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Wenn Wolken stehen bleiben

Bei windigem Wetter, so speziell auch bei Föhn stehen Wolken manchmal ewig lange über Bergen. Man nennt sie «Lee-Wolken» oder «Linsenwolken», «Föhnfische» oder nüchtern «Lenticularis». Am 29. August 2006 erreichten Steve Fosset und Einar Enevoldson mit ihrem Segelflieger 15’453 m, alleine mit natürlichen Aufwinden und ohne Motor. Das war nur möglich, weil sie in einer Leewelle flogen, einer Welle in der Luftströmung, die entsteht, wenn der Wind quer über ein Gebirge bläst.
Das Gebirge versetzt die Luft also in Schwingung. Immer, wenn die Luft aufsteigt, wird sie kühler, die Feuchtigkeit kann kondensieren und die Wolke ist da. Und dort, wo die Luft wieder sinkt, löst sich die Wolke auf. Die Wolke steht zwar, aber eigentlich wird sie auf der einen Seite immer neu gebildet, auf der anderen Seite löst sie sich wieder auf.

Freud und Leid
Fosset und Enevoldson nutzten die Leewellen für ihren Segelflug-Rekord. Gefahrlos ist das aber nicht, denn unterhalb der Wolke kann es turbulent sein. Es können sogar richtige Rotoren entstehen. Quelle: ‘SRF‘.

Wellenkarte für Segelflieger

Kurze Erklärung der digitalen Wellenkarte für Europa und deren Darstellungsmöglichkeiten. Bitte helft mit, mehr Wellen-Gebiete zu sammeln und allen zugänglich zu machen. Quelle: ‘Youtube‘ und ‘glidinghotspots.eu‘.

Wave Flying in Livno, Bosnia & Herzegovina

Livno delivers! Strong southern winds allowed us to use a wave, fly high and have plenty of fun! 🙂 Certainly one of my most exciting flights ever! We have flown an Arcus M. Source: ‘Youtube‘.

Föhn, wild und warm

Wer sich einmal im Winterhalbjahr in der Nähe der Alpen aufgehalten hat, bemerkte bestimmt an manchen Tagen die für die Jahreszeit hohen Temperaturen. Dieses Phänomen, was besonders über der Alpenregion ausgeprägt ist, hat ausnahmsweise nichts mit dem Klimawandel zu tun, sondern nennt sich Föhn oder speziell Alpenföhn. Die einen freuen sich über die warmen Temperaturwerte und gute Sicht in den Alpen, während andere sich mit Kopfschmerzen abfinden müssen. Doch hat es auch weitreichende Konsequenzen für die dort lebende Bevölkerung. Ohne die warmen Föhn-Tage wäre zum Beispiel der Anbau in den Alpenregionen nicht so ertragreich. Durch die warmen Winde ist es selbst in höheren Tallagen möglich, Landwirtschaft zu betreiben. Der Föhn bringt nicht nur Vorteile für die betroffenen Regionen. Durch diese Wetterlage, können sehr hohe Windgeschwindigkeiten entstehen, die zu Waldschäden, Trockenheit und erhöhte Brandgefahr führen können. Selbst in der Luftfahrt ist der Föhn ein Thema. Segelflieger nutzen die entstehenden Aufwinde (Leewinde), auf die wir später noch einmal zu sprechen kommen. In der zivilen Luftfahrt hingegen sind die Folgen des Föhns eher unerwünscht. Durch die Föhnwetterlage muss der Pilot mit erhöhten Turbulenzen über den Alpen rechnen.

Die Geschichte des Föhns
Schon seit mehreren hundert Jahren beschäftigen sich die Menschen mit diesem Ereignis. Es gehört zu den am längsten erforschten Gebieten der alpinen Meteorologie. Ein kleiner historischer Überblick zeigt, dass es nicht immer so gut erklärbar war wie heute. Der Schweizer Meteorologe Wild vermutete den Ursprung der warmen Luft in der Sahara. Seine These wurde von den Geologen Escher und Linth gestützt. Ein damals führender deutscher Meteorologe und Physiker Heinrich Wilhelm Dove ging davon aus, dass der Ursprung des Föhns in Westindien, der Karibik zu finden ist. Er begründete seine These mit seiner zuvor entworfenen “Zwei-Strömungstheorie”. Im Jahre 1866 wurde die thermodynamische Theorie des Föhns von J. Hann publiziert. Diese, bis heute aktuelle Theorie, wurde erst von Hann´s Fachkollegen anerkannt, als er den Föhn über Grönland nachweisen konnte. Nach diesem Beweis war es klar, dass er seinen Ursprung nicht in der subtropischen Warmluft hatte.

