In die Erfolgszone geflogen

Der Flughafen in Schönhagen findet als »kleiner Bruder« des BER seine Nischen. Während der neue Großflughafen BER eine Negativschlagzeile nach der anderen produziert, sind kleine Flugplätze rund um Berlin klar im Vorteil – und nicht selten sogar Corona-Gewinner. Der Umstand, dass die Fußballer des FC Bayern München nicht den BER nutzten, sondern den Flugplatz Schönhagen, um nach einem Spiel gegen Hertha BSC Berlin sicher und ohne Zeitverzug heimzukehren, lenkte kürzlich die Aufmerksamkeit auf dieses Thema.

Die Mannschaft sei hier schon mehrfach gestartet – und nicht nur sie, sagt Flugplatzchef Klaus-Jürgen Schwahn. »Die halbe Bundesliga« habe das schon getan, seit Beginn der Corona-Pandemie laufe das Geschäft. Während der große Linienverkehr um bis zu 75 Prozent zurückging (laut Statistischem Bundesamt von 124,4 Millionen Passagieren im Jahr 2019 auf 31,3 Millionen 2020), wuchs die Zahl der Flüge in Schönhagen um immerhin vier Prozent. Rund 44 000 Starts und Landungen seien im vergangenen Jahr abgefertigt worden, sechs Prozent davon waren Auslandsflüge. »Die Airports waren geschlossen, aber es wurden nach wie vor Flugleistungen abgefordert. Das haben wir übernommen«, berichtet Schwahn.

Sein Unternehmen ist Mitglied einer Interessengemeinschaft von 75 Regional-Fflugplätzen in Deutschland. »In Metropolennähe können die meisten auf eine solche Bilanz verweisen. Und für die Flughäfen in den entfernten Regionen war der Rückgang längst nicht so stark wie der beim Linienflug«, sagt der Chef des Airports Schönhagen.

Charter gelten als schneller und sicherer
Der Linienverkehr ist nicht immer die beste Lösung, wenn es gilt, für relativ wenige Passagiere spezielle Ziele anzusteuern. In einem solchen Fall ist eine Chartermaschine laut Schwahn der schnellere und unter Umständen sogar günstigere Weg. Charterflüge würden daher auch von Prominenten mit besonderen Sicherheitsanforderungen genutzt. Denn entsprechende Konzepte könnten viel einfacher umgesetzt werden als auf einem großen und viel genutzten Linienflughafen. Sogar nach China sei man von Schönhagen aus schon aufgebrochen – natürlich mit mehreren Zwischenlandungen. Denn der Flugverkehr von hier aus hat einen maximalen Radius von 3500 Kilometern. »Nach Nordafrika kommen wir nonstop, über den Atlantik schaffen wir es aber nicht«, sagt Schwahn.

Mit öffentlicher Förderung zum Erfolg
Den regionalen Landeplätzen erging es lange Zeit ähnlich wie vielen Gewerbegebieten: Sie dümpelten vor sich hin, bis »der Knoten geplatzt« war. Doch schon vor 15 Jahren bescheinigte das Wirtschaftsministerium Schönhagen eine »gute Entwicklung«, so wie auch dem Flugplatz in Strausberg. Zum Konzept in Schönhagen gehören neben Geschäftsreisen, Werk- und Charterverkehr auch die Ausbildung von Piloten und der Luftsport. Die 1220 Meter lange Start- und Landebahn wurde auf 1500 Meter verlängert. Inzwischen haben sich 47 Firmen angesiedelt, 190 Flugzeuge sind daneben untergebracht. »Im Moment habe ich keine Baufläche mehr frei«, bedauert Schwahn. Inzwischen ist der Antrag gestellt, weitere 50 000 Quadratmeter als Baufeld ausweisen zu können. Die alte Querlandebahn wird dafür stillgelegt. Der Geschäftsführer will auf diese Weise »genügend Potenzial« für die Entwicklung in den kommenden zehn Jahren schaffen.

Auch inhaltlich begibt sich der Standort gleichsam in neue Sphären. Unter der Überschrift »nachhaltiges Fliegen« ist eine Reihe von Forschungskooperationen entstanden, unter anderem mit der Technischen Hochschule Wildau und der Freien Universität Berlin. Letztere hat zwecks Klimabeobachtung ein Flugzeug in Schönhagen stationiert. Erforscht wird auch das Fliegen mit gespeicherter Elektroenergie, mit synthetischen oder CO2-freien Kraftstoffen. »Das geht auch die Luftfahrt etwas an«, meint Schwahn. Schönhagen liegt zwar einige Kilometer weiter von der Berliner Stadtgrenze entfernt als der BER und verfügt auch nicht über einen S-Bahn-Anschluss. Von einer Konkurrenz zum Linienflugbetrieb am BER könne da bei allem Aufwind keine Rede sein, sagt der Geschäftsführer. Geflogen wird hier gleichwohl schon lange. Es begann Ende der 1920er Jahre mit dem Segelflug, in der Nazizeit entstand eine militärische Flugschule. In der DDR nutzte die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) den Flugplatz, der nach 1990 für Charterflüge und Sportfliegerei ausgebaut wurde. Quelle: ‘ND-aktuell.de‘.

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