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„Bring-me-Home“- oder doch „Panic“-Button?

Motorisierte Segelflugzeuge versprechen eine bisher nicht praktikable Dimension fliegerischer Freiheit und Unabhängigkeit. Doch der erhoffte Sicherheitsgewinn durch Heimkehrhilfen und Eigenstarter kann sich schnell ins Gegenteil verkehren. Eine kritische Analyse der Herausforderungen zeigt, warum der Starter-Knopf allzu oft zum „Panic-Button“ wird und worauf Piloten achten müssen, um das Potenzial dieser faszinierenden Technik sicher zu nutzen.

Ohne einen „Turbo“ im Rumpf kommt man kaum auf die Idee, das Genfersee-Becken vom Rochers de Naye an den Jura zu queren. Links unten am Genfersee-Ufer ist die Stadt Lausanne zu erkennen.

Plädoyer für Realismus und Training

Die Vorstellung ist für viele Segelflugpiloten verlockend: Dank eines Motors im Rumpf in bisher unbekannte, thermisch anspruchsvolle Regionen vorstoßen und bei nachlassendem Aufwind einfach per Knopfdruck den sicheren Heimweg antreten. Diese Aussicht, gepaart mit dem gesellschaftlichen Wandel hin zu engeren Zeitfenstern für das Hobby, hat motorisierten Segelflugzeugen zu großer Popularität verholfen. Niemand möchte wegen einer Außenlandung wichtige Geschäftstermine versäumen oder am Wochenende den Familienfrieden stören. Das Triebwerk scheint die perfekte, zeitgemäße Lösung für diese Dilemmata zu sein. Doch ist sie das wirklich? Eine genauere Betrachtung der Praxis offenbart eine komplexere und oft ernüchternde Realität.

Die anspruchsvolle Realität der Kleinserien-Technik

Im Gegensatz zur millionenfach bewährten und über Jahrzehnte optimierten Technik in der Automobilindustrie oder der allgemeinen Luftfahrt, handelt es sich bei den Antriebssystemen im Segelflug um hochspezialisierte Kleinserien. Die Konstruktionen sind oft filigran und an die engen Platzverhältnisse im Rumpf angepasst. Knifflige Ein- und Ausfahrmechanismen, lange Standzeiten mit unregelmäßiger Nutzung, starke Vibrationen im Betrieb sowie erhebliche Temperatur- und Luftdichteunterschiede zwischen Boden und Flughöhe stellen grosse Anforderungen an die Zuverlässigkeit der Technik.

Die Heimkehrhilfe einer Antares 18 T. Sie unterscheidet sich von anderen „Turbos“ durch einen elektrischen Anlasser und eine umfassende Vibrations-Dämpfung, welche dem Triebwerk ein turbinen-ähnliches Verhalten verleihen.

Diese Faktoren führen zu einer Systemkomplexität, die eine hohe und aktuelle Systemkenntnis sowie regelmäßige praktische Übung erfordert. Der Pilot muss mit den spezifischen Eigenheiten seines Geräts bis ins Detail vertraut sein, um es auch unter Druck sicher bedienen zu können. Der ungetrübte Spaß am motorisierten Segelfliegen stellt sich nur dann ein, wenn eine fundierte Ausbildung und die richtige, von Respekt vor der Technik geprägte Einstellung die Basis bilden.

Der „Bring-me-Home“-Button wird nur durch fundierte Ausbildung, regelmäßiges Training und realistische Einschätzung der Grenzen zum Sicherheitsgewinn – andernfalls verwandelt er sich schnell in einen „Panic-Button“.

Multitasking am Limit: Der Start als erste kritische Hürde

Der Moment des unabhängigen Starts ist für viele Eigenstarter-Piloten ein erster Höhepunkt des Flugtages – ein Symbol für die gewonnene Autonomie. Doch dieser Vorgang ist ein Paradebeispiel für die hohen Anforderungen und ein Konzentrat potenzieller Fehlerquellen. Er fordert vom Piloten Multitasking-Fähigkeiten: die richtige Wölbklappen-Stellung wählen und im passenden Moment anpassen, den Funkspruch für den Start korrekt absetzen, den Gashebel gefühlvoll bedienen, damit der Vogel nicht auf den Rumpf fällt, die Flächen waagerecht halten, Motorparameter wie Tourenzahl und Temperaturen permanent überwachen, sicher abheben und schließlich die Leistung für den Steigflug optimieren.