Betrachten wir den Typus 1 einmal näher. Ganz grundlegend entsteht ein Südföhn (z.B. im Allgäu zu betrachten), in dem sich auf der südlichen Alpenseite (Luv genannt) ein Tief anstaut. Das Wasser kondensiert und regnet sich auf der Luv-Seite aus. Die aufsteigende Luft kühlt sich erst mit ca. 1 °C pro 100 m, dann mit 0,5 °C pro 100 m ab. Oben entsteht eine Föhnmauer, die die Wolken abhält. Auf der Nordseite der Alpen (Lee-Seite) fällt die trockene Luft Richtung Boden, dabei erwärmt sie sich genauso, wie sich die Luft auf der Luv-Seite abgekühlt hat. Die Luft auf der Lee-Seite ist besonders trocken und warm. Dabei entstehen auch häufig die sogenannten Föhnfische. Dies sind Wolken der Art Altocumulus lenticularis und haben einer linsenartige Form. Diese Form bekommen die Wolken, durch die starken Winde, die durch den Föhn entstehen. Der Typus 2 des Föhns tritt häufig über den österreichischen Alpen auf. Der Unterschied zum Typus 1 liegt darin, dass es auf der Nordseite in über 50 % der Fälle keinen Niederschlag gibt. Häufig treten beide Arten des Föhns auf, in diesem Fall ist der Typus 2 meistens ausschlaggebend.

Die Leewellen
Dies sind einige der früheren Theorien, doch nun blicken wir auf ein weiteres Phänomen des Föhns, die Leewellen. Dazu eine kleine Geschichte. Am 17. März 1933 wurde über dem Hischgertal in Schlesien eine linsenförmige Wolke entdeckt (dort Moazagotl genannt), die sich trotz hoher Windgeschwindigkeiten nicht bewegte. In der Nähe dieses Tals war ein Segelflugplatz. Auch die Piloten wunderten sich über diese Wolke. Eine Regel bei den Segelfliegern besagt, dass man maximal die doppelte Hanghöhe mit einem Segelflieger aufsteigen kann. Doch eines Tages beobachtete Hirth ein Segelflugzeug, dass sich in unglaublicher Höhe befand. Hirth startete gleich einen Segelflug um zu testen, was es damit auf sich hat. Nun stiegen beide Piloten auf ca. 1400 m. Diese ungewöhnliche Höhe hatten sie der Leewolke zu verdanken. Doch war es nicht klar, was passierte war. Wolf Hirth zog die richtige Schlussfolgerung und ging davon aus, dass die Aufwinde von den Mittelgebirgen kamen. Am 25. Mai1937 war es so weit, es erschien eine Leewolke während eines Segelwettkampfes und es wurden Daten von 22 Flugzeugen und insgesamt 66 Flugstunden gesammelt.

Am 14. September 1937 startete Küttler erneut einen Testflug um zu erkunden, ob sich die Wellenstruktur bis zur Tropopause (Grenzfläche der Erdatmosphäre in 6-18 km Höhe) erstreckt. Dabei segelte er auf der Vorderseite der Wolke auf unglaubliche 7000 m Höhe, doch musste er den Flug wegen Kälte und mangelndem Sauerstoff abbrechen. Er führte aber einen Meteographen mit sich und registrierte Höhe, Feuchtigkeit, Aufstiegsgeschwindigkeit und Temperatur. Das Resultat des waghalsigen Fluges war, dass sich das Leewellensystem bis zur Troposphäre erstreckt. Verblüffender Weise versetzt ein kleines Gebirge mit einer Länge von 25 km und 1,5 km Höhe die Troposphäre in Schwingungen.

Föhnprognose
Nun blicken wir weiter auf die verschiedenen Vorhersage- und Erforschungsmethoden des Föhns. Sie haben bestimmt schon einmal gehört, dass in der Wettervorhersage mit numerischen Wetterprognosemodellen gearbeitet wird. Durch die numerischen Berechnungen gelingt es die meteorologischen Erscheinungen in den Gebirgen konkreter darzustellen. Die immer häufigeren Flugzeugmessungen eröffneten nie dagewesene Möglichkeiten. 1982 ergab sich ein neuer Forschungsschwerpunkt während des internationale meteorologische alpinen Experiments. Eines der daraus resultierenden Erkenntnisse ist, dass der Föhn nicht nur die Alpenkämme überströmt, sondern die Alpen auch durchströmt. Das bedeutet, dass auch die Passstraßen in den Alpen auch einen Einfluss auf das Geschehen des Föhns haben. Durch die schnelle Weiterentwicklung der numerischen Modellierung und der Ergebnisse von Fernerkundung, ist es möglich, weitere offene Fragen der Föhnforschung zu beantworten.

