Tag haben wir den Club selbstverständlich vorbildlich unterstützt, indem wir unsere Flieger freiwillig freigegeben haben. Teamgeist lebt!

Das große Finale: Grill, Gemeinschaft, Glück. 

Zum Schluss ein Fest, wie es im Fliegerbuch steht:

Grillduft in der Luft, Glanz in den Augen, Geschichten im Umlauf. Der Grillmeister in Hochform, das Brot selbstgebacken, das Rezept längst weitergegeben und die Kalbs Spareribs genossen.
Und über allem die Erkenntnis: Auch wenn die Sonne fehlt – ein Kurs mit so viel Herz, Humor und Höhenluft im Geist bleibt unvergesslich.

Mein persönliches Fazit:
Ich kann diesen Kurs wirklich von Herzen empfehlen – ob für Streckenflug-Einsteiger oder leicht Fortgeschrittene. Die Mischung aus fundierter Theorie, individueller Begleitung in der Luft, ehrlichem Feedback und echtem Miteinander ist selten und kostbar.

Zudem: Auch externe Pilotinnen und Piloten sind herzlich willkommen, solange sie ihren eigenen Flieger mitbringen und eine Prise Abenteuerlust im Gepäck haben. Denn: Fliegen lernt man nicht nur mit Flügeln – sondern mit Menschen, die einem zeigen, wie man richtig kreist, wann man lieber umkehrt… und wie man selbst bei Regenwetter wachsen kann. Bis nächstes Jahr – mit Thermik, Teamgeist und ganz viel Taktik!

Segelflug in den Alpen: Zwischen Schänis und Engadin

Marco, Birgit und Domenic von der SG Dittingen planten ursprünglich einen Segelflug-Urlaub im Engadin. Weil mehrere verregnete Dienstage das Windenstart‑Training verhinderten, verlegten sie ihr Vorhaben kurzfristig nach Schänis, etwa auf halber Strecke nach Samedan.

Basis und Umfeld

Als Quartier diente ein Ferienhaus in Amden mit Blick auf den Walensee und die Glarner Alpen. Die Ankunft fiel mit dem Ausbringen von Gülle zusammen; erst nach zwei Tagen hatten sie die Fliegen-Plage im Griff. Die Lage erwies sich jedoch als ideal für abendliche Ausblicke und Flugplanung.

Erste Woche – zähes Hochdruckwetter

Stabiles Hoch sorgte für Badetemperaturen und schwierige Thermik. Wechselnde Winde und aufliegende Wolkenbänke über den Graten machten den Übergang ins Bündnerland unmöglich. Die Mannschaft blieb bei lokalen Flügen, die viel Konzentration forderten.

Zweite Woche – Alpenfliegen vom Feinsten

Gewitter am Samstag brachten Abkühlung; ab Sonntag öffnete sich der Weg ins Bündnerland und ins Engadin. Wer sich, wie die einheimischen Piloten, hoch genug schleppen ließ, kam weit. Überraschend starke Aufwinde fanden sie im Lee des Calanda, neben der Nuna und über dem Walensee. Höhepunkt war der Flug entlang von Piz Palü, Bernina und Biancograt. Als über dem Engadin noch Cumuli standen, glitt das Team vom Nuna aus 4’000 Metern über die Churfirsten direkt nach Schänis, begleitet von absolut ruhiger Luft.

Rückreise

Geplant war ein Heimflug mit dem Arcus nach Dittingen. Verschlechternde Prognosen fürs Mittelland überzeugten sie, den Doppelsitzer per Anhänger zurückzubringen – ein Entschluss, der sich als übervorsichtig erwies, denn das Wetter blieb besser als angekündigt.

Die drei danken dem Flugplatz Schänis für die Möglichkeit, einen Arcus fast zwei Wochen intensiv zu nutzen.

Glider Cup – 4. Tag, 21. Juni 2025

Autor: Harry Groenert

Wenn Segelflug auf die Alpen trifft oder: wie man mit neun Piloten, ein paar Cumuluswolken und einer Portion Thermikglück einen unvergesslichen Flugtag zaubert.

Der Start: 9 Piloten, 1 Mission, unendlich viele Möglichkeiten

Was braucht man für einen perfekten Segelflug-Wettkampftag? Richtig: neun mutige Piloten (acht davon im kuscheligen Doppelsitzer, einer solo im schicken Discus 2b), ein paar vielversprechende Cumuli und den unbändigen Willen, der Thermik zu zeigen, wer das Sagen hat.

