Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat den Abschlussbericht zum Unfall vom 15. Juli 2022 veröffentlicht. Bei dieser Notlandung einer Robin DR 400 war in der Nähe des Flugplatzes München unvermittelt der Motor ausgefallen.
Ereignis
Ein 27-jähriger Pilot startete um 11:35 Uhr vom Flugplatz Günzburg zu einem Privatflug nach Salzburg. An Bord der Robin DR 400/140 B (D-ETFM, Baujahr 2019, 566 Betriebsstunden) befanden sich zwei Passagierinnen. Kurz nach dem Start leuchteten beide FADEC-Warnleuchten abwechselnd auf. Nach Abarbeitung der Abnormal Procedure und einem FADEC-Reset erloschen die Warnleuchten nach etwa sieben Minuten; der Flug wurde fortgesetzt.
Im Anflug auf die Kontrollzone des Flughafens München — beim Überfliegen der Autobahn A92 auf rund 2.200 ft AMSL (ca. 700–800 ft AGL) — fiel der Motor unvermittelt aus. Der Pilot setzte um 12:10:59 Uhr einen Mayday-Ruf ab, versuchte einmal, den Motor wieder anzulassen, und suchte ein Notlandefeld. Aufgrund der geringen Höhe, der Ortschaft Marzling, der Isar und der Autobahn A92 war die Feldauswahl stark eingeschränkt. Um 12:12 Uhr setzte das Flugzeug auf einer Feuchtwiese südlich der A92 auf. Dabei drehte es sich unkontrolliert um die Hochachse nach rechts; die rechte Tragfläche und der vordere Rumpfteil wurden abgerissen. Alle drei Insassen konnten das Flugzeug aus eigener Kraft verlassen. Eine Passagierin wurde schwer, der Pilot und die zweite Passagierin wurden leicht verletzt.

Technische Ursache
Der Motor — ein Thielert TAE 125-02-114 (Dieselmotor, Constant-Speed-Propeller) — fiel aus, weil die Hochdruckpumpe (HDP) des Common-Rail-Einspritzsystems keinen ausreichenden Kraftstoffdruck mehr liefern konnte. Die FADEC-Daten zeigen ab 12:10:55 Uhr eine deutliche Abweichung des tatsächlichen Rail-Drucks vom Sollwert. Nach dem Austausch der HDP auf dem Prüfstand erreichte der Motor wieder alle vorgesehenen Leistungsparameter.
Die Untersuchung der HDP ergab einen starken abrasiven Verschleiß an der Lagerbuchse der Exzenterwelle; die Lagerbuchse zeigte Riefen an Innen- und Außenseite und hatte sich im Gehäuse mitgedreht. Die Kraftstoffanalyse schloss minderwertigen oder verunreinigten Kraftstoff als Ursache des Lagerschadens aus. Als mögliche Ursachen blieben offen:
Mögliche Ursache | Bewertung BFU
| Fehlerhafte Verklebung der Lagerbuchse bei der Montage | Nicht auszuschließen |
| Lufteintrag über lose Fittings am Shut-Off-Ventil | Nicht auszuschließen |
| Frühere Kraftstoffkontamination (z. B. Wasser) | Nicht auszuschließen |
Bei der Demontage des Motors wurden zudem zwei lose Überwurfmuttern an Rohrleitungen des Kraftstoffsystems festgestellt. Prüfstands-Versuche des Motorherstellers zeigten, dass Lufteintrag durch lose Verbindungen sehr schnell zu einem Trockenlauf und damit zum Verschleiß der Lagerbuchse führen kann. Ein eindeutiger Nachweis dafür, wodurch sich die Verbindungen gelöst hatten, war nicht möglich.

Die FADEC-Fehlermeldung kurz nach dem Start (Warning Class 119: hoher negativer Rail-Druckabfall) könnte bereits auf den sich anbahnenden HDP-Schaden hingewiesen haben. Da sie durch den FADEC-Reset gelöscht werden konnte und der Rail-Druck danach wieder korrekt war, hatte sie keinen unmittelbaren Einfluss auf den weiteren Flugverlauf.
Feldauswahl und Unfallverlauf
Dem Piloten standen nach dem Motorausfall insgesamt rund 70 Sekunden bis zur Landung zur Verfügung. Nach dem Wiederanlassversuch verblieben noch etwa 30 Sekunden für die Feldauswahl. Die BFU stellt fest, dass sich in Anflugrichtung rechts neben dem gewählten Feld ein Feld mit geringerem Bewuchs und festerem Untergrund befand, das mit großer Wahrscheinlichkeit eine unfallfreie Landung ermöglicht hätte. Dieses Feld wäre erreichbar gewesen, wenn die Kurve geringfügig früher eingeleitet worden wäre. Aufgrund des Zeitdrucks und der eingeschränkten Optionen konnte der Pilot dem Bewuchs und der Bodenbeschaffenheit keine ausreichende Aufmerksamkeit widmen.

Der hohe Grasbewuchs und der feuchte Untergrund der gewählten Wiese erhöhten die Wahrscheinlichkeit der unkontrollierten Drehung um die Hochachse, die zur schweren Beschädigung des Flugzeugs führte.
Sicherheitsinformation der BFU
Die BFU weist darauf hin, dass bei einem Motorausfall in geringer Höhe die gleichzeitige Bewältigung mehrerer Aufgaben — Flugzeug fliegen, Wiederanlassversuch, Notlandung planen und nach Checkliste vorbereiten — in sehr kurzer Zeit erfolgen muss. Bei der Auswahl des Notlandefeldes sollten neben Grösse, Ausrichtung und Hindernisfreiheit auch Bewuchs und Bodenbeschaffenheit berücksichtigt werden. Quelle/vollständiger Flugunfall-Untersuchungsbericht: BFU