Zum Beispiel: Welche Rolle spielen Pässe (gaps) quer zum Alpenkamm? Die Vermutung war, dass sie der kalten Luv-Luft erlauben auf die Lee-Seite zu strömen. Die Versuche dazu wurden während des MAP (Mesoscale alpine Programme) im Rheintal durchgeführt und bestätigten diese räumliche Verteilung des Föhns. Dies war nur ein kurzer Einblick in das Thema des Föhns, noch heute gibt es viele offene Fragen. Zum Beispiel die kleinflächige Verteilung in den Alpen oder das Verhalten in anderen Gebirgsregionen der Welt. Die fortlaufende Weiterentwicklung der Technik öffnet ständig weitere Türen bei der Erklärung dieses Wetterphänomens. Quelle: ‘V. Sattler in Wetterprognose-Wettervorhersage.de’.

Leewellen-Pokal des LSV Ostharz-Aschersleben

Der Vorsitzende des Ascherslebener Luftsportvereins Ostharz, Wolfgang Lieder, ist zufrieden. „Die Welle spielte mit und wir konnten die Leewellen-Pokalserie auch in diesem Jahr wie geplant im Oktober eröffnen“, so Lieder. Je nach Wetterlage werden in den kommenden Monaten weitere Leewellen-Flugtage folgen. Zu denen kommen übrigens immer wieder Segelflieger aus ganz Deutschland – und manchmal sogar von noch weiter her. Abgerechnet wird allerdings immer erst im April, wenn die Pokale – unter anderem für den längsten und den höchsten Flug – dann an die Besten übergeben werden.

So die bisherige Regel. Am morgigen Sonnabend wird davon abgewichen. Da findet auf dem Flugplatz an der Güstener Straße nämlich die Siegerehrung für die besten Wellenflieger der Saison 2019/2020 und 2020/2021 statt. Zwei Jahre lang blieben die Siegerehrungen Opfer der Corona-Pandemie. Jetzt werden sie nachgeholt. Schirmherr der jährlichen Pokal-Flugserie ist übrigens der Ascherslebener Oberbürgermeister Andreas Michelmann. Inzwischen hat aber die 15. Auflage des Wettbewerbs begonnen. Schon in der vergangenen Woche habe man auf eine Wetterlage spekuliert, die das Leewellen- Fliegen möglich macht, so der Vereinschef. Klar war das aber erst am Mittwochmorgen. Einen Tag vor dem vom Wetterdienst vorausgesagten ersten Herbststurm. Schließlich waren es dessen Vorboten, die die Segler in Höhen von über 3.000 Meter beförderten. Zunächst im Schlepp eines Motorfliegers – dann im Ritt auf der Lee-Welle. „Wahrscheinlich wäre es auch diesmal noch höher hinausgegangen, eine amtliche Höhenbeschränkung für den Luftraum ließ das allerdings nicht zu“, so Lieder. Insgesamt waren zum Saisonauftakt elf Segelflieger nach Aschersleben gekommen. Darunter Brandenburger, Dresdner, Niedersachsen, Berliner, Leipziger und Segelflieger aus Mecklenburg-Vorpommern. Einige hatten gehofft, dass die Lee-Welle auch noch am Donnerstag anhalten würde. Die hatte sich dann aber verabschiedet.

Das Wellenfliegen basiert anders als das Fliegen in der Thermik nicht auf aufsteigenden warmen Luftmassen, sondern auf dem Steigen im Wind. Bläst dieser aus Süd über den Harz, sorgt er auf der Nordseite für Verwirbelungen, die dann in Form einer sogenannten Leewelle nach oben steigen. Dabei ist die vertikale Geschwindigkeit des Windes größer als die Sinkgeschwindigkeit eines Segelflugzeuges. So können die Flugzeuge Höhe gewinnen. Die Leewellen wurden erstmalig im Jahr 1933 durch deutsche Segelflieger im Riesengebirge entdeckt. Bereits 1937 wurden mit Segelflugzeugen Höhen über 7.000 Meter erreicht. Die größte, jemals mit einem Segelflugzeug erreichte Höhe beträgt 14.938 Meter. Das gelang 1989 in der Sierra Nevada. Vom Flugplatz Aschersleben aus gestartet, hatte sich Carsten Lindemann bei einem vorangegangenen Wellenflug schon einmal bis über 7.000 Meter geschraubt, musste den Steigflug dann aber abbrechen, weil ihm der Sauerstoff ausging. Die erste Frau im Nordharzer Wellenflugrevier, das von Aschersleben bis Goslar reicht, dürfte die Quedlinburgerin Evelyn Klocke vom Luftsportverein Ostharz Aschersleben gewesen sein, die es dabei bis auf über 2.000 Meter brachte. Die Zentren des Wellenfliegens lagen früher im Riesengebirge, in der Hohen Tatra, in den österreichischen Alpen und in den spanischen Pyrenäen. Inzwischen ist auch Aschersleben ein Anziehungspunkt für die Wellenflieger geworden. Quelle: ‘MZ‘.

