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Kreuz und quer durch Mitteleuropa (3)

Hier finden Sie die Berichte über die bisherigen Etappen der Luftwanderung:
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Autor Holger Leicht

27.6. Nach Frankreich mit dem Solo
Die anfängliche Hoffnung, südlich um Zürich ins bessere Wetter zu kommen, hielt nicht lange. Eigentlich hatte es ganz gut angefangen – sogar mit persönlicher Skyguide-Betreuung durch Bastian. Leider war dann die Abschirmung zu stark für Thermik, aber der Wind zu schwach für den rettenden Hangwind. Also – Vögel flattern ja auch mal…..

Aber nicht genug, es gab ungeklärte Missverständnisse mit dem Controller von Emmen, worauf der nicht mehr mit sich reden ließ und wir den rettenden Bart verlassen mussten. Naja…. Wenn die Vögel auch ab und zu flattern….

Anschließend trafen wir zu viel Nordwind im Jura. Naja, Vögel – flattern ja auch mal.
Und zu guter Letzt war auch noch Belfort wegen einer Veranstaltung geschlossen (neben dem Platz, am Platz selbst war weit und breit nix zu sehen), und die Motor-Flieger, die wir im Funk erreichten, waren auch nicht sonderlich kooperativ. Sehr schade….

Deshalb weiter über den Grand Ballon (der höchste Berg in den Vogesen heißt wirklich so) nach Colmar. Dort wurden wir von Jutta sehr freundlich betreut, zum Essen gefahren und begleitet. Und konnten dann im Vereinsheim schlafen. Doch noch ein versöhnlicher Tagesausgang. Und dank ihres Hinweises, besser auf Gras zu landen, haben wir uns die Landegebühren gespart. Der Rückweg mit den Fliegern an den Start war dann aber am nächsten Morgen doch ganz schön mühsam. Nur mit Freigabe vom Tower über Funk und auch erst, wenn weit und breit kein Verkehr in Sicht ist. Da war die erste Stunde des Tages schon fast rum…

28.6. Durch Frankreich nach Nidda
Am nächsten Tag dann ab in die Vogesen, bzw. darüber hinweg Richtung Nancy. Bis nach Luneville, einem (scheinbar) sehr schönen Städtchen, sogar mit Flugplatz, Die Vogesen entschuldigten sich quasi für die schlechte Thermik und die Turbulenz am Tag davor. Und von da ging’s nach Norden durch das Saarland und die Pfalz inklusive Querung der TMA Hahn bis an den Luftraum von Köln-Bonn und dann nach Westen an die Nordostecke des Frankfurter Luftraums bei Fulda. Das Panorama auf die Skyline von Frankfurt gab’s bei klarer Sicht gratis.

In Gedern war zwar der Flugplatz neu eingesät und tabu, aber Nidda war die Alternative (auf dem Helmsberg – der Name kommt nicht von ungefähr, der Platz liegt ganz schön am Hang). Dort hatten wir schon eine Lande-, Übernachtungs und Abendessen-Möglichkeit vereinbart. Voller Schlaf- und Shuttle-Service von Marcus inklusive Abendessen beim Polterabend von Thomas. Wir also quasi als Party-Crasher.

29.6. Durch Sauerland und Bergisches Land nach Belgien
Tags drauf dann schön vorsichtig bei tiefer blauer Basis nach Norden an die schönen Wolken und dann durch den Sektor zwischen Köln-Bonn und Düsseldorf nach Westen.
Über extrem besiedeltes oder wegen viel Wald unlandbares Gelände mit zahlreichen Stauseen und Städten wie Marburg, Attendorn, Lüdenscheid, Meinerzhagen, Hagen, Wuppertal, Radevormwald, Remscheid, Hilden, Solingen, Dormagen dann zwischen Leverkusen und Düsseldorf in Richtung des nicht zu übersehenden großen Lochs (Braunkohletagebau Hambach). Vorbei an Aachen auf direktem Weg nach Belgien in die Ardennen und vorbei an Malmedy, Spa (inklusive Rennstrecke), Stavelot und La Roche nach St. Hubert. Ein Ziel, dass schon allein wegen des komplexen Luftraums eine Herausforderung ist. Aber Vorbereitung ist ja bekanntlich alles – und natürlich die richtigen Karten.

