Fragwürdige Taktiken an Segelflug-Wettbewerben

Wie gefällt Ihnen die Vorstellung, 90 Minuten lang an der Startlinie im selben Bart zu kreisen?

Adaptiert von einem Beitrag von Sebastian Kawa auf «facebook» über das Pulkfliegen an den 23rd FAI European Gliding Championships in Békéscsaba, Ungarn vom 17. Juli bis 8. August 2025.

Punklfliegen. Aufnahme von Douglas Jacobs.

Während des Wettbewerbs erlebten wir ständige Annäherungswarnungen, gefährliche Situationen und sogar den Vorschlag, dem Beispiel amerikanischer Formations-Kunstflieger zu folgen. Es wurde mit Strafpunkten gedroht, wenn man nicht diszipliniert in einem Pulk in der Thermik kurbelt. Angesichts der Enge, in der die großen und weniger wendigen Flugzeuge operieren mussten, haben die Piloten meiner Meinung nach außergewöhnliches fliegerisches Können bewiesen.

Stimmt mit dieser Art von Wettbewerb etwas Grundlegendes nicht? Anderthalb Stunden an einem Ort zu verharren, nur um den Abflug so weit wie möglich hinauszuzögern, obwohl der optimale Zeitpunkt für den Start längst klar ist? Eine große Gruppe fliegt eine Route, bei der niemand die Führung übernehmen will, weil der Führende unweigerlich mit einem schlechteren Ergebnis bestraft wird.

Leider ist dieses Szenario eine logische Konsequenz aus der Kombination von maximal langen Aufgaben, klarem Wetter und der lückenlosen Echtzeit-Überwachung durch FLARM und Online-Tracking.

Ich persönlich verabscheue diese Art des Fliegens, was aber nicht heißt, dass wir nicht wissen, wie man das Spiel für sich entscheiden kann. Das haben wir am letzten Wettbewerbs-Tag bewiesen, als wir die anderen Teilnehmer geschickt ausgenutzt haben und praktisch als Letzte die Startlinie überquerten.

Hier sind einige Wettbewerbsregeln, welche zu Punkbildungen führen, einfach erklärt im Überblick:

Regel/FaktorErklärungAuswirkung auf die Taktik
Die Aufgabe (Task)Piloten müssen eine vom Wettbewerbsleiter festgelegte Strecke (z.B. ein Dreieck) so schnell wie möglich abfliegen. Die Tageswertung basiert auf der erreichten Durchschnittsgeschwindigkeit.Je schneller man die Strecke fliegt, desto besser das Ergebnis.
Der Abflug (Start)Nach dem Start im F-Schlepp öffnet sich ein „Startfenster“ (oft 1-2 Stunden). Innerhalb dieses Zeitfensters können die Piloten die Startlinie überqueren, wann immer sie wollen. Die Zeitmessung für die Aufgabe beginnt erst beim Überqueren der Startlinie.Dies gibt den Piloten die Freiheit, auf die besten Wetterbedingungen zu warten.
Thermik und WetterSegelflugzeuge sind auf aufsteigende Luftmassen (Thermik) angewiesen, um Höhe zu gewinnen und die Strecke abzufliegen. Die Thermik entwickelt sich im Laufe des Tages und ist oft am Nachmittag am stärksten.Ein späterer Abflug bedeutet oft stärkere Thermik und somit eine potenziell höhere Durchschnitts-Geschwindigkeit.
Das „Führungs-Handicap“Der erste Pilot, der eine neue Thermik findet, „markiert“ sie für alle nachfolgenden Piloten. Diese können direkt dorthin fliegen, ohne selbst suchen zu müssen. Der führende Pilot verliert Zeit bei der Suche, während die Verfolger aufholen und von seiner Arbeit profitieren.Niemand will der Erste sein. Es entsteht ein taktisches „Wartespiel“, bei dem alle versuchen, als Letzte abzufliegen, um von den anderen zu profitieren.
FLARM und Live-TrackingDas Kollisionswarnsystem FLARM, das die Positionen anderer Flugzeuge anzeigt und Live-Tracking im Internet ermöglicht es Teams am Boden, die Positionen aller Konkurrenten in Echtzeit zu verfolgen und ihren Piloten taktische Anweisungen zu geben.Dieses „legale Spionieren“ verstärkt das Problem, da jeder genau weiß, wo die anderen sind. Es ist unmöglich, sich unbemerkt abzusetzen.

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