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Pionierarbeit neben der Gletscherspalte

Im August 1919 gelang dem Militärpilot Robert Ackermann, auf dem Jungfraujoch die wohl erste Gebirgslandung der Geschichte. Zuerst verlief alles nach Plan, als Oberleutnant Robert Ackermann mit seinem zweisitzigen Doppeldecker Typ Häfeli DH-3 mit Passagier, dem Major Arnold Isler, am frühen Morgen des 17. August 1919 auf der Thuner Allmend abhob. Ziel der ersten Hochgebirgslandung war das Jungfraujoch auf 3400 Meter, wo eine Bahn zur Verfügung stand, falls etwas schiefgehen würde. Und es ging etwas schief. Das Militär wollte Erfahrungen sammeln für die Anlage von Flugplätzen in den Alpen. Am Vortag hatten Männer auf dem Joch eine rund 200 Meter lange und 15 Meter breite Piste in den Schnee gestampft. Deren Ende markierten sie mit Flaggen, unmittelbar dahinter befand sich eine tiefe Gletscherspalte. Doch nach 65 Minuten Flugzeit verlor der Motor wegen der dünnen Luft an Leistung, und Ackermann gelang es trotz Vollgas nicht, die Höhe zu halten. Mehr erfahren Sie im Originalbericht des ‚Langenthaler Tagblatts‚.

Gletscherfliegen mit Kopfstand im Mönchsjoch.

Beim Aufräumen meiner Videothek habe ich einen aus 1993 stammenden SVHS-Film entdeckt, er zeigt die letzte grosse fliegerische Freiheit – das Gletscherfliegen. 

Flug ab Mollis mit dem Super-Cub HB-OLX in den ersten Januartagen des Jahres 1993 auf die Gebirgslandeplätze am Sustenhorn, auf das ‚Ewig Schneefeld‘ am Mönchsjoch und den ‚Gratis-Peter‘ (Petersgrat) zwischen Lötschental und dem Kanderfirn.


Hier geht’s direkt zum Gletscherflieger-Video.

Speziell ist mir an diesem unvergesslichen Flug frühmorgens eine Landung am obersten Ende des ‚Ewig Schneefeld‘ – einem der einsameren, auf der Südseite des Berner Oberländer Mönchs-Gipfels gelegenen Gletscher der Alpen – in Erinnerung geblieben. Beim Wenden nach der Landung zum Neustart den steilen Hang hinunter bin ich im metertiefen Pulverschnee etwas überraschend in einer dicken Schnee-Wächte steckengeblieben.

‚Si zwee Fründe imne Schportflugzüüg en Alpeflug go mache…
flüge ufe zu den Alpä …‘

Fast wie im Lied von Mani Matter hat der Propeller im luftigen Champaign-Powder einen Mords-Staub aufgewirbelt und beim Versuch, mit dosiertem Gasgeben das Flugzeug zu befreien, hat’s mir das Fliegerchen sanft und in Zeitlupe gleich ganz auf den Propeller gestülpt. Dann war nur noch absolute Stille zu hören. Dieses wurde in der kommenden halben Stunde nur vom Pfeifen meiner Lunge (wie eine löchrige Luftmatratze, wenn der Inhalt entweicht) gestört.

Die folgende Befreiungs-Schaufel-Aktion hat mich auf 3’500 Meter in der spürbar dünnen Luft nämlich gehörig ins Keuchen und Schwitzen gebracht. Die Lungenflügel habe ich glaubs am Abend noch gespürt. Den ersten Start habe ich in der Folge alleine und ohne den filmenden Passagier Fredi Frutig machen müssen, um sicher wegzukommen und weiter unten in flacherem Gelände erneut eine Landung zu versuchen, um meinen vereinsamten Passagier wieder an Bord nehmen zu können.

Schwimmen im bodenlosen Pulver.

Er muss sich ein paar Minuten lang etwa 30 km von der nächsten bewohnten Siedlung entfernt in der absoluten Stille eines Januarmorgens auf diesem wirklich abgelegenen Schneefeld etwas einsam vorgekommen sein. Zur Belohnung musste er dann auch noch ein paar Hundert Meter durch den Pulverschnee hinunter ’schwimmen‘. Die Kamera hat er dabei wie ein flüchtiger Vietkong beim Durchqueren eines Flusses immer ein gutes Stück über den Kopf gehalten, damit sie ja keinen Pulverschnee in die Optik erwischt 🙂

Herrliche Erinnerungen, festgehalten auf Super-VHS von meinem Fluggast Fredi Frutig aus Winterthur.