Einem klimaneutralen Flugbetrieb ist die Segelfluggruppe Bensheim in jüngerer Vergangenheit schon deutlich näher gekommen: Photovoltaikanlage, Elektrowinde, eigenstartfähige Segelflugzeuge mit Elektromotor, was fehlt? Ein „multifunktionales Einsatzfahrzeug mit Elektroantrieb“, mit dem man sowohl schwere Doppelsitzer oder den Rettungsanhänger über den Platz als auch das Seil von der Winde zur Startstelle ausziehen kann.
Während der Vorstand noch diskutierte, ob und wenn ja, zu welchem Preis was möglich wäre, hatte die Jugend einen Plan ausgeheckt: Einen Quad oder Buggy selbst (um-)bauen. Neben den genannten Anforderungen sollte das Gefährt ein robustes Fahrwerk sowie stabiles Chassis besitzen, für jeden unabhängig der Körpergröße leicht zu bedienen, dabei möglichst kompakt sein. Nach intensiver Recherche fanden sie im Spätsommer einen preislich passenden Buggy, mit Anhängerkupplung und (noch) mit Verbrenner-Motor.
Benjamin Ilchmann sowie Marc Ruhl plünderten ihre Urlaubskasse und kauften das Gefährt. Nun wurden Nägel mit Köpfen gemacht, oder besser, die gesamte Werkstatt in Beschlag und der Buggy komplett auseinandergenommen: der Verbrenner-Motor kam raus, ein geeigneter Elektromotor wurde definiert und organisiert, eine neue Motorhalterung gefräst, das Getriebe neu berechnet, designet und passgenau zusammengebaut, der Rahmen abgeschliffen, frisch in „Flugplatzgelb“ lackiert, Sitze, Schalter etc. angepasst, Akkus besorgt.
„In unserem Fall können wir LFP-Akkus (Lithium-Eisen-Phosphat-Akku) nutzen, da wir keine hohe Reichweite brauchen,“ erläutert Benjamin Ilchmann, einer der Hauptorganisatoren: „Diese haben selbst mit größeren Beschädigungen kaum ein Brandrisiko und enthalten keine seltenen Erden. Damit ist der Treibhaus-Gas-Ausstoß und Menschenrechtsverletzungen in der Produktion reduziert.“
Wochenlang, selbst bei besten Schulungswetter, war die Mannschaft unter der Federführung von Marc Ruhl und Konstantin Scheffler hoch motiviert bis teils spät in die Nacht zugange. Das erklärte Ziel: mit den Hauptarbeiten rechtzeitig vor der Wintersaison fertig zu sein, denn dann wird die Werkstatt für die Segelflugzeug-Wartung benötigt. Die jungen Akteure sammelten viel praktische Erfahrung, auch kleinere Rückschläge eingeschlossen. Die „Alten“ ließen sie gewähren und gaben gerne Tipps, wenn Rat gefragt war („Wie bekommt man eine gelbe Werkstatt wieder sauber?“)
Aber die Ausgaben addierten sich. So entstand die Idee, zur Finanzierung des Projektes bei der Crowdfunding-Aktion des örtlichen Energieanbieters teilzunehmen: Pro 10,- Euro werde der Anbieter die eingesammelten Spenden verdoppeln, vorausgesetzt, das vorher definierte Spendenziel werde innerhalb des Aktions-Zeitraumes erreicht. Es wurde erreicht: Binnen 19 Minuten (!) war der digitale Spendenbeutel mit über 5.000 Euro gefüllt.
Die Freude ist bei allen groß: „Jetzt müssen wir nur noch den Motor und die Akkus einbauen. Anschließend stehen Testfahrten an, um zu prüfen, ob die Leistung für den Einsatz wie geplant tatsächlich ausreicht. Und wenn alles passt, können wir endlich einen Haken an unser Projekt machen: den Haken zum Seilausziehen. Dann ist der Buggy für die neue Saison einsatzbereit“, verkündet Organisator Ilchmann stolz.
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