Der erste Start erfolgte um 10:44 Uhr – nicht zu früh, nicht zu spät, sondern genau richtig für das, was Meteorologen als „zügige Thermikentwicklung“ bezeichnen. Der letzte Pilot hob um 12:44 Uhr ab und es zeigte sich, dass es die Thermik ernst meint. Perfekte Bedingungen für eine 2-Stunden-Freeflight-Aufgabe im Sprint-Format. Das ist der Modus, bei dem WeGlide automatisch die besten 120 Minuten mit dem höchsten Durchschnittstempo heraussucht. Clever, oder? Es gibt keine klassischen Wendepunkte, man kann einfach fliegen, was das Zeug hält.

Zwei Flugstile, zwei Welten

Einige unserer Piloten entschieden sich für die bewährte Strategie „in der zu Nähe bleiben, auch wenn’s unfreiwillig ist“. Diese Gruppe drehte tapfer ihre Runden rund um den Walensee. Nicht etwa, weil sie die Aussicht so besonders schätzten – obwohl diese wirklich traumhaft war -, sondern weil sich die Thermik bei den Churfirsten einfach nicht so recht zeigen wollte wie erhofft.

Besonders die Spätstarter hatten es schwer. Während die frühen Vögel schon in der warmen Luft badeten, kämpften sie noch um jeden Meter Höhe. Das Ergebnis: Sicherheit geht vor. Alle sind heil gelandet, und das ist bekanntlich die wichtigste Regel im Segelflug.

Unterengadin, wir kommen

Die zweite Gruppe hatte offenbar beim Frühstück Mut-Müesli gegessen und stürzte sich kopfüber in die alpine Abenteuerzone. Ziel: Unterengadin – Diese Helden flogen vorbei an Samedan (wo andere Urlaub machen), über den beeindruckenden Ofenpass – eine echte Alpen-Wasserscheide und definitiv nichts für Menschen mit Höhenangst -, über Zernez und durch den Nationalpark.

Der Ofenpass wurde dabei zu einem der absoluten Höhenfenster des Tages und zum perfekten Beweis dafür, dass man mit einem Segelflugzeug spektakuläre Aussichten geniessen kann. Alpiner geht es kaum!

Die Zahlen: Wenn Zentimeter über Sieg entscheiden

Jetzt wird’s spannend: Die Top 5 lagen so eng beieinander, dass man schon fast ein Mikroskop brauchte, um die Unterschiede zu erkennen. Ganze dreieinhalb Punkte trennten die Spitzengruppe – das ist segelflugmässig praktisch ein Fotofinish.

Die geflogenen Sprintdistanzen bewegten sich zwischen 171 und 182 Kilometern bei Geschwindigkeiten von 88.4 bis 91.3 km/h. Das zeigt: Manchmal entscheidet wirklich ein halber Punkt über Sieg oder Niederlage.

Das Finale: Gewitter, Grill und glückliche Gesichter

Was für ein Tag! Hitze nicht nur am Boden, sondern auch in der Luft – im wahrsten Sinn des Wortes. Ein grosser Dank geht an alle Organisatoren, meinen geduldigen Lehrmeister auf dem hinteren Sitz und natürlich an den DMSt-Index, der uns den Sieg beschert hat. Manchmal braucht man eben auch ein bisschen Glück.

Aber das Schöne am Segelfliegen ist, dass das Ergebnis gar nicht das Wichtigste ist. Als die Gewittergefahr zunahm, haben wir klug entschieden, den Tag rechtzeitig zu beenden. So blieb Zeit für das eigentliche Highlight: ein Grillfest mit zufriedenen Gesichtern und spannenden Fluggeschichten.

Für mich persönlich war das Lernen der grösste Gewinn. Gerade beim Gebirgsflug bleibt es immer spannend: Die Berge verzeihen keine Nachlässigkeit, belohnen aber taktisches und kluges Fliegen mit unvergesslichen Erlebnissen. Und es gilt für mich, dass es noch viel zu lernen gibt.

Ein besonderer Dank geht an unsere zwei Grillmeister – ohne Euch wäre der Tag nur halb so schön gewesen. Denn was nützt der beste Segelflug, wenn man danach nicht bei Bratwurst und kühlen Getränken darüber fachsimpeln kann?

Mitmachen lohnt sich

Mein Tipp an alle Neueinsteiger und Noch-nicht-Mitmacher: Traut Euch zum nächsten Glider Cup in Schänis. Ihr lernt nicht nur jede Menge über Segelfliegen, Wetter und Taktik, sondern erlebt auch eine fantastische Gemeinschaft.

In diesem Sinn: Bis zum nächsten Mal in der Luft – hoffentlich mit noch mehr mutigen Piloten, die sich trauen, die Alpen unsicher zu machen.