Auf dem Weg dahin viele kleine Städtchen mit vielen kleinen Schlösschen, die eine ganz andere Architektur haben, als man es von uns kennt. St. Hubert ein sehr schöner Platz (Sitz des Belgischen Segelflugverbandes CNVV) mit nem wunderschönen, kleinen, typisch belgischen Städtchen, in das wir zum Abendessen mitgenommen wurden. Auch hier waren wieder alle sehr sehr gastfreundlich, nett und hilfsbereit. Phil, der mir schon seit Jahren die Tücken des Luftraums vermittelt, hatte uns sogar zwei Zimmer zum Übernachten organisiert. Und im Landeanflug wusste der Tower schon Bescheid. Toll!

30.6. Ans Meer – oder doch lieber Pirmasens?
Leider war das Wetter am Tag danach nicht so gut wie vorhergesagt und wir mussten den Plan, an den Atlantik zu kommen, schon ein gutes Stück vor Lille begraben und drehten dann mit Ziel Pirmasens um. Vorbei an Aulnoye-Aymeries, Maubeuge und Mitten durch die TMA von Luxemburg, was wieder mal kein Problem war. Die Controller dort kennen sich mit Segelfliegern wohl gut aus. In der Pfalz stand uns dann das Luxus-Vereinsheim mit kompletter Infrastruktur zur Verfügung und es mangelte an nichts. Markus fuhr mit uns Essen und Manfred brachte tags drauf sogar das Frühstück. Ein Traum. Nur die Thermik am nächsten Tag, hat irgend jemand vergessen zu bestellen…

1.7. Jojotag nach Aachen
Bis die Thermik dann aus dem Quark kam, war es schon halb 2 und die Wolken entwickelten sich – wie sollte es anders sein – in der ganz falschen Richtung. Also Planänderung und einfach den Wolken hinterher Richtung Aachen. Die Luft brannte dann förmlich und das Wetter war schon fast afrikanisch. Um nicht zweimal am gleichen Platz aufzuschlagen, war der Plan, bei Jannis auf der DM in Lachen-Speyerdorf vorbeizuschauen. Bei Gösta hatte allerdings Aalen erhöhte Gravitation entwickelt und er flog direkt nach Hause. Der Sprung über die letzten Buckel des Pfälzerwald wurde dann aber doch noch bissl knapp. Und mit jedem Meter tiefer ins Rheintal stiegen die Temperaturen ins Unermessliche. Bestens versorgt wurde ich dann vom EP-Team und bei den Temperaturen (die auch afrikanisch waren) habe ich dann einfach vor dem Wohnwagen im Freien geschlafen. Wunderschön….. Und das allerbeste: Es gab einen kleinen Pool…

2.7. Heimflug mit Umweg über den Nordosten
Am Tag, bevor das Wetter richtig schlecht wurde, wollte ich trotzdem nicht nur die paar Kilometer nach Malmsheim fliegen. Schließlich galt es ja auch noch die Rangliste im Wandersegelflug zu erobern. Also einfach nochmal die beste vorhergesagte Linie nach Nordosten. Bei Basishöhen bis 3000m bis kurz vor Jena und wieder heim. Ein toller Abschluss einer großen Runde.

4./5.7. Pilsen zum Zweiten
Nach einem Tag Pause daheim dann doch nochmal eine Verlängerung. Was am Tag davor noch komplett blau aussah, war morgens in Skysight plötzlich ohne Fragezeichen mit bester Wolkenthermik und hoher Basis vorhergesagt. Und weil die Vorhersage förmlich dazu einlud und Stefan unbedingt auch mal nach Letkov wollte, ging der Wandersegelflug also weiter (und nein, nicht wg. des Biers). Morgens spontan die Wandersegelflug-Sachen wieder eingepackt und los gings. Stefan bei Blumberg eingesammelt und dann im DG-Geschwader mit schnellem Schnitt nach Tschechien.
Und zur Krönung ließ uns Praha Radar sogar noch weit in die TMA bis an den Stadtrand von Prag. In Pilsen waren dann Stadt und Leute auch beim zweiten Besuch wieder superklasse. Und der Heimflug lief fast so gut wie der Hinweg – bis auf die letzten Kilometer. Langen liess ausnahmsweise auch nicht mit sich reden, also auch noch um den Luftraum von Stuttgart rumgezirkelt. Aber trotzdem ohne Motor heimgekommen.