Dieses Zusammenspiel ist störanfällig. Weicht auch nur ein Punkt vom sorgfältig einstudierten und automatisierten Schema ab – sei es durch eine unerwartete Fehlermeldung, eine Böe von der Seite oder eine kurze Unachtsamkeit – kann die fragile mentale Konfiguration des Piloten beim Start kollabieren. Die Folgen können rasch fatal werden, es sei denn, der Pilot handelt vollautomatisch und agiert so, wie er es in seiner Ausbildung und im fortlaufenden Training geübt hat.

Drei Säulen der Sicherheit

SäuleKonkrete Maßnahmen
1. Ausbildung– Fundierte Basisausbildung mit Schwerpunkt Systemverständnis
– Spezialisierte Schulung für Eigenstarter/Heimkehrhilfen
– Mindestens 4 Motorstunden Erfahrung für sichere Beherrschung
2. Training– Regelmäßige Übung von Notfallszenarien
– Simulation von Motorausfällen in verschiedenen Flugphasen
– Aktuelles, kontinuierliches Training (nicht nur zu Saisonbeginn)
3. Einstellung– Respekt vor der Technik-Komplexität
– Motor ist Hilfsmittel, kein Rettungsanker
– Bereitschaft zu seriösem Lernen und Üben

Gefährliche Ablenkung: Wenn das Fliegen zur Nebensache wird

Auch nach dem erfolgreichen Start fordert das Triebwerk Aufmerksamkeit. Selbst wenn der Startvorgang routiniert nach Checkliste abläuft, lauern auf dem Weg zur sicheren Flughöhe oft unerwartete Hindernisse. Ein Propeller, der sich beim Einfahren verhakt, eine ausgelöste Sicherung der Antriebsspindel, nicht korrekt verriegelte Bremsklappen, die sich selbständig machen, Wölbklappen, die durch starken Federzug auf «negative» Stellungen rauschen oder ein blockierender Endschalter, der die Zündung unterbricht, sind nur einige der möglichen technischen Tücken. Manchmal ist die Ursache banal, wie ein geschlossener Benzinhahn oder ein nicht vollständig gestossener Choke.

Das Resultat solcher «Ablenkungsmanöver» ist aus den Medien zu gut bekannt: ein Haufen zerbröselten Plastiks und die Schlagzeile von einem „tragischen Unglück“ eines eigentlich erfahrenen Piloten. Der Grund ist stets derselbe und lässt sich treffend mit dem Autofahren vergleichen: Die Suche nach einem Kaugummi im Handschuhfach oder das Tippen einer SMS am Steuer endet nicht selten abrupt im Straßengraben. Der Mensch ist für solche anspruchsvollen Mehrfach-Aufgaben nicht geschaffen und kann sie nur dann sicher bewältigen, wenn sie durch intensives, wiederholtes Training nahezu automatisiert sind. Nur dann bleiben genügend kognitive Kapazitäten, um die primäre Aufgabe – das sichere Führen des Flugzeugs – nicht zu vernachlässigen.

Überschätzte Leistung und die besonderen Tücken der Höhe

Ein weiteres, weit verbreitetes Problem ist die Überschätzung der verfügbaren Motorleistung. Eine Heimkehrhilfe mag im Flachland bei schwachen Windverhältnissen eine nützliche und beruhigende Einrichtung sein, um das Flugzeug von einem Außenlandefeld sicher zum Heimatflugplatz «zurück zu schieben». In den Alpen jedoch, mit Pässen über 2.500 Metern, bei starkem Gegenwind oder in großer Höhe mit geringerer Luftdichte, muss sich der Pilot mental wie ein reiner Segelflieger verhalten und darf sich unter keinen Umständen auf den Hilfsmotor als Rettungsanker verlassen.

