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Vom Pech, Neil Armstrong verpasst zu haben

Manchmal hat man einfach Pech. Dag Peters zum Beispiel. „Ein bisschen geärgert habe ich mich aber schon“, sagt er heute, „aber es ging nicht anders damals.“ Damals, das war vor genau 50 Jahren. Peters Eltern betrieben zu dieser Zeit das Hotel „Peterchens Mondfahrt“ auf der 950 Meter hohen Wasserkuppe und begrüßten dort den wohl berühmtesten Gast ihrer Herberge: Neil Armstrong, der mit genau jenem Fuß ein Jahr zuvor als erster Mensch überhaupt auf den Mond getreten war. Doch Dag Peters hat den Auftritt Armstrongs auf der Wasserkuppe verpasst: „Ich war in München, bei meiner Ausbildung.“ Zeit für Armstrong blieb da nicht.

Der erste Mann auf dem Mond war zum 50. Bestehen der Rhöner Segelflugwettbewerbe, deren 100-Jahr-Feier in diesem Sommer wegen der Corona-Pandemie ausfallen muss, auf die Wasserkuppe gekommen und hatte dort für einen Menschenauflauf gesorgt. Armstrong, selbst begeisterter Segelflieger, hatte der Wiege des Segelflugs einen Besuch abgestattet, denn: „Ohne Segelfliegerei wäre es nicht zum Mondflug gekommen“, soll er gesagt haben. Über die Segelfliegerei seien aerodynamische Techniken entwickelt worden, die Pionierarbeit und Grundlagen für die Raumfahrt geschaffen hätten, erläutert Harald Jörges, der heute die Segelflugschule auf der Wasserkuppe leitet.

„Nebel in seiner schönsten Rhönausgabe“
Dass der erste Mann auf dem Mond damals die Flieger von der Wasserkuppe besuchte, ist für Jörges demnach gar nicht so verwunderlich. Andere dagegen waren offenbar schier aus dem Häuschen über den Besuch. Rund 30.000 Schaulustige, berichtete die F.A.Z. seinerzeit, seien gekommen, um Armstrong aus der Nähe zu sehen. Das Wetter aber machte ihnen zumindest am Sonntag einen Strich durch die Rechnung. „Sie suchten die Flieger und den amerikanischen Astronauten, und sie fanden nur den Nebel in seiner schönsten Rhönausgabe“, hieß es am 11. August 1970 in der F.A.Z.. Wie Dag Peters hatten auch sie Pech, was den Blick auf Armstrong anging. Dabei hatte er einen Tag zuvor noch seine Runden über dem Platz gedreht – „in einem Flieger, der baugleich zu dem war, den er auch zu Hause in den USA besaß“, erzählt Jörges.

Doch auch er, damals 14 Jahre alt, kennt solche Details nur aus Erzählungen. Wie Peters hatte auch der damals Vierzehnjährige beim Armstrong-Besuch Pech und erlebte sein Idol nicht aus der Nähe. „Da waren zu viele Leute“, erzählt er heute. Außerdem hätten ihn, den kleinen Jungen, die amerikanischen Soldaten noch viel mehr interessiert. „Die sprangen aus ihren Hubschraubern und haben einen Kampf simuliert, das war toll.“

Dass der berühmte Astronaut auf der Wasserkuppe übernachtet hatte, hatten ihm seine Eltern aber erzählt. „Im Hotel meiner Eltern“, bestätigt der achtzigjährige Dag Peters. Sie hätten auch von Sicherheitsvorkehrungen berichtet, die für den Besuch erfüllt werden mussten: Kein anderer Gast habe im Hotel sein dürfen, vor der Zimmertür des Astronauten habe die ganze Nacht ein Polizist Wache gehalten, ebenso wie vor dem Eingang zum Hotel. Peters weiß auch, wo genau Armstrong schlief: „Raum London mit messingbeschlagenen Mahagonimöbeln.“ Zum Abendessen bekam der Gast ein eigens für ihn kreiertes Mahl kredenzt, sagt Peters. Ein Steak mit gebratenen Bambussprossen und Tomaten, über das Sauce béarnaise gegeben wurde. Das Ganze wurde dann noch kurz überbacken. Das Gericht habe sich noch viele Jahre auf der Karte des Hotels gehalten. „Es war eben das Armstrong-Steak, so hatten meine Eltern es auch genannt. Quelle: ‚Frankfurter Allgemeine Zeitung, FAZ‚.

Über und unter den Wolken

Der Flugplatz Greiz hat eine neue Start- und Landebahn. Und ein Promi hat sie eingeweiht: Westdeutschlands erster Astronaut Ulf Merbold benutzte als Erster das 752 Meter lange Band aus Asphalt – an seinem 79. Geburtstag. Die „Einweihung“ liegt fast fünf Wochen zurück.

Den Flugplatz in Greiz-Obergrochlitz gibt es seit 1927, der Luftsportverein wurde nach der Wende gegründet. Gester zufolge streben die 28 Vereinsmitglieder keine Rekorde auf Teufel komm‘ raus an. „Bei uns steht die Freude am Fliegen im Vordergrund.“
Beim Streckensegelflug wird nach seinen Worten eine Normalgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern erreicht. „Wir fliegen bis zur Wolkengrenze, in einer durchschnittlichen Höhe von 1500 bis 1800 Metern Höhe. Warum? Weil es über den Wolken keinen Auftrieb gibt. Und wir fliegen immer nach Sicht – mit Kompass und Karte. Alle elektrischen Hilfsmittel dienen ausschließlich der Sicherheit.“ Der 71-jährige Gester hat nach eigenem Bekunden erst mit 50 Jahren mit dem Segelflugsport begonnen. „Mittlerweile blicke ich auf 1100 Starts zurück und war etwa 900 Stunden in der Luft.“

Und noch etwas Besonderes gibt es auf dem Flugplatz: Der Verein hat einen Reisemotorsegler angeschafft. „Der kann selbst starten und auch Segelflugzeuge hoch schleppen“, sagt Gester. „Der Reisemotorsegler ist leise, braucht wenig Benzin und macht die neue Landebahn noch wertvoller: Er erreicht schneller Höhe, was Emissionen und Lärmbelästigung der Anwohner weiter senkt.“
Dann kommt der Startbahn-Einweihungsflug Ulf Merbolds nochmals zur Sprache: Nach Gesters Schilderung stieg Ehrenvorsitzender Heinz Peinl mit zu Merbold ins Flugzeug. „Merbold feierte an dem Tag 79. Geburtstag, Peinl seinen 82. Geburtstag. Beide Geburtstagskinder drehten eine Flugplatzrunde.“ Außerdem habe Peinl von seinen Vereinskameraden einen Zeppelinflug ab Friedrichshafen am Bodensee geschenkt bekommen. Quelle: ‚Vogtland Anzeiger‚.