10./11/12.7. Über die Alpen nach Reims
Nach einer weiteren Pause sah dann das Wetter Richtung Alpen ganz gut aus. Also aufs Neue los übers Allgäu in die Bayrischen Alpen. Selten so gut und schnell hin und rein gekommen. In den Bergen selbst sah es eher nach tiefer Basis aus. Aber je weiter man reinkam, desto weiter stieg sie an. Die Qualität der Thermik lies aber weiter zu wünschen übrig.

Wind und Sonne aus gegensätzlichen Richtungen wird irgendwie nicht mehr meine bevorzugte „Konfiguration“ in den Bergen. Schön war es trotzdem und ich konnte abends dann bei Ebi in Hilzingen im Vereinsheim sehr gemütlich übernachten. Obwohl er nicht mehr so ganz überzeugt war vom Städtetrip nach Reims, lief morgens dann fast alles nach Plan, nur der Jura war leider zu spät dran für uns (oder wir zu schnell?). Vom Schwarzwald aus waren da keinerlei Quellungen erkennbar. Im Gegenteil sogar noch ne schöne Inversion. Also umentschieden und lieber den (vermeintlich) viel näher liegenden Wolken im Rheintal Richtung Vogesen gefolgt. Jura wäre ja eh nur Umweg gewesen.

Leider war die Rheinebene mal wieder viel breiter als gedacht, die Wolken standen doch erst hinter den ersten Bergen in Frankreich. Zum Glück war die Freigabe auf kürzestem Weg rüber bei Bale Information kein Problem. Und schon kurz vor bzw. dann an den ersten Vorbergen südlich Colmar kam sachtes Steigen. Das reichte aber, um sich im Blauen ins höhere Relief reinzubasteln – und an die Wolken ran.

Ab da war alles ganz einfach. Je weiter man nach Frankreich reinkam, desto homogener wurde das Wetter. Kein Hammer-Steigen, aber jede Wolke hat funktioniert und immer vernünftiges Steigen geliefert. So gleichmäßiges Wetter erlebt man in Deutschland mit den ganzen Mittelgebirgen und unterschiedlichen geologischen Verhältnissen selten (eigentlich nie).

Je weiter man nach Westen kam, desto flacher (und eigentlich auch langweiliger) wurde die Landschaft. Aber architektonisch immer wieder spannend. Und das Beste: der ganze Luftraum im Grand-Est schreckt wohl fast alle anderen ab. Erst ab der Champagne gab’s wieder ein paar Segelflieger, meist lokal von Reims und den umliegenden Plätzen. Aber sonst weit und breit kein VFR-Verkehr. Und die Überraschung nach der Landung: auf Gras keine Landegebühren. Die Stadt selbst war dann in 10min per Uber erreichbar und wunderschön. Wirklich eine Reise wert. Nur den versteckten Pool haben wir erst beim Gehen bemerkt…

Der Rückweg war dann zäher, ging aber trotzdem problemlos. Je weiter man nach Westen kam, desto weiter stieg die Basis. Die Militärplätze St. Dizier, Ochey, Etain und der Flughafen Metz-Nancy-Lorraine und Co nicht aktiv. Das macht es deutlich einfacher…

Zusammenfassung:
20 Tage Wandersegelflug, 18 Tage davon mit Flugplan.
9.000km zurückgelegt (mit nem Spritverbrauch von 0,75l/100km).
7 Länder (und das achte durchquert) und fast alle Ziele wie geplant erreicht.
Bis auf zwei Tage immer da angekommen, wo wir morgens hin wollten.
Von Hotel über Pension, Wohnwagen, Matratzenlager, Vereinsheim-Tisch, Boden, bis hin zum Schlafen im Freien, war alles dabei. Zelt nie gebraucht, aber es war ein gutes Gefühl, eines dabei zu haben.

Das Wetter hätte kaum besser sein können. Auch wenn die Wetterplanung für mich bei solchen Unternehmungen das schwierigste überhaupt ist. Beim Wandersegelflug erlebt man Dinge, die mit Geld nicht zu kaufen sind. Wahnsinnige Gastfreundschaft, endloses Vertrauen. Vereinsheime, die einem zur Verfügung gestellt und offengelassen werden. Autos und Fahrräder, die man nutzen darf. Bilder und Eindrücke, die unvergesslich sind.