Im Flachland bei abbauender Thermik oft eine komfortable Lösung, um doch noch nach Hause zu kommen: Arcus T mit Heimkehrhilfe. In den Alpen entwickeln die Triebwerke eine eher bescheidene Leistung, die nicht über höhere Pässe hilft.

Auch die Kombination eines Motorstarts und kontrolliertem Luftraum kann eskalieren. Der Lärm des Motors, der durch den Rumpf als Resonanzkörper verstärkt wird, kann die Kommunikation mit dem Fluglotsen stören oder verunmöglichen.

Der fatale Widerstand des stillstehenden Triebwerks

Eine häufig unterschätzte Gefahre ist die optimistische Einschätzung der verbleibenden Flugzeit, wenn das Triebwerk ausgefahren ist, aber nicht anspringt. Stellen Sie sich das Szenario vor: Sie haben sich, wie in der Ausbildung gelernt, in 600 Metern Höhe über einem geeigneten Außenlandefeld für den Motorstart entschieden. Sie fahren das Triebwerk aus, der Propeller beginnt zu drehen, aber der Motor zündet nicht. Während Sie fieberhaft die möglichen Ursachen durchgehen – Sicherungen, Benzinhahn, Batteriespannung, Zündung – sind Sie bereits auf 400 Meter gesunken. Ein vernünftiger und gut trainierter Pilot bricht an dieser Stelle den Versuch ab und bereitet sich konsequent auf die Außenlandung vor. Doch nun stellt sich heraus, dass sich das Triebwerk nicht mehr einfahren lässt. Mit der ausgefahrenen „Windmühle“ am Rumpf hat sich das Sinken dramatisch auf drei Meter pro Sekunde oder mehr erhöht. Ihnen bleiben noch exakt 83 Sekunden bis zum Aufsetzen. Eine normale, sichere Landevolte dauert jedoch 90 bis 120 Sekunden. Sie befinden sich bereits in ernsthaften Schwierigkeiten und können die Situation nur noch durch eine perfekt geflogene, verkürzte Platzrunde meistern bei der Speed und Landeeinteilung fehlerfrei geflogen werden.

Die Eigen-Sink-Polaren typischer Eigenstarter, Turbos und reiner Segelflugzeuge. Bei üblichen Anfluggeschwindigkeiten ergeben sich für einen Arcus M um 3 m/Sec. Eigensinken. Macht 180 m pro Minute. Bei einem 2-Minuten-Anflug also 360 Höhenmeter, die für ein ausgefahrenes „Windmühlen“-Eigenstarter-Segelflugzeug benötigt werden.

Ausbildung, Training und richtige Einstellung entscheiden

Die unbestreitbaren Vorzüge des motorisierten Segelflugs kann man gut und sicher genießen, wenn man einige Grundregeln beachtet. Der Motor darf nur in ausreichender Höhe über einem sicher erreichbaren Flugplatz oder einem bekannten Außenlandefeld gestartet werden. Über unlandbarem oder unbekanntem Gelände muss der Flugweg so geplant werden, als wäre kein Motor an Bord. Man muss sich der Tatsache bewusst sein, dass Heimkehrhilfen in den Alpen oder bei Starkwind nur eingeschränkt oder gar nicht nutzbar sind. Zudem muss die Entscheidung für den Motoreinsatz wesentlich früher erfolgen als eine Entscheidung für eine Außenlandung im reinen Segelflug – sie ist eine strategische, keine reaktive Handlung.

Kernbotschaften:

