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Sebastian Kawas harte Landung in Pavullo

Zum ersten Mal in seiner Karriere beschädigte Sebastian Kawa bei einer harten Landung ein Segelflugzeug. Eine Aufarbeitung der Geschehnisse mit Tino Janke von ‚easymemoryitem‚ soll allen PilotInnen helfen, solche Ereignisse zukünftig zu vermeiden.

„Was passiert ist, hat mich selbst sehr überrascht. Zum ersten Mal in meiner Karriere habe ich bei einer harten Landung ein Segelflugzeug beschädigt. Eine sehr unangenehme Erfahrung mit der neuen GP15 am steilen Hang von Pavullo!

Das Terrain im Apennin lädt in vielen Gebieten nicht gerade zum Landen ein. Fast jede geeignete, flache Fläche ist bebaut, die Täler sind V-förmig und in der Mitte befindet sich ein Bach. Felder, sofern vorhanden, befinden sich an steilen Hängen. Somit ist es von vornherein sehr schwer, überhaupt einen geeigneten Landeplatz zu finden.

Was war passiert?
Etwa 30 km vor der Ziellinie, ich befand mich immer noch in großer Höhe, traf ich die Entscheidung, kein Risiko einzugehen und den Motor zu starten. Es war nur ein Trainingstag, an dem keine Punkte gesammelt werden mussten. Nachdem der Start nun schon einige Stunden zurück lag, waren immer noch 75% der elektrischen Leistung vorhanden. Damit konnte ich problemlos nach Hause kommen. Ich überlegte, wie ich die verbleibende Energie am effektivsten zu nutzen war und startete den Motor. Nichts geschah!

Noch hatte ich genug Zeit. Nach einem kurzen Rundumblick machte ich nicht weniger als 10 mögliche Landefelder aus – alle im bergigen Gelände, alle am steilen Hang! Also nahm ich die Sonnenbrille ab und versuchte, den Motor zum Laufen zu bringen. Zuerst dache ich, doch nicht genügend Energie zum Ausfahren des Pylons zu haben und schaltete das Navigationsdisplay aus. Ich startete das System neu und versuchte das Anlassen erneut. Nichts geschah!

Meine Optionen schwanden…
Nach weiteren 15 geflogenen Kilometern waren schließlich nur noch zwei geeignete Felder in Sichtweite. Sehr steil, aber etwas größer als die vorherigen. Da der weitere Verlauf des Tals nicht einsehbar war, entschied ich mich für eine Außenlandung auf einem der beiden gelbbraunen Felder neben einem Bauernhof und einer asphaltierten Straße. Leider stellte sich im Nachhinein heraus, dass dieser Acker sehr holprig war, was sich noch zu den anderen Schwierigkeiten addierte!

Ich bin zuvor bereits auf ähnlich steilen Hügeln gelandet. Auf einigen Segelflugplätzen wie Jeżów Sudecki (Grunau) oder in Bieszczady gibt es Landeflächen mit Neigungen bis zu 11%. Selbst mit einer ASH 25 bin ich (in Bieszczady) an solch einem Hang wie diesem gelandet. Allerdings war dort das Gras weich und eben!

In Italien war die Situation eine andere. Die Oberfläche des Feldes war rau und im Anflugsektor standen Bäume. Um auf einem solchen Feld landen zu können, muss selbst mit einem leichten Segelflugzeug mit einer Geschwindigkeit von 130 km/h angeflogen werden, um parallel zum Boden abfangen zu können. Schnelle Flugzeuge benötigen hier sogar noch mehr Fahrt! Mit dem leichten Flieger und ohne Wasser umflog ich mit exakt 130 km/h die Bäume im Anflugsektor und verspürte, kurz bevor ich am Boden war, einen harten Stoß – eine Bodenwelle. Das Flugzeug sprang im steilen Winkel nach oben und verlor rasant an Fahrt. Ohne Geschwindigkeit, die ich benötigt hätte, um auch nur irgendetwas an der Situation ändern zu können, sah ich die Baumkronen wieder unter mir. Also warten! Im nächsten Moment war ich wieder am Boden und rutschte ein paar Meter auf dem Rumpf. Daraufhin knackte es unter dem Instrumentenpanel und das Fahrwerk brach ab.

