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Verloren über dem Pazifik

Wenige Tage vor Weihnachten, am Morgen des 20. Dezember 1978, machte sich eine einsame Cessna auf den Weg über den Pazifischen Ozean. Gesteuert von Jay Prochnow, einem pensionierten Piloten der US Navy. Der lange transpazifische Flug war ursprünglich als vierteilige Überführung von zwei Cessna 188 von den Vereinigten Staaten nach Australien geplant. Leider stürzte die zweite Cessna kurz nach dem Start in Pago Pago ab. Jay entschied sich dennoch, die Reise über den Pazifik alleine fortzusetzen.

Irgendwann nach dem Start in Pago Pago begann der an Bord befindliche ADF (Automatic Direction Finder), ihn auf dem Weg zur Norfolk-Insel vom Kurs abzubringen. Als er in dem Gebiet ankam, von dem er annahm, es sei der Bereich bei Norfolk, konnte Jay die Insel nicht sehen. Er informierte die Flugsicherung in Auckland über seine Lage; zu diesem Zeitpunkt war der Kraftstoffvorrat noch kein unmittelbares Problem, sodass Jay seine Suche fortsetzte. Nach einigen Positions-Überprüfungen erkannte er erschreckt, dass sein ADF ihn weit vom Kurs abgebracht hatte. Nun verloren über dem Pazifik in einer einmotorigen Cessna, ohne Sicht auf Land, kontaktierte Jay die Flugsicherung in Auckland und erklärte einen Notfall.

Mit einem Agrarflugzeug dieses Typs, einer Cessna 188, überflog Jay Prochnow den Pazifik. Aufnahme: „Youtube / Brian Uretsky“-

Kein anderes Flugzeug in der Nähe konnte Hilfe leisten, außer einer Air New Zealand DC-10 hoch oben, die von Fiji nach Auckland, Neuseeland, flog, pilotiert von Kapitän Gordon Vette, Erstem Offizier Arthur Dovey und Flugingenieur Gordon Brooks.

Als Kapitän Vette von der Situation erfuhr, war ihm sofort klar, dass, wenn dem verlorenen Flugzeug keine Hilfe geleistet würde, der Pilot unweigerlich der Treibstoff ausgehen und er gezwungen sein würde, das Flugzeug mitten im Pazifik notzulanden. Eine Wasserlandung mag vergleichsweise überlebensfähig sein, doch verloren auf See zu sein, ist es weniger.

Die Crew des Fluges 308 konnte Jay über das HF-Funkgerät erreichen und begann, einige Berechnungen anzustellen, um die Cessna vor Sonnenuntergang zu lokalisieren. Glücklicherweise war Kapitän Vette ein lizenzierter Navigator, und noch glücklicher war, dass ein Passagier, Malcolm Forsyth, ebenfalls Navigator, sich freiwillig meldete, um zu helfen.

Mit Besatzungsmitgliedern auf beiden Seiten, die versuchten, einige kreative Navigationslösungen zu finden, entschied man sich, die Position der verlorenen Cessna relativ zur Air New Zealand zu schätzen, indem man ihre relative Ausrichtung zur Sonne und die Elevationswinkel des Sonnenstandes verglich. Beide Flugzeuge drehten sich zur untergehenden Sonne und notierten die Differenz im Kurs. Das Ergebnis waren vier Grad. Nach Berücksichtigung der unterschiedlichen Reiseflughöhen der Flugzeuge sowie der unterschiedlichen Sonnenuntergangszeiten zwischen den Flugzeugen und Norfolk Island gelang es der Crew, zu berechnen, dass sich die Cessna etwa 400 nautische Meilen südwestlich von Flug 308 befand.

Flug 308 nahm dann diesen Kurs auf. 25 Minuten später konnte Kapitän Vette die Cessna über das VHF-Funkgerät erreichen, was die Suchzone erheblich einschränkte.

Zu diesem Zeitpunkt, obwohl selbst nicht mehr viel Kraftstoff nach der Kursabweichung zur Suche nach der verlorenen Cessna vorhanden war, entschied Kapitän Vette, den Treibstoff-Abwurfschalter zu betätigen, in der Hoffnung, eine massive und leicht sichtbare Kondensstreifen-Spur am Himmel zu erzeugen. Der Schalter wurde aktiviert, und über 24.000 Gallonen Treibstoffdampf ergossen sich als kolossale Spur über den Himmel. Leider konnte Jay die Kondensstreifen aufgrund der atmosphärischen Bedingungen nicht sehen, und die Lage gestaltete sich zunehmend kritisch. Die Dunkelheit brach herein.