ThemaProblem/RisikoUrsacheEmpfehlung
Technik-KomplexitätKleinserien mit geringer ZuverlässigkeitFragile Konstruktionen, Vibrationen, Temperaturunterschiede, lange StandzeitenTiefes Systemverständnis entwickeln, regelmäßige Wartung
Start-PhaseÜberforderung durch MultitaskingGleichzeitige Bedienung von Wölbklappen, Funk, Gas, MotorparameternIntensive Ausbildung bis zur Automatisierung aller Abläufe
Ablenkung im Flug„Aufhören zu fliegen“ durch MotorbedienungKonzentration auf technische Probleme statt auf FlugführungDrillmäßiges Training von Notfallprozeduren
MotorleistungÜberschätzung der Leistung in Höhe/WindFalsche Erwartungen an Heimkehrhilfe in kritischen SituationenIm Flachland und bei schwachem Wind einsetzbar; in Alpen/Starkwind wie reiner Segler planen
Ausgefahrenes TriebwerkDramatisch erhöhtes Sinken bei MotorausfallWindmühleneffekt des Propellers (3 m/s Sinken)Frühe Entscheidung zur Außenlandung, nicht krampfhaft versuchen zu starten
KommunikationGestörte Funkverbindung durch MotorlärmRumpf wirkt als ResonanzkörperMotorstart bei Starkwind nahe kontrolliertem Flugplatz vermeiden
Einsatz-StrategieZu späte Motorstart-EntscheidungGewohnheit aus reinem Segelflug übertragenMotor wesentlich früher starten als Außenlande-Entscheid im Segelflug
Gelände-WahlMotorstart über unlandbarem TerrainFehlende Rückfalloptionen bei technischem VersagenNur über sicher erreichbarem Flugplatz oder Außenlandefeld starten

Keine hastigen Umschulungen

Hier wird die kühle Jahreszeit sinnvoll für eine ausführliche Ausweis-Erweiterung auf Eigenstarter genutzt.

Moderne Segelflugzeuge mit Triebwerk sind faszinierende Hochleistungsgeräte, die eine neue Dimension der fliegerischen Freiheit eröffnen. Doch um diese Geräte sicher zu beherrschen, bedarf es einer fundierten Basisausbildung, eines tiefgehenden System-Verständnisses und eines regelmäßigen, realitätsnahen Trainings. Über allem steht die richtige mentale Einstellung: die Bereitschaft, sich intensiv und kontinuierlich mit den Eigenheiten des Flugzeugs vertraut zu machen, seriös zu lernen und konsequent zu üben. Nur wer diesen Aufwand nicht scheut, wird die Flugerlebnisse mit motorisierten Segelflugzeugen in unvergesslicher – und vor allem positiver – Erinnerung behalten.

Konkrete Handlungsempfehlungen

RegelBegründung
Motor nur über sicherem Gelände startenBei technischem Versagen bleibt Außenlandeoption erhalten
Über unlandbarem Gelände wie reiner Segler planenHeimkehrhilfe in Alpen/Gebirge nicht zuverlässig einsetzbar
Motoreinsatz früher als Außenlande-EntscheidAusreichend Höhenreserve für Problemlösung bei Störungen
Motorstart nicht bei Starkwind nahe kontrolliertem PlatzLärm verhindert Kommunikation mit Fluglotsen
Bei Nicht-Zünden: Sofort Außenlandung vorbereitenZeitfenster mit ausgefahrenem Triebwerk dramatisch verkürzt

FES Ground Safety

FES-equipped gliders are relatively new and unfamiliar to other airfield users who may not appreciate the dangers of the flush seated, self-deploying, fast turning and solid propeller blades on the nose of the glider. In addition to any precautions described in the aircraft flight manual, these points can be helpful:

  • Whether or not you fly a FES equipped glider, always treat a FES propeller as ‘live’.
  • Insist that helpers or onlookers always keep clear of the propeller.
    Tow out with the motor disarmed, eg the key removed if there is one, and any prop-guard in place.
  • Don’t touch the FES switches when anyone is near the front of the glider.
    People are interested in new technology. Don’t allow them to ‘fiddle’ with the FES switches.
  • If taking an aerotow or winch launch in an FES-equipped glider, make a point of advising those hooking on on the FES installation and insist that they approach the hook from behind the cockpit to keep clear of the propeller and its potential arc of travel.
  • If self-launching in a FES-equipped glider, keep the canopy open until you have completed your pre-flight checks and are ready to start, then loudly call “clear prop” before closing the canopy.
  • If someone helps with ground handling after landing a FES-equipped glider, make a point of advising them of the FES installation and to remain clear of the propeller and its potential arc of travel. As a FES operator, consider how you can minimise the risk to others on the ground, including by disconnecting the batteries. Source: ‚British Gliding Association‚.

