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Kollision mit Windenseil

Während eines Windenstarts kam es zu einer Kollision zwischen einem Segelflugzeug und dem Seilfallschirm und Vorseil des Windenseils, nachdem die Besatzung das Windenseil ausgeklinkt und sich der Seilfallschirm geöffnet hatte und der Windenfahrer das Windenseil einzog.

Die Untersuchung zeigte, dass nach Abbruch eines Windenstarts je nach Ausstattung des Startwindenseils eine Kollision zwischen dem Segelflugzeug und dem aufgeblähten Seilfallschirm und Vorseil weder von der Besatzung noch vom Windenfahrer verhindert werden kann. Um genau dieses Risiko zu reduzieren, wurden in der Lufttüchtigkeits-Anweisung (LTA) Nr. 73-16 des Luftfahrt-Bundesamtes vom Februar 1973 (heute LTA Nr. 1973-016) Vorschriften betreffend Seilfallschirmen und der Seilausstattung erlassen.

Der Pilot und der Fluglehrer hatten im Rahmen des Breitenförderungskurses gemeinsam drei Flüge in einer DG -1000S absolviert. Zu diesen Flügen mit einer Flugzeit von insgesamt 5:35 h waren sie jeweils im Flugzeugschlepp gestartet. Bei der Vorbereitung zum gemeinsamen Windenstart am 10. Mai 2019 vernahm der Fluglehrer vom Piloten, dass dieser keine Windenstartberechtigung habe und die Duo Discus nicht gut kenne. Der Fluglehrer besprach mit dem Piloten die Fluggeschwindigkeiten beim Windenstart und sagte, dass sie ungefähr 110 km/h erreichen wollten. Dann sollte der Pilot « nicht zu steil anhängen»2, um den Übergangsbogen zu fliegen.

Verlauf:

Die ersten Phasen des Startlaufs – Seilanzug, Anrollen und Abheben verliefen wie für einen Windenstart üblich. Danach steuerte der Pilot das Segelflugzeug nicht in einem sog. “Übergangsbogen” in den Steigflug, sondern behielt eine flache, annähernd horizontale Flugbahn bei, während der das Segelflugzeug eine Höhe von rund 13 m über Grund erreichte (vgl. Abbildung 1). Im Moment, als der Pilot für das Einleiten des Übergangsbogens am Steuerknüppel ziehen wollte, sagte der Fluglehrer, dass die Fluggeschwindigkeit zu gering sei.

Der Fluglehrer klinkte das Windenseil aus und übernahm die Steuerführung. In der Folge öffnete sich der Seilfallschirm vor dem Segelflugzeug. Der Fluglehrer sah diesen rechts unter dem Segelflugzeug nach hinten verschwinden, worauf er die Flug-Geschwindigkeit reduzierte. Nachdem der Windenfahrer erkannt hatte, dass sich der Seilfallschirm geöffnet hatte, zog er nach einem kurzen Zögern das Seil mit «Vollgas» ein, um es vom Segelflugzeug wegzuziehen. Dabei kollidierten Seilfallschirm und Vorseil mit dem rechten Tragflügel des Segelflugzeuges, was der Fluglehrer als kurzzeitige Drehung um die Hochachse nach links wahrnahm. Danach landete er das Segelflugzeug ohne weitere Ereignisse auf der Piste. Die beiden Insassen blieben unverletzt. Der rechte Tragflügel und das rechte Querruder des Segelflugzeuges wurden durch die Kollision mit dem Seilfallschirm und dem Vorseil beschädigt.

Ursachen:

Der schwere Vorfall, bei dem das Segelflugzeug mit dem Seilfallschirm und Vorseil des Windenseils kollidierte, entstand, nachdem die Besatzung während eines Windenstarts Der schwere Vorfall, bei dem das Segelflugzeug mit dem Seilfallschirm und Vorseil des Windenseils kollidierte, entstand, nachdem die Besatzung während eines Windenstarts den Übergang in den Steigflug nicht eingeleitet und das Seil ausgeklinkt hatte. In der Folge gelang es weder der Besatzung, dem aufgeblähten Seilfallschirm und Vorseil auszuweichen, noch dem Windenfahrer, das Seil vom Segelflugzeug wegzuziehen.