Menschen, die man kennenlernt und Freundschaften, die daraus entstehen. Zusammengefasst, das Schönste, was man im Segelflug erleben kann.

Was beim Wandersegelflug aus meiner Sicht extrem wichtig ist:
Möglichst vorher herausfinden, ob es Sprit, Abendessen, Übernachtungsmöglichkeit und Frühstück gibt. Möglichst einen Platz wählen, auf dem es viel Segelflug gibt oder man persönliche Kontakte hat. Anflugblätter und Notams der Zielflugplätze prüfen. Wetter so weit wie möglich im Voraus im Blick behalten, ggf. auch mit längerfristigen „Fußgänger-Wetterberichten“.

Kreuz und quer durch Mitteleuropa (2)

Hier finden Sie den Bericht über den ersten Teil der Luftwanderung.

Autor Holger Leicht

19.6. Mitten über den Plattensee zurück in die Alpen nach St. Johann

Morgens erzählten die ansässigen Piloten, dass es zwei Segelflugsektoren gibt, die den Ausflug unter der TMA von Budapest deutlich einfacher machen. Fast wie daheim die Segelflugsektoren in der TMA von Stuttgart.

Wir haben gleich bei Hungaro-Control angerufen und problemlos die Sektoren für unseren Abflugzeitraum (für 1,5 Stunden vorab) aktiviert. Na, das war ja einfach. Also Flieger ans andere Bahnende gezogen (mit Hilfe von sehr freundlichen und hilfsbereiten segelfliegenden Mitarbeitern eines CAMO-Betriebs, der am Platz Jahres-Nachprüfungen machte).

Doch dann – 10min vor dem Start – ein Anruf mit ungarischer Nummer – Hungaro Control. Die ungarische Bürokratie schlug gnadenlos zu. Nur die Personen auf einer festgelegten Liste dürfen die Sektoren aktivieren. Und Überraschung: Ich stand nicht drauf. Also nix mit freigegebenen Sektoren. Zum Glück ist die Landschaft da ja nicht sonderlich hoch und es ging auch unten durch thermisch völlig problemlos, nachdem die Thermik sogar pünktlich (und sehr gut und zuverlässig) einsetzte.

Durch das zuverlässige Steigen motiviert, konnten wir dann noch schönen Quellungen Richtung Plattensee folgen, genauso, wie sich die Reiseleitung das am Tag zuvor vorgestellt hatte. Kaum zu glauben: Wolkenstraßen mitten über dem Balaton. Sightseeing at its best. Bei bester Wetteroptik Kurs Richtung Alpen. Selbst der „Wieder-Eintritt“ in die Alpen dann problemlos und mit sehr viel Spaß im Team. Nächstes Ziel St. Johann in Tirol (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Landefeld im Pongau, das viel näher war…).

20.6. Flucht vor der brodelnden Luft nach Thun

Das Wetter war jetzt nicht mehr so klar. Deshalb wollten wir – um nicht im schlechten Wetter fest zu stecken – für die nächsten Tage weiter nach Westen, wo es besser aussah für den Weiterflug. Tief (eigentlich sehr tief) an Innsbruck vorbei ging’s im Vierer-Pulk (spontan hatte sich noch Bernd dazugesellt) weiter mit ursprünglichem Ziel Zweisimmen. Eine eher kleine Etappe, aber Unterkunft war vorab geklärt und besseres Wetter für die kommenden Tage in Aussicht.

Vorbei an Samedan/St. Moritz und über den Gotthard wurde dann im Flug schon optisch klar, dass das aufgrund von Über-Entwicklungen unrealistisch ist und wir entschieden uns, über den Grimsel nach Thun zu springen, wo das Wetter unkritisch war und das schöne Städtchen war auch in der Nähe.

Also umgeparkt ins bessere Wetter für den nächsten Tag. Der Flugplatz war sehr belebt. Viele nette Segelflieger. Ab an den See zum Baden. Die Altstadt anschließend voller Leben. Ein toller Abend in der Schweiz. Einen Dolmetscher hatten wir ja auch schon dabei. Geschlafen wurde in der (riesigen) Vereinswerkstatt auf den Luftmatratzen.