2022 – The Best of the Rest; 1. Teil

von Martin Knops

Jenacup und Alpenfliegen bildeten zweifellos die Höhepunkte der Flugsaison 2022. Aber auch sonst ist viel passiert. Einiges habe ich schon fast verdrängt, anderes sollte ich unbedingt in Erinnerung behalten, weil es so schön war.

Verdrängt!? Nun ja, Pleiten, Pech und Pannen blieben mir leider auch in diesem Jahr nicht erspart. Das Unheil nahm auf einem harmlosen Trainingsflug Ende April seinen Lauf. Kein großer Flug, keine Glanzleistung, und doch war ich stolz, es bis hinter die Wasserkuppe und ohne Motor zurück geschafft zu haben.

Erstaunt musste ich nach dem Upload feststellen, dass weglide eine deutlich kürzere Strecke berechnete. Angeblich hatte ich in den letzten zwei Stunden des Fluges immer wieder den Motor benutzt. Grrr. Da hatte offensichtlich ein Sensor den Geist aufgegeben oder spontan entschieden, auf die subversive Seite zu wechseln. Sollte eine derartige Fehlfunktion beim Jenacup auftreten, hätte ich auch gleich zu Hause bleiben können. Das Ding musste also raus und gewechselt oder repariert werden. Kein Problem. So teuer sind diese Bauteile gar nicht – allerdings in Zeiten von Chipkrise und Lieferkettendisruptionen komplett ausverkauft! „Wann kommen die wieder rein?“ – „Keine Ahnung, kurzfristig nicht. Aber wir können den Sensor einschicken und reparieren lassen“ – „Wie lange dauert das?“ – „Keine Ahnung, vielleicht vier Wochen.“

Ich konnte es nicht fassen. „Nichts zu machen?“ – „Leider Nein. Aber frag mal beim Flugzeughersteller nach. Die haben Kontingente für ihre Neuflugzeuge. Vielleicht lässt sich da was abzwacken.“ Gesagt, getan. Ich drückte ein wenig auf die Tränendrüse und nach einigem hin- und her fand sich tatsächlich ein Sensor. Es gab allerdings einen kleinen Haken: „Ihr uraltes Modell stellt die Firma schon längst nicht mehr her.“ Und das neue Modell – „viel besser und zuverlässiger“ – aha – hat einen anderen Anschlussstecker. Den müsste man dann auch tauschen; am besten „im Werk“.

Ich setzte für den Moment auf die Reparaturoption. Bis zum Jenacup waren es noch etliche Wochen. Das würde schon passen und den neuen Sensor würde man mir warmhalten für den Fall der Fälle, „versprochen“.

Wo saß dieser „MoP-Sensor“ überhaupt? Im Handbuch war nichts zu finden, aber die Schwarmintelligenz bei Facebook wusste es: hinter dem Motorkasten auf dem Querspant. Um daran zu kommen, musste also der Jet mitsamt Kasten raus. Wie das geht, war detailliert im Handbuch beschrieben. Ich hatte etwas Muffe davor, aber hey: ich war immerhin Ingenieur, promoviert sogar. Das sollte doch machbar sein. So machte ich mich frohen Mutes ans Werk. Erst den Motor raus. Gar nicht so schwer. Vorher die Batterien abklemmen und alle Kabel isolieren, damit es keinen Kurzschluss geben kann. Dann den Kasten raus. Auch das gelang trotz einiger ausgelutschter Inbusschrauben recht problemlos. Der Sensor war schnell gefunden und noch schneller ausgebaut. Geschafft! Ich fühlte mich wie ein Bergsteiger auf dem Gipfel. Aber bekanntlich ist der Abstieg ungleich gefährlicher als der Aufstieg!

