Autor: Harry Groenert
Oder: wie man bei schlechtem Wetter trotzdem abhebt – im Geist, in der Gemeinschaft und manchmal sogar wirklich.

Der Start: Vier Bambini, zwei Fluglehrer – und ein Wettergott auf Weltreise. Beim Golf, so sagt man, gibt’s kein schlechtes Wetter – nur die falsche Kleidung. Beim Segelfliegen hingegen… nun ja, sagen wir’s mal so: Der Himmel sollte mitspielen. Oder wie wir, man macht halt das Beste draus. Vier streckenflughungrige Nachwuchspiloten trafen sich mit zwei hochmotivierten Fluglehrern (Adrian Müller & Stefan Neyer – auch bekannt als „Die Zwei vom Wetterradar“) zum diesjährigen Streckenflugkurs in Schänis.
Das Ziel: Einführung, Vertiefung, Horizonterweiterung.
Der Rahmen: Klein, fein, persönlich.
Der Plan: Jura, Schwäbische Alb, Ostalpen, etc. Thermik-Rock’n’Roll.
Die Realität: Vier Flugtage in zwei Wochen. Der Rest: Lernen, Lachen, Landewiesen. Fliegen kann man lernen – Kreisen auch.
Kreisen ist keine Kunst – aber eben auch kein Zufall.
Adrian und Stefan verstanden es meisterhaft, die Thermik ins Klassenzimmer zu holen. Mit Geduld, präzisem Feedback und dem einen oder anderen liebevollen Seitenhieb wie – „So fliegt man Kreise, aber keine Thermik“
– „Die Luft kann nicht lesen, also willst du sie fühlen“
wurde aus Theorie Praxis und aus Fliegen irgendwann Streckenfliegen. Dabei nutzen wir natürlich auch KI. Also, zur Klarstellung, unter KI verstehen wir „körperliche Intelligenz“!
Landung mit Aha-Effekt
Ein Highlight abseits des Cockpits war ein Vortrag – simpel angekündigt, aber mit Langzeitwirkung. Es ging ums Landen. Nicht spektakulär, aber entscheidend. Komplexität in der entscheidenden Phase rausnehmen und keine Überraschungen erleben. Was folgte, war keine trockene PowerPoint-Schlacht, sondern ein tiefgehender, praxisnaher Streifzug durch das, was viele nur „das Final“ nennen – aber selten wirklich verstehen.
Der Kommentar eines Teilnehmers danach: „Jetzt weiß ich endlich, wie man konstanter, entspannter und zielgenauer richtig landen kann.“ Und das war keine Floskel, sondern ein echtes Aha-Erlebnis. Wir anderen Bambini konnten das Umgesetzte vom Boden aus begutachten.
Taktisches Fliegen
Besonders hilfreich waren die strukturierten Nachbesprechungen: „Wie war dein Kreis?“, „Warum bist du dorthin geflogen, und nicht direkt?“ oder auch ganz trocken: „Also, was genau war da dein Plan?“
Nach diesen Tagen war klar: Wer hier mitfliegt, gewinnt nicht nur an Höhe, sondern vor allem an Reife. Trotz wetterbedingtem Bodenkontakt war die Stimmung alles andere als am Boden – eher im Steigflug, geistig wie menschlich.
Adrian und Stefan gaben alles: Theorie, Praxis, Psychologie – und sehr viele Feedback-Gespräche mit pädagogischem Mehrwert.
Fragen wie:
-„Was ist dein Plan?“
-„Trimmung ok?“
-„Warum fliegst du da? Nein, ehrlich: Warum?“ gehörten ebenso zum Standardrepertoire wie das Mantra: „Über der Krete fliegen doch nur die Anfänger.“ (Auch wenn wir dort erstaunlich viele Kreise zogen).
Das Wetter – oder: Wie man bei Regen Pilze findet.
Segelflug ist ein Wettersport. Wenn das Wetter Pause macht, lernt man eben andere Dinge:
– Wo man Pilze findet.
– Wie viel Liter Wasser für 1 kg Rindfleisch, 1 kg Champignons und einen Espresso draufgehen.
– Wie man bei fragwürdigem Wetter doch fliegt (mit Trainingstagen, an denen andere nicht mal das Hangartor aufmachen würden).
– Und wie man stilvoll in Bad Ragaz aussenlandet. (Ob wegen schlechter Thermik oder dem Bedürfnis nach einer Zigarre, ist bis heute ungeklärt.) – Und trainieren kann man öfter als man denkt.
Begeisterung auf allen Ebenen.
Wir vier „Bambini“ – so wurden wir angehenden Streckenflieger liebevoll (und gelegentlich schelmisch) genannt – waren mit Feuereifer dabei, immer auf der Suche nach Thermik, Taktik und dem nächsten Aha-Moment: Mutig, neugierig und jeden Tag lernbereit. Unsere Fortschritte waren deutlich spürbar, der Elan der Beteiligten ansteckend. Der Teamspirit in dieser kleinen Gruppe war einfach großartig – getragen von gegenseitigem Vertrauen, echtem Interesse und einer Extraportion Humor.
Wenn „Lünersee – drei Tausend Meter“ im Funk erklingt …
Man gönnt es ihm ja. Wirklich. Aber wenn man selbst am Vilan säuft und der Kollege quickfidel „Lünersee – 3’000 Meter“ in den Funk strahlt – …dann zuckt’s kurz im Bart. Nicht schlimm – nur diese kleine, leise Stimme im Kopf, die sagt: „Du bist eindeutig in der falschen Luftmasse.“
Nebenher …
… wurden Umschulungen auf den Duo Discus begonnen und abgeschlossen, eine interne PAX-Prüfung bestanden, Landewiesen erkundet und vermutlich wurde mehr Sonstiges mit Freude diskutiert und studiert als je in einem Sommer zuvor.
Ach ja – und am Glidercup-Tag haben wir den Club selbstverständlich vorbildlich unterstützt, indem wir unsere Flieger freiwillig freigegeben haben. Teamgeist lebt!
Das große Finale: Grill, Gemeinschaft, Glück.

Zum Schluss ein Fest, wie es im Fliegerbuch steht:
Grillduft in der Luft, Glanz in den Augen, Geschichten im Umlauf. Der Grillmeister in Hochform, das Brot selbstgebacken, das Rezept längst weitergegeben und die Kalbs Spareribs genossen.
Und über allem die Erkenntnis: Auch wenn die Sonne fehlt – ein Kurs mit so viel Herz, Humor und Höhenluft im Geist bleibt unvergesslich.
Mein persönliches Fazit:
Ich kann diesen Kurs wirklich von Herzen empfehlen – ob für Streckenflug-Einsteiger oder leicht Fortgeschrittene. Die Mischung aus fundierter Theorie, individueller Begleitung in der Luft, ehrlichem Feedback und echtem Miteinander ist selten und kostbar.
Zudem: Auch externe Pilotinnen und Piloten sind herzlich willkommen, solange sie ihren eigenen Flieger mitbringen und eine Prise Abenteuerlust im Gepäck haben. Denn: Fliegen lernt man nicht nur mit Flügeln – sondern mit Menschen, die einem zeigen, wie man richtig kreist, wann man lieber umkehrt… und wie man selbst bei Regenwetter wachsen kann. Bis nächstes Jahr – mit Thermik, Teamgeist und ganz viel Taktik!
Entdecke mehr von
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