Im November in den SO-Leewellen zwischen Mittelmeer und Wallis

Was man im November in den Europäischen Alpen mit etwas Südostwind anstellen kann, zeigt Thomas Puthot mit seinem Flug von Dienstag, 9. November. Er startete in einer ASH 31 in Grenoble le Versoud, legte einen ersten Wendepunkt im südfranzösischen Saint-André-les-Alpes, flog nordwestwärts bis zum Col de la Forclaz (Übergang zwischen Chamonix und dem Wallis), um den Flug mit einem JoJo über der Chaîne de Belledonne und dem Mont Blanc abzurunden. Quelle: ‘OLC, online contest‘. Wetterkarten: Météo France, SMA, TopMeteo.

Another World above the Clouds

Best of gliding of the last 5 years. Alps, France, Italy, Australia, fly all around the world. A lot of fun and friends! From the French team center (CNNV) or my gliding club (Habère-Poche), always a good feeling to be in the air. Thanks, FFVP for means, gliders, and training camps. Source: ‘Delobel Gliding Channel‘.

In der Welle über der Golden Gate

Ramy Yanetz hat am 17. Oktober in seiner ASG 29 vom Startplatz Byron aus nicht nur die San Francisco Bay umrundet, er benutzt dazu auch noch eine Welle, die ihn über den internationalen Flughafen der kalifornischen Metropole und über die Golden Gate Bridge hinüber nach Sausalito und danach weit in den Nordosten und zurück nach Byron trug. Quelle: ‘OLC‘.

Aussetzung von Wellensegelflug-Gebieten

Die Deutsche Flugsicherung hat in den vergangenen Wochen den Nutzern von Gebieten für Wellensegelflug mitgeteilt, dass diese Gebiete derzeit nicht mehr, wie in Betriebsabsprachen vereinbart, aktiviert werden können. Der Grund ist dabei rein rechtlicher Natur, der momentan von BMVI und DFS geprüft wird. Konkret geht es darum, dass in Deutschland ab Flugfläche 100 bzw. Flugfläche 130 im Alpenvorland, keine sogenannte „Hintergrundluftraumstruktur“ mehr besteht. An diesen beiden Flugflächen endet in Deutschland grundsätzlich der Luftraum E.

Bei aktivierten Segelflugsektoren unter FL100, die bspw. in Luftraum D liegen, gilt dort dann der Hintergrundluftraum E. Da über FL100/FL130 der Luftraum E fehlt, können die Wellenfluggebiete also selbst bei Aktivierung nicht nach den Regeln des E Luftraums genutzt werden. Hier gelten nach derzeitiger Rechtsauffassung weiterhin die Regeln des Luftraum C. Das geht unter anderem mit einer Transponderpflicht gem. FSAV für alle Luftfahrzeuge einher und bedeutet auch einen erhöhten Arbeitsaufwand für die Flugsicherung. Der DAeC hat sich mit dem Bundesausschuss Unterer Luftraum bereits mit Lösungsvorschlägen an das BMVI gewandt, um das Aktivieren der Wellenfluggebiete wieder zu ermöglichen. Bis eine Lösung herbeigeführt ist, können Segelflugzeuge mit Transponder alternativ Einzelfreigaben bei den jeweiligen Flugsicherungsstellen erfragen. Quelle: ‘DAEC‘.

Segelflug im Wintersturm mit Yves Gerster

Grosse Höhen, tiefe Temperaturen: Flug in den Südwind-Leewellen über den Zentralalpen am 4. Dezember 2020 zur Erkundung der Föhnbedingungen. 3D-Simulation. Video. Quelle: OLC.

Klaus Ohlmann puzzelt weiter am Langstreckenflug

Der Rekordsegelflieger setzt konsequent Stück um Stück eines geplanten Langstreckenflug-Projektes für einen Flug aus der Region Osttirol/Slowenien bis an die Atlantiküste Galiziens zusammen. Erneut erkundet er auf diesem Flug erfolgreich den Abschnitt zwischen Südostfrankreich zu und über den Pyrenäen. Frühere News ‘Schritt um Schritt…‘ sowie ‘Serres-Tonale-Biarritz‘ sowie ‘Interview mit Klaus Ohlmann‘.