Beide Flugzeuge befanden sich in der gleichen Gegend, doch es gab noch keinen Sichtkontakt für eine exakte Positionsbestimmung. Kapitän Vette bat alle Passagiere, aus den Fenstern zu schauen in der Hoffnung, jemand könne einen Blick auf die Cessna erhaschen. Gruppen von Passagieren wurden sogar ins Cockpit eingeladen, um bei der Suche nach vorne zu helfen.

Als die Lichtverhältnisse dunkler wurden, spielte Jay mit dem Gedanken, sein Flugzeug ins Wasser zu setzen, bevor jegliches Licht verloren ging, doch Kapitän Vette überzeugte ihn, weiterzufliegen. Anschließend versuchten sie eine Technik namens „aural boxing“; die Durchführung dauerte über eine Stunde, aber danach hatten sie eine viel bessere Näherung der Position von Jay. Kapitän Vette schaltete alle Lichter der DC-10 ein, in der Hoffnung, dass Jay diese von unten sehen könnte.

Jay sah zwar Licht, doch es war nicht das der DC-10 oben, sondern die Lichter einer Ölplattform, die als Penrod identifiziert werden konnte und von Neuseeland nach Singapur geschleppt wurde. Dies ergab die exakte Position der Cessna und entsprach den Schätzungen der DC-10-Crew.

Dank der Besatzung von Flug 308, der Flugsicherung in Auckland und Jays Entscheidung, sein Flugzeug nicht abzusetzen, landete Jay Prochnow am 21. Dezember auf Norfolk Island mit kaum mehr als Dampf in seinen Kraftstofftanks, nachdem er alleine und über dem Ozean für dreiundzwanzig Stunden und fünf Minuten geflogen war.

Autor des Berichtes: „Sierra-Hotel“ (Blog).

Air Zermatt prüft Drohnen-Einsatz

Im Rettungswesen setzt die Air Zermatt Massstäbe. Nun treibt das Walliser Helikopter-Unternehmen die Entwicklung auch mit dem Einsatz von Drohnen voran. Dafür arbeitet die Air Zermatt eng mit dem Schweizer Drohnen- und Flugzeugentwickler Dufour Aerospace zusammen.

«Pioniergeist ist der Kern der Air Zermatt.
Wir arbeiten ständig daran, die Leistung für Patientinnen und Patienten sowie den Kundinnen und Kunden zu verbessern. Auch wollen wir der Umwelt Sorge tragen und den ökologischen Fussabdruck verkleinern. Drohnen sind dafür ein mögliches Mittel, und die Aktivitäten von Dufour Aerospace unterstützen diesen Kurs der Air Zermatt bestmöglich», sagt Daniel Aufdenblatten, CEO der Air Zermatt.

Verschiedene Szenarien
In einem auf drei Jahre ausgelegten Programm analysieren und testen Air Zermatt und Dufour Aerospace verschiedene Szenarien für den Einsatz von Drohnen. Das Ziel ist es, einen Beitrag zur Verbesserung der Versorgungssicherheit der Walliser Bevölkerung zu leisten. «Wir sind direkt betroffen, wenn beispielsweise die Strassen- oder Zug-Berbindung unterbrochen ist, wie dies im vergangenen Sommer im Matter- und Saastal der Fall war. In solchen und ähnlichen Fällen macht der Einsatz von Drohnen sehr viel Sinn, wenn Medikamente oder andere dringend notwendige Güter transportiert werden müssen. Und auch der Einsatz von Sensoren zur Geländeanalyse per Drohne ist nützlich», so Aufdenblatten. «Wir wollen jetzt starten, die Drohnen-Anwendungen der Zukunft zu entwickeln.»

Riesiges Potenzial
«Mit der Air Zermatt haben wir einen Partner gefunden, der das enorme Potenzial von Drohnen und von Dufour Aerospace erkennt und über einen riesigen Erfahrungsschatz in der Gebirgsfliegerei verfügt. Wir ergänzen uns perfekt», sagt Sascha Hardegger, CEO von Dufour Aerospace. «Es geht nicht darum, Dinge zu tun, die bereits heute mit Drohnen gemacht werden. Wir sind vielmehr daran interessiert, wie Drohnen über lange Distanzen oder während langer Zeit nutzbringend eingesetzt werden können. Es gibt Anwendungen, an die wir noch gar nicht denken. Vor gut hundert Jahren hätte sich kaum jemand vorstellen können, welchen Stellenwert die Verkehrsfliegerei haben wird. Gleich ist es bei Drohnen – wir stehen tatsächlich erst ganz am Anfang einer Entwicklung und das Potenzial ist riesig.»

