Das traditionelle Sommerlager meines holländischen Vereins fand zum zweiten Mal in Grossrückerswalde im Erzgebirge statt.
Autor: Gertjan deKoning, SG Dittingen
Am Höhepunkt tummelten sich rund 140 Leute auf dem Platz, davon etwa 50 Pilotinnen und Piloten. Ich selbst war zum 30. Mal dabei – und ich kann mich wirklich nicht erinnern, jemals so miserables Wetter erlebt zu haben. Zum Zelten war es viel zu kalt (nachts 10–12 Grad) und zum Fliegen gab es häufig tiefe Bewölkung und reichlich Regen. Von 14 Tagen waren nur neun überhaupt für Schulungsflüge geeignet; die durchschnittliche Flugzeit lag bei ganzen… acht Minuten. Nur einmal habe ich die ZA für einen Streckenflug montiert. Mit knapp 250 km war ich der einzige in der ganzen Woche, der es geschafft hat, das Erzgebirge zu überqueren und eine kleine Runde in Tschechien zu drehen. Das brachte mir einiges an Respekt ein. Offenbar bin ich nach acht Jahren SGD doch nicht mehr ganz so ein reiner Flachlandflieger wie die anderen Holländer.
Fliegerisch gibt es daher nicht viel zu berichten – zum Glück hatte ich noch eine zweite Mission: einen neuen (gebrauchten) Propeller für unsere Piper abholen. Philip Glogg hatte alles mit den Leuten vom Aeroclub Pirna eingefädelt. Die ganze Szenerie dort: eine riesige Grasfläche unterhalb des TMA Dresden, umgeben von typisch sozialistischen Gebäuden – das Gelände hatte wohl mal eine militärische Funktion. Der Propellerwechsel lief dann fast wie in einer Krimiserie ab: In einem dunklen Zeller wurde ein Aktenkoffer voller Bargeld deden den Propeller getauscht. Mein Auto ist zwar groß, aber so groß dann auch wieder nicht. Glücklicherweise hatte Stefan Finck das vorausgesehen und mir seine Dachträger geliehen. Mit den Polstern aus dem Hangar und einer ordentlichen Menge Spanngurten hat es dann tatsächlich funktioniert. Die Kombination aus diesem Spezialtransport auf dem Dach und dem ZA-Anhänger hinten dran sah allerdings etwas nach Zirkusumzug aus.
Die Rückfahrt über die Grenze war entsprechend nervenaufreibend. Natürlich wurde ich herausgewunken und ausgefragt. Zum Glück hatte niemand eine Ahnung, was da eigentlich auf meinem Dach lag. Ich glaube, sie gingen davon aus, der Propeller gehöre zu einem Flugzeug im Anhänger – und ich habe sie in dem Glauben gelassen.
Eine Woche später – das Wetter war jetzt natürlich wieder hervorragend – hatte ich dann richtig Spaß beim Einbau von Motor und Propeller und beim anschließenden Testflug. Foto: ‚Fliegerclub Grossrückerswalde e.V.‘
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