Nach dem Einbau des Kastens musste ich die Batterie wieder anschließen, um den Motorträger in die richtige Position zu bringen – und vergaß danach, dieselbe wieder abzuklemmen. Ein verhängnisvoller Fehler. Beim Anschließen der Steuerkäbelchen berührten sich zwei – fast unvermeidlich – und dieser Kurzschluss setzte die Steuerplatine außer Gefecht. Ergebnis: der Jet lies sich nicht mehr einfahren. Keine Chance! Ein paar hektische Telefonate später war klar: die Platine musste eingeschickt werden. Mit dem Flieger oder separat. Und übrigens: den Motorkasten hätte man auch zusammen mit den Jet ausbauen und sich damit den ganzen Ärger sparen können. Danke für den Tipp. Leider zu spät.

Ich hatte erstmal genug und begann frustriert, den Flieger einzupacken. Mit ausgefahrenem Jet. Sollte passen. Vorsichtig den Anhängerdeckel zuziehen – Knirsch. Es passte ganz knapp nicht und die Zündkerze hatte fein säuberlich ein kleines Loch in das unter dem Anhängerdeckel hängende Höhenruder gestanzt. Ich Vollidiot! Das durfte doch alles nicht wahr sein. Slapstick pur! Meine Flüche waren sicher kilometerweit zu hören mein ganzes Auftreten hätte Rumpelstilzchen zur Ehre gereicht. Mann!

Es dauerte länger, bis ich mich beruhigt hatte… nach zwei Wochen war alles repariert, ein neuer Sensor verbaut und die Sechsjahreswartung des Jets gleich miterledigt. Danke nochmal an Aeroconcept und M&D! Mein Kontostand hatte allerdings etwas gelitten… Monate später trudelte schließlich auch der reparierte Sensor bei mir ein. Falls jemand einen braucht…

Links zum Flug… bei onlinecontest noch mit den falschen Motorsensorsignalen.

Frühere Publikationen von Martin Knops:

>> Jenacup, Teil 5

>> Jenacup, Teil 4

>> Jenacup, Teil 3

>> Jenacup, Teil 2

>> Jenacup, Teil 1

Untersuchungsbericht zu verlorenem Arcus-Propeller

Verlauf
Südwestlich des Ricken fuhr der Pilot um 15:52 Uhr in einer Flughöhe von rund 1100 m/M den Hilfsantrieb aus, um Höhe zu gewinnen, da er sich zwischen Wägital und Mythen bessere Segelflugbedingungen erhoffte und dadurch den Flug noch etwas verlängern konnte. Er wollte den Motor gemäss der entsprechenden Checkliste mittels des durch anströmende Luft drehenden Propellers (windmilling) starten, was ihm bei den ersten beiden Startversuchen nicht gelang. Kurz vor der Ortschaft Benken (SG) auf einer Flughöhe von ca. 1045 m/M, entsprechend 635 m über Grund, beschleunigte er für einen erneuten Startversuch den Motorsegler auf eine höhere Fluggeschwindigkeit. Dieses Mal startete der Motor sofort und heulte auf. Zeitgleich war ein lauter Knall hörbar.

Der Pilot stellte fest, dass der Motorsegler weiterhin steuerbar war und entschied sich für eine Landung auf dem nahe gelegenen Flugfeld Schänis. Die Passagierin erkannte im Rückspiegel, dass der Propeller am Hilfsantrieb fehlte und teilte dies dem Piloten mit. Während des Rückfluges vergewisserte sich der Pilot am Triebwerkbediengerät, dass der Hilfsantrieb eingefahren war. Der Motorsegler landete wenig später ereignislos auf dem Flugfeld Schänis.

Befunde am Motorsegler
Der Motorsegler wurde durch den Verlust des Propellers an der Flügelwurzel des rechten Tragflügels, auf der Rumpfoberseite gleich hinter der Kabinenhaube und an der Seitenflosse beschädigt. Am Motor wurden äusserlich die gebrochene Propellerachse, eine verbogene Zündmodulplatte sowie das Fehlen der Antriebsriemen zwischen Motor und Propeller festgestellt.

Technische Aspekte
Beim Starten des Hilfsantriebes der HB-2467 brach die Propellerachse, was dazu führte, dass sich der Propeller mitsamt der Riemenscheibe vom Motor löste und ungebremst zu Boden stürzte. Das Versagen der Propellerachse liess sich dabei auf einen Ermüdungs-Bruch mit duktilem Restbruchanteil von rund 15 % der Gesamtbruchfläche zurückführen.

