Ein Beinahezusammenstoß zwischen einem militärischen Tankflugzeug und einem Segelflugzeug über Ost-England hat die britische Flugsicherheitsdebatte neu entfacht. Nach einem Vorfall nahe RAF Mildenhall empfiehlt das britische Airprox Board die Einführung eines eigenen Squawk-Codes für Segelflugzeuge – mit dem Ziel, deren Sichtbarkeit im zunehmend komplexen Luftraum zu verbessern.

Der Vorfall ereignete sich am 8. April 2025 gegen 13:39 Uhr Ortszeit, als eine KC-135 Stratotanker der US-Luftwaffe nach Trainingsrunden den Sinkflug zur RAF Mildenhall begann. Im Bereich zwischen Chatteris und Ely kreuzte ein Segelflugzeug des Typs Jonker JS-1 den Anflugweg. Nach Angaben der Ermittler betrug der vertikale Abstand nur rund 15 Meter, horizontal näherten sich beide Luftfahrzeuge bis auf etwa 50 Fuß an. Der Pilot des Tankers leitete ein abruptes Ausweichmanöver mit rund 30 Grad Querneigung ein.

Das Airprox Board stufte den Vorfall als Kategorie A ein – die höchste Risikoklasse, die ein ernsthaftes Kollisionsrisiko beschreibt. In der Bewertung heißt es, dass die Kollision „in hohem Maße dem Zufall“ entgangen sei. Der enorme Massenunterschied – rund 44 Tonnen beim KC-135 gegenüber etwa 700 Kilogramm beim Segelflugzeug – verstärkte die sicherheitsrelevanten Bedenken der Ermittler zusätzlich.

Der Segelflugpilot befand sich auf einem Überlandflug außerhalb kontrollierter Lufträume und war nicht mit der Flugsicherung in Kontakt. Um Batterie zu sparen, hatte er seinen Transponder deaktiviert – eine in der Segelfliegerei verbreitete, rechtlich zulässige Praxis, sofern keine Transponderpflicht besteht. Die Ermittler werteten dies jedoch als Wegfall einer zentralen Sicherheitsbarriere. Zwar kann die Flugsicherung auch Primärradar nutzen, doch Segelflugzeuge sind aufgrund ihres geringen Radarquerschnitts und niedriger Flughöhen oft schwer zuverlässig zu erkennen.
Auch die Besatzung des Militärflugzeugs blieb nicht ohne Kritik. Sie hatte Einschränkungen der Sicht durch Wetter und Wolken nicht explizit an die Flugsicherung gemeldet und keine zusätzliche Unterstützung zur Konfliktvermeidung angefordert. Das Airprox Board stellte klar, dass beide Piloten gleichermaßen Verantwortung für die Kollisionsvermeidung trugen.
Als Konsequenz empfahl das Gremium der britischen Zivilluftfahrtbehörde die Einführung eines speziellen Squawk-Codes für Segelflugzeuge. Ein klar zuordenbarer Code könnte Segelflieger dazu ermutigen, Transponder – insbesondere mit Mode S oder ADS-B Out – häufiger aktiviert zu lassen, ohne Sorge vor Fehlinterpretationen durch die Flugsicherung. Gerade in stark frequentierten Regionen Ostenglands, in denen militärischer und ziviler Verkehr dicht nebeneinander operieren, könnte dies das Situationsbewusstsein auf beiden Seiten deutlich erhöhen.
Der Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Ereignisse ein: Allein 2024 untersuchte das Airprox Board 298 Annäherungen, darunter zahlreiche zwischen allgemeiner Luftfahrt und Militärflugzeugen. Die Ermittler sehen darin kein isoliertes Problem einzelner Betreiber, sondern eine Folge zunehmender Luftraumkomplexität bei gleichzeitig hoher Verkehrsdichte.
Die zentrale Botschaft des Berichts ist eindeutig: Moderne Transpondertechnik zählt zu den wirksamsten Mitteln zur Kollisionsvermeidung. Damit diese auch in der Segel- und künftig verstärkt elektrischen Luftfahrt zuverlässig genutzt werden kann, sind praktikable Lösungen gefragt – etwa ein eigener Squawk-Code –, die Sicherheit erhöhen, ohne neue betriebliche Hürden zu schaffen.

