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Beinsheim: Winde wieder einsatzbereit

Sonntag, ein normaler Schulungsbetrieb: „Seil anziehen…Straff….Fertig…“. Doch kaum hatte sich das Flugzeug bewegt, rollte es kurz aus, anstatt sich in die Lüfte zu erheben. Seilriß? Falsch eingeklinkt?

Nein, die Elektrowinde hatte ihren Dienst verweigert und war in einen Störmodus gegangen. Weder Aus- und Einschalten noch gutes Zureden halfen. Ein Blick in das Winden-Innerste (Schalttafel) offenbarte rotblinkende Leuchtdioden. Das signalisierte ein ernsthaftes Problem in der Steuerelektronik und beendete den Windenbetrieb. Hier musste ein Service-Fachmann ran.

Der kam Ende der Woche, sah, holte das richtige Ersatzteil und legte mit dem Schrauben los: „Die Winde ist schon älter. Da ist das kaputte Teil der Leistungsendstufe ziemlich komplex verbaut.“ Trotz der Hitze arbeitete er mit Unterstützung durch Martin Seebach und Christopher Wahlig bis spät in die Nacht. „Wenigstens zum Löten einer Platine konnte ich kurz in die deutlich kühlerer Werkstatt…“. Und weil er schon dabei war, installierte er auch gleich ein Update für die Schutzabstellung, händisch: „Bei den neuen Modellen geht auch das einfacher und schneller….“

Um 22:30 die erlösende Nachricht: „Die Winde läuft wieder!“ Die praktische Erprobung am nächsten Morgen bestätigte: Funktioniert und der Fachmann konnte endlich beruhigt nach Hause fahren, der Winden- bzw. Schulungsbetrieb war wieder gesichert. Quelle: ‚Ulrike Pawel, SFG Bensheim‚.

Erfolge beim Nachwuchs

Gleich aus drei Vereinen gibt es in diesem Frühjahr erfreuliche Nachrichten zu berichten: Nachwuchspiloten haben erste Alleinflüge absolviert, Streckenflüge gemeistert und damit wichtige Meilensteine auf dem Weg zur Pilotenlizenz erreicht.

Erster Alleinflug bei der Segelfluggruppe Bensheim

Bei der Segelfluggruppe Bensheim (SFG) hat Flugschüler Christopher Wahlig im April 2026 seinen ersten Alleinflug erfolgreich absolviert. Wahlig bringt familiäre Voraussetzungen mit: Sein Grossvater war aktiver Flieger, sein Vater ist Fluglehrer, und ein Onkel ist Segelflugweltmeister. Dennoch erforderte der erste Alleinflug – wie für jeden Piloten – theoretische Vorbereitung, praktische Übung und Konzentration. Wahlig meisterte die Aufgabe ohne Schwierigkeiten. Die SFG gratuliert dem jungen Piloten und wünscht „always happy landings“.

Erster Soloflug beim Segelflug-Club Stiftland in Tirschenreuth

Beim Segelflug-Club Stiftland e.V. (SFC) in Tirschenreuth absolvierte Flugschüler Felix Schmidkonz im Mai 2026 seinen ersten Alleinflug mit dem Motorsegler. Bei ruhiger Abendluft hob Schmidkonz erstmals ohne Fluglehrer ab und absolvierte die drei vorgeschriebenen Platzrunden souverän. Der SFC bildet derzeit vier weitere Flugschüler aus; das ehrenamtliche Fluglehrer-Team begleitet sie von den ersten Einweisungsflügen bis zur abschliessenden Prüfung. Im Oktober 2025 hatten bereits Olaf Kübler und Simon Richtmann ihre praktische Prüfung erfolgreich abgeschlossen.

Erste Streckenflüge bei der Innsbrucker Segelfliegervereinigung

Die Innsbrucker Segelfliegervereinigung (ISV) meldet erste Streckenflugerfolge ihrer Nachwuchspiloten. Als Einstiegsstrecke dient traditionell die Route zum Flugplatz Kufstein-Langkampfen – eine Strecke, die der Silber-C-Bedingung entspricht. Im Frühjahr 2026 bewältigten diese Aufgabe: Andreas Ritsch (5. April), Paul Pummerer (18. April), Lili Pellizzari und Joscha Isenmann gemeinsam (19. April), Michael Wörndle (25. April) sowie Dietmar Oberhollenzer (26. April). Die vereinseigene K8 D-9216 flog dabei allein viermal nach Kufstein. Auch in der Österreichischen Staatsmeisterschaft im Streckensegelflug 2025/26 ist der Verein gut vertreten: Jonas Hohenegger und Yves Abgrall belegen in der Standardklasse die Plätze 1 und 3, Walter Wartlsteiner führt die Club-Klasse an.

Wellen- und Hangflugtreffen

Am 7. März 2026 fand im Clubheim der Segelfluggruppe Bensheim ein Treffen zum Thema Wellen- und Hangflug statt. Die Organisatoren Peter Franke (SFZ Ludwigshafen-Dannstadt) und Andreas Maurer (DJK Landau) luden Segelflieger aus dem Südwesten zu verschiedenen Vorträgen ein.

