Fricktaler Segelflug-Grand Prix

Die Segelfluggruppe Basel-Fricktal organisiert auf dem Flugplatz in Schupfart erstmals einen Segelflug-Grand Prix. 13 Piloten aus der ganzen Schweiz sind dazu angereist – und müssen erst mal auf den Start warten, weil das Wetter nicht mitspielt. Dann aber geht es doch noch los. Ein Augenschein. Ausgerechnet jetzt ziehen auch noch Schleierwolken auf am Himmel über Schupfart. Es ist 13.47 Uhr an diesem Donnerstagnachmittag, und die ersten Piloten wurden eben in die Luft gezogen, um gleich zum Segelflug-Grand Prix Schupfart 2021 zu starten. Schleierwolken sind nicht das, was sie jetzt gebrauchen können. Sie dämpfen die Sonneneinstrahlung und bremsen so die Thermik und die Segelflieger.

Das Wetter – oder genauer: Bewölkung, Regenzellen und Windrichtungen – beschäftigen die Organisatoren des ersten Segelflug-Grand Prix im Fricktal schon den ganzen Tag. Am Morgen hatte OK-Chef Fredy Zulliger die Route für diesen ersten Wettkampf-Tag festgelegt. Von Schupfart über Courtelary und Moutier im Jura weiter nach Wynigen im Emmental zurück ins Fricktal zum Sonnenberg zwischen Zeiningen und Möhlin und schliesslich via Bad Säckingen zurück nach Schupfart. Gut 185 Kilometer mit fünf Kontrollpunkten, welche die Flieger passieren müssen.

Die Piloten müssen auf den Start warten
Nur eben: Lange ist ungewiss, ob das Wetter mitmacht. Fredy Zulliger sagt mit Blick auf seinen Laptop: «Über dem Jura hängen dicke Wolken. Und auf der Alternativroute in Richtung Schaffhausen droht Regen.» Für die Piloten heisst das: Warten. Einige vertreiben sich die Zeit mit Fachsimpeln, tauschen Tipps aus, besprechen die Eigenheiten der Flugroute – oder erzählen lustige Anekdoten aus dem Leben eines Segelpiloten. Dass eine ausserplanmässige Landung auf einer Wiese schon mal zu einer spontanen Einladung zu einem Grillfest führen kann etwa.

Andere liegen im Schatten unter den Flügeln ihrer Flieger und dösen. Hildi Schönmann, Medienverantwortliche des Events, sagt mit einem Lachen: «Das Warten gehört zu dieser Sportart dazu – sie findet nun mal draussen statt.» Wichtig sei, zum richtigen Zeitpunkt wieder bereit zu sein – dann, wenn OK-Chef Zulliger das Okay zum Start gibt. An diesem Nachmittag ist das kurz vor 13.30 Uhr. Die dicksten Wolken über dem Jura verziehen sich langsam, und vom Mittelland her strömt klarere Luft herein. Mit der Gemütlichkeit und Entspannung ist es nun vorbei im Startbereich: Die Piloten ziehen ihre Fallschirme an, programmieren die GPS-Geräte und checken ein letztes Mal ihre Maschinen. Dann geht es los.

Alle starten gleichzeitig
Nacheinander werden die 13 Piloten in die Luft gezogen. Die Motoren der drei Schleppmaschinen heulen fast im Minutentakt auf. Über dem Thiersteinberg, auf 1200 Metern Höhe, klinken die Segelflieger aus. Per Funk kommt von einem der Piloten in der Luft die Meldung: Steigung zwei Meter pro Sekunde. Eine Entwarnung für die Rennleitung. Denn: Das ist ein guter Wert, ist man sich am Boden einig, trotz Schleierwolken.

Um 14.18 Uhr sind alle Flieger in der Luft. Rund 20 Minuten haben sie nun Zeit, eine ideale Startposition zu finden. Dann gibt Fredy Zulliger über Funk das Startsignal. Dieser Massenstart, ähnlich dem bei einer Regatta, ist eine der Besonderheiten eines Grand Prix. Schönmann erklärt: «Bei anderen Wettfliegen sind die Piloten für sich unterwegs, hier fliegen alle gleichzeitig los und die gleichen Kontrollpunkte an.» Das fasziniert auch die erfahrenen Piloten. So etwa Mark Käppeli, seit Jahren Mitglied des Schweizer Segelflug-Nationalteams und oft an internationalen Wettbewerben im Ausland unterwegs. Er sagt: «Dieser direkte und unmittelbare Vergleich mit den anderen Piloten macht für mich den Reiz aus.» Das und die Herausforderung, die Route in möglichst kurzer Zeit zu bewältigen. In der Luft hätten die Piloten keinerlei Erholungsphasen, müssten stets die Umgebung beobachten – und schnell Entscheidungen treffen.

Wolken verraten beste Flugroute
Natürlich, um keinem der Konkurrenten zu nahe zu kommen. Wobei jeder Flieger mit einem Alarmsystem ausgestattet ist. Aber auch, um abschätzen zu können, wo die besten Luftverhältnisse herrschen. Immer auf der Suche nach Thermiken, durch die ein Aufsteigen möglich ist oder die Flieger schnell vorwärtskommen, ohne viel Höhe zu verlieren. Pilot Mark Käppeli erklärt: «Es gilt, die Wolken zu lesen – denn ihre Schattierungen und Ränder zeigen an, wie die Luftverhältnisse sind.» Gelingt einem das, sei das ein wahres Glücksgefühl – «das fühlt sich an wie im siebten Himmel, im wahrsten Sinne des Wortes», sagt Hildi Schönmann. Umgekehrt könne ein Fehlentscheid dazu führen, dass man wenig später mit seinem Segler in einer Wiese sitze. Kurz vor 17 Uhr sind die ersten Piloten zurück in Schupfart. Auf einem Monitor konnten die Organisatoren vom Boden aus stets den Rennverlauf verfolgen, dank eines Tracking-Systems. Quelle: ‘Aargauer Zeitung‘.

Kommentar verfassen