DLR-Leewellen-Forschung in Patagonien

Ende 2019 führten Wissenschaftler des DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) in Patagonien eine Messkampagne durch, um die Phänomene und den Ursprung von Leewellen besser zu verstehen. Video. Quelle: ‘DLR’.

Höhenflüge am Harz

Wenn der Wind aus südwestlicher Richtung stark auffrischt und im Harz auf dem 1142m hohen Brocken Sturmstärke erreicht, entstehen im Lee des Harzes wellenförmige hochreichende Aufwinde. Dieser Mechanismus der Wellenbildung hat Ähnlichkeit mit der Bildung von Wasserwellen in einem Bach beim Überströmen von Steinen. Nur die Dimension ist gigantisch… die Wellenaufwinde dieses als Föhn bekannten Phänomens, erreichen Höhen bis über 6000m und eine Ausdehnung bis zu 100 km am Harz. In der letzten Woche konnten die Segelflieger vom Fliegerklub Brandenburg die vom Wind erzeugten Lee Wellen nutzen und damit auch in der Nachsaison noch spektakuläre Flüge durchführen. Ein Team von 7 Piloten mit 6 Flugzeugen machte sich auf den Weg nach Aschersleben, einem für Leewellen bekannten Flugplatz im Vorland des Süd-Ost Harz. Von dort aus starteten die Brandenburger per Flugzeugschlepp in die langestreckten Aufwindgebiete.

Fotos: Herbert Horbrügger, Klaus Tiedemann

Am vorangegangenen Mittwoch lag noch ein Regengebiet über Brandenburg und bescherte Dauerregen bis kurz vor Aschersleben. Der Harz-Föhn sorgte jedoch für ein Aufreißen der Wolkenschicht, ein sicheres Zeichen für das Vorhandensein von Lee-Wellen Aufwinden. Der Tag war dann recht ereignisreich. Die unteren Regenwolkenschichten konnten überstiegen werden, Schauer umflogen werden und es bot sich ein spektakulärer Blick auf die Wolkenschichten und das Wettergeschehen. Die Aufwinde trugen bis in eine Höhe von ca. 4000m und erlaubten eine max. Flugstrecke von ca. 360km. Ab einer Höhe von ca. 3000m ist es notwendig die Atemluft mit Sauerstoff anzureichern. Die Segelflugzeuge sind daher mit Sauerstoffgeräten ausgerüstet. Warme Winterkleidung ist notwendig, da die Temperatur mit der Höhe unter den Gefrierpunkt abfällt.

Am Donnerstag stiegen dann die Temperaturen am Boden bis 22°C bei viel Sonne und nachlassendem Wind, was meist auch eine schwächere Lee-Welle bedeutet. Entsprechend schwieriger war es, den Einstieg in die Welle zu finden, und die erreichten Höhen waren mit etwa 2900m geringer. Aber auch an diesem Tag bot sich den Piloten die Gelegenheit, mithilfe der Welle die Welt der unterschiedlichen Wolken kennenzulernen, und am Horizont konnte man sehr schön die Inversion beobachten – eine Umkehr der normalerweise abnehmenden Temperatur mit der Höhe. Sie verhindert die Durchmischung der Luft, und man sieht unterhalb dieser Linie den Dunst (in Bodennähe auch als Smog bekannt), und oberhalb glasklare Luft.

Fotos: Herbert Horbrügger, Klaus Tiedemann

Und am Nachmittag fiel dann die Welle in sich zusammen, die Piloten kamen einer nach dem anderen zum Flugplatz zurück, lediglich einer hatte dies nicht geschafft, und landete auf dem Flugplatz Ballenstedt. Ein Segelflug in den Leewellenaufwinden ist immer ein besonderes Erlebnis. Der Flug bei Windgeschwindigkeiten bis 90km/h, das Auffinden der Wellenaufwinde, das Entlangfliegen mit ständigem Höhengewinn an den Cumulus lenticularis Hebungswolken und die großen Höhen mit einer phantastischen Sicht in der klaren Luft sind ein großartiges Erlebnis. Der Fliegerklub Brandenburg plant weitere kleine Expeditionen im Herbst und Winter bei den nächsten Wellenwetterlagen. Quelle: ‘Meetingpoint-Brandenburg‘.

Ex-Air Cadet-Piloten brechen 60jährigen Segelflug-Höhenrekord

Am 6. Oktober 2020 starteten Melanie Paradis, eine Herz-Kreislauf-Spezialistin aus Edmonton und Patrick Pelletier, ein Pilot der Staffel 419, in einem doppelsitzigen Segelflugzeug des Edmonton Soaring Club vom Cowley-Segelflugplatz und brachen einen fast 60 Jahre alten Höhenrekord. Der bestehende Rekord aus dem Jahre 1961, lag bei 29’799 Fuß. Melanie und Patrick stiegen weit über diese Höhe hinaus und brachen den Rekord um fast 2’000 Fuß. Die Höhe, die sie erreichten, betrug zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts 31’727 Fuß. Der Rekordanspruch muss noch in einem langwierigen Verfahren ratifiziert werden, welches die Kalibrierung des Flugschreibers, die Analyse des Flugrekords und die Überprüfung durch Beamte der Soaring Association of Canada umfasst.