Gemeinsame Werte
Es gibt durchaus Gemeinsamkeiten zwischen Air Zermatt und Dufour Aerospace. Beide sind Walliser Unternehmen, und Thomas Pfammatter, einer der Gründer von Dufour Aerospace arbeitet bis heute als Helikopterpilot bei der Air Zermatt. Das sei aber nicht der Hauptgrund für die Kooperation, so Dani Aufdenblatten. «Natürlich kennen wir Dufour Aerospace und verfolgen die Fortschritte in der Entwicklung ihrer Drohnen schon lange. Viel wichtiger ist, dass wir gemeinsame Visionen teilen – die Bevölkerung im Gebirge liegt uns am Herzen.»

Wie sieht nun das weitere Vorgehen aus?
«Wir haben dieses Projekt mit der Analyse grober Szenarien gestartet. Wir fangen zunächst mit einfachen Tests an und arbeiten uns Schritt für Schritt in komplexere Anwendungen vor. Es gilt, die Bevölkerung und viele Partner abzuholen. Wir müssen mit den Behörden nach geeigneten Möglichkeiten suchen, zunächst die Tests und dann einen allfälligen Regelbetrieb von Drohnen zu bewilligen», so Hardegger zum weiteren Vorgehen.

Tilt-wing-Technik und Helikopter
In den gemeinsamen Tests wird es auch darum gehen, herauszufinden, wie Helikopter und Drohnen eingesetzt werden können, ohne einander gefährlich zu werden. Ausserdem gibt es weitere Luftraumnutzer wie Flugzeuge oder Gleitschirme, die berücksichtigt werden müssen.

Die Zusammenarbeit mit der Air Zermatt stellt hohe Anforderungen an die von Dufour Aerospace entwickelten Tilt-wing-Drohnen. «Die Höhenlage von Zermatt und des umliegenden Terrains ist eine Herausforderung. Aber die richtig guten Erfahrungen macht man im Grenzbereich. Diese Tests ergeben daher einen Sinn. Sicherheit hat allerdings für alle Beteiligten höchste Priorität», sagt Hardegger. Quelle: ‚Air Zermatt‚.

Schweiz führt neues Heli-Flugverfahren ein

Bei Nacht und Nebel einen Helikopter in anspruchsvollem Terrain sicher starten und landen: So lautet das Ziel des Projekts Advanced Rotorcraft Instrument-Flight-Rules-Operations in Switzerland (ARIOS). Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL), die Flugsicherung Skyguide und die Rega führen das neue Flugverfahren nach einer mehrjährigen Entwicklungsphase in Interlaken BE ein. Es handelt sich um eine Premiere – für die Schweiz und weltweit.

BAZL und Skyguide haben beim Spital Interlaken einen sogenannten Point in Space (PinS) definiert. Dort können ab dem 18. Juli 2024 auch bei schwierigen Wetter-Verhältnissen Flüge stattfinden. Rega-Pilotinnen und -Piloten starten und landen mit ihren Helikoptern beim Spital. Dabei nutzen sie das neue An- und Abflugverfahren.

Das Ziel in Interlaken ist, Erfahrungen mit dem neuen Flugverfahren zu sammeln. Beim BAZL geht es um Erfahrungen als nationale amtliche Zulassungsstelle für die Einführung neuer Verfahren; bei der Rega um Erfahrungen als Operator, der mit Helikoptern Rettungseinsätze fliegt.

Die europäische Behörde für Flugsicherheit EASA legt die Standards für neue Helikopterverfahren fest. Die Schweiz arbeitet eng mit der EASA zusammen. Da sie das neue Navigationsverfahren für Helikopter – Required Navigation Performance Authorization Required (RNP AR) genannt – weltweit als erstes Land benutzt, kann die Schweiz mit den Erfahrungen aus ARIOS die Standards massgeblich mitgestalten.

ARIOS startete 2019 als gemeinsames Projekt des BAZL, der Flugsicherung Skyguide und der Rega. ARIOS ist Bestandteil des Projekts Low Flight Network (LFN). Das Ziel des LFN: Ein Schweizer Flugrouten-Netz, auf dem Rettungs- und Einsatzhelikopter auch bei schlechtem Wetter fliegen können. ARIOS erlaubt, das LFN weiter auszubauen. Quelle: ‚BAZL‚. Bild: ‚REGA‚.