
Ende Mai 2026 trieft unsere Vereins-Chatgruppe vor Selbstmitleid. „Wir bräuchten mal wieder Wetter…“, „Überhaupt (mal) würde ich sagen“, „wird Zeit, ist bald schon Juni“. War die bisherige Saison wirklich so schlecht? Ich kann eigentlich nicht klagen. 74 Stunden auf der Uhr (so viel wie nie!), unzählige tolle Erlebnisse, Pfingst-Wandersegelflug bis in die Alpen (und zurück) – nur eben kein 1’000er-Wetter zwischendrin. Aber braucht es das wirklich? Zugegeben: ich habe diese leicht masochistische Ader, quäle mich auch mal gerne durch marginale Bedingungen, bestenfalls ins hunderte Kilometer entfernte Hammerwetter, scheue nicht das „Risiko“ der nicht 100% garantierten Rückkehr zum Startflugplatz.
Klar: Mit Heimkehrhilfe im Gepäck fällt das leichter. Aber noch immer muss man sich den Ruck geben, den „inneren Schweinehund“ überwinden, das Wetterfenster nutzen, anstatt zu warten, bis es sich wieder schließt.




Und genau dafür möchte ich werben! Traut Euch!
Schauen wir uns exemplarisch den 19.4.2026 an. Schlagzeile des Bulletins von Bernd Fischer: „Tolle Luftmasse – nur leider ein wenig feucht“ und weiter: „Die unter Hochdruck kommende Kaltluft kommt nicht signifikant nach Osten voran, denn es bildet sich ein kleines Tief über der Mitte Deutschlands, das die Front vor allem über dem Nordosten später sogar rückläufig werden lässt.“ Und: „Auch der sich aufbauende Hochdruckeinfluss kann nicht verhindern, dass sich eingelagert in die meist hohen Bedeckungsgrade noch einzelne Schauer bilden.“
Angesichts dieser Aussichten sind die meisten wohl im Bett liegen geblieben. Aber ein genauerer Blick lohnte sich! Von Langenfeld aus zeigte TopMeteo eine fliegbare Spur durch die Eifel an die Mosel und weiter ins Saarland. Und die „einzelnen Schauer“ sollten uns nicht schrecken. Dachte ich – dazu später mehr…




Das Besondere an diesem Tag war die wirklich sehr niedrige Basis. Maximal 500–600 m über Grund sind nicht die Welt – eröffnen aber sogar neue Möglichkeiten! So ging es auf direktem Weg unter dem Kölner Luftraum hindurch in die Eifel. Hier fliegt man sonst nie – aber wenn es eh nicht höher geht, dann stört auch der Deckel in 2500 Fuß nicht. Dieser Ritt in Ameisenkniehöhe über Köln und weiter mitten durch die Eifel war schon spektakulär und brachte mir einiges an Feedback: „inspirierend“, „Nerven aus Stahl“, „Respekt!“, „Du bist echt der Härteste!“ …
Dabei war es im Cockpit sogar recht entspannt. Bekanntlich stehen die Aufwinde bei niedriger Arbeitshöhe eng beieinander. Dazu kamen mit frischer Kaltluft, durch Wolken gezeichneter Thermik und Rückenwind die richtigen Zutaten für einen relaxten Flug auch bei niedriger Basis. Landeoptionen hatte ich zudem immer: Nörvenich, Weilerswist, Wershofen, Hinterweiler, Daun. So ging es zügig bis an die Mosel. Und hier öffnete sich der Himmel plötzlich: Hammeroptik mit hoher Basis!




Über Marpingen und quer durchs Saarland ging es nun mitten hinein nach Frankreich und hätte ewig so weitergehen können. Aber ich wollte und musste nach Hause. Wandersegelflug war an diesem Sonntag nicht angesagt und so kehrte ich schweren Herzens kurz vor 15 Uhr um und drehte die Nase in den Wind. Leider dauerte es nun nicht lange, bis ich in echten Schwierigkeiten steckte. Ich traf gegen den Wind die Bärte nicht mehr, musste tief runter, Haken schlagen und verlor wertvolle Zeit.




Als es endlich wieder lief, fand ich die Muße, einen Blick auf das aktuelle Satellitenbild zu werfen. Dieses offenbarte neues Ungemach: In der Heimat waren nicht einzelne Schauer, sondern ganze Schauerlinien durchgezogen und in Langenfeld hatten sie schon mittags den Flugbetrieb eingestellt. So erkurbelte ich querab der Dahlemer Binz jeden machbaren Höhenmeter und glitt dann langsam über die komplett abgeschattete Landschaft gen Heimat. Über Hürtgenwald schauerte es, über Köln schauerte es – einschließlich wunderbaren Regenbogens. Aber ganz im Norden strahlte wieder großflächig Sonne ein. Trotz Gleitzahl 60 würde es allerdings leider knapp nicht reichen, hier anzukommen und wieder Thermikanschluss zu finden. Ein paar hundert Höhenmeter fehlten gegen den immer noch strammen Wind. Das war mir schnell klar und so zündete ich schließlich mitten über dem Fliegerhorst Nörvenich den Jet. Ist man sich dort ja gewohnt😃.





Alles in allem trotz des kurzen Motoreinsatzes ein wunderbarer Flug. Hat sich gelohnt, nicht im Bett liegenzubleiben!
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