Der Segelflugplatz Cowley ist nur wenige Kilometer nördlich der Ortschaft Cowley gelegen und ist die Heimat des Lethbridge Soaring Club und seit Jahrzehnten bekannt als das “Mekka” des Höhenflugs in Kanada. Segelflieger aus ganz Nordamerika versammeln sich hier zweimal im Jahr in der Hoffnung, Leewellen ausfliegen zu können. Diese entstehen, wenn Winde auf einen Gebirgszug treffen, über den Gipfel aufsteigen und auf der anderen Seite wieder ins Tal fallen.

Bei idealen Bedingungen schwingt dieser Wind im Windschatten des Gebirges wie eine Welle im Wasser auf und ab. Segelflieger nutzen den aufsteigenden Teil der Welle und “surfen” mit ihren Segelflugzeugen bis in große Höhen. Die Livingstone Range, westlich des Pincher Creek und nördlich des Crownsnest Highway gelegen, ist häufig ideal ausgerichtet, wenn Westwinde herrschen. Die Ostseite der Range fällt steil ab, wodurch während des Luftmassen-Sturzes ideale Wellenflug-Bedingungen für Segelflieger geschaffen werden. Diese ermöglichen ihnen, große Höhen zu erreichen, die normalerweise nur von Flugzeugen und Kampfjets erreicht werden.

Melanie erlernte das Segelfliegen in jungen Jahren bei den Royal Canadian Air Cadets und ist Doppelmitglied im Cu Nim Gliding Club und im Edmonton Soaring Club, wo sie kürzlich ihre Lehrberechtigung erneuert hat. Sie ist Mutter von drei Jungen und freut sich darauf, wieder zu fliegen, nachdem sie eine Auszeit genommen hat, um ihre kleinen Kinder aufzuziehen. Sie war zum zweiten Mal in Cowley, und der Rekordflug war erst ihre zweite Erfahrung mit Leewellen.

Patrick erlernte das Segelfliegen bei den Royal Canadian Air Cadets, er ist Mitglied des Lethbridge Soaring Club und dient derzeit auch in seinem 29. Jahr in der Royal Canadian Air Force und hat über 4’000 Flugstunden in Militärjets, 1’000 Flugstunden in Flugzeugen der Allgemeinen Luftfahrt und fast 1’000 Flugstunden in Segelflugzeugen absolviert. Obwohl Patrick viele Arten von schnellen Militärjets einschließlich der CF-18 geflogen ist, betrachtet er Segelflugzeuge immer noch als die angenehmste Form des Fliegens, die es gibt. Mehr über den Lethbridge Soaring Club oder die Soaring Association of Canada erfahren Sie hier. Quelle: ‘CourierNews’. Flugdaten des OLC.

Rekord über den Wolken – Klaus Ohlmann

60 Weltrekorde hält der Segelflieger Klaus Ohlmann, Höhenrekorde, Langstreckenrekorde in den Anden und die Überfliegung des Mount Everest mit dem Segelflugzeug. Für die Wissenschaft fliegt er, um sogenannte Leewellen zu erforschen, die auch bei Linienflügen immer wieder für Turbulenzen sorgen. Ausführliches Interview des WDR mit Klaus Ohlmann.

Hattorfer Segelflieger nutzen Leewelle für besondere Flüge

Eigentlich ist die Segelflugsaison schon beendet. Doch Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel: So sind am vergangenen Wochenende die Segelflieger des LSV Kreises Osterode und einige Gäste – unter anderem aus Frankfurt, Brandenburg und Braunschweig – aufgebrochen, um die besondere Wetterlage und die daraus resultierenden Flugbedingungen für einige außergewöhnliche Flüge zu nutzen. Mehr Informationen finden Sie im Originalbericht des Harzkuriers. Bild: Marcel Zoremba / LSV Kreis Osterode

Erstaunlich starke Steigwerte im schwachen Föhn.

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Bruno Haller zirkelt den Duo Discus XL federleicht die Hänge östlich des Skigebietes Flims-Laax bis zum Segnes-Kessel hinauf.

