Seit dem 27. November 2025 darf die deutsche Luftwaffe wieder in sieben speziellen Gebieten in sehr niedriger Höhe trainieren. Diese Gebiete heißen Tieffluggebiete oder LFA (Low Flying Areas).
Die Bundeswehr hat folgende Gebiete reaktiviert:
- LFA 1 (Niedersachsen)
- LFA 2 (Münsterland)
- LFA 3 (Nordhessen)
- LFA 4 (— nicht vergeben —)
- LFA 5 (Hamburg/Bremen)
- LFA 6 (Schleswig-Holstein)
- LFA 7 (Bayern, Regionen Donauwörth und Eichstätt)
- LFA 8 (Neubrandenburg, unterteilt in vier Sektoren: a, b, c, d)
Hinweis: Es gibt kein LFA 4 – dieses wurde nicht reaktiviert.
Warum ist das wichtig?
Die Reaktivierung der Tieffluggebiete ist Teil der „Zeitenwende“ in der deutschen Sicherheits-Politik. Die Bundeswehr bereitet sich wieder auf die Landes- und Bündnisverteidigung vor. Tiefflugtraining ist dafür ein wesentlicher Bestandteil, da es Piloten darauf vorbereitet, in feindlichen Gebieten mit moderner Luftabwehr zu überleben und ihre Aufträge erfolgreich auszuführen.
| Aspekt | Details |
| Start | 27. November 2025 |
| Anzahl Gebiete | 7 Tieffluggebiete (LFA) |
| Minimale Höhe | 76 Meter (250 Fuß) |
| Maximale Dauer | 120 Sekunden pro Trainingsflug |
| Betriebszeiten | Mo-Fr, 09:00-12:30 & 13:30-17:00 Uhr |
| Geschwindigkeit | ~815 km/h |
| Grund | Vorbereitung auf Konflikte |
| Betroffene Region | Deutschland, besonders Nord- und Ostdeutschland, plus Sauerland (LFA 3) |
Wie tief dürfen die Jets fliegen?
In den Tieffluggebieten dürfen Kampfjets bis auf 75 Meter (250 Fuß) über dem Boden absinken. Außerhalb dieser speziellen Gebiete gilt eine Mindestflughöhe von 150 Metern (500 Fuß) für alle militärischen Flugzeuge.
Wie lange darf ein Jet in dieser Höhe fliegen?
- Maximal 120 Sekunden (2 Minuten) pro Trainingsflug in der extremen Tiefflughöhe
- Diese kurze Zeit reicht aus, um taktische Manöver zu trainieren
Wann darf trainiert werden?
Die Tiefflüge sind auf Wochentage (Montag bis Freitag) begrenzt:
- Morgens: 09:00 bis 12:30 Uhr (Ortszeit)
- Nachmittags: 13:30 bis 17:00 Uhr (Ortszeit)
- Nicht später als eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang
- Nachts: Kein Tiefflugtraining erlaubt
Warum trainiert die Luftwaffe wieder Tiefflug?
1. Geänderte Sicherheitslage
Die politische Situation in Europa hat sich verändert. Die Bundeswehr bereitet sich wieder auf mögliche Konflikte mit Gegnern vor, die über Radaranlagen und Flugabwehrsysteme verfügen.
2. Radar unterfliegen
Tiefflug hilft den Piloten, unter dem Radar von Gegnern zu bleiben. Wenn ein Jet sehr tief fliegt, kann das gegnerische Radar ihn oft nicht erkennen.
3. Gelände nutzen
Die Jets fliegen durch Täler und Berge, um sich vor Radar und Luftabwehr zu verstecken (sog. Terrain Masking oder Geländeschatten).
4. Leben der Besatzungen schützen
Bei modernen Konflikten ist Tiefflug eine Überlebensstrategie. Es ist schwieriger, ein Flugzeug abzuschießen, wenn es sehr tief und schnell fliegt.
5. Realistische Vorbereitung
Simulatoren können nicht alles trainieren. Echtes Fliegen in niedriger Höhe mit hoher Geschwindigkeit erfordert Erfahrung.
Warum wurden diese Gebiete früher deaktiviert?
Die Tieffluggebiete waren bis ins Jahr 2000 in Betrieb, wurden dann aber deaktiviert, weil:
- Nach dem Kalten Krieg reduzierte die Bundeswehr ihren Flugbetrieb
- Tiefflug bekam strengere Regeln und niedrigere Priorität
- Die Luftwaffe konzentrierte sich auf andere Einsätze (z.B. Afghanistan), wo meist in mittlerer Höhe geflogen wurde
- In Afghanistan waren die Piloten in mittlerer Höhe besser vor tragbaren Flugabwehrwaffen geschützt
Jetzt: Die Situation hat sich wieder geändert, deshalb werden diese Gebiete reaktiviert.
Wie schnell fliegen die Jets?
Die Kampfjets fliegen im Tiefflug mit etwa 815 Stundenkilometern (ein Drittel ihrer maximalen Geschwindigkeit). Das bedeutet: Sie legen 225 Meter pro Sekunde zurück
Welche Jets trainieren?
- Eurofighter (moderner Kampfjet)
- Tornado (Mehrzweck-Kampfflugzeug)
- Airbus A400M (Transportflugzeug – darf aber nicht tiefer als 150 Meter fliegen)
Wie wird die Lärmbelastung berücksichtigt?
Maßnahmen zur Lärmreduktion:
- Tägliche Routenänderung:
Die Flugstrecken wechseln täglich, damit sich die Lärmbelastung verteilt - Vermeidung von Siedlungen:
Piloten planen ihre Routen so, dass sie Städte, Industrieanlagen und Naturschutzflächen meiden – wenn der Trainingsauftrag das erlaubt - Monitoring: Die Luftwaffe führt ein engmaschiges Lärmmonitoring durch, um Rückmeldungen zur Lärmbelastung zu analysieren
- Zeitliche Begrenzung: Training nur tagsüber, nicht nachts
Trotz dieser Maßnahmen wird es mehr Lärm geben.
Was hat sich bei den Tiefflugregeln geändert?
Alte Regel: Die „20-Minuten-Regel“. Früher durften Kampfjets maximal 20 Minuten über einem Trainingsgebiet in niedriger Höhe verweilen.
Neue Regel: Diese Beschränkung fällt weg. Jetzt können die Jets länger trainieren, was realistischere Trainingsprofile ermöglicht. Ausnahme: Diese Lockerung gilt nur tagsüber und nicht im Bereich des Übungsluftraums TRA Lauter (Süd-Rheinland-Pfalz/Saarland).
Wichtig für Drohnenpiloten und andere Luftfahrer
Wenn Sie mit Drohnen oder anderen Flugzeugen in den Tieffluggebieten unterwegs sind:
- Besondere Vorsicht ist während der Betriebszeiten geboten
- Militärische Kampfjets können in nur 70 Metern Höhe mit über 450 km/h unterwegs sein

