Leewellen und Freundschaft im Altvatergebirge

Der Nordosten Tschechiens ist für Segelflieger längst mehr als ein Geheimtipp. Das Altvatergebirge – die Region rund um Jeseník – gilt als eine der ersten Adressen für anspruchsvolles Leewellenfliegen in Mitteleuropa. Jahr für Jahr zieht es Piloten aus zahlreichen Ländern in die eigens eingerichteten Wellenflugsektoren, in denen an guten Tagen Flughöhen und Strecken jenseits der 1’000-Kilometer-Marke möglich sind.

Seit zwölf Jahren ist auch der Breisgauverein für Segelflug (BVS) regelmäßig vor Ort. Für bis zu drei Wochen im Herbst wird Quartier bezogen – 2025 mit bis zu 16 Pilotinnen und Piloten samt Familien aus fünf Vereinen. Neben der fliegerischen Herausforderung steht dabei vor allem eines im Mittelpunkt: gelebte deutsch-tschechische Freundschaft.

Anspruchsvolles Revier mit internationalem Flair

Das Altvatergebirge überzeugt durch seine geografische Lage und professionelle Organisation. Bei passenden Nord- bis Nordwestlagen entstehen hier eindrucksvolle Wellenstrukturen mit Lenticularis-Bändern und Staubewölkung – ein Magnet für ambitionierte Streckenpiloten. Die Nähe zum flachen Polen eröffnet zusätzliche Perspektiven und macht das Revier auch strategisch interessant.

Doch das „Jeseníky Wave Camp“ am Flugplatz Mikulovice bietet mehr als nur Höhe. Wanderungen, Rad- und Mountainbike-Touren, Ausflüge nach Breslau oder Brünn sowie gemeinsame Abende im Ferienhaus machen das Lager auch für Familien und Bodencrew attraktiv. Der Segelflug wird hier zum Gemeinschaftserlebnis.

2025: Gedämpfte Erwartungen, ungebrochene Begeisterung

Das Wetter stellte die Wellenjäger in diesem Jahr auf die Probe. Schwache, drehende und häufig zu südliche Windlagen verhinderten über weite Strecken die Ausbildung stabiler Leewellen. Nieselregen, tiefe Wolken und hohe Luftfeuchtigkeit ließen viele Hoffnungen buchstäblich im Dunst verschwinden. Die wenigen nutzbaren Tage blieben Ausnahmen.

Und dennoch: Die Atmosphäre am Platz, die gegenseitige Unterstützung und der internationale Austausch machten den Aufenthalt erneut besonders. Deutsche, tschechische und polnische Pilotinnen und Piloten helfen einander selbstverständlich – beim Aufrüsten, in der Werkstatt oder bei der Organisation. Sprachbarrieren spielen dabei kaum eine Rolle.

Traditionell lädt der Aeroclub Jeseník zum gemeinsamen Gulaschessen ein – ein fester Termin im Lagerkalender. Ebenso geschätzt wird der Besuch von Organisatorin Vlasta Lasovská und ihrem Mann Petr, die seit Jahren maßgeblich zum Gelingen des Wellenfluglagers beitragen.

Blick nach vorn

Auch wenn 2025 kein Rekordjahr war: Die drei Wochen im Altvatergebirge haben erneut gezeigt, dass erfolgreiche Fliegerei nicht nur in Höhenmetern gemessen wird. Kameradschaft, internationale Verbundenheit und die Faszination anspruchsvoller Gebirgsmeteorologie prägen das Erlebnis mindestens ebenso stark.

Die Planungen für 2026 laufen bereits. Denn eines ist sicher: Wenn die Welle wieder steht, wird Jeseník erneut zum Treffpunkt europäischer Wellenpiloten – und zu einem Ort, an dem Flieger-Freundschaften und Begeisterung für den Segelflug neue Höhen erreichen können.

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