Am letzten Februar-Samstag 2016 verspricht die Windprognose einen fliegbaren Tag mit einem leichten Südwind auf 2’600 Metern von ca. 25 Knoten, der den ganzen Tag über in den Luftschichten über 2’000 Metern anhalten soll. Bruno Haller und ich wollen ihn für ein paar erste Flugstunden in der neuen Saison nutzen – die Wetteroptik am Flugplatz zaubert aber allen andern Anwesenden ausser uns vor allem ein skeptisches Fragezeichen ins Gesicht. Nach einer ausführlichen Besprechung der heutigen Möglichkeiten machen wir den schplintenneuen Duo Discus XL D-9195 der SG Lägern startbereit und machen uns kurz vor Mittag auf den Weg.

Der Tag hält, was die Prognose versprochen hat und lässt uns sanft die Hangwind-Systeme an den Churfirsten und im Prättigau erkunden. Aber auch der Transfer gegen den Wind über Davos und die tiefen und ‘runden’ Kreten des Schanfigg gelingt einwandfrei. Auf der Nordseite beim Mattjischhorn können wir sogar auf einer Hochebene eine ganze Menge Kite-Skifahrer beim Flitzen über die Schneeflächen beobachten. Das sind gute Aussichten für einen tiefen Anfang an den Hängen des gegenüberliegenden Calanda mit seinen Wölfen. Dort hangeln wir uns über den gleissend hellen Schneeflächen von Krete zu Krete, bis uns westlich von Brigels Schneeschauer den weiteren Weg Richtung Disentis versperren. Hier ist deutlich mehr Thermik als dynamischer Aufwind zu spüren.

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Im Vorderrheintal ist schwache Thermik stärker spürbar als der Hangwind-Effekt des leichten Südwindes.

Interessanterweise fallen wir dann nach dem Queren des Panixerpasses in einen starken Rotor über der Skihütte Obererbs. Seit Ruedi Wissmann nicht mehr dort seine Gäste bewirtet, finde ich die Rotoren spürbar besser 🙂

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Immer wieder imposant: der ‘Wasserfall’ des Südstaus am Haupt-Alpenkamm. Hier der Blick aus dem Elmer Kessel nach Südwesten, in der Bildmitte der höchste Glarner – der Tödi. Bild: Bruno Haller.

Der Rotor über dem dem Waffenplatz Elm wirft uns zusammen mit einem eindrücklich grossen Steinadler (die fliegen offenbar manchmal auch nur zum Vergnügen) mit Spitzenwerten von fünf Metern pro Sekunde ein paar Etagen höher. Wir werden auf unserem Weg ins Schächental noch in einen stärkeren Rotor einfliegen. Dort spicken uns mehr als 10 Meter pro Sekunde starkes Steigen gleich 1’000 Meter höher. Bis ich aber die Freigabe der ATC Zürich für weiteres Steigen in den A9 hinein erhalte, falle ich vor lauter Zuhören des endlosen Samstagnachmittag-Geplappers auf dieser Frequenz leider bereits wieder aus der Welle… und finde sie nachher auch nicht mehr, als ich endlich höher hinauf dürfte.

Auch die Flumserberge überraschen uns auf dem Heimweg via Klosters mit einer Welle, die trotz des schwachen Südwindes von weit unten heraus erstaunlicherweise bis sieben Meter Steigen pro Sekunde produziert.

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Wir beschliessen den gemütlichen ‘Föhnchen-Tag’ (es braucht für einen schönen Wellenflug nicht immer ein Orkan mit Windgeschwindigkeiten von 120 km/h auf 3’000 Metern zu sein) mit einer Abschlussrunde ins Prättigau, wo wir spasseshalber in engen Wenden nochmals die senkrechten Rhätikon-Wände hinaufturnen, bevor wir nach fast sechs Stunden Hang- Rotor- und Wellenfliegens frühzeitig vor dem Eindunkeln mit einem zufriedenen Gefühl im Bauch wieder in den Kaltluftsee über der Linthebene eintauchen und auf dem Flugplatz Schänis landen. Ein gelungener Start in die frische Flugsaison auf einem tollen, topausgerüsteten und sehr leisen Fluggerät.

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Hier sind die Flug-Details. In der Foto-Galerie finden Sie alle Aufnahmen des Fluges und die nachfolgende Grafik ist die (zutreffende) Windprognose des Vortages:

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Südostfrankreich – zeitweise einzig fliegbares Wetterfenster.

Während im Juli 2014 im Norden der Alpen Rekord-Regenmengen niederprasseln und in der Schweiz beispielsweise das Emmental gleich mehrmals unter Wasser setzen und erhebliche Schäden anrichten, profitieren die Gäste Südostfrankreichs von zwar kühlem aber trockenem Sommerwetter.