21.6. Ab in den ganz großen Pool nach Südfrankreich

Nächster Tag mit reduzierter Mannschaft nach Südfrankreich. Ein Teil musste am nächsten Tag daheim sein und flog direkt nach Norden Richtung Heimat.
Der Weg in die Provence auf der Nordseite um den Mt. Blanc herum war mit Stefan recht entspannt. Unterwegs noch Gleitschirmflieger (mutmaßlich von den XAlps) getroffen. Wie die so hochgekommen sind, wusste keiner, gefühlt bestimmt 1000m höher als wir.

Der Plan war, mal einen kürzeren Flug zu machen und um 15 Uhr in Pui in den Pool zu springen. Mit der Landezeit voll im Plan, kurz nach 15 Uhr mit Blick auf blühende Lavendelfelder. Leider auch auf einen Pool, der aus unerklärlichen Gründen leer war 🙁
Aber zum Glück gibt es am Platz viele bekannte, nette Menschen. Und wir bekamen ein Auto geliehen, um an den Lac de St. Croix zu fahren und eben dort zu baden. Pui ist fast wie Heimkommen. Als Außenlander bekommt man sogar kostenlos eine Hütte für die Übernachtung und so konnten wir mal wieder in einem Bett schlafen – und vor allem Wäsche waschen.

22.6. Sightseeing zurück in die Schweiz nach Luzern

Um 10 war – wie üblich in Puimoisson – das Briefing, das Helmar immer klasse macht. Start in bekannter Pui-Manier dann an der Serre de Montdenier. Leider ein wenig zu euphorisch gleich dahinter gestürzt und dann ganz kleinlaut im Assetal unter 1000m (MSL wohlgemerkt) wieder ausgegraben. Ab da lief es eigentlich recht unproblematisch auf vertrauten Wegen über Chapeau de Gendarme, Tête de Siguret, Briancon und dann westlich an der Vanoise vorbei, weiter zum Montblanc und Matterhorn.

Im Rhonetal konnten wir so hochkommen, dass wir noch (legal) ins Lötschental schauen konnten und dann vorbei an allem, was Rang und Namen hat. Eiger, Mönch, Jungfrau. Die Kontrollzonen von Meiringen und Emmen waren am Sonntagabend auch schon aus.
Noch ein Abstecher zur berühmten Rigi, dem Hausberg von Luzern und dann Stefan in Luzern-Beromünster abgeliefert, der montags wieder arbeiten musste. Und ich durfte einen Tag Pause machen – bei ihm daheim übernachten und Wäsche waschen, mit dem Fahrrad die wunderschöne Stadt besichtigen, im Vierwaldstätter See baden, chillen und lecker essen…

24.6. Treffpunkt Kufstein

Gösta wollte ab jetzt mitfliegen und kam aus Aalen in die Berge, was sich einfacher darstellte, als meine Anreise aus Thun. Das thermisch hochkarätige Glarnerland (Zitat Bert) war thermikfreie Zone. Noch nie die Alpen so tot erlebt, wie im ersten Teil des Tages und noch nie so viel Sprit in einem Flug verbrannt…

Aber Vögel flattern ja auch mal (Zitat Nadja). Ein Tag zum Abgewöhnen. Dass der Treffpunkt Kufstein ausgemacht war, war bei dem Wetter auch die einzige Motivation weiterzufliegen. Aber solche Tage gibt’s im Wandersegelflug auch mal – und dieses Jahr ganz wenige. Am Ende dann doch noch angekommen – Tag abgehakt.

25.6. Umparken nach Amlikon

Eigentlich war der Plan, an den Rand des Jura nach Yverdon-les-Bains am Neuenburger-See zu fliegen. Alternativ hatten wir aber Amlikon schon auf dem Schirm, weil die Vorhersage grenzwertig war. Los gings mit Tiefflugübungen an der Nordkette. Und dann kommt Innsbruck (wo ich mit Freigabe in letzter Sekunde in die CTR geplumpst bin) noch auf die Idee, mich auf ner anderen Frequenz haben zu wollen… Hab ja noch nicht genug geschwitzt da an Hang…

