Kreuz und quer durch Mitteleuropa (1)

Autor Holger Leicht.

Ein Monat Wandersegelflug
Erstmal: Warum überhaupt Wandersegelflug? Ich habe auf Wettbewerben (mehr oder weniger erfolgreich) nach dem Erwerb des Segelflugscheins viel gelernt. Aber irgendwann war der Frust über Urlaubstage, deren Ablauf aus aufbauen, Wasser tanken, Briefing x-Mal verschieben, Wasser wieder ablassen und abbauen, bestanden, zu groß und das „Erlebnis“ in bekannter Landschaft und dem einzigen Reiz im Vergleich von plus/minus x Kilometern und Stundenkilometern doch überschaubar…

Die Erlebnisse in den vergangenen Jahren waren im Vergleich im Wandersegelflug  unbeschreiblich. In diesem Jahr war es bereits die 18. Luft-Wanderung – diesmal mit viel mehr verfügbarer Zeit als sonst. Zwei Monate! Die Vorbereitung und Vorfreude begannen schon Wochen vorher.

Die Checkliste ist über die Jahre (seit 2011) kontinuierlich gewachsen. Sie wird zwar immer wieder optimiert, aber eigentlich bleibt mittlerweile nix mehr Wichtiges ungewollt daheim. Sie enthält natürlich auch Karten vorbereiten (ja, ich bin da altmodisch, weil man in den Karten viele Kommentare und Hinweise „speichern“ kann und aus meiner Sicht nen größeren Überblick hat).

Viele unserer Nachbarländer stellen ihre Original-ICAO-Karten online zur Verfügung und der Rest (den man evtl. doch mal erreichen könnte) ist bei Openflightmaps zu bekommen – als Backup quasi. So verballert man nicht Hunderte von Euros für gekaufte Karten, die man am Ende zu 80% nicht verwendet. Und das Plotten beim Plotservice im Netz kostet nicht mehr viel.

„Flieger vorbereiten“ war dieses Mal auch spannend. Kurz vorher noch eine deutliche Leckage am Motor und der Transponder (mein Lieblingsspielzeug) fiel dann zwei Wochen vorher auch noch aus und musste eingeschickt werden. Mit viel Unterstützung von außen (vielen Dank an Sven und Frank) lief aber kurz vorher wieder alles. Die immer noch unerklärbaren Aussetzer im Powerflarm musste ich aber die ganze Zeit über ertragen – immerhin hat es durchgehalten.

Kurz bevor es losging, gab es dann aber auch Gedanken wie „was mache ich da eigentlich?“. Zweifel, ob das Wetter gut wird. Was, wenn es wochenlang nur regnet? Und ob ich mich vier Wochen allein durchkämpfen muss? Aus der Whatsapp-Gruppe derer, die seit Anfang des Jahres motiviert waren, blieben dann am Ende doch vier übrig. Dafür kamen teilweise spontan noch „Fremde“ dazu. Also ging das geführte Reisen mit Holger-Tours los……

16.6. Über Fulda nach Pilsen
Los ging es in Malmsheim, meiner fliegerischen Heimat. Im Spessart traf ich mich dann wie geplant mit Achim Besser. Über Fulda und um die Wasserkuppe ging es nach Tschechien. Über den Thüringer Wald hinweg nach Letkov/Pilsen. Prag anschauen ging leider nur ganz aus der Ferne, weil die Luft sehr trübe war (aber was nicht ist…).

Die Piloten aus Pirmasens, mit denen ich am Tag davor schon geschrieben hatte, zogen es auch durch. Gemeinsam gings dann erst mal in den Pool und dann – ob wir wollten oder nicht – mit lautem Hardrock im Bolt-Express in die wunderschöne Altstadt von Pilsen zum Essen und anschließend zum Frühstück-für-den-nächsten-Tag-einkaufen. Geschlafen wurde in zwei einfachen, aber schönen Zimmern, sogar mit Blick auf Pilsen (wenn man sich bissl aus dem Fenster lehnte). Dass wir den Schlüssel fürs Vereinsheim bekamen und die Alarmanlage aus blieb, war selbstverständlich. Und auch sonst eine superfreundliche Stimmung mit sehr viel fliegerischer Aktivität am Platz.