In unserer ersten Ferienwoche kühlt uns zwar wegen der Nordwest-Stau-Lage, die für die hohen Niederschlagsmengen verantwortlich ist, der Mistral tagelang auf dem Campingplatz in Vinon etwas aus – was ja für uns käsebleichen und die Sonne ungewohnten Nordeuropäer angenehm ist – aber immerhin bleibt das Wetter trocken. Segelfliegen ist im Flachland und in den Voralpen so täglich möglich, wenn man nicht den Anspruch hat, sehr lange Strecken fliegen zu wollen. Für ein paar nette Ausflüge hat es aber doch gereicht.

Ab in die Welle.
So gelingt etwa am 8. Juli ein ebenso einfacher wie bilderbuchmässiger Einstieg in das Mistral-Wellensystem direkt über dem Pistenende 28 von Vinon. Ein kurzer Schleppflug von wenigen Minuten bis auf Landevolten-Höhe reicht aus, um in einem ruhigen Rotoraufwind gleich eine schwache Welle zu erwischen. Diese und eine Freigabe bis auf FL 115 von Salon Approach vereinfachen den Vorflug aus den Leewellen in den östlichen Ausläufern des Lubéron bis in die nächste, nördlichere Welle an der Lure und damit auch ins dort aktivierte Wellenfenster.

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Ansturm feuchter Luft.
Von der Lure aus scheint wegen der aus Norden angespülten, feuchten Luft der Weiterflug ins Becken von Gap am logischten. Nach Nordwesten, wo ich von hier aus meistens weiterfliege, fliesst so viel feuchte Luft ein, dass ich auch aus 5’000 M.ü.M. aus einer immer noch flach scheinenden Optik auf die Wolkenmassen keine Wellenstrukturen erkennen kann und mir auch nicht vorstellen mag, irgendwo in dieser Wolkensuppe vielleicht ohne Sicht auf den Boden gescheit vorwärts fliegen zu können. Darum reise ich gemütlich durch das offenere Becken von Gap nach Nordosten, soweit, bis ich am Fuss der höheren Alpen wieder auf eine geschlossene Wolkenmasse stosse.

Hoch hinaus am Pic de Bure.
Am Nordende der Alpenstadt Gap kann ich aus verschiedenen Rotorfetzen den passenden Einstieg in die nächst kräftigere Welle südöstlich des weitgehend in Staubewölkung eingepackten Pic de Bure auswählen und gemütlich bis über 5’000 M.ü.M. hinauf klettern und dabei die Aussicht geniessen. Wie immer beim Wellenfliegen erlebe ich das Dilemma, dass man zwar wie in einem Höhenrausch wunderbar ruhig in einem Lehnstuhl die Show geniessen kann. Die anstürmenden feuchten Luftmassen setzen einem Streckenflug aber Grenzen. Im Osten ist das obere Durancetal bei Embrun nur schemenhaft in tiefen Wolken und Schauern zu erkennen. Die hohen Gipfel der Ecrins sind bis auf meine höchste erreichte Höhe auf ca. 5’000 M.ü.M. mit Watte eingepackt. Dazwischen sind kaum Lücken zu erkennen. Dahin möchte ich also lieber nicht, zu unüberschaubar ist die Situation. Und ‚ontop’ im Segler dahin zu gleiten, ist auch nicht besonders vernünftig.

Was macht heute man bloss mit 5 Kilometern Höhe?
Also wähle ich die Route, die in all der Feuchte noch am vernünftigsten aussieht und ziehe nach einem Versuch, in der Region Orsières wider Erwarten doch eine Welle zu finden, die mich vernünftig nach Briançon bringt, die Nase des Segelflugzeuges wieder nach Westen und schliesslich in einem grossen Bogen zurück ins Vallée du Jabron und am Ende wieder an die Lure zurück. Meine vorherige Einschätzung erweist sich als richtig. Es ist fast unmöglich, zwischen dem Col de la Croix Haute und dem Vallée du Jabron eine schön strukturierte Welle zu finden und auszunützen. Aber irgendwas muss man ja mit 5 Kilometern Höhe anstellen, den ganzen Nachmittag am gleichen Punkt zu sitzen, scheint mir nicht sehr spannend zu sein.

Weil’s so schön bequem ist und eigentlich kaum andere Möglichkeiten vorhanden sind, drehe ich nochmals eine Runde um Gap, um in einem langen Endanflug bis weit südlich von Vinon zurück zu fliegen. Dass die Helikopterbasis von Le Luc deaktiviert und im Ferienmodus ist, ermöglicht für einmal, in Regionen vorzustossen, die sonst wegen geschlossener Lufträume unerreichbar bleiben.

Insgesamt ist das doch kein schlechter Anfang für den diesjährigen Fliegerurlaub mit Familie!

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