Nicht zu empfehlen!
Im ersten Moment fühlte ich starke Rückenschmerzen und hatte große Schwierigkeiten, aus dem Cockpit aus zu steigen. Nach ein paar Minuten, die ich auf dem Flügel lag, trat etwas Erleichterung ein, da ich glücklicherweise alle meine Glieder bewegen und fühlen konnte. Eigentlich war diese Aktion nicht richtig, da ich jedem in solch einer Situation empfehle, sich nicht so viel zu bewegen – wenn man nicht sicher ist, ob die Wirbelsäule intakt ist.

Ich betrachte es als Unglück, die Bodenwelle bis zum letzten Moment nicht erkannt zu haben. Zum Glück ist die GP14 ein leichter und sehr stabiler Segler, so dass nicht mehr passierte.

Wichtigste Erkenntnis: auch wenn der Motor noch beim Start funktionierte, kann er jederzeit ausfallen. So war es auch bei meiner Landung im Apennin. Nachdem der Motor abgekühlt war, sprang er nicht wieder an, weil der Pylon den Endschalter nicht berührte. Verlasse Dich nie zu 100% auf den Motor!“

Happy Landings, Sebastian Kawa

Download des gesamten Artikels mit Zeichnungen von Sebastian Kawa.

Uli Schwenk einer der Topfavoriten in Pavullo

Eigentlich wollte Uli Schwenk keine großen Meisterschaften mehr fliegen, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung verrät. Der Flair, den es früher bei diesen Wettbewerben gab, ist verflogen. Kaum noch bleibt Zeit, Kontakte mit Piloten anderer Nationen zu knüpfen. Im April auf der Luftfahrtmesse Aero in Friedrichshafen, wo Uli Schwenk mit seiner Firma Jaxida, die Schutzhüllen nicht nur für Flugzeuge herstellt, mit einem Stand vertreten war, kam Aldo Cernezzi, der Wettbewerbsleiter der WM in Pavullo auf ihn zu, bat den Schwaben, sich doch für den Wettbewerb anzumelden. Schwenk winkte ab: Der Münsinger ist schließlich nicht mehr im A-Kader der Nationalmannschaft vertreten. Cernezzi blieb hartnäckig, kam mehrmals zum Jaxida-Stand, um Schwenk zu „umgarnen“. Der Schwabe erkundigte sich daraufhin bei den Herstellern, ob ein 13,5-Meter-Flieger frei war und ergatterte sich schließlich tatsächlich eine Mini-LAK in Litauen, die er vom Verein in Pocinunai, wo er 2004 bei der Europameisterschaft am Start war und reichlich Kontakte geknüpft hatte, gestellt bekommt. Im nächsten Schritt sprach Schwenk Walter Eisele an, den Vorsitzenden der Bundeskommission Segelflug, bekundete sein Interesse an der WM-Teilnahme. Von Teamcaptain Wolli Beyer erfuhr Schwenk, dass der WM-Platz für Junioren vorgesehen sei. Er wolle keinen der Junioren verdrängen, antwortete Schwenk. Und blieb am Ende doch der Einzige, der Interesse und vor allem einen Flieger hatte. Auf Pavullo freut sich Schwenk, weil es mit zwölf Teilnehmern ein sehr kleines Feld, damit auch ein familiäres Umfeld gibt, die Möglichkeit zum Austausch mit den anderen Piloten besteht. Er wolle mit „neuer Achtsamkeit“ fliegen, so Schwenk. Im Frühjahr hatte der 59-Jährige den Hahnweide-Wettbewerb bestritten und war in der Offenen Klasse mit einer ETA Zweiter geworden. „Das hat mir neues Selbstbewusstsein geschenkt“, sagt Schwenk. Hinter ihm lagen da anstrengende und stressige Monate, als es galt, das Wings-Modegeschäft abzuwickeln, Abschied zu nehmen von einem wichtigen Lebensabschnitt. Quelle: ‚SWP.de‚.