17.6. Im Tiefflug durch Tschechien über die Donau nach Mauterndorf

Am nächsten Tag ging es dann nach einer kleinen Expedition in die TMA von Prag (in die man laut der Locals von Pilsen keine Freigabe bekommt) bei niedriger Basis durch Tschechien, die TMA von Budweis, an den Moldau-Stauseen vorbei Richtung Süden.
Der Sprung über die Donau war überraschend einfach, weil schön entwickelt. Nur waren die Wolken in den Alpen dann so niedrig, dass wir uns eher vor den Alpen entlang hangeln mussten als darin zu fliegen, bis die Basis wieder anstieg und die Steigwerte besser wurden. So schafften wir es dann bis Mauterndorf. Abends war „die Pilsen-Truppe“ wieder vereint und übernachtete in der Pension nicht weit vom Flugplatz.

18.6. Nach Budapest/Farkashegy durchgekämpft

Am Tag drauf trennten sich dann die Wege – zumindest nach anfänglich schwieriger Thermik-Suche im Blauen. Zweifel an der Reiseleitung wurden auch laut. Aber die liess sich (zum Glück) nicht beirren. Die Pfälzer flogen leider nicht mit nach Ungarn, weil es in Farkashegy (unserem Ziel) auf Nachfrage keinen F-Schlepp gab. Der Weg nach Osten war dann auch erstmal recht zäh, bevor es dann schöne Wolken hatte – zumindest bis zum Ende der Alpen. Ab da wurde es dann weniger einladend. Die Wolken, die in der Ferne lockten, verschwanden schneller, als wir hinkommen konnten. Die Reiseleitung kam ins Grübeln. Mit Budapest Information und Freigabe durch den Luftraum von Papà [Papo] ging es langsam im Blauthermik-Suchmodus weiter – Spürhund Achim war beeindruckend zielsicher.

Der letzte rettende Bart ließ trotzdem bis auf 400m AGL runter wenige Kilometer vor dem Ziel auf sich warten. Stefan, der sich dann doch noch unbedingt mit „reinreiten“ lassen wollte, war eine halbe Stunde hinter uns, musste sich alleine durchkämpfen und hat leider den letzten Bart nicht bekommen und musste zünden. Aber toll, was Gruppenzwang so alles möglich macht. In der Platzrunde wurden wir dann mit dem Blick über den Hármashatárhegy (deutsch: Dreiländer-Berg) am Stadtrand von Budapest belohnt und konnten die Stadt aus der Nähe fotografieren – beeindruckend mit dem Parlament und den bekannten Sehenswürdigkeiten. Dass am Platz eine Hälfte der Bahn „gar nicht so super“ landbar ist, wusste natürlich niemand und das haben uns die Locals auch vorher nicht gesagt. Stand auch nirgends…

Am Platz gab es dann ein paar Zimmer mit Betten, die zwar schon ein wenig eingestaubt waren und auch Schnaken gab es genug (Hilfeeeee). Aber vorher holte uns mein ungarischer Freund Gergely, dem ich schon seit Jahren verspreche, mal zu ihm hinzufliegen, mit dem Auto ab. Ziel erreicht – ab nach Budapest zum Essen.

In der morgigen Folge führt die Reise dann über den Plattensee zurück in die Alpen.


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3 Gedanken zu „Kreuz und quer durch Mitteleuropa (1)

  1. Peter Schmid

    Für mich auch immer noch die schönste Art der Segelfliegerei – bei Wandersegelflügen bleibt noch ein kleiner Rest Abenteuer. Morgens weiss man nicht genau, wo man abends landet und überhaupt ist alles ein bisschen weniger durchorganisiert. Bin gespannt auf die weiteren Berichte.

    Antworten

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