Wie befürchtet wurde der Tag dann nur ein Hüpfer in die Halle von Amlikon. Gut, dass wir den Plan B hatten, denn der Himmel in der Schweiz nach Südwesten sah alles andere als einladend aus. Die Berge in unsere ursprüngliche Richtung waren kaum noch zu erkennen, so diesig war es. Ob es Saharastaub war oder einfach nur trübe Luft, weiß man nicht. Aber in so schwierigen Bedingungen weiterzufliegen, darauf hatte keiner mehr Lust…. Am Schweizer Musterflugplatz Amlikon dann Tetris next level…. Mehrmals die Werkstatt aus- und eingeräumt, bis die örtliche Schleppmaschine und (!) einer unserer 18-m-Flieger hineinpassten (mit abgenommenen Außenflügeln). Der zweite hatte einen freien Hallenplatz bekommen. Aber beide Flieger trocken für den nächsten „Regentag“. Es gab zudem einen wunderschönen gefüllten Pool und abends grillte Christoph sogar noch Wild für alle (ja, das W ist großgeschrieben!) – sehr lecker.
Toller Flugplatz und ne tolle und hilfsbereite Truppe beim dortigen Fluglehrer-Lehrgang kennengelernt.

Die morgige Etappe soll Richtung Elsass und nach Frankreich führen, verfolgen Sie Holger auf seinem Weg „mit und ohne Solo“.

Kreuz und quer durch Mitteleuropa (1)

Autor Holger Leicht.

Ein Monat Wandersegelflug
Erstmal: Warum überhaupt Wandersegelflug? Ich habe auf Wettbewerben (mehr oder weniger erfolgreich) nach dem Erwerb des Segelflugscheins viel gelernt. Aber irgendwann war der Frust über Urlaubstage, deren Ablauf aus aufbauen, Wasser tanken, Briefing x-Mal verschieben, Wasser wieder ablassen und abbauen, bestanden, zu groß und das „Erlebnis“ in bekannter Landschaft und dem einzigen Reiz im Vergleich von plus/minus x Kilometern und Stundenkilometern doch überschaubar…

Die Erlebnisse in den vergangenen Jahren waren im Vergleich im Wandersegelflug  unbeschreiblich. In diesem Jahr war es bereits die 18. Luft-Wanderung – diesmal mit viel mehr verfügbarer Zeit als sonst. Zwei Monate! Die Vorbereitung und Vorfreude begannen schon Wochen vorher.

Die Checkliste ist über die Jahre (seit 2011) kontinuierlich gewachsen. Sie wird zwar immer wieder optimiert, aber eigentlich bleibt mittlerweile nix mehr Wichtiges ungewollt daheim. Sie enthält natürlich auch Karten vorbereiten (ja, ich bin da altmodisch, weil man in den Karten viele Kommentare und Hinweise „speichern“ kann und aus meiner Sicht nen größeren Überblick hat).

Viele unserer Nachbarländer stellen ihre Original-ICAO-Karten online zur Verfügung und der Rest (den man evtl. doch mal erreichen könnte) ist bei Openflightmaps zu bekommen – als Backup quasi. So verballert man nicht Hunderte von Euros für gekaufte Karten, die man am Ende zu 80% nicht verwendet. Und das Plotten beim Plotservice im Netz kostet nicht mehr viel.

„Flieger vorbereiten“ war dieses Mal auch spannend. Kurz vorher noch eine deutliche Leckage am Motor und der Transponder (mein Lieblingsspielzeug) fiel dann zwei Wochen vorher auch noch aus und musste eingeschickt werden. Mit viel Unterstützung von außen (vielen Dank an Sven und Frank) lief aber kurz vorher wieder alles. Die immer noch unerklärbaren Aussetzer im Powerflarm musste ich aber die ganze Zeit über ertragen – immerhin hat es durchgehalten.

Kurz bevor es losging, gab es dann aber auch Gedanken wie „was mache ich da eigentlich?“. Zweifel, ob das Wetter gut wird. Was, wenn es wochenlang nur regnet? Und ob ich mich vier Wochen allein durchkämpfen muss? Aus der Whatsapp-Gruppe derer, die seit Anfang des Jahres motiviert waren, blieben dann am Ende doch vier übrig. Dafür kamen teilweise spontan noch „Fremde“ dazu. Also ging das geführte Reisen mit Holger-Tours los……

16.6. Über Fulda nach Pilsen
Los ging es in Malmsheim, meiner fliegerischen Heimat. Im Spessart traf ich mich dann wie geplant mit Achim Besser. Über Fulda und um die Wasserkuppe ging es nach Tschechien. Über den Thüringer Wald hinweg nach Letkov/Pilsen. Prag anschauen ging leider nur ganz aus der Ferne, weil die Luft sehr trübe war (aber was nicht ist…).