Ursachen
Der schwere Vorfall, bei dem sich der Propeller vom Hilfsantrieb des Motorseglers löste, ist darauf zurückzuführen, dass die Propellerachse aufgrund eines Ermüdungsbruches versagte. Zu diesem Ereignis führten in Kombination die folgenden Faktoren:

  • Ungenügende Gestaltsfestigkeit der Propellerachse;
  • Fehlen spezifischer Prüfintervalle und -vorgaben für die Propellerachse;
  • Fehlen einer Lebensdauerbegrenzung für die Propellerachse;
  • Das Service Bulletin des Motorenherstellers und die Lufttüchtigkeitsanweisung der EASA, die ältere Werknummern des Motorenmusters 2350D ausschlossen.

Sicherheitsempfehlung
Die Agentur der Europäischen Union für Flugsicherheit (European Union Aviation Safety Agency – EASA) sollte in Zusammenarbeit mit dem Flugzeughersteller Schempp-Hirth und dem Hersteller des Hilfsantriebes Solo Vertriebs- und Entwicklungs GmbH durch geeignete Massnahmen sicherstellen, dass die Propellerachsen bei allen Motoren-Mustern der Reihe 2350 eine genügende Gestaltsfestigkeit aufweisen. Als Gestalts-Festigkeit bezeichnet man in der Werkstoffkunde die ermittelte Dauerfestigkeit eines Bauteils in seiner konkreten Gestalt.

Getroffene Massnahmen
Am 7. Dezember 2021 informierte das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) im Sinne einer proaktiven Sicherheitskultur per E-Mail alle Halter von Flugzeugmustern, die mit einem Motor des Musters Solo 2350D ausgerüstet sind, über den vorliegenden schweren Vorfall und das erkannte Sicherheitsdefizit. Am 23. Dezember 2021 publizierte der Flugzeughersteller Schempp-Hirth Flugzeugbau GmbH auf seiner Homepage eine Halterinformation mit Angaben zum vorliegenden schweren Vorfall und empfahl für alle betroffenen Flugzeugmuster und Baureihen mit dem Motormuster Solo 2350D, bei denen die Propellerachse eine Betriebszeit von 30 Betriebsstunden oder mehr aufweist, bis auf weiteres auf den Betrieb des Motors zu verzichten. Am 31. Januar 2022 veröffentlichte der Motorenhersteller Solo Kleinmotoren GmbH das Service Bulletin (SB) 4603-19.

Gemäss dieser SB ist bei allen Motoren des Musters Solo 2350D mit der Werknummer bis und mit 399 die Propellerachse durch eine verbesserte Achse bis spätestens einer Betriebszeit des Motors von 30 Stunden zu ersetzen.

Zudem wurde ein Austauschintervall der Achse von 50 Betriebsstunden eingeführt. Die neue Achse weist eine verbesserte Gestaltsfestigkeit auf. Quelle / vollständiger Bericht: ‚SUST‚.

Propeller verloren

Ein vom Flugplatz Schänis aus gestartetes Segelflugzeug mit Hilfsmotor verliert während des Flugs den Propeller. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) stuft den Vorfall als schwer ein.

Es herrscht bestes Flugwetter, als am Montagnachmittag des vergangenen 19. Juli ein Segelflugzeug mit Hilfsmotor mit der Immatrikulation HB-2467 vom Flugplatz Schänis abhebt. Am Steuerknüppel sitzt ein erfahrener 57-jähriger Schweizer Pilot. Das Flugzeug ist ein Zweiplätzer. Der Flieger hängt an der Schleppwinde eines Motorflugzeugs. Nachdem er die nötige Höhe erreicht hat, um mit Aufwinden ohne Motorhilfe weiter steigen zu können, wird das Seil ausgeklinkt. Im Verlaufe des weiteren Flugs startet der Pilot den Hilfsmotor, der sich oben am Segler befindet und der ausgeklappt werden kann. Während des Anlassvorgangs löst sich plötzlich der Propeller vom Motor und fällt in die Tiefe. Er schlägt im Raum Kaltbrunn/Benken im Riet auf. Trotz des Vorfalls, der sich um 17 Uhr ereignet hatte, kann der Pilot das Segelflugzeug anschliessend sicher auf dem Flugplatz Schänis landen. Dies geht aus einem Bericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) vom 11. August hervor. Sie hat zum verloren gegangenen Propeller eine Untersuchung eröffnet. Das Ergebnis steht noch aus. Die Sust spricht jedoch von einem «schweren Vorfall».

