Luftfahrt in Corona-Krise: Pilot berichtet

Eigentlich hätte Kapitän Harald Wesch auf seinem Flug von Lübeck aus eine Sportmannschaft begrüßt. Weil ihr Auswärtsspiel aber aufgrund eines Corona-Falls in der gegnerischen Mannschaft abgesagt wurde, starten lediglich drei Gäste in Richtung Stuttgart. Seit August bietet die Fluggesellschaft Lübeck Air Flüge nach München und Stuttgart an – auch Geschäftsreisende will das Unternehmen ansprechen. Durch die aktuellen Corona-Beschränkungen haben die meisten Unternehmen genau diese Reisen aber stark eingeschränkt. Die Lübecker Airline dünnte deshalb, wie viele andere auch, ihren Flugplan etwas aus.

Auswirkungen von Corona-Pandemie überall spürbar
In ganz Deutschland sind seit dem Frühjahr fast eine Million Passagierflüge ausgefallen. Das bekommt der Pilot aus Husby bei Flensburg deutlich zu spüren: “Hier auf der Frequenz ist eigentlich Stille. Es sind kaum andere Flugzeuge zu hören”, erzählt er, während er die Maschine steuert. Besonders in der Nähe von Großstädten herrsche sonst eigentlich reger Funkverkehr. Nach anderthalb Stunden landet das Flugzeug in Stuttgart. Auch hier sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich spürbar. Vor der Krise wurden pro Tag etwa 200 Flugzeuge abgefertigt – jetzt sind es noch 25.

Pilot: Das ist noch nicht das Ende
Nach einiger Zeit ist die Crew bereit für den Rückflug nach Lübeck. Wieder heben nur drei Gäste ab. Damit bleiben 57 Plätze an Bord frei – ökologisch betrachtet ist das keine gute Bilanz. Die gesamte Luftfahrt-Branche ist im Krisenmodus. Im Lufthansa-Konzern bleiben einige Airlines dauerhaft am Boden. Allein dadurch sind laut Pilotenvereinigung Cockpit etwa 450 Pilotenstellen weggefallen. Wesch befürchtet: Das ist noch nicht das Ende. Der Vater von zwei Kindern ist allerdings froh, zumindest im Moment noch regelmäßig für Lübeck Air abheben zu dürfen. Traumberuf Pilot? Eine Flugausbildung würde er unter den derzeitigen Umständen nicht erneut absolvieren. Quelle: ‘NDR‘.

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