Ein Eigenbau-Flugzeug vom Typ Cozy Mk IV ist am 18. März 2025 in Großbritannien verunfallt, nachdem ein nicht zugelassenes, 3D-gedrucktes Bauteil im Ansaugtrakt des Motors versagte. Der offizielle Untersuchungsbericht der britischen Flugunfall-Untersuchungs-Behörde AAIB (Air Accidents Investigation Branch) führt den Leistungsverlust des Motors direkt auf das Kollabieren dieses Bauteils zurück. Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Risiken bei der Verwendung von nicht zertifizierten Komponenten im Flugzeugbau.

Am 18. März 2025 kam es am Flughafen Gloucestershire (EGBJ) zu einem Unfall, bei dem das Kit-Flugzeug mit der Kennung G-BYLZ zerstört wurde. Der Pilot, der allein an Bord war, erlitt leichte Verletzungen. Das Flugzeug befand sich im Endanflug auf die Piste 09, als der Motor die Leistung verlor. Die Maschine landete kurz vor der Schwelle und kollidierte mit der Localizer-Antennenanlage des Instrumentenlandesystems (ILS).

Unfalldaten im Überblick
| Merkmal | Daten |
| Flugzeugtyp | Cozy Mk IV (Eigenbau) |
| Kennung | G-BYLZ |
| Datum | 18. März 2025 |
| Ort | Gloucestershire Airport (EGBJ) |
| Schaden | Flugzeug zerstört, ILS-Anlage beschädigt |
| Insassen | 1 Pilot |
| Verletzungen | Leichte Verletzungen des Piloten |
Technische Ursache: Versagen eines 3D-Druck-Bauteils
Die Untersuchung der AAIB ergab als unmittelbare Unfallursache den Kollaps eines Lufteinlasskrümmers (Air Induction Elbow), der am Drosselklappenstutzen des Motors montiert war. Dieses Bauteil war eine nicht originale Komponente, die mittels 3D-Druckverfahren hergestellt wurde.
Der Krümmer bestand aus einem kohlefaserverstärkten Acrylnitril-Butadien-Styrol (CF-ABS). Im Betrieb wurde das Bauteil durch die Abwärme des Motors so stark erhitzt, dass es erweichte und in sich zusammenfiel. Dadurch wurde der Luftstrom zum Motor stark eingeschränkt, was zum vollständigen Leistungsverlust führte.
Eine nachträgliche Laboranalyse des Materials durch die AAIB ergab eine Glas-Übergangstemperatur – der Punkt, an dem das Material von einem harten in einen weichen Zustand übergeht – von lediglich 52,8 °C bis 54,0 °C. Dies stand im Widerspruch zu der vom Materialhersteller angegebenen Temperatur von 105 °C. Die im Motorraum herrschenden Temperaturen waren für das verwendete Material ungeeignet.
Modifikationshintergrund und die Rolle der LAA
Das 3D-gedruckte Bauteil wurde im Zuge einer größeren Modifikation des Treibstoffsystems im Jahr 2019 installiert. Der damalige Eigner hatte das Teil auf einer Flugzeugmesse in den USA erworben. Er ging davon aus, dass die Temperaturbeständigkeit des 3D-Druck-Materials mindestens der des im Originalbauplan vorgesehenen glasfaserverstärkten Epoxidharz-Laminats entspräche.
Die Modifikation des Treibstoffsystems selbst wurde von der britischen Light Aircraft Association (LAA), dem Verband für den Eigenbau und die Betreuung von Leichtflugzeugen in Großbritannien, als Prototypen-Modifikation genehmigt. Allerdings wurde der 3D-gedruckte Ansaugkrümmer in der dem Verband vorgelegten Teileliste nicht aufgeführt. Die LAA hatte somit keine Kenntnis von der Verwendung dieses Bauteils und konnte dessen Lufttüchtigkeit nicht bewerten.
Der Originalbauplan der Cozy Mk IV sieht für dieses Bauteil eine Laminatkonstruktion aus vier Lagen Glasfasergewebe und Epoxidharz vor, verstärkt durch ein Aluminiumrohr am Einlass. Auf dieses verstärkende Aluminiumrohr wurde bei der 3D-gedruckten Variante verzichtet.
Geplante Sicherheitsmaßnahmen
Als Reaktion auf den Vorfall plant die Light Aircraft Association die Herausgabe einer Sicherheitswarnung („LAA Alert“) bezüglich der Verwendung von 3D-gedruckten Teilen. Diese Warnung soll an alle LAA-Inspektoren verteilt und in den offiziellen technischen Dokumentationen (Engine Type Acceptance Data Sheets) verankert werden, um bei zukünftigen Lufttüchtigkeitsprüfungen als Referenz zu dienen.
Fazit
Der Unfall der G-BYLZ unterstreicht die kritische Bedeutung der Materialauswahl und der Einhaltung von Bauvorschriften, insbesondere im Bereich des Eigenbaus. Die Verwendung eines nicht für die thermischen Belastungen im Motorraum geeigneten und zudem nicht deklarierten Bauteils führte direkt zum Absturz. Der Vorfall zeigt, dass auch bei vermeintlich einfachen Komponenten eine sorgfältige Prüfung und Zulassung unerlässlich sind, um die Flugsicherheit zu gewährleisten.
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