Die Piloten aus Pirmasens, mit denen ich am Tag davor schon geschrieben hatte, zogen es auch durch. Gemeinsam gings dann erst mal in den Pool und dann – ob wir wollten oder nicht – mit lautem Hardrock im Bolt-Express in die wunderschöne Altstadt von Pilsen zum Essen und anschließend zum Frühstück-für-den-nächsten-Tag-einkaufen. Geschlafen wurde in zwei einfachen, aber schönen Zimmern, sogar mit Blick auf Pilsen (wenn man sich bissl aus dem Fenster lehnte). Dass wir den Schlüssel fürs Vereinsheim bekamen und die Alarmanlage aus blieb, war selbstverständlich. Und auch sonst eine superfreundliche Stimmung mit sehr viel fliegerischer Aktivität am Platz.

17.6. Im Tiefflug durch Tschechien über die Donau nach Mauterndorf

Am nächsten Tag ging es dann nach einer kleinen Expedition in die TMA von Prag (in die man laut der Locals von Pilsen keine Freigabe bekommt) bei niedriger Basis durch Tschechien, die TMA von Budweis, an den Moldau-Stauseen vorbei Richtung Süden.
Der Sprung über die Donau war überraschend einfach, weil schön entwickelt. Nur waren die Wolken in den Alpen dann so niedrig, dass wir uns eher vor den Alpen entlang hangeln mussten als darin zu fliegen, bis die Basis wieder anstieg und die Steigwerte besser wurden. So schafften wir es dann bis Mauterndorf. Abends war „die Pilsen-Truppe“ wieder vereint und übernachtete in der Pension nicht weit vom Flugplatz.

18.6. Nach Budapest/Farkashegy durchgekämpft

Am Tag drauf trennten sich dann die Wege – zumindest nach anfänglich schwieriger Thermik-Suche im Blauen. Zweifel an der Reiseleitung wurden auch laut. Aber die liess sich (zum Glück) nicht beirren. Die Pfälzer flogen leider nicht mit nach Ungarn, weil es in Farkashegy (unserem Ziel) auf Nachfrage keinen F-Schlepp gab. Der Weg nach Osten war dann auch erstmal recht zäh, bevor es dann schöne Wolken hatte – zumindest bis zum Ende der Alpen. Ab da wurde es dann weniger einladend. Die Wolken, die in der Ferne lockten, verschwanden schneller, als wir hinkommen konnten. Die Reiseleitung kam ins Grübeln. Mit Budapest Information und Freigabe durch den Luftraum von Papà [Papo] ging es langsam im Blauthermik-Suchmodus weiter – Spürhund Achim war beeindruckend zielsicher.

Der letzte rettende Bart ließ trotzdem bis auf 400m AGL runter wenige Kilometer vor dem Ziel auf sich warten. Stefan, der sich dann doch noch unbedingt mit „reinreiten“ lassen wollte, war eine halbe Stunde hinter uns, musste sich alleine durchkämpfen und hat leider den letzten Bart nicht bekommen und musste zünden. Aber toll, was Gruppenzwang so alles möglich macht. In der Platzrunde wurden wir dann mit dem Blick über den Hármashatárhegy (deutsch: Dreiländer-Berg) am Stadtrand von Budapest belohnt und konnten die Stadt aus der Nähe fotografieren – beeindruckend mit dem Parlament und den bekannten Sehenswürdigkeiten. Dass am Platz eine Hälfte der Bahn „gar nicht so super“ landbar ist, wusste natürlich niemand und das haben uns die Locals auch vorher nicht gesagt. Stand auch nirgends…

Am Platz gab es dann ein paar Zimmer mit Betten, die zwar schon ein wenig eingestaubt waren und auch Schnaken gab es genug (Hilfeeeee). Aber vorher holte uns mein ungarischer Freund Gergely, dem ich schon seit Jahren verspreche, mal zu ihm hinzufliegen, mit dem Auto ab. Ziel erreicht – ab nach Budapest zum Essen.

In der morgigen Folge führt die Reise dann über den Plattensee zurück in die Alpen.