Zum schweren Vorfall haben folgende Faktoren beigetragen:

  • Geringe Erfahrung des Piloten mit Windenstarts und keine Erfahrung auf dem Vorfallmuster;
  • Geringe Erfahrung des Fluglehrers mit Windenstarts und wenig Erfahrung bei der Instruktion dieser Startart;
  • Verwendung eines grossen, sich leicht aufblähenden Seilfallschirms;
  • Geringer Abstand zwischen dem Scheitel der Seilfallschirmkappe und der Schleppkupplung am Segelflugzeug.
  • Das allgemein fehlende Bewusstsein hinsichtlich der je nach Startwinde und Seil-Aausstattung mit einem Windenstart einhergehenden Risiken sowie in Bezug auf die Möglichkeiten, diese Risiken zu vermindern, wurde als systemisch beitragen – der Faktor erkannt. Betreiber von Startwinden sollten die grundsätzlichen Überlegungen und Sicherheitsempfehlungen, wie sie in Deutschland seit Jahrzehnten existieren, nachvollziehen sowie auf heutige Gegebenheiten anpassen und umsetzen.

Sicherheitshinweis Nr. 39:
Der Segelflugverband der Schweiz (SFVS) sollte die Betreiber von Startwinden sensibilisieren, dass sie die folgenden Hinweise beachten, individuelle Risikoanalysen durchführen und entsprechende Massnahmen umsetzen:

  • Es sollten nur Seilfallschirme verwendet werden, mit denen eine genügend grosse Seileinzugsgeschwindigkeit erreicht werden kann, um einen geöffneten Seilfallschirm von einem horizontal fliegenden Segelflugzeug in geringer Höhe über Grund wegziehen zu können.
  • Durch Verwendung eines Zwischenseils sollte der Abstand zwischen der Seilfallschirm-Kkappe und der Schleppkupplung des Segelflugzeuges so gross sein, dass die Reaktionszeit für Besatzungen ausreichend ist, um einem sich aufblähenden oder in sich zusammenfallenden Seilfallschirm ausweichen zu können.
  • Die grundsätzlichen Überlegungen und Sicherheitsempfehlungen, wie sie in Deutschland seit Jahrzehnten existieren, sollten Schweizer Betreiber von Startwinden nachvollziehen sowie auf heutige Gegebenheiten anpassen und umsetzen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es bei einem Windenstart zu einer Kollision zwischen dem Segelflugzeug und dem Seilfallschirm und Vorseil kommt, kann durch obige Massnahmen minimiert werden. Als Richtwert für die Auslegung der Seilausstattung können die Segelflugsport-Betriebs-Ordnung (SBO) der Bundeskommission Segelflug des Deutschen Aero Clubs und die Lufttüchtigkeits-Anweisung (LTA)
Nr. 73-16 des Deutschen Luftfahrt-Bundesamtes herangezogen werden. Zudem sollten Notverfahren für Windenfahrer instruiert werden, die dem Zusammenwirken der jeweiligen Systemkomponenten angepasst sind. Quelle / vollständier Schlussbericht: ‘SUST‘.

Fricktaler Segelflug-Grand Prix

Die Segelfluggruppe Basel-Fricktal organisiert auf dem Flugplatz in Schupfart erstmals einen Segelflug-Grand Prix. 13 Piloten aus der ganzen Schweiz sind dazu angereist – und müssen erst mal auf den Start warten, weil das Wetter nicht mitspielt. Dann aber geht es doch noch los. Ein Augenschein. Ausgerechnet jetzt ziehen auch noch Schleierwolken auf am Himmel über Schupfart. Es ist 13.47 Uhr an diesem Donnerstagnachmittag, und die ersten Piloten wurden eben in die Luft gezogen, um gleich zum Segelflug-Grand Prix Schupfart 2021 zu starten. Schleierwolken sind nicht das, was sie jetzt gebrauchen können. Sie dämpfen die Sonneneinstrahlung und bremsen so die Thermik und die Segelflieger.

Das Wetter – oder genauer: Bewölkung, Regenzellen und Windrichtungen – beschäftigen die Organisatoren des ersten Segelflug-Grand Prix im Fricktal schon den ganzen Tag. Am Morgen hatte OK-Chef Fredy Zulliger die Route für diesen ersten Wettkampf-Tag festgelegt. Von Schupfart über Courtelary und Moutier im Jura weiter nach Wynigen im Emmental zurück ins Fricktal zum Sonnenberg zwischen Zeiningen und Möhlin und schliesslich via Bad Säckingen zurück nach Schupfart. Gut 185 Kilometer mit fünf Kontrollpunkten, welche die Flieger passieren müssen.