Hangflug und Luftraum

Reimar Möller, Controller am Verkehrslandeplatz Mannheim (EDFM), beleuchtete den Hangflug aus Sicht der Flugsicherung. Er erklärte die Konflikte zwischen Segelflug-Zeugen am Hang und Motorflugzeugen im IFR-Anflug. Möller betonte die Bedeutung von ICAO-Karten, auf denen IFR-Sektoren und Endanflughöhen verzeichnet sind. Zudem riet er dringend zur Nutzung von Transpondern und zur aktiven Kommunikation über Funk, da Kollisionswarngeräte (ACAS/TCAS) keine FLARM-Signale auswerten.

Ausweichen am Hang

Andreas Weskamp (SFG-Bensheim) behandelte die Hangflugregeln der Segelflug-Ordnung (SPO). Er wies darauf hin, dass bei hohem Verkehrsaufkommen am Hang Ausweichregeln essentiell sind. Da die SPO-Regeln für steile Hänge konzipiert wurden, bedürfen sie am Bergsträßer Hang oft einer örtlichen Anpassung. Weskamp empfahl funktionierende FLARM-Geräte und Haubenblitzer, während Parallel- und Pulkflug vermieden werden sollten.

Wellenflüge und Außenlandungen

Klaus Leitner und Peter Franke teilten Erfahrungen und Fotos von Wellenflügen, einschließlich der Rheinüberquerung bei Westwelle. Ein Schwerpunkt lag auf den Vorbereitungen und der Wetteranalyse. Zudem wurde ein Fallbericht über eine winterliche Außenlandung nach Triebwerksausfall besprochen. Die Piloten landeten sicher auf einem Feld, was eine Diskussion über die Risiken von Wellenflügen bei zunehmender Feuchtigkeit anregte.

Jugendprojekt Elektro-Buggy

Einem klimaneutralen Flugbetrieb ist die Segelfluggruppe Bensheim in jüngerer Vergangenheit schon deutlich näher gekommen: Photovoltaikanlage, Elektrowinde, eigenstartfähige Segelflugzeuge mit Elektromotor, was fehlt? Ein „multifunktionales Einsatzfahrzeug mit Elektroantrieb“, mit dem man sowohl schwere Doppelsitzer oder den Rettungsanhänger über den Platz als auch das Seil von der Winde zur Startstelle ausziehen kann.

Während der Vorstand noch diskutierte, ob und wenn ja, zu welchem Preis was möglich wäre, hatte die Jugend einen Plan ausgeheckt: Einen Quad oder Buggy selbst (um-)bauen. Neben den genannten Anforderungen sollte das Gefährt ein robustes Fahrwerk sowie stabiles Chassis besitzen, für jeden unabhängig der Körpergröße leicht zu bedienen, dabei möglichst kompakt sein. Nach intensiver Recherche fanden sie im Spätsommer einen preislich passenden Buggy, mit Anhängerkupplung und (noch) mit Verbrenner-Motor.

Benjamin Ilchmann sowie Marc Ruhl plünderten ihre Urlaubskasse und kauften das Gefährt. Nun wurden Nägel mit Köpfen gemacht, oder besser, die gesamte Werkstatt in Beschlag und der Buggy komplett auseinandergenommen: der Verbrenner-Motor kam raus, ein geeigneter Elektromotor wurde definiert und organisiert, eine neue Motorhalterung gefräst, das Getriebe neu berechnet, designet und passgenau zusammengebaut, der Rahmen abgeschliffen, frisch in „Flugplatzgelb“ lackiert, Sitze, Schalter etc. angepasst, Akkus besorgt.

„In unserem Fall können wir LFP-Akkus (Lithium-Eisen-Phosphat-Akku) nutzen, da wir keine hohe Reichweite brauchen,“ erläutert Benjamin Ilchmann, einer der Hauptorganisatoren: „Diese haben selbst mit größeren Beschädigungen kaum ein Brandrisiko und enthalten keine seltenen Erden. Damit ist der Treibhaus-Gas-Ausstoß und Menschenrechtsverletzungen in der Produktion reduziert.“

Wochenlang, selbst bei besten Schulungswetter, war die Mannschaft unter der Federführung von Marc Ruhl und Konstantin Scheffler hoch motiviert bis teils spät in die Nacht zugange. Das erklärte Ziel: mit den Hauptarbeiten rechtzeitig vor der Wintersaison fertig zu sein, denn dann wird die Werkstatt für die Segelflugzeug-Wartung benötigt. Die jungen Akteure sammelten viel praktische Erfahrung, auch kleinere Rückschläge eingeschlossen. Die „Alten“ ließen sie gewähren und gaben gerne Tipps, wenn Rat gefragt war („Wie bekommt man eine gelbe Werkstatt wieder sauber?“)

Aber die Ausgaben addierten sich. So entstand die Idee, zur Finanzierung des Projektes bei der Crowdfunding-Aktion des örtlichen Energieanbieters teilzunehmen: Pro 10,- Euro werde der Anbieter die eingesammelten Spenden verdoppeln, vorausgesetzt, das vorher definierte Spendenziel werde innerhalb des Aktions-Zeitraumes erreicht. Es wurde erreicht: Binnen 19 Minuten (!) war der digitale Spendenbeutel mit über 5.000 Euro gefüllt.

Die Freude ist bei allen groß: „Jetzt müssen wir nur noch den Motor und die Akkus einbauen. Anschließend stehen Testfahrten an, um zu prüfen, ob die Leistung für den Einsatz wie geplant tatsächlich ausreicht. Und wenn alles passt, können wir endlich einen Haken an unser Projekt machen: den Haken zum Seilausziehen. Dann ist der Buggy für die neue Saison einsatzbereit“, verkündet Organisator Ilchmann stolz.