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Dienstag, 12. August 2025 – Vinon – Schänis
Heinz Brem ist nicht nur ein guter Segelflug-Kamerad, sondern auch mein „persönlicher Mechaniker“. Jedenfalls geht er den ewigen GPS-Ausfällen auf die Spur. Während Heinz quasi „the brain“ ist, versorge ich ihn mit dem notwendigen Werkzeug. Und so hat jeder seine Rolle. Die GPS Antenne hat sich gelöst und einen Wackelkontakt verursacht. Mit dem Festziehen der Antenne sollte dieses Problem gelöst sein.
Die Wege in Vinon sind weit. Jetzt steht unser Vogel auf der Piste 30, er muss aber für den Start auf die Piste 28. Das tönt primavista nicht nach einer großen Aufgabe. Da aber Schieben definitiv keine Option ist, versuchen wir es mit einem Seil. Es bleibt beim Versuch. Irgendwie müssen wir einen Ring organisieren. In der Werkstatt will man von unserem Anliegen nichts wissen – im Sinne von „was wollen jetzt diese doofen Gastpiloten“. In einem Hangar finde ich ein Schleppseil. Mit etwas Fantasie gelingt es uns, mittels Schleppseils und Ernst’s Opeli, unser Schiff an den Start zu ziehen.
Um 12:00 starten wir mit acht Minuten Motoreinsatz, um in der Region Gréoux unser Motörli einzufahren. Good news, unser LX, d.h. der GPS Empfang scheint wieder zu funktionieren. Geht doch nix über einen persönlichen Mechaniker.
Ich weiss nicht, ist es die Erinnerung, ist es die grössere Segelflugerfahrung oder ist es gar der Klimawandel, jedenfalls erinnere ich mich, dass früher die Überquerung des Plateau de Valensole jeweils eine Hitchcock-Übung war. Immer kurz vor der Aussenlandung. In den vergangenen Jahren hat das Plateau an Spannung verloren und dies ist durchaus positiv zu verstehen.
Aus den unzähligen Flügen in Vinon kennen wir den Weg. Serre de Montdenier, Parcours, Montagne du Carton, nur Richtung Dormillouse sieht’s nicht sonderlich einladend aus. Also Blinker rechts weg, diretissima zum Grand Bérard. Wobei der Gipfel, der uns einen wunderbaren Aufwind spendete, genau genommen, „Tête de Frusta“ heisst. Also ich weiss ja nicht, aber mit «Frusta» hat dieser Berg meiner Erfahrung nach überhaupt nichts am Hut. Der müsste „Tête de Lust“ heissen, denn er macht richtig gute Laune. Egal, was man von der französischen Politik oder gar Wirtschaft hält, aber Thermik können sie.
In Briançon fahren wir auf 3’500 m ü.M. ein, um in weiträumigem Steigen auf 4’400 m ü.M. zu steigen. Ohne Wolke, mitten im Tal, ich muss es nicht verstehen. An Sollières vorbei manövrieren wir mit höchster GPS Präzision durch den Korridor, um an der westlichen Grenze des Nationalparks der Vanoise Richtung Norden zu fliegen. Früher war unsere Standardroute durchs Modanetal, Richtung Val de Rhêmes, ins Valpelline und dann Richtung Matterhorn.
Und da versagt jetzt meiner Meinung nach die französische Politik, indem da einige Vögel geschützt werden sollen. Die sollen sich ein Beispiel an den Schweizer Vögeln nehmen, denn im Schweizer Nationalpark scheint es den Vögeln ziemlich egal zu sein, wenn da noch einige fetten Gänse (sprich Segelflugzeuge) mit ihnen herum fliegen.
Bei Wetterbedingungen wie den heutigen ist die Route über Courchevel, les Arcs, Richtung Norden, problemlos fliegbar. Aber eben, es kommt auf die Wetter-Bedingungen an.
Der Mont Blanc zieht uns magisch an. Wir fliegen allgemeine Richtung Courmayeur und prompt droht wieder Unheil. Dieses kommt in Form der Military Firing Area – SFC – FL 11600 daher. D.h. 3’550 m ü.M. ist die Obergrenze. Wie immer, die schönste Wolke steht mitten im Sperrgebiet. Also fliegen wir mit einigermassen komfortabler Höhe ein. Diese schwindet allerdings zusehends. Ganz, aber auch nur ganz kurz fallen wir auf 3’548 m ü.M., bevor der Aufwind so richtig zu ziehen beginnt. Ab da sind wir wieder absolut sauber. Auch dieses Beispiel zeigt, es ist höchst anspruchsvoll, sämtliche Lufträume permanent zu respektieren. Wir waren uns sicher, dass wir mit 3’550 m ü.M. locker durchkommen würden.
Es folgt ein wunderbarer Abstecher an den Mont Blanc, diesmal von Süden her.
Auf über 4’000 m ü.M. folgen wir der italienisch-schweizerischen Grenze. Denn bei MIL ON gilt in der Schweiz FL 130, also 3’950 m ü.M., bei Standard-Druck. Dies sollte aber bald schon kein Problem mehr darstellen. Die Thermik in diesen steilen Felskreten ist zerrissen und unstet. Jedenfalls tun wir uns schwer, die notwendige Höhe für den Überflug des Theodulgleschers zu erreichen. Erst südlich davon erreichen wir äusserst komfortable 4’100 m ü.M.

Entlang der majestätischen Walliser Hochalpen gleiten wir ins Saastal. An der „Senggchuppa“ lassen sich die Walliser nicht lumpen und spenden uns einen starken Aufwind, der uns auf komfortable 4’300 m ü.M. hebt. Damit fliegen wir „im hohlen Kreuz“ direttissima über die Furka und über den Klausenpass nach Hause.

Fazit: Vinon ist eigentlich gar nicht so weit von Schänis entfernt. Das wussten wir auch schon von früheren Flügen nach Vinon. Weit ist es erst in einer ASK 21. Und da weiss ich durchaus, wovon ich spreche, 2011 bin ich nämlich ebenfalls mit Heinz Brem in unserer ASK 21 Mi nach Vinon und zwei Tage später wieder nach Hause geflogen. Das ist aber eine andere Geschichte.
Die Nationalparks und die unzähligen Lufträume in Südfrankreich schränken massiv ein. Bei Wetterkonditionen wie wir sie erlebten, ist der Weg in die Walliser Hochalpen durchaus machbar. Aber eben, ganz so einfach wie früher ist es leider nicht mehr.
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