Bewohntes Gebiet meiden
Ein Fluglehrer des Flugplatzes Schänis, der nicht namentlich genannt werden will, sagt dazu: «Grundsätzlich gilt jeder Flugabbruch als schwerer Vorfall, auch wenn die Pilotin oder der Pilot sicher zum Flugplatz zurückkehren kann.» Der Fluglehrer gibt stellvertretend für den betroffenen Piloten Auskunft. Aber ein Propeller, der einfach so vom Himmel fliegt, der hätte ja Menschen, Tiere, Häuser oder Fahrzeuge treffen können. Der Fluglehrer verneint. Bewohntes Gebiet werde prinzipiell gemieden. Dies, um die Emissionen für Bewohnerinnen und Bewohner möglichst gering zu halten. Die Pilotinnen und Piloten des Flugplatzes Schänis würden in ihrer Ausbildung darauf sensibilisiert, Rücksicht zu nehmen.

Der abgestürzte Propeller ist aus Glasfasern hergestellt und wiegt zwei bis drei Kilogramm. Im Vergleich dazu seien Eisklötze aus grossen Passagiermaschinen viel grösser und würden einiges häufiger vom Himmel fallen, gibt der Fluglehrer zu bedenken.

Nicht voraussehbar
Wie lange der Pilot in der Luft war, welche Route er genau geflogen ist und ob er allein oder zu zweit unterwegs war, kann der Fluglehrer nicht sagen. Auch nicht, weshalb der Pilot den Hilfsmotor startete. Immerhin ging der Absturz des Propellers glimpflich aus. Gemäss Sust wurde niemand verletzt. Das Segelflugzeug wurde beim Unfall leicht beschädigt und es sei nur geringer Landschaden entstanden. Der Vorfall wird auf dem Flugplatz Schänis auch intern untersucht. Über den Grund, weshalb der Propeller vom Motor abgefallen war, kann laut dem Fluglehrer nur spekuliert werden. Es deute aber alles auf eine technische Ursache hin. Vor und während des Flugs seien am Segelflugzeug keine Probleme festgestellt worden, sagt der Fluglehrer. «Zudem hätte der Pilot keinerlei Möglichkeit gehabt, den Verlust des Propellers vorauszusehen oder zu verhindern.»

Vorerst stillgelegt
Das betroffene Flugzeug ist neun Jahre alt, kostet gegen 200 000 Franken und gehört der auf dem Flugplatz Schänis beheimateten Segelfluggruppe Lägern. Die neun Jahre seien noch kein Alter für ein Segelflugzeug, sagt der Fluglehrer weiter. Segelflugzeuge könnten gut und gerne 50 bis 60 Jahre in der Luft sein. Die Wartungsarbeiten erfolgten in Schänis gemäss Herstellervorgaben in sehr kurzen Abständen. Nach jeweils 25 Betriebsstunden würden die Motoren kontrolliert. Gebaut hat das Segelflugzeug die Schempp-Hirth in Kirchheim unter Teck in Deutschland. Dort steht der vorerst stillgelegte Flieger aktuell in einem Hangar, wo er vom Hersteller und in Zusammenarbeit mit der europäischen Luftfahrtbehörde untersucht wird. Besonders interessant macht den Fall des losgelösten Propellers, dass es sich dabei um den ersten bekannten Vorfall dieser Art überhaupt in ganz Europa handelt, wie der Fluglehrer erklärt. Damit sich ein solcher nicht wiederhole, gehe es nun darum, die mögliche Ursache zu finden und zu beheben. Quelle: ‚Südostschweiz‚.