Die Piloten müssen auf den Start warten
Nur eben: Lange ist ungewiss, ob das Wetter mitmacht. Fredy Zulliger sagt mit Blick auf seinen Laptop: «Über dem Jura hängen dicke Wolken. Und auf der Alternativroute in Richtung Schaffhausen droht Regen.» Für die Piloten heisst das: Warten. Einige vertreiben sich die Zeit mit Fachsimpeln, tauschen Tipps aus, besprechen die Eigenheiten der Flugroute – oder erzählen lustige Anekdoten aus dem Leben eines Segelpiloten. Dass eine ausserplanmässige Landung auf einer Wiese schon mal zu einer spontanen Einladung zu einem Grillfest führen kann etwa.

Andere liegen im Schatten unter den Flügeln ihrer Flieger und dösen. Hildi Schönmann, Medienverantwortliche des Events, sagt mit einem Lachen: «Das Warten gehört zu dieser Sportart dazu – sie findet nun mal draussen statt.» Wichtig sei, zum richtigen Zeitpunkt wieder bereit zu sein – dann, wenn OK-Chef Zulliger das Okay zum Start gibt. An diesem Nachmittag ist das kurz vor 13.30 Uhr. Die dicksten Wolken über dem Jura verziehen sich langsam, und vom Mittelland her strömt klarere Luft herein. Mit der Gemütlichkeit und Entspannung ist es nun vorbei im Startbereich: Die Piloten ziehen ihre Fallschirme an, programmieren die GPS-Geräte und checken ein letztes Mal ihre Maschinen. Dann geht es los.

Alle starten gleichzeitig
Nacheinander werden die 13 Piloten in die Luft gezogen. Die Motoren der drei Schleppmaschinen heulen fast im Minutentakt auf. Über dem Thiersteinberg, auf 1200 Metern Höhe, klinken die Segelflieger aus. Per Funk kommt von einem der Piloten in der Luft die Meldung: Steigung zwei Meter pro Sekunde. Eine Entwarnung für die Rennleitung. Denn: Das ist ein guter Wert, ist man sich am Boden einig, trotz Schleierwolken.

Um 14.18 Uhr sind alle Flieger in der Luft. Rund 20 Minuten haben sie nun Zeit, eine ideale Startposition zu finden. Dann gibt Fredy Zulliger über Funk das Startsignal. Dieser Massenstart, ähnlich dem bei einer Regatta, ist eine der Besonderheiten eines Grand Prix. Schönmann erklärt: «Bei anderen Wettfliegen sind die Piloten für sich unterwegs, hier fliegen alle gleichzeitig los und die gleichen Kontrollpunkte an.» Das fasziniert auch die erfahrenen Piloten. So etwa Mark Käppeli, seit Jahren Mitglied des Schweizer Segelflug-Nationalteams und oft an internationalen Wettbewerben im Ausland unterwegs. Er sagt: «Dieser direkte und unmittelbare Vergleich mit den anderen Piloten macht für mich den Reiz aus.» Das und die Herausforderung, die Route in möglichst kurzer Zeit zu bewältigen. In der Luft hätten die Piloten keinerlei Erholungsphasen, müssten stets die Umgebung beobachten – und schnell Entscheidungen treffen.

Wolken verraten beste Flugroute
Natürlich, um keinem der Konkurrenten zu nahe zu kommen. Wobei jeder Flieger mit einem Alarmsystem ausgestattet ist. Aber auch, um abschätzen zu können, wo die besten Luftverhältnisse herrschen. Immer auf der Suche nach Thermiken, durch die ein Aufsteigen möglich ist oder die Flieger schnell vorwärtskommen, ohne viel Höhe zu verlieren. Pilot Mark Käppeli erklärt: «Es gilt, die Wolken zu lesen – denn ihre Schattierungen und Ränder zeigen an, wie die Luftverhältnisse sind.» Gelingt einem das, sei das ein wahres Glücksgefühl – «das fühlt sich an wie im siebten Himmel, im wahrsten Sinne des Wortes», sagt Hildi Schönmann. Umgekehrt könne ein Fehlentscheid dazu führen, dass man wenig später mit seinem Segler in einer Wiese sitze. Kurz vor 17 Uhr sind die ersten Piloten zurück in Schupfart. Auf einem Monitor konnten die Organisatoren vom Boden aus stets den Rennverlauf verfolgen, dank eines Tracking-Systems. Quelle: ‘Aargauer Zeitung‘.

Wandersegelflug-Abenteuer der SG Basel Fricktal

Spannender Bericht von Berndt Oberhauser über eine mehrtägige Reise in Arcus und Duo über die Schwäbische Alb nach Tschechien und über das österreichische Alpenvorland und die Alpen zurück an den Jura. Alles über Windrad- und Braunkohle-Thermik – aber auch über roten Pressack zum Frühstück, den Besuch im “Wärschtparadies” und dunkles Weizenbier. Absolut lesenswert!